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kauft!" Es wäre in der Tat nicht zu verstehen, wenn auch nach einer solchen Gestaltung des Schlacht­viehmarktes noch weiterhin von einer Fleischnot die Rede wäre.

Ausland.

In der Kornilow-Bai fand eine Besprechung des russischen Admirals Jessen und des japanischen Admirals Schimamura statt, um die Bedingungen des zwischen Rußland und Japan abzuschließenden Waffen­stillstandes zur See auszuarbeiten. Das Geschwader Jessens bestand aus zwei Kreuzern und zwei Torpedo» booten, das japanische Geschwader desgleichen. In der fünfstündigen Besprechung wurde die Demarkations­linie festgesetzt und die Ausschließung von Kriegs­konterbande bestimmt.

Zur Lage im Kaukasus wird berichtet: In der Stadt Schemakha wurde das armenische Viertel von den Tataren angegriffen. Das auf der Straße herrschende Räuberunwesen verhindert den Transport von Lebensmitteln. In Schuscha herrscht Hungersnot. Nach Baku sind zwei Bataillone Infanterie, eine Ab­teilung Jäger, zwei Sotnien Kosaken und eine Batterie Artillerie entsandt worden In Batum hat die Polizei bei einem Perser eine heimliche Waffen- und Munitions­niederlage entdeckt.

-- Die von verschiedenen Blättern gebrachte Mel­dung, daß die deutsche und englische Regierung in der norwegisch-schwedischen Unionstrise in der einen oder anderen Form bei den beteiligten Regierungen Vor­stellungen erhoben haben sollten, entbehrt, wie Svenska Telegram Byran aus sicherer Quelle erfährt, jeder Grundlage.

Der holländische Finanzminister hat von der Kammer die neuen Kredite verlangt für das Jahr 1906. Die Ausgaben belaufen sich auf 181,7 Mill. und die Einnahmen auf 170,4 Mill. Gulden. Zur Deckung des Defizits schlug der Minister die Erhöhung der Kapitals- und Gewerbesteuer um 10 v. H. und ebenso die Erhöhung der Erbschaftssteuer vor.

Gegen das Vorgehen der venezolanischen Re­gierung in Sachen der französischen Kabelgesellschaft hat der französische Geschäftsträger Taigny den ihm erteilten Instruktionen entsprechend Protest eingelegt. In ihrer Gegenerklärung sagt die venezolanische Re- Regierung, sie besitze urkundliche Beweise, daß die französische Kabelgesellschaft das Ergebnis des in ihrer Angelegenheit stattgehabten Prozesses angenommen habe. Der Geschäftsträger Taigny wisse dies, sein Protest sei daher ein Akt persönlicher Feindseligkeit, und die Regierung werde deshalb mit Frankreich nicht mehr durch seine Vermittlung verhandeln.

Die Kulis in Transvaal werden aufsässig. Als die chinesischen Arbeiter in der Geldenhuis Deep Mine aufgefordert wurden, nach Schluß des Feiertages in der Nacht die Arbeit wieder aufzunehmen, weigerten sie sich, griffen einen Aufseher der chinesischen An­siedelung an und verletzten ihn. Die Polizei wurde ausgeboten, um die Unruhen zu unterdrücken; sie gab dabei Feuer, wodurch ein Chinese getötet 'und ein anderer verwundet wurde, dann wurde die Arbeit wieder ausgenommen.

Dem französischen Konsulatsgerichtshofe in Bangkok wird ein richterlicher Beamter aus Jndochina beigegeben werden, um die Anwendung des französisch­siamesischen Vertrages in seinem ganzen Umfange und die Wahrnehmung der Interessen der dem französischen Konsulat unterstehenden 10000 Schutzbefohlenen sicher­zustellen.

Lokales und provinzielles.

Schlüchteru, 26. September 1905.

* Am Freitag brächte eine dem Landwirt Joh. Kreß in 6im gehörende Kuh zwei Kälber zur Welt, wovon das eine Kalb zwei Köpfe aufzuweisen hatte. Es verendete gleich nach der Geburt.

* Kranken-Salonwagen werden jetzt von der preußischen Eisenbahnverwaltung eingeführt. Im ganzen sind acht derartige Wagen vorgesehen, die auf den wichtigsten Knotenpunkten, und zwar in Altona, Char- lottenburg, Köln, Elberfeld, Frankfurt, Wiesbaden, Ems, zur Verwendung gelangen. Der für Charlotten- burg bestimmte Wagen ist bereits dort eingetroffen. Die innere, sehr geschmackvolle Ausstattung unterscheidet sich von der eines gewöhnlichen Salonwagens dadurch, oaß in dem Hauptraum ein besonderes Krankenbett ausgestellt ist, das auch als Tragbahre benutzt werden kann. Für die Begleitung des Kranken sind zum Ausziehen eingerichtete Schlafsessel im Krankensalon, außerdem noch ein Bett im zweiten Salonraum vor­handen. Abort und Wascheinrichtung, Eis- und Flaschenschränke vervollständigen die Ausstattung. Auch ein Dienerraum ist geschaffen. Bei Benutzung dieser Wagen sind zwölf Fahrkarten erster Klasse zu lösen. Die Bestellung des Wagens hat bei der Station, von welcher die Reise angetreten werden soll, zu erfolgen, und zwar möglichst frühzeitig, da der Wagen erst von dem Aufstellungsorte Herbeigeschaft werden muß.

* Erbach i. O. Der einzige Sohn des regierenden Grafen von Erbach-Erbach, der 21jährige Erbgraf Erasmus, verließ kürzlich, lt.Worms. Ztg.", an der

Seite eines Mädchens, dessen Mutter eine hier wohl bekannte Waschfrau ist, in aller Stille unser Städtchen um sich in London trauen zu lassen. In einem dieser Tage stattgehabten Familienrat wurde nun an Stelle dieses Grafen der 15jährige Graf Eberhard, der zweit- älteste Sohn des gleichfalls hier ansässigen Grafen Arthur von Erbach, eines Bruders des regierenden Grafen, zum Erbgrafen erhoben.

* Ein Akt empörendester Brutalität fand in Gerns- Heim seine gerichtliche Sühne. Am 5. August d. I erdrosselte nämlich der Fabrikarbeiter St. von hier aus purer Rachsucht eine dem hiesigen Gastwirt Sebastian M. gehörende Milchkuh im Werte von 5C3 Mark. Das Scheusal legte dem Tiere eine Kette doppelt um den Hals und zog dann daran aus Leibes­kräften, bis die Kuh verendet war. Das hiesige Schöffengericht verurteilte den gefühllosen Patron zu der wohlverdienten Strafe von 9 Monaten und 3 Wochen Gefängnis.

* Fulda. Am Samstag abend unternahm eine Anzahl von Erdarbeitern eine Bierreise durch ver­schiedene Wirtschaften und in später Stunde zogen sie hinaus nach dem Pröbel, wo zwei von ihnen logierten und setzten dort ihr Gelage fort. Gegen 2 Uhr traten sie die Rückkehr zur Stadt an. Schon vorher war Streit unter ihnen entstanden, der nun vor der Türe mit dem Messer fortgesetzt wurde mit dem Ergebnis, daß zwei Schwerverletzte per Wagen nach dem Land­krankenhause gebracht werden mußten. Als man dort eintraf, war einer, der Gelegenheitsarbeiter Heil bereits tot; der andere, Namens Link, liegt lebensgefährlich verletzt im Landkrankenhause. Drei weitere Arbeiter haben leichtere Verletzungen davongetragen. Die Polizei hat im Laufe des gestrigen Tages 7 Teilnehmer an der Schlägerei in Haft genommen. Wie es heißt, sollen die beiden in der Nähe des Pröbels logierenden Arbeiter, die aus Sachsen-Weimar stammen, von den Fuldaer Arbeitern angegriffen worden sein und zu ihrer Verteidigung zum Messer gegriffen haben.

* Malsseld. Unter dem Viehbestand des Ritter­gutes von Heydenreich ist Milzbrand ausgebrochen. Ein taubstummer Knecht, der schon seit langen Jahren auf dem Gute in Stellung war, zog sich bei der Sektion einer verendeten Kuh eine Infektion zu, an deren Folgen er noch an demselben Tage unter Tobsuchteansällen verschied.

* Treysa. Ein Reservist warf eine Flasche auf der Strecke NeustadtTreysa aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge und traf den Bahnwärter derart, daß er sofort getötet wurde. Der Reservist wurde bei der Ankunft auf der hiesigen Station verhaftet.

* Allendorf a. d. Werra. Ein drolliges Vorkomm­nis passierte einem biederen Handwerker unserer Stadt anläßlich der Verlosung der Casseler Gewerbe-Ausstellung. Er erfuhr, daß sein Los von Glück begünstigt sei, und flugs setzte er sich in den Zug, um nach Cassel zu fahren. Schon glaubte er, die schöne Zimmereinrichtung oder mindestens das Pianino sein eigen nennen zu können, aber, o Schreck, einen Regenschirm hatte er gewonnen.

* Ein schreckliches Unglück ereignete sich auf dem Bahnhof in Eichenberg. Vater, Mutter und Söhnchen wollten den zur Abfahrt bereitstehenden Zug benutzen und mußten deshalb über das Gleis schreiten. Das Söhnchen lief eiligst vor, um zuerst den Zug zu er­reichen. In demselben Augenblick kam von entgegen­gesetzter Seite ein Zug herangebraust und erfaßte das Kind. Es wurde ihm sofort der Kopf vom Rumpf getrennt. Vater und Mutter mußten Augenzeuge dieses schrecklichen Vorfalles sein, ohne das Kind retten zu können.

* In Dorndorf an der Feldabahn ist ein ganzes Ortsviertel niedergebrannt. Zwölf Wohnhäuser und zwei Hotels wurde ein Raub der Flammen.

* Philippsthal. Eine schwere Kollision gab es hier am Samstag abend in der Dunkelheit zwischen einem Motorrad und einem Radfahrer auf der Land­straße zwischen hier und Vacha. Die Laternen sollen an beiden Maschinen nicht ordentlich gebrannt haben. Beide Radfahrer wurden von ihren Stahlrossen in den Sand geschleudert und erlitten erhebliche, jedoch nicht lebensgefährliche Verletzungen. Das Fahrrad ging durch den wuchtigen Anprall an das schwere und stärkere Motorrad in Trümmer, aber auch das Motor­rad trug starke Beschädigungen davon.

Vermischtes.

Ein heiterer Zwischenfall bei der Automobilfahrt des Kaisers in das Manöverterrain ereignete sich, nach demTaunusboten," in der Nähe von Limburg. Vor dem Ort trieb ein altes Frauchen des Dorfes Schweine iber den Weg. Als das daherrasende Automobil nun kurz vor ihrer grunzenden Herde hielt, drohte die Alte mit ihrem Stecken und dem Gehege ihrer Zähne ent­flohen die geflügelten Worte:Wann er mer in die Säu foahrt, kreiht er ersch mit meint Mann zu tun!" Der Kaiser soll herzlich gelacht haben. Ferner berichtet dieFrkf. Ztg.": Als der Kaiser in einem Garten in Nastätten frühstückte, untersuchten die kaiser­lichen Prinzen die Zwetschenbäume auf den Reifegrad 'der Früchte. Der Kaiser verhängte lachend jedem der

Obstliebhaber eine Buße von zehn Mark, um bie Straffälligkeit des Nassauerns" zu ahnden. $et Gartenbesitzer, ein schrötiger und kerniger Mann, meinte daraufhin trocken, unter diesen Bedingungen dürften ihm die sämtlichen Zwetschen abgeerntet werden.

Eine in Heidelberg abgehaltene Versammlung der Schlächtermeister Badens, die von ca. 200 Ver­tretern aus allen Teilen des Landes besucht war, nahm eine Resolution an, welche die Öffnung der Grenzen für den Schweine- und Mastvieh-Verkehr verlangt und fordert, daß bei den bevorstehenden Landtagswahlen nur demjenigen Kandidaten die Stimme gegeben werden soll, der für die Aufhebung der Fleischakzise eintreten will.

In Berlin stahl ein 8jähriges Mädchen sein« Mutter, als diese plötzlich ohnmächtig wurde, aus h Tasche 150 Mk. Die Diebin ging mit einem gleit, altrigen Knaben in eine Wirtschaft und bestellte Kaff« und Kuchen. Hier wurden beide festgehalten, bis dir Polizei herbeikam, die dann die hoffnungsvollen Frucht chen den Eltern zur Bestrafung zuführte.

Auf der Domäne Nischwitz bei Hohensalzs waren die einquartierten Soldaten, gegen 200 Mann, in einer Scheune untergebracht. Um Mitternacht stand die mit Erntevorräten gefüllte Scheune in Flamme,« Mit knapper Not konnten die im Schlaf überraschten Soldaten vom 21. Infanterie-Regiment und 4. Ulanen- Regiment aus Torn das nackte Leben retten. Viel Sattelzeug, Tornister, Mäntel und Helme sind verbrannt Es wird angenommen, daß das Feuer durch die Fahr­lässigkeit eines Soldaten entstanden ist.

Die l ljährige Tochter einer Lehrerswitwe in Kohlscheid bei Aachen sollte am vorigen Dienstag nach Essen an der Ruhr reisen. Die Mutter gab den, Schaffner des Zuges ein Trinkgeld, damit er bis Düsseldorf auf das Kind achte. Dem Kinde selbst wurde eingeschärft, sofort nach der Ankunft in Essen Nachricht zu geben. In den nächsten Tagen blieb jedes Lebenszeichen aus, dagegen erhielt die Mutter am Sonntag eine anscheinend von Männerhand gefchriebem Postkarte, deren Inhalt von unflätigen Ausdrücken wimmelte, und in der mitgeteilt wurde, daß das Mäd> chen unterzeichnet. Man nimmt an, daß das Kind in Düsseldorf Mädchenhändlern in die Hände gefallen sei

Bei den Manöverübungen der 5. bayerischen Division zwischen SchwarzenfeldStulln-Nabburg wurde ein Scharfschuß abgegeben, durch den der Sergeant Babl von der 2. Komp. des in Regensburg garni- sonierenden Jnf.-Rgts. Nr. 11 tötlich verletzt wurde. Die Uebung wurde sofort abgebrochen und emeJUiler- suchung eingeleitet, welche die Sache aufklärte. Der Täter hat sich im Lauf der Untersuchung freiwillig gestellt; es ist der Soldat Hanfstälter von der 5. Komp. des 10. Infanterie-Regiments aus Jngolstadt. Er wurde unter starker Bedeckung sofort vom Manöver- gelände aus in das Militärgefängnis nach Regensburg gebracht.

Aus San Francisco wird berichtet, daß ein 17jähriger Jüngling Namen Maccarty das Problem der Telephone ohne Draht gelöst habe. Die ersten öffentlichen Versuche unternahm Maccarty vor einigen Tagen; er richtete zwei Stationen ein, die 1600 Meter voneinander entfernt waren. Die eine befand sich in einem Privathause in der Stadt San Francisco, die andere am Strande der Bai von San Francisco. Maccarty stand vor den Apparaten der ersten Station und sang fünf Lieder, die von den Personen, die sich vor den Apparaten der zweiten Station befanden, deutlich gehört wurden. Es wird leider nicht berichtet welcher Art Maccartys Apparate sind. (Wenn wir uns recht erinnern, sind Versuche mit drahtloser Tele­phonie übrigens schon vor zwei Jahren am Wannsee in Berlin angestellt worden und zwar mit Benutzung der elektrischen Bogenlampe.)

Am Freitag nachmittag starb in Diedenhofen die erwachsene Tochter des Klempnermeisters Theodor nach dem Genuß von frischgeflückten Trauben. Die betreffenden Trauben waren mit irgend einer Flüssig­keit bespritzt worden, um dieselben gesund zu erhalten. Das Mädchen einige hiervon, ohne sie vorher im Wasser abzuspülen. Gleich nach dem Essen stellten sich Erscheinungen wie bei einer Vergiftung ein, und einige Stunden nachher sta.b das Mädchen unter un­säglichen Schmerzen.

In Gültstein bei Herrenberg sind infolge Ge­nusses von schlechter Wurst etwa 50 Personen teilweise schwer erkrankt. Bei einigen traten Lähmungserschein­ungen ein.

Mit Fremdwörtern ist nicht zu spassen. Ein paar Berjer unterhielten sich jüngst beim Eppelwei über den zukünftigen Beruf ihrer Herren Söhne. Ein Gärtner, der etwas auf Bildung hielt, erklärte, nach­dem er mit überlegenem Lächeln die andern angehört hatte:Mei Suh, der Hots Gimnasium besucht. Dem stihn alle Bajährn uff." Offenbar meinte er Carieeren!

Hustenmittel. Gute Gerste mit der Hülse, wie sie Dem Halme kommt, siede man eine halbe Stunde lang, auf einen Liter Wasser eine Hand voll, und füge ein Quantum feingeschnittenes Johannisbrot (Boxhörndl) und Kandiszucker bei. Nach dem Abseihen lauwarns