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MüchternerMm g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 30. September 1905.

56. Jahrgang.

Die im 56. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

WA" A m daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der

U1D | || | PPIIPPPIIH im wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden-Lostamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen

I| || | Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Sept. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen,

u 111 u 1 J daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Okt. ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß

nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen- Jede Postanstalt

und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober 1905 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein,

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat dem Erbgroßherzog von Baden, in folgendem Handschreiben seine Ernennung zum Generalobersten mitgeteilt:Durchlauchtigster Fürst, freundlichst geliebter Vetter! Bei Beendigung der dies­jährigen Herbstübungen gewährt es Mir eine besondere Freude, Eurer Königlichen Hoheit, im Gefühl dank­barer Erinnerung und wärmster Anerkennung Ihrer in damaliger Stellung als kommandierender General Meines rheinischen Armeekorps geleisteten vortrefflichen Dienste hierdurch zum Generalobersten zu befördern. Ich verbleibe mit besonderer Wertschätzung und Zu­neigung Eurer Königlichen Hoheit freundwilliger Vetter.

gez. Wilhelm Rex."

DieKölnische Volkszeitung", ein leitendes Organ des Zentrums, hatte schwere Beschuldigungen gegen unsere Kolonialverwaltung erhoben. Von amtlicher Seite ist nunmehr in überzeugender Weise dargelegt worden, datz der Gewährsmann des genannten Blattes Belege für seine schweren Beschuldigungen weder bei- bringt noch überhaupt besitzt, daß er mithin seine öffentliche Anklage in fahrlässiger Weise auf der unzureichenden Grundlage ganz lückenhafter und un richtiger Informationen erhoben hat.

In Wiesbaden ist der 6. Parteitag der Frei­sinnigen Volkspartei eröffnet worden. Die Begrüßungs­ansprache hielt Abgeordneter Schmidt-Elberfeld. Be­merkenswert war die Entschiedenheit, mit der der Redner jede Fusion der Freisinnigen Volkspartei mit andern liberalen Gruppen zurückwies. Es wurde als- danu über angebliche Autokratie in Deutschland, über unser Verhällnis zu England, über Ministerverant­wortlichkeit und anderes mehr geredet. Der Inhalt der Verhandlungen dürfte über den Kreis der Partei­anhänger hinaus kaum irgend jemanden interessieren. An Eugen Richter wurde ein Begrüßungstelegramm geschickt, daß dieser mit herzlichem Danke erwiderte.

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Eine littanische Militär-Humoreske von Berthold Gaben.

Woat, Weiberfeind?!" fuhr der wackere Alte auf. Dann is der Leutnant kein Barbarg. Solche Narrn heff ick in der Familie nich kenn lernt."

Na, ich danke für das Kompliment," dachte sich unsereiserner" Ehrhardt.Jedenfalls wird der Leutnant seine Motive haben", fügte er laut hinzu.

Dei Mative werdn ehm schon uttriebn werdn", sagte Hannemann siegesgewiß.Dei ganze Familie mölt ebn helpen, ehm sone Marottn uner dei 9?eef tau rieben. Oock sei, löver Heärr Baron. Sei möttn gaud taureden, un wenn der Leutnant pardauh nich wöll, dann macken Sei sick ran. Ick gloobe, Sei könnt et brooken. Oaber nischt vor ungaud, Heärr Baron ick segg mien Sproak, wie mi dei Snut Woachsn is."

Der alte ehrliche Hannemann hatte bei diesem väterlichen Rat einen solch unzweideutigen Blick aus die beschmierte Weste und das vonFritze" verunzierte Oberhemd geworfen, daß dem Leutnant voll Beschämung das Blut in den Kopf stieg.

»Gott sei Dank, daß es in der Wirklichkeit nicht so weit ist und daß Alles eine angenehme Aufklärung finden wird," dachte er sich und stellte für den Augen­blick die Betrachtung an, daß ein Litterat der Menschen kennen lernen will, sich gar Manches gefallen lassen muß, das einem weniger Wißbegierigen erspart bleibt. Aber was tut man nicht aus Liebe zur Kunst! philosophierte er weiter und so beschloß er, die von dem Alten verabreichte Pille ohne Widerrede zu verschlucken und die ihm zugestellte Rolle alsarmer Verwandter" der Barbergs weiter zu spielen.

Hinsichtlich der amtlichen Ermittlungen über die bestehende Fleischteuerung und ihre Ursachen wird mitgeteilt, daß im Regierungsbezirk Osnabrück die von den sämtlichen zuständigen Stellen eingegangenen Be­richte ergeben haben, daß im dortigen Regierungsbezirk ein Mangel an Schlachtvieh nicht vorhanden sei. Demgemäß wird die Oeffnung der Grenze für eine Einfuhr aus Holland nicht empfohlen.

Von den 31 Versicherungsanstalten wurden im Juli 1905 gezahlt an Invalidenrenten 8,9 Mill. Mk. gegen 8,3 Mill. Mk. im Juli 1904, an Krankenrenten 246000 Mk. gegen 202000 Mk., an Altersrenten 1,56 Mill. Mk. gegen 1,68 Mill. Mk., an Beitrags­erstattungen 727000 Mk. gegen 648000 Mk., im ganzen an Rentenzahlungen 11,45 Mill. Mk. gegen 10,83 Mill. Mk- Das ist ein Mehr von über 600000 Mk. Die Steigerung fällt, wie gewöhnlich, ganz überwiegend auf die Invalidenrenten; Kranken- renten und Beitragserstattungen geben ein geringes Mehr von zusammen 120000 Mk., während die Altersrenten um den gleichen Betrag zurückgegangen sind.

Ausland.

Die Verhandlungen zwischen Schweden und Norwegen in der Trennungsfrage haben zu einem günstigen Ergebnisse geführt. Das Uebereinkommen ist bereits in allen seinen Einzelheiten veröffentlicht worden. Dasselbe soll jedem der beiden Reichstage zur Billigung vorgelegt werden; es tritt in Kraft, nachdem Schweden Norwegen als einen von der Union mit Schweden losgelösten Staat anerkannt hat. Beide Reiche verpflichten sich, an den Schiedsgerichtshof im Haag diejenigen Streitigkeiten zu verweisen, die nicht ihre Unabhängigkeit, Integrität und vitalen Interessen berühren. Auf beiden Seiten des südlichen Teils der Grenze zwischen Schweden und Norwegen wird eine

Wird mein Onkel zu Hause sein?" wandte er sich nach längerem Stillschweigen an seinen rüstig neben ihm ausschreitenden Mentor.

Jau," antwortete derselbe.Hei is tau Hus und woartet uf den Leutnant. Der hett schriewn, dat hei kömmt, hiet oder morgen. Mein Heärr wird sich freun glick twie Besöke tau kreegn.

In diesem Augenblick rollte ein Jagdwagen heran, in welchem vier Herren saßen. Als der Leutnant vor- beikam, schrie einer von den Insassen:He Barberg, alter Freund! Heh, hoh!" aber der Leutnant tat, als hörte er nicht, wurde jedoch im Gesichte rot wie ein Krebs im heißen Wasser. Der Rufer war kein an­derer gewesen, wie ein Kamerad von dem in Jnsterburg stehenden Infanterieregiment und gerade dieser, der ihn stets am meisten geneckt hatte, der sollte ihn nicht ausfragen.

Als der Angesprochene ruhig fortging, glaubte sich der Kamerad im Wagen geirrt zu haben und fuhr, ohne zu halten weiter, nur der Förster a. D. drehte sich um und schüttelte den Kopf.Nu reden Sei, Heärr Baron!" sagte er.Heffn Sei hört, woat der Heärr tau Sei seggt hett?"

Nein, antwortete der Leutnant, ich konnte bei dem Wagengerassel kein Wort verstehen und den Herrn in Folge des aufwirbelnden Staubes auch nicht sehen.

Hei hett Sei bie Noamen nennt", erklärte der Alte.Nu bestreiken Sie mir, daß dei Barbergsche Nees mich in alle Welt bekannt is."

Der Leutnannt konnte nicht anders, als den alten Hannemann bei seinem Glauben zu lassen, aber er ver­wünschte im Stillen das widrige Geschick, das ihm ge­rade jetzt den unbarmherzigen Spaßvogel in die Quere führen mußte. Wäre er stehen geblieben und hätte

neutrale Zone von 15 Kilometer Breite auf jeder Seite geschaffen. Die Befestigungen, welche sich inner­halb dieser Zone befinden, werden niedergelegt. Außer­dem erhält das Uebereinkommen noch eine ganze Reihe minder wichtiger Bestimmungen, die das künftige Ver­hältnis der beiden nordischen Reiche zueinander im einzelnen regeln.

Die Hoffnung, daß es dem persönlichen Ein­greifen des Kaisers und Königs Franz Josef gelingen werde, die ungarische Krisis durch eine Verständigung mit der Koalition einer Lösung entgegenzuführen, hat sich leider abermals als trügerisch erwiesen, da die Verhandlungen an der ablehnenden Haltung der Oppositionsführer gescheitert sind. Nach einer Meldung aus Budapest Übergaben die Führer der Koalition anläßlich der Wiener Konferenz mit dem Grafen Cziraky demselben eine schriftliche Erklärung, nach der sie nicht in der Lage sind, auf Grundlage der von den« Könige gestellten Bedingungen die Regierung zu übernehmen, weil dies mit ihrer persönlichen Ueber­zeugung, mit dem Standpunkte der parlamentarischen Mehrheit und ihrem von der Nation bei den Wahlen erhaltenen Mandat in Widerspruch stehe.

Aus Niederländisch-Jndien wird amtlich mit« geteilt: Der Fürst von Luwu in Südcelebes, der sich unterworfen hat, hat eine Erklärung unterzeichnet, die mit derjenigen übereinstimmt, nach welcher die Be­ziehungen zwischen der holländischen Regierung und dem autonomen Fürsten der Atchinesen eine Regelung erfahren haben.

Die reformfeindliche Stimmung gewisser Be­völkerungsschichten in China hat zu einem Mordan­schlag gegen die Reformkommission geführt, die vor kurzem beauftragt wurde, Europa und Amerika zu besuchen, um dort die verschiedenen Regierungssysteme zu studieren. Ueber den Anschlag wird berichtet: In dem Augenblick, wo die Reformkommission Peking mit

den Kameraden Rede gestanden, es hätten die Damen seiner Garnisonstadt sofort Nachricht erhalten, auf welche zarte Weise er um die Pracht seines neuenSommer­lichen gekommen

III.

Während dieser Unterhaltung war man auf dem Gutshofe angenommen.

Der erste Eindruck der umfangreichen Besitzung, aus dessen schattigem Park sich die weißen Mauern des Herrenhauses hoch über die Wirtschaftsgebäude ek hoben, war auf Ehrhardt ein günstiger.

Seltsam," dachte er,daß ein Mann, der so viel an irdischen Gütern besitzt, in der Ehe so viel Unglück haben muß."

Der auf alles merkende Hannemann schien ihm diese Gedanken von den Augen abzulesen.

Nu seggen Sei sülwst, Heärr Baron," sagte er, ob fon Hof ohne Fru sin koann! Jau, jau, der Heärr Baron mött wieder frien (frein), doas goaht nich oanders, un hei hett doas lang tun wolln, wenn das Fräuln nich woär."

Ich wills gern glauben," meinte Ehrhardt,aber so wie ich den Leutnant kenne, wird er doch nicht seine Cousine heiraten wollen."

Hei mott," rief Hannemann fast erbittert.So, nu sein wir doa. Geahn Sei man noach doas Herren­haus, ick mott tan Moddern."

Hiermit schlug er den Weg nach einem schmucken Häuschen ein, Ehrhardt ging stracks auf das Herren­haus zu, wütend begrüßt von dem zottigen Hofhund, der wie besessen an der starken Kette um seine Hütte herumraste.

Plötzlich ließ ein Pfiff das Geheul verstummen, (Fortsetzung folgt.)