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SchlüchtemerMtun g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 21. Oktober 1905

56. Jahrgang.

Fortwährend

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finden in der Schlüchterner Zeitung den »leisten Erfolg, da sie die größte Auflage der int Kreise Schlüch- te>n erscheinenden Zeitungen besitzt.

Zum Geburtstag der Kaiserin.^

(22. Oktober.)

Am morgigen Tage begeht im Kreise ihrer durch­lauchtigsten Faniilie, an der Seite ihres hohen Ge- mals und getragen von der Liebe ihres Volkes unsere erhabene Kaiserin Auguste Viktoria wiederum ihren Geburtstag. Glückwünschend naht sich da von neuem die ganze Nation, um die hohe Frau und ihr Haus auch für das neu beginnende Lebensjahr der Gnade unsres Gottes zu empfehlen.

In unsrer Kaiserin verehren wir das Muster einer deutschen Frau. Wir danken ihr, daß sie ihrem erlauchten Gemahl eine Stätte schönsten Familienglücks gegründet hat, wo es jubelt von hellen, frohen Kin­derstimmen und wo unser kaiserlicher Herr sich von den Mühen seines schweren Herrscherberufes erholt. Das Bild traulichen Familienlebens, das die Bevöl­kerung immer von neuem im Hause des Kaisers vor Augen hat, ist ein unschätzbares Beispiel für alle Klassen und Kreise. Aber nicht als vorbildliche Mutter bloß im eigenen Hause waltet unsere edle Kaiserin. Sie ist eine Landesmutter in des Wortes bester Be­deutung. Ihre jederzeit sich betätigende Barmherzig­keit hat der Kaiserin weit und breit die Herzen erobert. Ihre Fürsorge für die, welche mühselig und beladen sind, läßt sie nicht ruhen und rasten, Wo es gilt, Wunden zu heilen, ist unsre Kaiserin die erste, Da­rum werden der hohen Frau überall, wo sie sich blicken läßt, Liebe und Dankbarkeit entgegengebracht, nicht nur in unserm Vaterlande, sondern auch in der Ferne.

Es ist das große Vorrecht der Trägerinnen des königlichen Diadems, daß sie ihrem Volke voranleuchten dürfen in dem Glänze der Majestät. Die Hohen- zollernfrauen waren zu allen Zeiten treue Hüterinnen

Will Grpington.

Erzählung von George R. Sims.

.Mein Sohn!" rief Herr Orpington und streckte seine Arme aus. Doch plötzlich hielt er inne und sagte: Wie Du Dich verändert hast, Will! Beinahe würde ich Dich nicht wiedererkannt haben.

Ja, Vater," entgegnete der junge Mann lachend, schwere Arbeit da drüben ändert den Menschen und neun Jahre machen einen Unterschied". Er küßte seinen Vater herzlich und wandte sich dann zu den Mädchen.

Ei, Lizzi," rief er,wie Du gewachsen bist und Du auch, Polly! Lieber Himmel, es scheint kaum möglich, daß Ihr die beiden kleinen, jungen Dinger seid, deren ich mich erinnere."

Lizzie's Hand nehmend, beugte er sich nieder, sie zu küssen.

Fast unwillkürlich schrak das Mädchen zurück und ein tiefes Rot überflog ihr Gesicht; doch gleich darauf lachte sie und hielt ihm ihre Wange hin.

Es schien mir zuerst seltsam, lieber Will", sagte sie.Wir sind uns wirklich ganz fremd geworden; aber Du bist mein Bruder und nach und nach werde ich mich daran gewöhnen."

'Ich hoffe es, Liz", sagte Will und dann sah er sich nach Polly um.

Die jüngere Schwester war weniger schüchtern; sie schlang die Arme um ihres Bruders Hals und gab ihm einen richtigen schwesterlichen Kuß.

Inzwischen war das Gepäck hineingeschafft und sie gingen Alle zusammen in das Haus und saßen bald, von alten Zeiten plaudernd, gemütlich beisammen.

Willie hatte im fremden Lande manche kleine Er­lebnisse seiner Knabenjahre vergessen, aber sie kamen

des ihnen anvertrauten Kleinods edler Weiblichkeit. Ihr Leben und Wirken erschöpft sich in ungezählten Werken der christlichen Nächstenliebe, menschlicher Tugendhaftigkeit, opferbereiter Hingabe an ihr Volk, und so hat auch die Kaiserin Auguste Viktoria die Pfade unermüdlicher Fürsorge für unverschuldetes Unglück, für sittliche Volkserziehung, für christliche Lebensführung als ihre Lebenswege gewählt.

Kaiserin Auguste Viktoria will eine stille, doch aufrichtige Dienerin des Allerhöchsten fein; ihr schlichter frommer Sinn sucht vor allem in der Umfriedung ihres Hauses und im Schoße der Familie eine Be- tätigung. Dort waltet sie als Christin, als Hausfrau und Mutter, und barum ist ihr Haus eine Stätte geworden, in bem der seelische Frieden, das Eltern- und Kinderglück, die reine Freude an dem menschlichen Dasein heimisch ist.

Ein Volk, das eine solche Kaiserin besitzt, steht glücklich unter den Nationen der Erde da. Es ist sichtbar begnadet von unserm Gotte. Es kann ihm nicht innig genug danken für die ihm gewährte Gunst. Aber wenn das deutsche Volk sich dessen bewußt wird, werden ihm auch ernste Pflichten auferlegt. Es soll sich würdig zeigen der göttlichen Gnade und würdig seiner Kaiserin und ihrer edlen Werke. Es soll ihr nacheifern in der Fürsorge für die wirtschaftlich und seelisch Schwachen, und eine Hauptaufgabe suchen in der Erfüllung der Pflichten, die das Christentum an jeden seiner Anhänger stellt. Es soll der hohen Frau auch aufrichtigen Dank zollen für ihr Tun und Sorgen, und dies vermag es nicht besser zu tun als durch die Liebe und Treue zum Kaiserhaus, durch die volle Hin­gabe an das Vaterland, und indem es unablässig --emüht ist, diese Liebe zum Vaterlande, zu Kaiser und Reich auch in die Herzen der Jugend einzuimpfen von frühester Kindheit an.

Möge Kaiserin Auguste Viktoria, deren Leben der treuen Erfüllung ihrer Pflichten als Gattin und Mutter, sowie der religiösen, sittlichen und wirtschaft­lichen Bolkswohlfahrt gewidmet ist, auch ferner ein ungetrübtes und ungestörtes Familienglück genießen! Gott segne und behüte unsre Kaiserin!

Deutsches Reich.

In Lindenberg im brandenburgischen Kreise Beeskow-Storlow fand in Gegenwart des Kaisers die Feier der Einweihung des neuerrichteten Königlich Preußischen Aeronautischen Observatoriums statt. Der

in sein Gedächtnis zurück, wenn er daran erinnert wurde und bevor der Tag zu Enve ging, war das Gefühl des Fremdseins zwischen ihnen geschwunden; sie waren sehr lebhaft und voll von Plänen für die Zukunft und der junge Herr aus Canada wurde in alle Rechte des Sohnes vom Hause eingesetzt.

Als die Mädchen am Abend Will und den Vater allein gelassen und sich in ihr Schlafzimmer zurückge­zogen hatten, sprachen sie noch lange von ihremneuen Bruder".

Ist er nicht hübsch, Liz?" fragte Polly.O, ich bin so froh, daß er es ist Du weißt, ich fürchtete, er könnte häßlich und ungebildet sein."

Lizzie konnte nicht leugnen, daß er hübsch wäre; aber so sehr sie sich auch Mühe gab, sie vermochte das unbehagliche Gefühl nicht abschütteln, das sie beschlichen hatte, als er sie das erstemal küßte.

Wodurch dieses Gefühl hervorgerufen worden, hätte sie nicht sagen können. Sie wußte nur, daß Willie nicht so war, wie sie ihn sich gedacht hatte und diese Empfindung wollte nie ganz weichen.

Ein Monat war vergangen, seitdem Will Orpington in den Kreis seiner Familie zurückgekehrt, und sein Vaier war weit davon entfernt, glücklich zu sein.

Er mochte es kaum sich selbst eingestehen, daß er sich in seinem Sohne getäuscht fühlte. Der junge Mann hatte angefangen; Manieren zu zeigen, die ihm nicht gefielen. Er nahm kostspielige Gewohnheiten an, fuhr häufig nach London und gab dort mehr Geld aus, als sein Vater ihm bewilligen konUte. Als Herr Orping­ton sah, wie die Dinge standen, wagte er, Einwend­ungen zu machen, aber Will lachte nur darüber.

Komm, Vater," sagte er, «Du mußt nicht geizig

Kaiser hielt hierbei eine Rede, in der er die Verdienste des Fürsten von Monaco um die Erforschung des Luftmeeres rühmte, und gab bekannt, daß er dem Fürsten die goldene Medaille für Wissenschaft verleihe.

Der Streik der Berliner Elektrizitätsarbeiter hat mit einer vollkommenen Niederlage der Streikenden geendigt. Die Arbeit ist in vollem Umfange auf Grund der Zugeständnisse, die von den Arbeitgebern bereits vor dem Streik gemacht worden waren, wieder ausgenommen worden. Alle die Opfer, die seitens der Ausständigen und ihrer Familien gebracht worden sind, waren also überflüßig. Aufs neue hat der Ausgang dieses Streiks wieder bewiesen, daß Machtproben der Arbeiter an dem Widerstände festgeschlossener Arbeit­geberorganisation zu scheitern pflegen.

Ihre Kaiserliche Hoheit die Kronprinzen sandte der HamburgAmerika-Linie aus Anlaß des auf der Germaniawerft in Kiel stattgehabten Stapellaufes des für die Fahrt nach Mexiko bestimmten großen Passa­gierdampfers folgendes Telegramm: Beglückwünsche die HamburgAmerika-Linie von ganzein Herzen jum Stapellaufe des zu meiner großen Freude nach mir benannten stolzen Schiffes. Möge dieKronprinzessin Cecilie", ein neuer Beweis des Blühens und Gedeihens der Hamburg - Amerika-Linie, auf ihrer Fahrt der Welt verkünden, was deutsche Tüchtigkeit und Rührig­keit zu leisten vermag.

Ueber das Zahlenverhältnis zwischen Richtern und Rechtsanwälten macht die deutsche Justizstatistik folgende Angaben: Im Deutschen Reiche kamen auf 100 Richter am 1. Januar 1905 90 Rechtanwalte gegen 85 i. J. 1903, 84 i. J. 1901, 81 i. I. 1897, 74 i. I 1891, 67 i. J. 1885 und 59 i. J. 1880. Die Zahl der Rechtsanwalte ist also erheblich stärker gestiegen als die der Richter. Verhältnismäßig am meisten Rechtsanwalte hat im Vergleich zur Richter­zahl der Oberlandesgerichtsbezirk Hamburg mit 153 (1903 150), dann folgen die Bezirke Berlin (Kammer» gerichtsbezirk) mit 140 (135), Dresden mit 123 (111), Frankfurt a. M. mit 114 (111), Karlsruhe mit 113 (106), Rostock mit 112 (108) und München mit 106 (97), am wenigsten der Bezirk Nürnberg mit 58 (57), Kolmar mit 57 (50), Kassel mit 55 (53), Augsburg mit 54 (52), Bamberg mit 52 (48) und Oldenburg mit 33 (39) Rechtsanwalten aus 100 Richter.

Den Mitgliedern des westfälischen Provinzial- ausschusses ist eine eingehende Begründung der Vor­lage über die Uebernahme der Garantie für die

sein! Bedenke nur, wie viel verlorene Zeit ich nachzu- holen habe! -

Und er bemühte sich redlich, sie einzubringen. Er verkehrte mit den flottesten und leichtsinnigsten Leuten in der Nachbarschaft. Seine Extravaganzen kannten keine Grenzen. Die teuersten Pferde kamen an, Wagen von allen Arten und Größen und dann verlangte er von seinem Vater, er sollte neue Ställe bauen, da die alten nicht halb bequem und geräumig genug wären.

Er ging auf eine Woche nach London, um dort, wie er sagte, Freunde zu treffen, welche die Reise von Canada in demselben Schiffe mit ihn, gemacht hatten, und obwohl sein Vater ^m eine bedeutende Summe Geldes mitgab, bat er schon nach wenigen Tagen um eine weitere große Zusendung zur Bestreitung ver­schiedener Einkäufe. Bei seiner Rückkehr war er noch verschwenderischer und übermütiger als vorher und er« zählte, er hätte in London ein Haus gesehen, das wie geschaffen für sie wäre. Die Mädchen müßten zum Winter durchaus in die Stadt, um Bälle, Diners und dergleichen milzumachen die nötigen Schritte hätte er bereits getan.

John Orpington war bekümmert über das wüste Treiben seines Sohnes; die Entdeckung aber, daß der­selbe in fast allen bedeutenden Rennen große Beträge gesetzt und fabelhafte Summen verloren hatte, erfüllte ihn geradezu mit Entsetzen.

Sein eigenes Schicksal stand drohend vor seinen Augen und es war eine bittere, demütige Erfahrung für ihn, sehen zu müssen, wie sein Sohn Schritt für Schritt denselben Weg des Verderbens wandelte, den er selbst einst gegangen.

(Fortsetzung folgt.)