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SchlüchternerZeUm g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

L 82.

Samstag, den 14. Oktober 1905.

56. Jahrgang

Fortwährend

werden Bestellungen auf die

KchMchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

fittfreo in der Tchluchterner lHööe <1 Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Schiffahrt und Weltverkehr:

Daß die Völker heutzutage nach immer intimeren Arbeitsaustausch streben, ist auch aus dem von Jahr zu Jahr dichter werdenden Netze der Schiffahrtslinien ersichtlich, und ein kurzer Ueberblick über die Schiff­fahrtslinien für den Weltverkehr dürfte auch in weiteren Kreisen von Interesse sein.

Die Schiffahrtsverbindung nach Südafrika wird durch die deutschen, im Jahre 1900 mit Unterstützung des Reiches erweiterten Afrikalinien der Woermann- Dampfer besorgt. Neuerdings plant Portugal die Gründung einer neuen Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den direkten Verkehr mit seinen afrikanischen Be­sitzungen. Frankreich hat vier regelmäßige Linien nach der Westküste Afrikas, von denen je eine Haupt- und Hülfslinie jeden Monat abwechselnd von Marseille bis Loango (Französisch-Kongo) und von Havre- Bordeaux nach Matadi (Kongostaat) geht.

Die Schiffsverbindung nach Ausstralien vermittelt deutscherseits der Norddeutsche Lloyd durch seine australische Linie, die neuerdings dadurch eine E>« gänzung erfahren hat, daß an die ostasiatische Haupt­linie von Hongkong aus eine Zweiglinie angeschlossen worden ist, die über die deutsch-australischen Hafen, Plätze Saipan (Marianen), Ponape (Ostkarolinen) Friedrich-Wilhelmshaven (Kaiser Wilhelmsland), Her­bertshöhe (Neu-Pommern) pp. nach Brisbane, Sidney und Melbourne fährt. Eine zweite Zweiglinie geht von Singapore aus über Batavia, Makasser auf Celebes pp. nach Sidney, wie die andere Zweiglinie, in vierteljährlichen Pausen. Daneben hat vor einiger Zeit eine Londoner Reederei eine neue Verbindung nach Australien ins Auge gefaßt, indes ist von dieser ein Wettbewerb für die deutsche Australlinie nicht zu

Will Oppingtsn.

Erzählung von George R. Sims.

Es waren die letzten Worte, welche das Ohr des sterbenden Weibes erreichten und ihr Gesicht verklärte sich, als sie dieselben vernahm. Mit neuer Hoffnung im Herzen für ihren Mann und ihre Kinder schlum- merte die Schwergeprüfte ins Jenseits hinüber.

John Orpington hielt seinen Eid; aber er war zu stolz, um als ein veränderter Mann hülseflehend zu Denjenigen zurückzukehren, deren Vertrauen er einst so grausam getäuscht. Er lebte deshalb nach wie vor mit seinen Kindern in denselben Räumen, welche er mit seiner Frau bewohnt halte, ging morgens an seine Arbeit und fam regelmäßig abends nach Hause, während freundliche Nachbarn sich in seiner Abwesenheit des jüngsten Kindes annahmen, so lange die beiden älteren in der Schule waren.

Als die Kinder heranwuchsen, wurde Lizzie des Vaters Haushälterin und Willie erlangte wegen seiner Klugheit und Liebe zu den Büchern den Ruf, ein wirk­lich kleiner Gelehrter zu sein. Polly, die Jüngste, war noch dasBaby" und der Verzug der Familie.

Der Lohn eines Hafenarbeiters ist nicht groß, doch setzte er John in den Stand, die Miete pünktlich zu zahlen und seine Kinder anständig zu ernähren. Als Willie zwölf Jahre alt war und durch seine Begabung die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich zu ziehen be­gann, trat ein Wendepunkt in bem Leben des Knaben ein. Ein Herr bot ihm Gelegenheit nach Canada aus- zuwandern, wo es ihm, nach dessen Meinung, bald ge­lingen würde, sich eine Zukunft zu gründen. Der Knabe brannte darauf, zu gehen und John gewährte seinen Wunsch. Er mochte dem Glücke des Sohnes

befürchten. Auch Japan strebt handelspolitisch nach dem südlichen Teile des Großen Ozeans und baut mit staatlicher Unterstützung die Postdampferlinien des Nippon-Unsen-Kaisha auch nach den Philippinen, Karolinen und Australien immer inehr aus.

In Rußland, das seine handelspolitischen Be­ziehungen zu Persien zu stärken bestrebt ist, hat die Russische Gesellschaft für Dampfschiffahrt und Handel" vor einiger Zeit eine neue Linie von Odessa nach dem Persischen Meerbusen eröffnet, die vom Staate unter­stützt wird. Außer der genannten Gesellschaft sind jüngst vier neue russische Handelsgesellschaften, nämlich dieRussisch-Asiatische Dampfschiffahrtsgesellschaft", die GesellschaftenNeptun",Ruß" undOzean" entstanden, denen es jedoch sehr an Kapital mangelt.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika, deren Handelsflotte zu vier Fünfteln im Küstenverkehr ver­wendet wird, sind eifrig bemüht, direkte Linien nach ihren Absatzgebieten zu gewinnen. Die Carnegie- Kompanie bringt ihre Erzeugnisse an Stahl mit Dampfschiffen durch den Mellandkanal und durch den Lorenzstrom direkt nach Europa, und russisch-ameri­kanische Kapitalisten planen eine direkte Dampferlinie zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten.

Die Frachtausnahmefähigkeit der Welthandelsflotte hat während der letzten zehn Jahre durch die immer mehr hervortretende Vergrößerung der Schiffsdimen­sionen eine Zunahme von 80 Prozent erfahren. Obenan steht England mit einem Tonnengehalt von 15391350, dann folgten die Vereinigten Staaten mit 3849400 To. und Deutschland mit 3369807 To. Die deut che Handelsflotte hat im Jahre 1903 um 144000 To,s im Jahre 1904 um 86560 To. zugenommen. Während sämtliche Handelsflotten der Welt eine Zu­nahme M verzeichnen haben, ist die japanische um 55401 To. zurückgegangen, was wohl auf den Ver­kauf von Handelsschiffen an den Staat während des Krieges und durch Versenkungen von Schiffen zurück- zuführen ist.

Deutsches Reich.

Auf der Fahrt von Pillau nach Glücksburg traf die kaiserliche Jacht Hohenzollern mit Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin an Bord am Montag Abend unterhalb der Halbinsel Hela ein und ging daselbst für die Nacht vor Anker. Dienstag früh 9 Uhr setzte die Hohenzollern die Fahrt nach Glücks­burg fort.

nicht hinderlich sein, denn die Heimat hatte dem Ehr­geize des armen Jungen kein höheres Ziel zu bieten als im besten Falle den Posten eines Laufburschen.

So kam es, daß Willie Orpington auswanderte und er tat wohl daran. Seine Briefe schilderten in glühenden Farben die Erlebnisse im fremden Lande; er konnte nicht genug versichern, wie gut es ihm ging wie freundlich man ihn auf der Farm, wo er ein Unterkommen gefunden, behandelte. Und mit der Zeit verschafften ihm seine Kenntnisse eine bessere Stellung; er mußte die Rechnungen des Farmers besorgen, seine Briefe schreiben und die Handelsgeschäfte leiten. Willie sandte gelegentlich Geld nach Hause, was eine große Hilfe für die Familie war, wenn der Vater in der harten Winterzeit oft keinen Verdienst hatte.

In dieser Weise waren neun Jahre vergangen. Zu der Zeit, da diese Geschichte beginnt, war Willie einundzwanzig Jahre alt und noch in Canada; Lizzie war achtzehn und Polly fünfzehn, und John Orpington noch immer ein Hafenarbeiter.

Der Abend, an welchem Lizzie, da es ein wenig später als sonst geworden, so unruhig der Rückkehr ihres Vaters entgegensah, war im Buche des Schicksals dazu bestimmt, ein sehr erreignisreicher für die Familie zu werden. Der Erwartete kam schließlich und wurde herzlich von seinen beiden Töchtern bewillkommnet; sie machten es ihm bequem in seinem Stuhl am Feuer, rückten den Tisch dicht an seine Seite und stellten das zierlich geordnete, wenn auch einfache Abendessen vor ihn hin.

Nachdem Orpington seine Mahlzeit beendet hatte, zündete er sich eine Pfeife an und bereitete sich vor, den Abend gemütlich mit seinen beiden Mädchen zu verplaudern, die nach der kurzen Unterbrechung ihre

Prinz Eitel Friedrich hat sich mit Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg verlobt.

Kaiser Wilhelm hat au die Witwe des Pros. Ferdinand Freiherr» von Richthofen das nachfolgende Telegramm gerichtet: Ich erfahre soeben durch den Staatssekretär von Richthofen das Hinscheiden Ihres Gatten, des großen Gelehrten. Nehmen Sie und Ihre ganze Familie den Ausdruck Meines herzlichen Bei­leids entgegen und feien Sie versichert, daß ich mit dem ganzen deutschen Volke dem Dahingegaugenen ein ehrendes -Andenken bewahren werde. Gott tröste Sie in Ihrem Schmerze. Wilhelm I. K.

In Leipzig hat der Parteitag der Deutsch- Sozialen stattgefunden. An erster Stelle sprach Ab­geordneter Lattmann-Kassel über die Aufgaben des Staates auf dem Gebiete des Kartellwesens. Ferner hielt das Mitglied der Hamburger Bürgerschaft Kauf­mann Schack-Hamburg einen Vortrag über die Rechts­fähigkeit der Berufsvereine. Endlich sprachen Lieber­mann von Sonnenberg in einer öffentlichen Versammlung überAusländer und Ausländerei im deutschen Reiche" und Abg. Raab-Hamburg überdie politische Organi­sation des Mittelstandes".

Bei einem in Aachen stattgehabten Festmahl aus Anlaß des goldenen Jubelfestes der katholischen Kongregation jüngerer Herren besserer Stände brächte der Erzbischof Kardinal Fischer-Köln einen Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser aus. Er erinnerte an Karl den Großen, den Gründer des ersten deutschen Kaiserreiches, nnb führte dann aus, daß nach dem Untergang des alten deutschen Reiches der alte Bar­barossa wieder in den Mitgliedern des erhabenen Hauses Hohenzollern erwacht sei. Das neue Reich sei anders geartet als das alte, es sei ein der neuen Beil entsprechendes Kaisertum, dem alle zujubelten, die ein Herz für Deutschlands Größe und Herrlichkeit hätten auch die deutschen Katholiken. Er erinnerte dann an die bekannte Aachener Kaiserrede und nannte Kaiser Wilhelm H. einen wahrhaft herrlichen Kaiser, dem alle von Herzen zujubelten.

Wie die Kyffhäuser Korrespondenz mitteilt, hat der Vorstand des Kyffhäuser-Bundes der deutschen Landes-Kriegerverbände an den Reichskanzler Fürsten von Bülow ein Schreiben gerichtet, worin er bittet, den an den Kämpfen in den Schutzgebieten beteiligten Marineteilen und Schutztruppen zur Kenntnis zu bringen, daß die sechste Vertreterversammlung des Kyffhäuser-Bundes, . voll Bewunderung über die

Arbeit um so emsiger fortsetzten.

Hin und wieder wandte sich das Gespräch den alten Zeiten zu. Polly wurde nicht inüde, von dem schönen Hause zu hören, in dem ihre Eltern einst gelebt hatten. Für sie war die Geschichte der Vergangenheit gleich einem Feenmärchen und sie erklärte, es freute sie, zu wissen, daß sie einstetwas Besseres" gewesen wären.

Während sie noch miteinander sprachen, vernahmen sie ein Klopfen an der Küchentür Küche und Wohn­zimmer bilden in diesen Häusern nur einen Raum und Polly, vermutend, es sei eine der Mitbewohnerinnen, die 'mit ihnen schwatzen oder sich irgend ein Wirtschaft^ gerät leihen wolle, rief lautherein".

Zu ihrem Erstaunen erschien jedoch in der geöff­neten Tür ein großer, schlanker, junger Mang, welcher ihnen gänzlich unbekannt war.

Verzeihen Sie, wenn ich mich irren sollte," sagte der Fremde, seinen Hut abnehmend.Aber ein Mann, den ich auf dem Flur traf, sagte mir, daß hier ein Herr John Orpington wohne.

Ganz richtig, mein Herr," erwiderte Orpington, sich erhebend.Darf ich fragen, was Sie zu mir führt?"

Nur einige Fragen, die ich Ihnen vorlegen möchte und durch bereu Beamvortung sie mich verpflichten würden. Gestatten sie, daß ich einen Augenblick Platz nehme?"

Polly brächte einen Stuhl für den jungen Mann, der sich bescheiden auf der äußersten Ecke desselben niederließ und, in die Tasche seines Rockes greifend, langsam ein Bündel Papiere zum Vorschein brächte.

In Polly's geschäftigen Hirn blitzte ein Gedanke auf. Wie, wenn dieser junge Mann gekommen war, ihnen irgend ein großes Glück anzukündigen, das der Familie plötzlich zugefallen. (Forts, folgt.)