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SchlüchternerMun g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

AM Samstag, den 7. Oktober 1905. 56. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die Schtüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

I xu »aojko finden in der Älchltichterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Der Reichstagsabgeordnete Graf Udo Stolberg hat an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in I I welcher er denselben ersucht, um die vorübergehende Fleischteuerung in den großen Städten und in den Industriezentren herabzumindern, eine Ermäßigung der - I Eifenbahntarife für lebendes Vieh herbeizuführen. Die Eingabe geht davon aus, daß der Eisenbahntransport, durch welchen das Produkt dem Konsumenten zugeführt wird, als der letzte Akt der Produktion zu betrachte» ist. Durch eine Ermäßigung der Transportkosten , werde mithin eine Verbilligung der Produktion herbei­geführt, welche, ohne die Produzenten zu schädigen, den Konsumenten zu gute komme. Zugleich müßte eine noch weitergehende Ermäßigung der Transportkosten für frisches Fleisch eingeführt werden, damit die von dem Gesetzgeber beabsichtigteFreizügigkeit des Fleisches," die bisher mehr oder weniger nur auf dem Papier steht, ebenfalls eine verbilligende Wirkung auf den großstädtischen Fleischkonsum ausüben könne.

-- In Gegenwart des Königs von Sachsen, des Prinzen Johann Georg und der Prinzessin Mathilde, , des diplomatischen Korps, der Staatsminister, der Spitzen der Behörden, von Vertretern der Städte Leipzig und Chemnitz und einer Reihe geladener Gäste fand in Dresden die feierliche Grundsteinlegung des neuen Rathauses statt. Oberbürgermeister Dr. Beutler , | hielt eine Ansprache, in welcher er kundgab, daß der ? Staatsminister v. Metzsch zum Ehrenbürger der Stadt Dresden ernannt worden sei. Zum Schluß verlas s Redner die Grundsteinsurkunde. Nach Einmauerung der Urkunde gaben u. a. Hamnierschläge ab der König, Prinz Johann Georg und Prinzessin Mathilde. Der ; König begleitete den Hammerschlag mit dem Weihe­

spruch: Die Inschrift, die unser altehrwürdiges Rat­haus trägt sei das erste Weihewort an diesem Grund­steine: Soli deo gloria! (Gott allein die Ehre!)

Einer der bedeutendsten Maler Deutschlands in der Gegenwart, Professor Andreas Achenbach, Ehren­bürger Düsseldorfs, hat den 90. Geburtstag begangen. Obgleich der Jubilar mit Rücksicht auf seine Gesund­heit gebeten hatte, von einer öffentlichen Feier Abstand- zu nehmen, hatten die Stadt, die Bürgerschaft und namentlich die Künstlervereine es sich nicht nehmen lassen, durch Ausschmückung besonders der Straßen in der Umgebung des Künstlers demselben eine sinnige Ehrung zu bereiten. Seine Majestät der Kaiser über- sandte dem Künstler den Stern zum Roten Adlerorden mit einem Glückwunschschreiben.

Im Gothaischen Landtage kam eine Inter­pellation über die Fleischnot zur Besprechung. Minister Richter erklärte, daß eine Fleischnot nicht existiere, sondern nur eine Fleischteuerung, die auf die vorjährige Futternot zurückzusühren sei. Er sei bereit, etwaige im Bundesrat unternommene Schritte zur Behebung der Teuerung zu unterstützen, doch sprächen große Bedenken gegen eine Oeffnung der Grenze» für aus­ländisches Vieh.

Der PostdampferEleonore Wörmann" mit den von der Studienreise nach Togo und Kamerun zurückkehrenden Reichstagsabgeordneten an Bord ist kürzlich im Hamburger Hafen wieder eingetroffen. Die Studiengesellschaft wurde am Petersenkai, wo der' Dampfer festgelegt hatte, von den Herren Adolf Woermann und Amsinck empfangen. Alle Mitglieder befinden sich in bester Gesundheit; sie äußerten sich hochbefriedigt über den Verlauf der Reise und sprachen ihren Dank für den angenehmen Aufenthalt und die vorzügliche Verpflegung an Bord des Dampfers aus Am Abend reisten die Herren nach Berlin weiter.

Um den Vorbereitungsdienst für die mittleren Stellen im Justizfach in größere Uebereinstimmung mit dem Vorbereitungsdienst für die mittleren Stellen im Finanzfach zu bringen, sind vom Justizministerium Blättermeldungen zufolge neuerdings die Bestimmungen über den Vorbereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsschreiber Gerichtsvollzieher in verschiedenen Punkten modifiziert worden. Wer Gerichtsschreiber bei einem Amtsgericht oder Hülfsgerichtsschreiber bei einem Gericht oder Gehülfe der Staatsanwaltschaft werden will, muß wenigstens drei Jahre mit Erfolg im Vor­bereitungsdienst beschäftigt gewesen sein und hiernach

eine Prüfung bestanden haben. Zum Vorbereitungs­dienst darf nur zugelassen werden, wer das Abgangs­zeugnis einer Realschule mit siebenjährigem Kurs besitzt oder den Nachweis der Reife für die Unterprima eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Ober- realschule erbringt, gute Sittenzeugnisse besitzt, das 18. Lebensjahr vollendet hat und die Reichsangehörigkeit nachweist.

Das Zustandekommen der Arbeiteransiedlungen, welche der Kreis Briesen zur Seßhaftmachung länd­licher Arbeiter zunächst in der Gemeinde Labenz anzu- legen gedenkt, ist, nach derBromberger Ostdeutschen Rundschau", jetzt gesichert, da schon eine größere Zahl von Arbeitern feste Verträge mit dem Kreise abge­schlossen hat. Die Arbeiterstellen sind 4 bis 5 Morgen groß; jede Stelle wird ein schmuckes Häuschen mit Stall und Tenne erhalten. Der Erwerber hat 500 Mark Anzahlung und dann nach Ablauf eines Frei- jahres 180 bis 190 Mark Jahresrente zu leisten, die zum Teil in 40 Jahren, zum andern Teil in 60 Jahren getilgt wird. Hoffentlich ist dieser Versuch, in einer der für den Kampf um den Ostmarkboden wichtigsten Fragen vorwärts zu kommen von nach­haltigen! Erfolge begleitet.

Ausland.

Der russische Minister von Witte ist in den Grafenstand erhoben worden. Diese Erhebung erfolgte, wie es in dem Kaiserlichen Erlaß heißt, in Anerkennung seiner Verdienste um Thron und Vaterland und der vorzüglichen Ausführung des ihm erteilten Auftrages von höchster staatlicher Wichtigkeit sowie als Zeichen besonderen Wohlwollens.

In Anwesenheit von etwa hundert Abgeordneten fast aller österreichischen Kronländer fand in Brünn unter Vorsitz des Bürgermeister von Olmütz, Brand- Huber, ein deutscher Volkstag statt, der einstimmig folgende Resolution annahm: Die deutschen Mährens beharren auf dem Standpunkt, daß alle dem 1904 reaktivierten mährischen Ausgleichsausschusse vorge­legten Angelegenheiten in untrennbarem Zusammen­hang« stehen, und erklären gegenüber der Regierung, welche, anstatt die unerläßliche Ausgestaltung der bestehenden Hochschulen durchzuführen, an die Errichtung neuer Hochschulen denkt, daß sie unter keinen Umständen zugelassen werden, daß über ihre nationalen Interessen ohne ihr Einverständnis entschieden werde. Der deutsche Volkstag fordert die deutschen Abgeordneten

Gut a^etommett

Eine Manische Militär-Humoreske von Berthold Gaben.

Du weißt, ich habe bisher als Weiberfeind gegolten, und Du mußt es wissen, Onkel, ob ich Lucie wert bin; aber das kann ich Dir versichern, wenn ich Lucie nicht bekomme, heirate ich überhaupt nicht, sie ist die einzige, die mich glücklich machen kann."

Ehrhardt, Ehrhardt" sagte der Onkel warm, sei nicht zu voreilig. Offen gestanden, ich habe bei der Wahl, die Lucie treffen könnte, in erster Reihe au Dich gedacht, aber wirst Du schließlich nicht auch gegen meine Lucie die unüberwindliche Abneigung gegen Frauen herauskehren? Dies würde Lucie tödten."

Onkel, hier ist mein Wort als Barberg ich liebe Lucie seit der ersten Secunde, wo ich sie gesehen ich werde sie auf Händen tragen. Erlaube, daß ich um sie werbe."

Gut, mein Ehrhardt, tu es, und wenn sie Dir Liebe entgegenbringt, soll Dir mein Segen nicht fehlen," sagte der Baron und dankbar umarmte ihn der Neffe, der aufgehört hatte, derEiserne" zu sein. Er war weich geworden, wie nur ein verliebter junger Mann mit sechsundzwanzig Jahren sein kann.

Uebrigens sollst Du nicht lange damit warten" fing der Leutnant wieder an.Entschuldige mich ein. mal auf eine Viertelstunde. Werde gleich mal das Terrain sondieren, ob es geeignet ist, heute noch zur Attacke Überzugehen." *

Na, geh mit Gott! Großen Widerstand wirst Du bei dem ahnungslosen Feind wohl nicht finden" meinte der Gutsherr lächelnd.Aber mach es gnädig mit der armen Sucie und erpresse ihr unter dem ersten Eindruck der verwandtschaftlichen Freude kein Geständ­

nis, das Dir nicht als gern entgegengebracht erscheinen mag. Du sowohl wie sie alle Beide sollt Ihr in dieser ernsten Angelegenheit freie Wahl haben."

IV.

Ehrhardt war noch nicht lange weg, als der brave Hannemann eintrat, um in geschäftlicher Beziehung mit dem Baron zu verhandeln.

Haben sie unseren Besuch schon gesehen? fragte der Gutsherr, als die Debatte über die Hafereinfuhr zu Ende war.

Jau," sagte der Biedermann und kratzte sich hinter dem linken Ohr, was so viel bedeutete, daß er noch mehr zu sagen hätte.

Na, wie gefällt er Ihnen?"

O, goanz gaud -- so weit oals ick mi den Heärrn bekieckt heff."

Hannemann, alter Freund, ich sehe schon, Sie haben an ihm was auszusetzen" meinte der Guts­herr lachend.Raus mit der Sprache!"

Gaud. Wenn der Heärr Baron nischt dagegn het, hei is en Windhund," bemerkte der alte Jnschpektr" mit massiver Grobheit.

Wer is een Windyund?"

Hei is eener, der jungsche Heärr Baron!"

Wie so?"

Ick bin mit ehm rugangn von Dei Statschion, un heff ehm seggt, dat der Heärr Leutnant woahrscheinlich das gnädige Fräulein tau Fru kreign dhiet. Woat moacht nu der jungsche Heärr Baron? Hei küßt unen em Goartn doas Fräuln oab, oals wenn hei der Bräut- gam fin dhiete. Ick loat mi freättn, Heärr Baron, der Heärr Leutnant kömmt um sicn Brüt, dei Sak is richtig mang dei Twie. Doas Fräuln küßt ehm wöder."

Der Gutsherr mußte bei dieser Beichte laut auslachen.

Hannemaun," sagte er,wenn der junge Liesse meine Tochter küßt und sie ihn wieder, das freut mich."

Und woat wird der Heärr Leutnant doatau seggen?"

Hannemann, alter Esel, merkt Ihr denn gar nicht, daß der von Euch so schlecht beurteilte 3leffe eben der Leutnant ist" erklärte ihm der Baron.

Woat der is der Leutnant Donnerstag, doä hoab ick mi aber in Finger snitn."

Warum?"

Ick Hess ehm dei Nees noach vor een oarmen Verwandten Hollen, un seggt, wenn der Leutnant oals Wieberfiend nich rangoaht, soll hei mal versoaken, hei könnt dat Geäld söcker besser drucken oals der Leut­nant."

Hannemann, alter Schwede, da sind Sie aber mal ordentlich reingefallen mit Ihren Kenntnissen" rief der Baron auf das Höchste belustigt aus.Das ist köstlich."

Hier wurden sie durch den Eintritt Ehrhardts und Lucies unterbrochen, die Arm in Arni vor den Guts­herrn traten.

Onkel Papa. Die Festung ist gefallen. Fortes fortuna adjuvat!"

Und ist das wirklich war, Lucie, möchtest Du Ehrhardt zum Garten haben hat er Dir Dein Ja­wort nicht mit sankter Gewalt abgepreßt? fragte der Gutsherr das hell errötende Töchterlein.

Ich liebe ihn, Papa, ich weiß er, ich könnte keinen Andern so lieben," hauchte Lucie und innig wurde sie jetzt bald von ihrem Vater, bald von dem gebändigten Weiberfeind umarmt.

Endlich wurde das junge Paar auch des bescheiden bei Seite stehenden Hannemauns ansichtig.

Wenn dei Sak man so is, doan wöll ick oock Glöck