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SchlüchternerMtm g

Erscheint Mittwoch und Samstag, Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

X 85.

Mittwoch, de» 25. Oktober 1905.

56. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die SchMchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

w Schlüchterner )en meisten im Kreise

Inserate N^ da sie die größte Auflage der tein erscheinenden Zeitungen besitzt.

Erfolg, Schlüch-

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat dem Staatsminister und Han­delsminister Möller die nachgesuchte Entlassung aus seinem Amt unter Belastung des Titels und Ranges eines Staatsministers und unter Verleihung des erb­lichen Adels erteilt, den Oberpräsidenten der Provinz Westpreußen Delbrück zum Staatsminister und Minister für Handel und Gewerbe und den Regierungspräsiden­ten v. Jagow in Marienwerder zum Oberpräsidenten der Provinz Westpreußen.

-- Der neue Handelsminister Klemens Delbrück ist am 19. Januar 1856 in Halle a. S. geboren und trat 1877, nachdem er an den Universitäten Halle, Heidelberg, Greifswald und Berlin die Rechte studiert hatte, als Referendar in den Justizdienst; zwei Jahre später ging er zur Verwaltung über und wurde im September 1882 Regierungsassessor. Bis 1885 bei der Regierung in Marienwerder tätig, wurde er mit der Verwaltung des Landratsamt in Tuchel beauftragt. 1886 Landrat dieses Kreises und im Dezember 1891 Regierungsrat beim Oberpräsidium in Danzig, wo er insbesondere das Dezernat für landwirtschaftliche An­gelegenheiten bearbeitete. Nach dem Tode Bcumbachs 1896 wurde Delbrück am 21. Mai desselben Jahres zum Ersten Bürgermeister von Danzig gewählt. Am August wurde er bestätigt, am 14. August in sein ämt eingeführt und am 5. Oktober ins Herrenhaus berufen. Im Oktober 1902 erfolgte seine Ernennung zum Oberpräsidenten der Provinz Westpreußen.

Wie der Minister der öffentlichen Arbeiten den Eisenbahndireklionen mitteilt, hat der Staatssekretär des Reichspostamts sich damit einverstanden erklärt, daß Telegraphenanlagen an Gruben- und sonstigen Privatanschlußbahnen, soweit sie nach dem Ermessen

der Eisenbahnaufsichtsbehörde und für den Betrieb und die Sicherheit der anschließenden Eisenbahnen erforder­lich sind, ohne Genehmigung der Postverwaltung errichtet und betrieben werden. Die Anlagen dürfen nur zum Austausch von Mitteilungen über den Bahn­betrieb und über das beförderte Gut benutzt werden. Der Minister der öffentlichen Angelegenheiten hat die Eisenbahndireklionen angewiesen, geeignete Vorkehrungen zur Verhütung einer mißbräuchlichen Benutzung dieser Anlagen zu treffen.

Der Zentralverein für Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt eröffnet seine diesjährigen Winterarbeiten mit einer Sitzung seines großen Aus­schusses am 27. d. M. im preußischen Abgeordneten­hause. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Neuwahl des dritten Vorsitzenden, Bericht über den zehnten internationalen Schiffahrtskongreß in Mailand, Reform der deutschen Binnenschiffahrtsstatistik und die Frage der Notwendigkeit der Regulierung der schiffbaren Weichselstrecke aus russischem Gebiete. Die beiden letzteren Fragen berühren wichtige Interessengebiete, so daß die vorstehenden Verhandlungen vielseitige Be­achtung finden dürften.

Die Aenderungen der Branntweinsteuerbe« stimmungen, die vom Bundesrat in seiner ersten Plenarsitzung nach der Wiederaufnahme der Beratirngen beschlossen worden sind, beziehen sich hauptsächlich auf die Gebührenerhebungen. So sollest insbesondere Revisionen, Bestandsaufnahmen, Gerätevermessungen und ähnliche Handlungen zu Revisionszwecken gebühren­frei bleiben. Branntweinabfertigungen in den Brennereien, Lagern und Reinigungsanstalten an den Amtsstellen erfolgen in der Regel gebührenfrei. Den Amtsstellen sind die öffentlichen Niederlagen, sowie die allgemeinen, wenn auch nur für einzelne Waren- gattungen steueramtlich erlaubten Lösch- und Ladeplätze innerhalb und außerhalb der Häfen gleichzuachten. Außerdem sind an einzelnen Gebührensätzen Aenderungen vorgenommen. Die neuen Bestimmungen sollen mit dem 1. November d. I. in Kraft treten.

Ausland.

Der PesterLloyd" erörtert die Wiederer- nennung Baron Fejervarys zum Ministerpräsidenten und schreibt:Die konstitutionelle Lösung der Krise ist nur durch Neuwahlen zu erhoffen. Will das Kabinett den Anforderungen des Parlamentarismus entsprechen, so darf es sich nicht auf langes Regieren ohne Par­

lament einrichten und ein System fortgesetzter Ver' tagungen einbürgern." Das Regierungsorgan Magyar Nemzet" weist aus Anlaß der Ernennung Fejervarys darauf hin, mit welchem besonderem Nachdruck die verfassungsmäßige parlamentarische Lösung der Krise in dem königlichen Handschreiben hervorgehoben sei. Jeder Argwohn, als ob beabsichtigt würde, die Unab­hängigkeit Ungarns oder den Konstitutionismus zu verletzen, müsse angesichts dieser kategorischen Erklärung des Handschreibens vollständig schwinden.

In Petersburg wurde ein kaiserliches Manifest veröffentlicht, welches den Frieden zwischen Rußland und Japan verkündet. In dem Manifest heißt es: Gott ließ unser Vaterland die schweren Prüfungen und Schicksalsschläge eines blutigen Krieges erleiden, der vielfache Beweis der Tapferkeit und des Mutes unserer ruhmreichen Truppen in ihrem hartnäckigen Kampfe gegen einen tapferen und mächtigen Feind lieferte. Dieser für alle so schmerzliche Kampf ist beendet. Der Osten unseres Landes wird sich im Frieden und in guter Nachbarschaft mit dem nunmehr zu unserem Freunde gewordenen japanischen Reiche von neuem entwickeln. Indem wir unseren Unter­tanen von der Wiederherstellung des Friedens Mit­teilung machen, sind wir sicher, daß sie ihre Gebete mit den unserigen vereinen werden, daß Gott seinen Segen geben "ge zu unseren großen Arbeiten mit den vom V . erwählten Männern zur Vervoll- kommung des inneren Gedeihens Rußlands. Nikolaus."

Das monteuegrische Amtsblatt erklärt entschieden die in ausländischen Blättern verbreitete Meldung für unrichtig, daß 'Montenegro 40 Kanonen von Italien geschenkt erhalten habe, und stellt fest, daß Montenegro gelegentlich bei einer italienischen Firma Kanonen gekauft habe.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 24 Oktober 1905.

* Anmeldung täglich oder werktäglich auszuführen- der Gesprächsverbindungen im Fernsprechverkehr. Im Fernsprechverkehr können vom 15. Oktober ab zunächst versuchsweise Gespräche, die auf den Fern- linien sich zwischen denselben Teilnehmern täglich oder werktäglich zu derselben Zeit wiederholen sollen, ein für allemal bei den Ferusprech-Vermittelungsanstalten angemeldet werden. Diesen Gesprächen steht ein Vor­rang bei der Herstellung der Verbindungen gegenüber anderen Gesprächen gleicher Gattung, die vor der an-

wm Gvpingtsn.

Erzählung von George R. Sims.

Lizzie hatte längst entdeckt, daß ihr Vater unglück­lich über Willie war und sie teilte seinen Kummer. Sie kämpfte gegen das Gefühl der Abneigung, das sich in ihrem Herzen zu regen begann, tapfer an, doch ver- flebend. Will war zu verschieden von dem Bilde, das ie sich von ihm entworfen und mit jedem Tage wurde er ihr fremder und unangenehmer. Polly versuchte noch, ihn zu verteidigen, aber selbst sie mußte zngeben, daß er sich wenig um seine Familie kümmerte und nur darauf bedacht wäre, möglichst viel von ihrem Gelde auszugeben.

Aber das Schlimmste stand noch aus. Will trat eines Tages in seines Vaters Arbeitszimmer und er­klärte, er müsse sofort fünfhundert Pfund haben. Es handle sich um eine Ehrenschuld weitere Auskuilft verweigerte er dem Vater.

John Orpington war der Verzweiflung nahe. Es war zu grausam! Sein Sohn, sein einziger Sohn richtete sie Alle zu Grunde! Wenn er jetzt schon Summen von dieser Höhe durchgebracht hatte, was würde er in einigen Jahren verbraucht haben? Etwas mußte geschehen, um seiner Verschwendungssucht Ein­halt zu tun, oder es würde ein schreckliches (Silbe nehmen.

John weigerte sich, ihm das Geld zu geben und es folgte eine unangenehme Scene. Der junge Mann rief wütend, er würde sich selbst das Geld beschaffen, indem er einfach mit seines Vaters Rainen unterzeichnete und dieser müßte dann die Folgen auf sich nehmen!

Mit dieser Drohung verließ er das Zimmer, packte seinen Mantelsack und ging, ohne seinem Vater oder

seinen Schwestern Adieu zu sagen, nach London, bei bem Diener die Botschaft zurücklassend, er wisse nicht, wann er zurückkommen würde.

Die darauf folgende Nacht verbrachte John Orping­ton schlaflos in fieberhafter Angst und Unruhe. Und als der Morgen kam, reiste er seinem Sohne nach, entschlossen, ihn zu sehen und darauf zu bestehen, daß er, wenn er ihm noch einmal helfe, von nun an ein anderes Leben beginne. Er wollte auf alle Fälle ferneres Unheil verhüten

Er kannte das Hotel in dem sein Sohn gewöhnlich abstieg und fuhr sogleich dort vor und fragte nach Herrn Orpington.

Der Kellner sah ihn an und holte statt der Antwort den Wirt, der schnell herbeikam.

Sie wünschen Herrn Orpington zu sehen sind Sie ein Freund von ihm?"

Ich bin sein Vater!"

In der Tat! Dann tut es mir leid, Ihnen sagen zu müssen, daß Ihr Sohn heute morgen hier verhaftet worden ist. Die Polizei wird Ihnen jedenfalls weitere Auskunft geben können, wenn Sie sich erkundigen wollen. Ich weiß nichts von der Sache."

Ganz betäubt von dieser furchtbaren Nachricht schlug John Orpington langsam den Weg nach dem Polizei- bureau ein.

Der Inspektor empfing ihn und teilte ihm in Er­widerung seiner Frage mit, der junge Mann wäre auf Grund einer Mitteilung der Polizei in Canada ver­haftet worden.

Weshalb?" fragte der unglückliche Vater mit zit­ternder Stimme.

Wegen versuchten Mordes. Er ist angeklagt" Der Inspektor kam nicht weiter. John Orpington

stieß einen leisen Schrei aus und siel schwer zu Boden. Ein Arzt wurde gerufen. Er stellte einen Schlaganfall fest und befahl die sofortige Neberführung des Patienten in ein Krankenhaus.

* *

*

Als John Orpington zum Bewußtsein erwachte, befand er sich in einem Saale des Hospitals.

Wie lange bin ich hier gewesen?" fragte er eine Pflegerin, die um ihn beschäftigt war.

Nur einen Tag oder zwei wie fühlen Sie sich?"

Ich weiß es nicht ich lassen Sie mich denken. Ah, ich erinnere mich nun mein Sohn"

Still; regen Sie sich nicht auf. Warten Sie, bis der Doktor hier gewesen ist. Wenn Sie jetzt sprechen, wird es Ihnen wieder schlechter gehen."

Diesen Nachmittag wurde Herr Orpington für wohl genug erklärt, Besuch zu empfangen. Die Eintretenden waren Lizzie und Polly, welche auf die Nachricht von ihres Vaters Krankheit nach London gekommen waren und ihn täglich besucht hatten in der Hoffnung, er würde sie erkennen.

Sie bemühten sich, ruhig zu sein, um den Vater nicht aufzuregen und nachdem sie einige Minuten mit ihm gesprochen hatten, sagte der Doktor, man sollte auch den andern Besucher hereinführen, worauf ein junger Mann in das Zimmer trat.

Er war sehr bleich, als ob er soeben eine lange Krankheit überstanden hätte. John Orpington sah ihn betroffen an. Er schien das Gesicht zu kennen und doch

Jetzt ergriff der junge Mann seine Hand und sprach leise:

»Vater, kennst Du mich nicht?" (Fortsetzung folgt.)