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SchWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

jte 8L Mittwoch, den 11. Oktober 1905. 56. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

Incaitüin finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Anunge der im Kreise Schlüch- tWr erscheinenden Zeitungen besitzt.____________________

Deutsches Reich.

Der Kaiser und die Kaiserin trafen mit der Prinzessin und dem Prinzen August Wilhelm am Samstag Mittag 12'/, Uhr in Königsberg ein; der Kaiser und der Prinz begaben sich zum Frühstück in die Kaserne des 3. Regiments. Die Kaiserin und die Prinzessin speisten im Salonwagen und begaben sich dann nach dem Schloß.

DerKölnischen Zeitung" wird aus Karlsruhe vom 3. Oktober telegraphierte Schon vor einigen Wochen war die Veröffentlichung einer Denkschrift über die Personentarifreform und die Einberufung des Eisenbahnrates zu deren Beratung angekündigt worden. Wie wir neuerdings von unterrichteter Seite hören, ist die Denkschrift, die unter Beibringung eines aus­führlichen statistischen Materials die Notwendigkeit der Reform begründet und zu der Frage der Kilo- mtterhefte und der vierten Wagenklasse Stellung nimmt, fertiggestellt. Mit der Versendung soll jedoch gewartet werden, bis sich die Ergebnisse der in der nächsten Woche stattfindenden Betriebsmittelkonferenz übersehen lassen, die insofern von besonderer Bedeutung sein dürften, als dabei über die neuen, von der bayerischen Regierung ausgehenden Vorschläge beraten werden soll. Bei bem engen Zusammenhänge zwischen Be- triebsmittelgemeinschaft und Personentarifreform wird voraussichtlich das Schicksal der ersteren mitbestimmend auch für die Personentarifreform werden.

Dem Frankfurter Generalanzeiger wird aus Darmstadt gemeldet: Der Finanzausschuß der Ersten hessischen'Kammer hat mit großer Majorität beschlossen,, die «Iesetzesvorlage über die Kommunalsteuerreform abzulehnen und an die Regierung zurückzuweisen. Damit ist die hessische Steuerreform voraussichtlich als gescheitert anzusehen.

WM Oppingtsn.

Erzählung von George R. SimS.

Nachdruck verboten.

Polly, meine Liebe, lauf doch und sieh nach der Wirtschaftsuhr, willst Du? Ich bin so in Sorge um Vater. Es muß längst halb sieben sein."

Polly Orpington, ein großes hübsches Mädchen von fünfzehn Jahren, welche eifrig an einer Nähmaschine beschäftigt war, unterbrach für einen Augenblick ihre Arbeit und den fröhlichen Gesang, womit sie dieselbe begleitet hatte, und sah lächelnd zu ihrer älteren Schwester hinüber.

Welch ein ängstliches Gemüt Du hast, Liz," sagte sie;Du fürchtest immer, es könne etwas geschehen, Vater wird gewiß gleich nach Hause kommen, und ich bin überzeugt, es ist noch keine halbe Stunde her, seit eS sechs schlug."

Lizzie Orpington gab zu, daß sie ängstlich wäre, aber es war immer ihre Gewohnheit gewesen, sich um den Vater zu sorgen, und in früheren Zeiten hatte das arme Mädchen guten Grund gehabt, unruhig zu sein, wenn er später heimkehrte. Er war dann sicher im Wirtshause geblieben, um dort seinenThee" einzu- nehmen und sie wußte, was das zu bedeuten hatte.

Seit zehn Jahren lebten die Orpingtons in der kleinen, dunklen Straße im Süden Londons, in den drei Räumen, welche sie noch jetzt innehatten. Ihr Haus, obwohl zu den armseligen Spelunken jener Gegend gehörend, war eines der besten und ihre Wohnung vielleicht die netteste und gemütlichste in der ganzen Nachbarschaft.

Die Geschichte der Familie war traurig, aber durch­aus nicht ungewöhnlich. Denn die entlegenen Stadt­

Die Geschäftsstunden der Standesbeamten sind nach Erlaß des preußischen Ministers des Innern dahin geregelt worden, daß nach Maßgabe des Ge­setzes vom 14. April d. I. eine Verpflichtung der Standesbeamten zur Abhaltung von den Geschästs- stunden an Sonntagen nicht mehr besteht. Wenn indessen die Standesbeamten auf dem Lande, wo zur Erreichung des Standesamtes häufig weitere Wege zurückzulegen sind, den beteiligten Personen nach wie vor Gelegenheit bieten, zu den auf dem Standesamte zu erledigenden Geschäften, insbesondere in eilbedürf- tigen Angelegenheiten, auch die Sonntage zu benutzen, so ist dagegen nach einem kürzlich ergangenen Ministerial-Erlasse nicht nur nichts einzuwenden, sondern es würde ein solches Verfahren ganz im Sinne des Gesetzgebers liegen, der mit der neuen Vorschrift die Standesbeamten lediglich der Verpflichtung entheben wollte, am Sonntage allein zur Entgegennahme der Anzeigen von Totgeburten Amtsstunden abzuhalten.

Für die hessischen Landtagswahlen wurden zwischen den Führern der Nationalliberalen und des Zentrums Verhandlungen angebahnt, die bezwecken, sich in gefährdeten Wahlkreisen der Sozialdemokratie gegenüber gegenseitig zu unterstützen. Dieses Vorgehen muß mit großer Freude begrüßt werden uud sollte dem gesamten Bürgertum für künftige Fälle als Vorbild dienen.

Die Textilarbeiter in Gera beschlossen in einer Anzahl von Betrieben zu kündigen. Die voraussicht­liche Folge wird sein, daß die übrigen Betriebe des Webereiverbandes auf Grund eines Konventialbeschlusses zur Aussperrung schreiten. In Betracht kommen 20000 Arbeiter.

Nach den amtlichen Listen wurde 1903/04 7201 Militärpflichtige für die Marine ausgehoben und 3381 traten freiwillig ein, darunter 1773 vor Beginn des militärpflichtigen Alters. Unter den freiwillig eingetretenen waren 615 Einjährig-Freiwillige. Unter den Ausgehobenen stammten, nach einer Zusammen­stellung derInternationalen Revue", 2864 Mann aus der seemännischen und halbseemännischen Be­völkerung; hier dominierten Schleswig-Holstein und die Hansestädte mit 786, Pommern 534, Ostpreußen mit 400, Westpreußen mit 366 und hannoverscher Landesteil mit 254 Mann. Die Aushebung in diesen fünf Armcekorpsbezirken ergab von 2864 Ausgehobenen allein 2340 Köpfe. - Die meisten Freiwilligen stellten Schleswig-Holstein und die Hansestädte, nämlich 700;

viertel Londons find voll von solchen Unglücklichen, die entweder durch fremdes oder eigenes Verschulden ins Elend geraten sind. Vermischt mit der armen Bevöl­kerung, mit den Taglöhnern und Handwerkern, die Generationen hindurch gewöhnt sind, sich in mühsamer Arbeit ihren Lebensunterhalt selbst zu erwerben, findet man Männer und Frauen, welche bessere Tage gesehen haben: heruntergekommene Gelehrte und bankerotte Kaufleute, die jetzt durch Bettelbriefe oder kleinen Ge< müsehandel ihr Leben zu fristen suchen, entlassene Mili­tärs, Leute aus guten Familien, welche durch einen zügellosen Lebenswandel die Liebe und Teilnahme ihrer Freunde verscherzt haben und nun genötigt sind, hart zu arbeiten, um sich und ihren Kindern ein Stück Brot und ein Dach über ihrem Haupte zu verschaffen. Ich habe einen Geistlichen gekannt, der sich durch Anfertig­ung von Kinderspielzeug, das er in den Straßen feil­bot, kümmerlich ernährte, während seine Frau bei den benachbarten kleinen Kaufleuten geringe Dienste ver­richtete. Der Bruder dieses Mannes bekleidete zu der­selben Zeit eine sehr hohe geistliche Stelle und die Verwandten der Frau bewegten sich in der besten Ge­sellschaft. Leute dieser Art kommen nicht mit einem Male an den Rand des Abgrundes; sie sinken von Stufe zu Stufe, bis sie endlich in diesen Höhlen des Lasters und der Armut Unterkunft finden. Ihnen Geld zu geben, wäre nutzlos und gefährlich es würde doch nur ins Wirtshaus wandern. Das ist die Geschichte von neun Zehnteln der Verarmten, welche die billigen Mietshäuser in den engen Hintergasfen der Großstadt bewohnen.

Auch John Orpington, der Vater der beiden Mäd« chen, welche so ängstlich mit dem Abendessen auf ihn warten, gehörte zu dieser Klasse. Zwanzig Jahre früher

es folgen dann der hannoversche, der Berliner und der magdeburgische Armeekorpsbezirk. Die Zahl der Freiwilligen zeigt, daß der Drang zur Marine im steten Wachsen begriffen ist.

Wie man in manchen Fleischerkreisen über die Frage der Ringe von Viehhändlern und Viehkommissio- nären denkt, beweist folgende Erklärung in Nr. 199 derMünchener Post":Ich versichere das Publikum, solange dieser Zwischenhandel und diese Praxerherr- lichkeit im Münchener Schlachtviehhofe geduldet wird, kann die Landwirtschaft Vieh erzeugen, so viel es will, und die Grenzen können auch offen stehen, aber die Stadt München wird nie ein billiges Fleisch bekommen.

M. Ettenhuber, Metzgermeister, Lerchenfeldstraße 18."

Ausland.

Die bei der deutsch-französischen Verständigung noch offen gebliebene Frage des Molenbaues in Tanger hat nunmehr ebenfalls ihre Erledigung gefunden, in­dem die französische Regierung die Berechtigung des deutschen Anspruches auf Ausführung des Molenbaues anerkannt hat.

Das französische BlattPetite Gironde" ver­öffentlicht ein Interview eines ihrer Redakteure mit dem spanischen Minister des Aeußern Saint Roman in Madrid, bei welchem sich der Minister sehr be­friedigt und die friedliche Lösung der Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland geäußert hat. Weiter sagt Samt Roman, Spanien werde mit Ge­fühlen der Herzlichkeit, der Loyalität und der Unab­hängigkeit in Bezug auf alle Beteiligten, ohne Rücksicht auf seine Stammeszugehörigkeit und seine Sympathien zur Konferenz nach Algeciras gehen. Bezüglich eines ang-blich zu erwartenden Besuches des Königs von England in Spanien sagt Samt Roman, er glaube daran, könne jedoch über den Zeitpunkt des Besuches nichts sagen.

Im österreichischen Abgeordnetenhause wurde die Dringlichkeit sämtlicher Anträge, betr. Einführung des allgemeinen Wahlrechts, abgelehnt, worüber großer Tumult bei den Sozialdemokraten entstand. Nach Erledigung mehrerer Jmmunitäts-Angelegenheiten und Verlesung des Vertagungsreskripts wurde die Sitzung sodann unter großem Lärm geschlossen.

Im Anschlüsse an eine Berliner Korrespondenz des Pester Lloyd, in der alle Behauptungen über Ein­mischung des Reichskanzlers Fürsten von Bülow oder anderer deutscher Regierungsstellen in innere Ange-

hatte er von seinem Vater ein großes Vermögen geerbt, das in einem bedeutenden Handelsgeschäft angelegt war. Er heiratete ein schönes und liebenwürdiges, vielleicht an Bildung unter ihm stehendes Mädchen, aber ein so echtes, treues und braves kleines Weib, wie es nur irgend einem Mann zu seinem Segen zu Teil werden konnte. Trotz ihres guten Einflusses trieb der junge Orpington unaufhaltsam dem Untergänge ent­gegen. Er war ein geborener Spieler, ein leidenschaft­licher Wetter und Liebhaber des Pferdesports, und um diese Neigungen befriedigen zu können, vernachlässigte er fein Geschäft, vergeudete er enorme Summen und wurde schließlich ein Opfer des schlimmsten aller Laster: der Unmäßigkeit! In wenigen Jahren hatte er sich ruinirt, hatte er sein ganzes Vermögen, Haus und Geschäft verloren und seine Familie an den Bettelstab gebracht.

Anstatt alle Kräfte anzuspannen, um die Vergangen­heit wieder gut zu machen, suchte Orpington im Trunke Vergessenheit für die Gewissensbisse, welche ihn quälten, und die Folge davon war, daß er auch seine letzte Aussicht für die Zukunft, die Stelle in einem kauf- niännischen Geschäft, welche ihm Freunde seines ver­storbenen Vaters verschafft hatten, verlor und als un­verbesserlich seinem Schicksale überlassen wurde.

An Geist und Körper zerüttet, stand er mit einem zarten Weibe unb drei Kindern einem Knaben und zwei Mädchen vollkommen mittellos da; erst nach einiger Zeit der schrecklichsten Not gelang es ihm, Be­schäftigung in den Docks und am Hafen zu finden.

Die arme Frau starb bald darauf Kummer und Entbehrungen hatten ihr das Herz gebrochen. An ihrer Seite knieend, ihre erkaltende Hand in der seinen, schwur John Orpington einen feierlichen Eid, niemals wieder einen Tropfen anzurühren. (Forts, folgt.) ;