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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

*M 86. Samstag, den 28. Oktober 1905. 56. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

InenMü-i'a finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tein erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Der Kaiser traf am Mittwoch vormittag in Dresden ein. Er wurde vom Könige und dem Prinzen Johann Georg auf dem Bahnhöfe herzlich begrüßt. Beide Monarchen umarmten und küßten sich und fuhren nach dem Vorbeimarsch der auf dem Wiener Platze aufgestellten Ehrenkompagnie durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Schlosse. Bei der Präger Straße begrüßten die städtischen Behörden den Kaiser.

Die hessische Wahlrechtsreform ist gescheitert. Wie aus Darmstadt gemeldet, lehnte die zweite Kammer bei der Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Reform des Landtagswahlrechts den Initiativantrag der ersten Kammer, welcher die Annahme des Gesetz­entwurfs von der Erweitung der Befugnisse der ersten Kammer abhängig machen will, mit allen gegen drei Stimmen ab. Staatsminister Dr. Rothe hatte sich gleichfalls gegen die Annahme des Antrages erklärt, weil er eine Aenderung der Verfassungsurkunde in sich schließe. Damit ist die Wahlreform vorerst greifen.

Der Parteitag der Freisinnigen Volkspartei für Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck nahm folgende Resolution an: Unter Wahrung der Grund­sätze, welche der Parteitag in Wiesbaden durch den Antrag Ablaß zum Ausdruck gebracht hat, genehmigte der Parteitag in Lübeck die mit der deutschfreisinnigen Partei in Kiel getroffenen, von dem Parteitag in Berlin gebilligten Abmachungen vom 15. April bezüglich der Abgrenzung des Arbeitsgebietes beider freisinnigen Richtungen und Aufstellung freisinniger Kandidaten in der Provinz Schleswig-Holstein.

Zwölf adlige polnische Rittergutsbesitzer haben folgende Erklärung beschlossen:Unter dem Eindruck

Will Grpingtsn.

Erzählung von George R. Sims.

Will! Man man sagte mir, Du wärest ver­haftet."

Vater," rief Lizzie,dies ist. Will, unser Bruder, der wirkliche Will!"

John Orpington konnte es nicht verstehen es gab doch nicht zwei Mills?

Der junge Mann sah seine Verwirrung und sagte: Es ist alles richtig, Vater. Jener andere Bursche war ein Betrüger schlimmer als das, den der Schurke versuchte, mich zu ermorden. Er glaubte, er bätte es gethan und könnte sich ruhig für Deinen Erben aus­geben Liz erzählte mir, wie gut ihm dies gelungen. Doch er wird nun nicht mehr viel Unheil anrichten. Er ist zwischen den vier Wänden eines Gefängnisses in Sicherheit gebracht und wird den Lohn für seine Schurkerei erhalten "

Gott sei Dank!" rief Orpington, als erden Sinn dieser Worte erfaßt hatte.Gott sei Dank, daß jener Bösewicht nicht mein Sohn ist! Wäre er es gewesen, ich glaube, ich wäre gestorben vor Scham und Ver­zweiflung." * *

Später erzählte Will bie ganze Geschichte von dem seltsamen Erlebnis, das ihm zugestoßen, nachdem er die Nachricht von seines Vaters plötzlich veränderter Lebens­lage erhalten hatte und ierklärte, wie es möglich ge­worden war, daß ein Abenteurer, dessen Aehnlichkeit mit ihm oft ein Gegenstand der Erörterung in der Kolonie gewesen, den schlau erdachten Plan, sich für John Orpingtons lange abwesenden Sohn auszugeben, hatte durchführen und eine Zeitlang alle Vorteile ge­

der in der letzter Zeit häufig vorkommenden Verkäufe polnischen Grund- und Bodens an Deutsche erklären wir, daß wir keinem Landwirt, der seine Besitzung an Nichtpolen veräußert, unsere Hand mehr reichen, ihn in unser Haus nicht mehr aufnehmen werden, ihn sogar für unfähig erklären, Ehrenrechte auszuüben. Wir erklären ferner, daß durch Wiederankauf deutschen Bodens die Schuld nicht gelöscht wird." Diese Er­klärung wird an sämtliche polnischen Besitzer versandt mit der Bitte, diesen Anschauungen sich anzuschließen. Es wäre zu wünschen, daß solche Gesinnung auch in den Kreisen des Deutschtums der Ostmark zum Gemeingut würde.

Mit dem Befähigungsnachweis hat sich die Generalversammlung des Zentralausschusses der ver­einigten Jnnungsverbände Deutschlands, die kürzlich in Berlin tagte, eingehend befaßt. Bekanntlich hatte eine Gruppe von Handwerkern gegen den den allge- meinen Befähigungsnachweis beiseite schiebenden Beschluß des Kölner Handwerker- und Gewerbekammertages Protest erhoben. Die Mittelstandsvereinigung hatte eine Urabstimmung der Handwerker verlangt, um die Wünsche des Handwerks nach dieser Richtung hin festzustellen. Der Zentralausschuß nahm nach längerer Debatte dazu eine Resolution an, in der er erklärt, daß unbeschadet der weitergehenden Wünsche einzelner Gruppen die Mitglieder verpflichtet werden, auf den Kölner Beschlüssen zu beharren, und in den einzelnen Innungen dafiir zu wirken.

Der Absatz der preußischen Lotterielose sollte sich, nach Mitteilung einzelner Blätter, nach Aus­dehnung der Lotterie auf Mecklenburg und Lübeck so wenig günstig gestaltet haben, daß die fünfte Klasse der 213. Lotterieeinen großen Ueberbestand an Losen aufzuweisen habe". Die offiziöseBerlim Korrespondenz" bezeichnet diese Nachricht als unzu­treffend.

Im Bochumer und Dortmunder Bergwerks­revier fanden 43 Belegschaftsversammlnngen statt, die gegen die verlängerte Sperre von ausständig gewesenen Bergarbeitern Protest einlegten die auf den Zechen zum Aushang gekommene Arbeitsordnung als völlig unzulänglich bezeichneten und für diese die seitens der Berggewervegerichtsbeisitzer ausgearbeitete und der Regierung und dem Bergbaulichen Verein eingehän- digte Arbeitsordnung forderten.

In der letzten Vorstandssitzung der Landwirt- schaftskammer für die Rheinprovinz wurde beschlossen:

nießen können, welche der Reichtum der Familie ihm gewährte.

Sein Vater, John Orpington, erholte sich nämlich nur langsam von dem Schlaganfall, welcher ihn beim Vernehmen der Schreckenskunde getroffen, daß sein Sohn, der ihm seit seiner Rückkehr aus den Kolonien schon so viel Kummer verursacht hatte, als Mörder verhaftet worden wäre.

Sobald er jedoch im Stande war, die Anstrengung einer längeren Unterredung zu ertragen, erfuhr er von seinem wirklichen Sohne alle Einzelheiten des Falles.

Du weißt, Vater," begann Will seine Erzählung, wie sich mein Leben auf der Farm gestaltete. Ich schrieb nicht oft, wenigstens nicht so oft wie ich hätte sollen; aber ich ließ Dich wissen, daß ich gesund und zufrieden war und wenn ich konnte, schickte ich ein wenig Geld nach Hause."

Das tatest Du, Will. Du warst ein guter Sohn," sagte sein Vater, indem er liebevoll die Hand des jungen Mannes ergriff.

Nachdem ich Herrn Wilson, dem Farmer, gezeigt, daß ich Lust zur Arbeit hatte, begannen er und seine Frau Interesse an mir zu nehmen. Sie waren sehr nette Leute, nicht gerade reich, aber doch wohlhabend und freundlich gegen ihre Arbeiter.

Anfangs hatte ich nach den Pferden zu sehen und allerlei Dienste auf dem Hofe und im Hause zu ver­richten. ' Aber eines Tages fügte es der Zufall, daß ich gerade im Zimmer war, als der Farmer sich mit seinen Rechnungen plagte, die ihm immer viel zu schaf­fen machten und ich saß, wie er das Buch ungeduldig und ärgerlich bei Seite schob.

Ich bat ihn, er möchte es mir doch einmal zeigen; vielleicht könnte ich es ausrechnen.

1. der Verwaltung der größeren Städte der Rhein­provinz zu empfehlen, zwecks Erzielung niedriger Fleischpreise die Fleischversorgung der Einwohner unter Ausschaltung des Zwischenhandels nach Wiener Muster selbst in die Hand zu nehmen. Die Landwirtschafts­kammer erklärt sich bereit, in diesem Falle bei dem Bezug von Vieh durch Vermittlung der Viehver­wertungsgenossenschaft in Köln und der Viehzentrale in Berlin mitzuwirken; 2. dein Verbände der rheinisch­westfälischen Konsumvereine zu empfehlen, den größeren Konsumvereinen nahe zu legen, eigene Fleischverkaufs­stellen oder auch Schlachtbetriebe einzurichten, wie sie anderwärts zu sofortigen Preisherabsetzungen geführt haben. Auch in diesem Falle erklärt sich die Kammer bereit, mit Hülfe der landwirtschaftlichen genossen­schaftlichen Organisationen bei dem direkten Bezüge des Biehs von den Produzenten mitzuwirken.

Ausland.

Eine deutsch-englische Verständigung befürwortet die in Marokko erscheinende englische ZeitungAU Moghreb". Das Blatt meint, Deutschland hätte durch sein Eintreten für seine Interessen den englischen gleich­falls einen großen Dienst erwiesen.

Die mit der Prüfung der kirchlichen Trennungs­vorlage betraute französische Senatskommission ersuchte den Unterrichtsminister um Auskunft über die finanziellen Folgen des Gesetzentwurfes. Der Unterrichtsminister beauftragte infolge dessen die Präfekten, baldigst genau festzustellen, welche Rückwirkung die Durchführung der Trennungsvorlage auf das Budget der Departements und Gemeinden ausüben werde.

^ Die Untersuchung des Mdiz-Attentats ist beendet. Die Kommission bereitet einen Generalbericht d.->^,er, sowie über die Untersuchung der armenischen Verschwörungen vor. Die Prozesse dürften jedoch erst nach dem Ramazan beginnen.

Präsident Loubet empfing die ausländischen Delegierten des internationalen Müllereikongresses, die ihm durch den Präsidenten der Nationalen Ver­einigung des französischen Mühlengewerbes Trouhat vorgestellt wurden, und unter denen sich auch Vertreter aus Deutschland befanden. Der Präsident erklärte, daß er mit lebhaftem Interesse den Arbeitern des Kongresses gefolgt sei. Er habe sich dabei überzeugen können, daß diese nicht nur den Schutz wirtschaftlicher Interessen bezweckten, sondern auch eine Annäherung der Völker beförderten. Er habe sich gefreut, daß der

Herr Wilson starrte mich an und seine Frau, welche ihm gegenüber saß, blickte von ihrer Arbeit auf und lachte.

Bitte, mein Herr," widerholte ich noch einmal, lassen Sie mich das Buch sehen. Ich glaube gewiß, daß ich es Ihnen in Ordnung bringen kann."

Kannst Du rechnen?"

O ja, ich habe in der Schule einen Preis im Rechnen bekommen."

Hast Du, mein Junge ?" rief der Farmer ver­gnügt.Nun, wenn Du in diese verwickelten Zahlen Sinn hineinbringst, dann sollst Du hier auch einen Preis erhalten."

Ich ging alle Posten durch und prüfte das Resul­tat durch Gegenrechnung und es dauerte nicht lange, so hatte ich den Fehler herausgefunden.

Es war eine einfache Ausrechnung gewesen, aber sie machte auf den Farmer und seine Frau einen großen Eindruck und hatte zur Folge, daß er mir von nun an die Führung seiner Bücher anvertraute und als er sah, daß ich eine gute Handschrift schrieb, sich auch alle Briefe von mir schreiben ließ. Ich galt viel im Hause und wurde gut gehalten obgleich sie mir nicht viel an Geld gaben.

Jedoch ich war ganz zufrieden; mir gefiel dieses Leben und da ich draußen nicht mehr soviel zu tun hatte, fand ich öfter eine Stunde, die ich zu meiner geistigen Fortbildung benutzen konnte.

Die Männer in jener Gegend waren alle anständige Burschen, aber zu alt für mich. So harte ich nicht viele Gefährten oder Vergnügungen am Orte und benutzte meine freie Zeit zum Lesen und Studieren. Ich war ja immer ein großer Bücherfreund und habe niemals vergessen, daß wir aus besserem Stande sind." (F. f.)