zunächst das zwischen Fürst und Volk seit Generationen bestehende gegenseitige Vertrauen, dessen Ergebnis die Gründung eines festen, seit 100 Jahren von der ganzen Welt als unabhängig anerkannten Staates gewesen sei. Sodann wird angekündigt, daß der Skupschtina ein Verfassungsgesetz, sowie ein Gesetz über die Organisation Montenegros in militärischer, finanzieller und religiöser Beziehung zugehen werde. Hinsichtlich der auswärtigen Politik weist der Fürst auf den ihm in Berlin bereiteten Empfang und die durch Kaiser Wilhelm veranlaßte Einrichtung einer diplomatischen Vertretung Deutschlands in Cetinje hin und spricht die Hoffnung aus, daß auch der König von England, gleich der Königin Viktoria, Montenegro Wohlwollen ent- gegenbringen werde. Endlich gedenkt die Thronrede des' guten Verhältnisses zu Serbien und Bulgarien und fordert die Montenegriner auf, die Verfassung hochzuhalten und zu schützen. Nach dem Verlesen der Thronrede legte der Fürst den Eid auf die Verfassung ab.
Lokale, und Provinzielles.
Schlüchtern, 27 Dezember 1905.
—* Vorüber! Weihnachten ist vorüber und wir stehen nunmehr in der Woche zwischen den Festen, die uns dem Jahresschluß und dem Neujahrstage entgegen- führt. Hoffentlich ist das verflossene Fest ein recht gesegnetes und beglückendes für alle gewesen, sodaß man jetzt nach den Tagen behaglicher Ruhe und frohen Genießens mit neuen Kräften zur gewohnten Werktagsarbeit zurückgekehrt ist, die bis auf weiteres nur noch einmal — zu Sylvester und Neujahr — in angenehmer Weise unterbrochen wird.
—* Herrn Karl Schulz, Elektrotechniker von hier, zur Zeit in Frankfurt a. M., erhielt vom Kaiser!. Patentamt in Berlin einen deutschen Reichsgesetz Musterschutz über einen Schlittschuh, derselbe bezweckt schnelleres fortbewegen und verhütet während des Laufes durch eine Vorrichtung das Abreißen der Sohlen und des Absatzes.
—* Wegen des Neujahrsfestes findet in Frankfurt der Hauptviehmarkt am Dienstag den 2. Januar statt.
—♦ Endlich ein langsames Sinken der Schweinepreise ! Die gewiß allerwärts Befriedigung erweckende Erscheinung eines Sinkens der überaus hohen Schweinepreise ist zunächst auf ein sehr starkes Angebot zurück- zuführen, das indessen nur zu gut verrät, wie sehr man in ländlichen Kreisen mit dem Verkauf schlachtreifer Schweine zurückgehalten hat, um in den letzten Wochen den hohen Stand der Schweinepreise nicht zu erschüttern. Jetzt aber, wo die Hausschlachtungen zunehmen und der ländliche Schweinezüchter Geld bedarf, nimmt das Angebot in Schweinen von. allen Seiten ständig zu und drückt auf den Markt. Dieser Rückgang der Schweinepreise ist indes noch nicht dazu angetan, im Verkaufsgeschäft des Schweinefleisches einen größeren Einfluß auf die Preise auszuüben; er ist jedoch ohne Zweifel als feststehend anzusehen, daß bei zunehmendem Angebot schlachtreifer Schweine die Verkaufspreise weiter nach unten tendieren werden und ein neuerlicher Preisabschlag sich auch sofort im Verkauf des Schweinefleisches äußern wird.
—* Am 22. d. Mts. werden 40 Jahre seit dem Tage verflossen sein, an welchem die erste Teilstrecke der Bebra-Hanauer Bahn — die Linie Bebra'Hersfeld — dem Betriebe übergeben wurde. Damals war die Bahnstation Bebra von sehr geringer Bedeutung, da
Eine Jägergeschichte aus Afrika.
Vor der Villa der Freifrau von Utenhagen hielt der turmhoch mit Packeten beladene Postwagen. Der uniformierte Postbote sprang herab, zog unter den vielen Schachteln und Packeten eine ziemlich große Kiste heraus und eilte mit derselben zum kunstvollen, schmiedeisernen Tore des eleganten Landhauses, das _______ „ .
unweit von Fulda auf anmutigem Hügel tronte. Er. ließ, um es in Muße zu lesen, mußte der Diener die drückte auf den Knopf der elektrischen Klingel, welches leere Kiste und alle Spuren der Auspackung fortschaffen, drinnen im Hause mit frohem hellen Klang durch die ~
Räume hallte.
Auch Weihnachts-Glockenton.
Die junge liebliche Frau, welche dieser Ton ans Fenster gelockt hatte, drückte die Hände erregt aus Herz. „Von Kuno" flüsterte sie, und ihr braunen Rehaugen erglänzten in erwartungsvoller Freude. Alsbald erschien ein Diener, welcher meldete, das avisierte Kistchen aus Berlin von dem gnädigen Herrn sei nun angelangt ob er es in das Boudoir bringen dürfe. «Selbstverständlich! Nur herein!" Rief die junge Frau hastig, und bald stand das Kistchen auf einem kostbaren Hocker. Der Diener hatte sorgsam Papier unterlegt, was die Dame mit ungeduldigen Blicken geschehen ließ. Als es der Kunstfertigkeit Peters gelungen war, die Kiste behende zu öffnen und alle Hüllen von der Sendung entfernt waren, stießen Herrin und Diener gleichzeitig einen Ruf des Entzückens aus. Ein wahrhaft imposant großes Löwenfell breitete sich unter den Händen Peters aus, mit einem giganten Kopf, den die Kunst des Kürschners in seiner vollen Pracht zu erhalten gewußt.
„Prachtvoll" sprach Frau von Utenhagen. „Peter, das muß in mein Zimmer, vor die Ottomane'; das Alte Fell vor den Lutherstuhl!"
der Uebergangsverkehr daselbst belanglos erschien. In welchem Maße sich dies in den jetzt verflossenen vier Jahrzehnten geändert hat, .ist bekannt. Heule zählt Bebra zu den wichtigsten und frequentesten Kreuzungsstationen Deutschlands und trotz mehrfacher Erweiterungsbauten sind die Räume der Empfangsgebäude längst zu klein geworden. Schritt gehalten hat mit der Steigerung des Verkehrs die Verbesserung der Bahnhofsrestauration in Bebra — die seit mehreren Jahren von einem tüchtigen Fachmann, Herrn Schwerdt- seger, geleitet wird — und mit dem 1. Rang im Deutschen Reiche einnimmt. Die Tatsache ist in zahl losen Fällen von höchsten und hohen Herrschaften, von Verkehrsbehörden sowie von Passagieren aller Stände längst anerkannt worden, sodaß man selbst im Ausland die in Bebra gebotene Bewirtung zu würdigen weiß. Wie wir hören, liegt es in der Absicht der Königl. Eisenbahn-Direktion zu Frankfurt a. M. verschiedenartige neue Einrichtungen zu treffen, um vom nächsten Sommer ab den Wirtschastsbetrieb im Interesse des reisenden Publikums noch zu erleichtern, namentlich aber die Einnahme von Diners und Soupers einer noch größeren Anzahl von Personen zu ermöglichen.
—* Zur Erhöhung der Betriebssicherheit sollen auf der Bebra-Frankfurter Bahnstrecke die Bahnwärterhäuschen telephonisch miteinander verbunden werden.
* Lieblos. In hiesiger Umgegend, Lieblos, Nieder- gründau, Rothenbergen erhalten jetzt die Landwirte für reine Milch, ohne daß dieselbe einen gewissen Fettgehalt haben muß, im Hause abgeholt 14 Pfg. für das Liter und wird jetzt jeden Tag ein ganzer Eisenbahnwagen in Lieblos verladen.
* In Babenhausen wurde der Stadtrechner Alt- Vater verhaftet. Es werden ihm Unterschlagungen von 20000 Mk. zur Last gelegt.
* Frankfurt. Im Frankfurter Stadtwald wurde eine Diebeshöhle entdeckt, die mit einem Teppich, einem Waschtisch und und sonstigen Geräten wohnlich eingerichtet war. Ein Förster verhaftete vier Leute, schwere Verbrecher, die bereits vorbestraft waren und steckbrieflich verfolgt wurden. Sie gestanden ein, Einbrüche in Frankfurt, Hausen, Eschersheim und Jsenburg verübt zu haben.
* In Marburg wurde ein Einbruch in der Elisabethkirche ausgeführt und Edelsteine im Werte von 5000 Mk. gestohlen.
* In Darmstadt ist ein Fall von Genickstarre konstatiert worden. Vorsichtsmaßregeln sind getroffen.
* In Dittershausen bei Treysa wurde von einem älteren Manne an einem l 2jährigen Schulmädchen ein niederträchtiges Verbrechen verübt Der bis heute noch nicht ermittelte gemeine Kerl lockte das Kind am Eingänge zur „Dittershäuser Höhle" in einen Garten und verging sich an ihm.
* Eine schwere Bluttat ist in dem Dorfe Breuna bei Wolfhagen verübt worden. Die Ehefrau des Tagelöhners Kranz hat des nachts ihren Ehemann, der in angeheiterter Stimmung am späten Abend nach Hause gekommen war, im Bette überfallen, und denselben mit einem dicken Stein getötet. Der' Schädel war zertrümmert. Der Tod ist sofort eingetreten.
* Bon der Werra. In der Umgegend von Eschwege Allendorf, Wanfried u. a. O. ist in den letzten Tagen ein erfreulicher Abschlag an den Preisen für fette Schweine eingetreten.
Peter war mit der kostbaren Last hinausgegangen. Jetzt eilte die junge Frau zu dem Kistchen, in dem sie nervös zu suchen begann. „Es muß doch ein Brief dabei sein," murmelte sie. „Kuno bemerkte doch auf seiner Karte, die er nach seiner Ankunft in Berlin eiligst schrieb, er würde lange und interessant zu schreiben haben. Richtig, da ist der Brief!" Sie hielt triumphirend ein dickes Schreiben in der Hand. Bevor sie sich nieder
So, nun war sie allein, nun begann sie zu lesen: Mein süßes Lieb!
Wie ich dir bereits telegraphisch und durch Post
karte anzeigte, bin ich mit dem guten Johann durch alle Gefahren des Zulukaffern-Appetits glorreich hindurch gekommen und nun wieder glücklich in Berlin angelangt. Ob ich mich jemals wieder einer Expedition dieser Gattung anschließe, weiß ich nicht, vorläufig erledige ich hier die dringendsten Geschäfte, um dann zu Dir, meine holde Asta, zu eilen! Ja ich habe mich genug mit den Zulus herum geschlagen, mich lang genug drum gemüht, diesen Leutchen Johann an- und Menschenfleisch abzugewöhnen. Auch mit Raubtierfellen bin ich für die nächste Zeit genügend versehen und muß doch schließlich auch Anderen etwas Raubtier-Vorrat übriglassen. Du mußt nämlich wissen, daß ich eine ganze Ladung von allen möglichen Fellen selbsterlegter Bestien mit nach Hause bringe, ein Schmuck, der unserer Wohnung ein ganz einziges Relief geben wird. Nur mit dem Fell, das ich dir hier als Vorläufer schicke, hat es seine eigene Bewandtnis und dieses Jagdstücklein muß ich Dir denn doch hier gleich zum Besten geben.
Ich zog also eines schönen Tages mit dem guten Johann, der sich nebst bei vermerkt, auch kolossal auf
Permischter.
— In Ettlingen (Baden) wurde Fabrikant Arthur Wittmer, dessen Anwesen niederbrannte und der Gießermeister Eberhard verhaftet. Die Geschäftsbücher sind bis auf zwei, die man in Petroleum getränkt, vorfand, durch Feuer vernichtet. Die zerstörten Maschinen hatten laut Landesbote" einen Wert von 40 000 bis 50 000 Mk.
— Der Korrespondent des „Standard" in New- York berichtet über eine aufregende Reise des Hamburg- Amerika-Frachtdampfers „Pallanza". Als das Schiff bei seiner letzten Reise 3 Tage von Hamburg entfernt war, brach ein fürchterlicher Sturm aus. Der Dampfer wurde hin und her geschleudert wie ein Kork, und die Käfige einer Menagerie, die auf dem Deck angebunden standen, drohten zu zerspringen. Eine Löwin zeigte die größte Aufregung. Jedesmal, wenn eine Welle das Schiff traf, warf sie sich laut aufbrüllend gegen das Gitter ihres Käfigs. Bald darauf schlug eine große Woge über das Deck, zerriß die Stricke des Löweukäfigs, stürzte diesen um, und es gelang dem aufgeregten Tier aus dem Käfig zu entkommen. Die Seeleute flohen Hals über Kopf vor dem sie verfolgenden .Tiere. Es gelang ihnen, sich unter Deck zu flüchten. Die Bestie war Herr am Deck des Schiffes. Ihr Gebrüll übertönte das Toben des Sturmes. Als die Löwin nach dem Hinterdeck gegangen war, kamen die mutigsten der Seeleute wieder an Deck. Sie trugen auf langen Stangen ein Netz. Dieses breiteten sie aus und trieben damit die wütende Bestie in eine Ecke, wo es gelang, sie in das Netz zu verwickeln. Sie war nun hilflos und konnte in den Käfig zurückgeschleppt werden.
— Die Wettersachverständigen sagen kalte Tage voraus, weil mitten im Atlantischen Ozean Eisberge gesehen wurden. Der Dampfer „Cymbric" der White Star-Linie, der am Freitag in Queenstown eintraf, passierte am 10. Dezember unter Längengrad 47,56 und Breitengang 45,37 einen großen flachen Eisberg von 40 Fuß Höhe. Das Schiff sichtete an demselben Tage einen zweiten Eisberg von mittlerer Größe. Die beiden Berge treiben in der gewöhnlich von Schiffen benutzten Straße und bilden dadurch eine Gefahr für die Schifffahrt. DaS Erscheinen der Eisberge ist außerordentlich früh. In der Regel bricht das Packeis erst im Frühjahr. Daß dies jetzt bereits geschehen ist, läßt auf ungewöhnliche Wetterverhältnisse im hohen Norden schließen.
— Ein englischer Arzt, Dr. Aymard, tritt für die Verwendung von Glas als Verbandszeug ein. Er hat Versuche mit ganz gewöhnlichem Fensterglas gemacht, das an den Rändern abgeschliffen war. Die Glasplatte wurde mit Karbolöl eingerieben und dann auf die Wunde gelegt, die sehr rasch heilte, ohne eine Narbe zu hinterlassen. Der Arzt behauptet, daß sein Verfahren eine ganz bedeutende Ersparnis an Spitalarbeit darstelle, und daß die Wunden in der halben Zeit heilen als nach der alten Art. Außerdem habe die Verwendung von Glas den großen Vorzug, daß man die Wunden sehen und untersuchen könne, ohne den Verband zu öffnen.
— 9000 Mark unterschlagen hat ein Angestellter eines Magdeburger angesehenen Kaufhauses. Bevor er flüchtete, sandte er seiner Frau 3000 Mk; letztere wurde deswegen unter dem Verdacht der Hehlerei verhaftet.
die Heimkunft freute, von unserer Expedition auf ein paar Stunden aus, um bei einem mir bekannten Zulu- häuptling Nachschau zu halten, ob die Sendung Anzüge und Kleider, die ich für die Kerle und ihre Frauen bestellt hatte, schon eingetroffen wäre; es machte mir außerdem kolossalen Spaß, diese schwarzen Ungetüme beiderlei Geschlechts in ihren, possierlichen Ungeschick zu sehen, mit dem sie sich in ihren neuen europäischen Kleidern bewegen. Ich sage Dir, meine kleine Asta, Du ahnst nicht, wie drollig solch ein zum erstenmale als Mensch gekleideter Wilder anzusehen ist.
Als wir fort wollten, sagte Johann zu mir: Die Flinten, Herr Baron." Ach was, meine ich sorglos, es ist kaum eine halbe Stunde Wegs, das wird kaum gefährlich sein!" Johann hängt sich aber doch die Büchse um, und bittet solange, bis ich dasselbe tue. Na, viel Hot diese Vorsicht nicht genützt! Es war ein Heller schöner Nachmittag, nach dortigen Begriffen gar nicht so heiß und wir schritten wohlgemut unserm Ziele zu. Unser Weg führte durch einen dichten, schattigen Wald voll herrlichster, südlichster Vegetation. Wir mußten sehr vorsichtig schreiten, um nicht auf eine jener gefährlichen Schlangen zu treten, die hier in Unmassen in den niedrigen Gebüschen liegen. Plötzlich bleibt mein Johann wie gebannt stehen und zupft mich am Rockärmel, indem seine Augen sich starr auf einen Punkt richten. Und dort aus den Tiefen des dunklen Gebüsches, funkelt uns entgegen ... nun du kannst ja jetzt den Tigerkopf, („Löwenkopf murmelte Asta^- er irrt sich wohl mein lieber Kuno") dessen Anblick dir hoffentlich mehr Freude bereitete, als mir in dem Momente, da ich ihn zuerst erblickte! — (Asta schauerte hier zusammen.) Was war da zu machen.
(Fortsetzung folgt.)