klare, kräftigende Lust mit ihren Fernsichten doch ein so lohnendes, daß man in der Tat Den glücklich preisen kann, dem es vergönnt ist, in solcher Zeit sein Bündel zu schnüren und auf die Wanderschaft zu gehen. Was tuts denn auch, daß der Tag der ein paar Stunden kürzer geworden ist, als er zu Anfang Juli war? Wer früh aufsteht, kommt doch noch auf seine Rechnung. Und das letztere wünschen wir allen, die jetzt in die Ferien gehen können: mögen sie alle auf ihre Rechnug kommen, daraufhin allerseits gute Erholung und viel Vergnügen!
—* An der evangelischen Volksschule zu Elm ist eine neugegründete Lehrerstelle zum 1. Oktober d. Js. zu besetzen. Das Grundgehalt beträgt neben freier Wohnung 1100 Mk., der Einheitssatz der Alterszulagen 130 Mk.
—* Am 18. September wurde mit dem mündlichen Abschluß-Examen, welchem die schriftliche Prüfung und eine praktische Uebung vorhergegangen waren, der Kursus des unter der Leitung des Diakoniffenhauses zu Casfel stehenden Seminars zur Ausbildung von Kleinkinderlehrerinnen geschlossen. Z.ugniffe der Reife erhielten die Kleinkinderlehrerinnen : Fräulein Wilhelmine Klüppel aus Casfel, Fräulein Käthe Höhmer aus Suhl, Fräulein Johanne Schäfer aus Remscheid, Fräulein Lilli Wirth aus Wiesbaden, Schwester Catharine Fesch aus Ulfen, Schwester Catharine Föller aus Schlächtern und Schwester Martha Schabacher aus Weißenborn. Am 26. Juni ist in Helmarshausen eine neue Kleinkinderschule eröffnet, deren Leitung der Kinderlehrerin, Fräulein Julie Fritsch übertragen wurde. In Lohra, Kreis Marburg, wurde am 24. Juni das für die dortige Kinderschule errichtete Anstaltsgebäude eingeweiht. Am 13. August wurde die dem Diakonissen- Haus zu Casfel angehörende Schulschwester Anna Rüger als Leiterin der neubegründeten Kinderschule in Gersfeld eingeführt. In Homberg fand am 17. August die feierliche Weihe der neuerbauten stattlichen Kleinkinderschule statt. Die Arbeit in derselben wurde der Kleinkinderlehrerin Fräulein Marie Rieß übertragen. Die Kleinkinderlehrerin Fräulein Anna Borngießer aus Schönstadt, Kreis Marburg, feierte am 1. August den zehnjährigen Jahrestag ihres Eintritts in den Dienst der dortigen Anstalt. Fräulein Helene Nielandt hat am 1. September die Leitung der Kleinkinderschule in Ockershausen bei Marburg übernommen. In die Kleinkinderschule zu Frankenberg tritt am 1. Oktober Fräulein Marie Schön als Leiterin ein.
—* Das Reichsbankdirektorium hat eine Belohnung bis zu 6000 Mk. ausgesetzt auf die Entdeckung von Reichsbanknotenfälschern, welche in letzter Zeit sehr bei der Arbeit sind. Besonders sind Hundertmarkscheine im Umlauf, welche nur bei ganz aufmerksamer Beobachtung eine Fälschung erkennen lassen. Sie sind sämtlich Nachbildungen der Emission vom 1. Juli 1898 haben ebenso wie diese linksseitig Fasern, tragen das nämliche Datum und die gleichen Kontrollbuchstaben. Alle Falsifikate, die bis jetzt angehalten wurden, tragen die Zahlen 0788904, aber in verschiedenen Zusammenstellungen. Besondere Merkmale sind, daß die Farbe in den Worten „Reichsbanknote Einhundert Mark" und in der Zahl 100 dick aufgetragen ist, wodurch die Schrift erhaben und glänzend erscheint. Der große Adler auf der Vorderseite hat Kreuzschraffierung, während die echten Scheine Kreuz- und Vertikalschraffier- ung haben.
—* Güter-Eilzüge dürfen in absehbarer Zeit auf den preußischen Staatsbahnen fahren, nachdem es gelungen ist, eine geeignete durchgehende Bremsvorrichtung ausfindig zu machen, sodaß Güterzüge mit einer Geschwindigkeit bis zu 60 Kilometer in der Stunde ohne Gefahr laufen können. Auch eine neue selbsttätige Kuppelung ist mit Erfolg erprobt worden. Ihre Einführung wird viele Bahnbedienstete vor einem schrecklichen Tode bewahren.
* Auf der Frankfurter Straße kurz vor Offenbach wurde der Musketier Hochseth von der 6. Komp. 168. Regts. von der Elektrischen Bahn überfahren. Er wollte während der Fahrt aufspringen und glitt dabei aus. Seine Verletzungen an den Beinen sind so schwer, daß die Aerzte befürchten, zur Amputation beider Beine schreiten zu müssen.
* Mainz. Wie verschiedene Blätter melden, kommt für die Wiederbesetzung des durch den Tod Dr. Gaßners freigewordenen Postens des Oberbürgermeisters auch Herr Ministerialrat Braun in Darmstadt in Frage.
* Da-7 l1/» Jahre alte Kind des Landwirts Karl Weingärtner in Neuenhaßlau, das sich bei spielenden Kindern befand, fiel in die Jauchegrube und ertrank, ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte.
* Fulda. In der soeben erschienenen Festschrift zur Zentenarfeiern des simultanen Fuldaer Gymnasiums gibt Herr Direktor Dr. Wähle eine kurze Uebersicht über die alte Klosterschule sowie das Jesuiten- und hochfürstliche Gymnasium. Die Schrift enthält eine knappe Aufzählung der wichtigsten Schulereignisse von 1805 bis 1905 an der Hand der Akten des Anstaltsarchivs, sowie ein Verzeichnis der Lehrer, die in den 100 Jahren an der Fuldaer gelehrten Schule gewirkt haben und ferner eine Liste der Abiturienten von 1835-1905.
gang der Besprechungen gerechtfertigt erscheinen —,' ein Ergebnis, zu dem wir die Regierungen und die Völker von Schweden und Norwegen nur beglückwünschen können. In Karlstadt ist Sonnabend, abends 11 Uhr, eine Nachricht ausgegeben worden, welche folgendes besagt: Laut offizieller Mitteilung ist Grund zu der Hoffnung vorhanden, daß die schwedischnorwegischen Verhandlungen binnen kurzem zu einem positiven Resultat führen werden.
— Aus Anlaß des in Wien tagenden internationalen Kongresses für Arbeiterversicherung fand im Stadtpark ein Begrüßungsabend statt, bei welchem die beiden Präsidenten des Organisationskomitees, Handelskammerpräsident Klink-Wien und Geh. Rat Dr. Bödiker-Berlin, die erschienenen Delegierten willkommen hießen. Geh. Rat Dr. Bödiker wurde auf sein Ersuchen beauftragt, dem nicht erschienenen Sek- tionschef Wolf, der sich um die Sache des Kongresses besondere Verdienste erworben habe, die Grüße des Kongresses zu übermitteln.
— Eine Reuter-Meldung aus Tanger besagt: „Dem Vernehmen nach ist Algeciras (in der spanischen Provinz Cadiz am Golf von Cadiz gelegen) als Ort gewählt worden, in dem die Konferenz, betreffend Marokko, zusammentreten wird. Der Zusammentritt erfolgt voraussichtlich Ende Januar."
— Nach einer amtlichen Aufstellung über das Erdbeben in Italien sind 77 Gemeinden der Provinz Cosenza, 50 der Provinz Reggio del Calabre und 91 der Provinz Catangar vor dem Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen.
— In Rußland legte der Finanzminister dem Kaiser eine Denkschrift der Naphthaindustriellen vor, die die Maßnahmen berührte, die zur Hebung dieser Industrie und als Bürgschaft für ihr weiteres Fortbestehen notwendig wären. Der Kaiser befahl, daraufhin, an Stelle des in Baku geplanten Kongresses der Naphthaindustriellen gegen Ende September in Petersburg unter dem Vorsitz des Finanzministers eine Konferenz der Naphtha- und Kohlenindustriellen sowie der Vertreter der industriellen Bezirke einzuberufen. Anläßlich der Vorkommnisse in Baku soll sofort die Zusammenziehung einer ausreichenden Truppenmacht in den Naphthabetrieben und ihrer Umgebung vorgenommen werden, die bis zur Herstellung geregelter Verhältnisse dort bleiben soll, auch soll für diese Betriebe eine besondere Polizei geschaffen werden, die aus entlassenen Soldaten gebildet werden soll. Der Kaiser habe das feste Vertrauen, daß der Finanzminister die zu diesem Zwecke nötigen Hülfsmittel schaffen werde.
— Unter Teilnahme von ungefähr 3000 Tschechen aus Olmütz und Umgebung fand in Olmütz eine tschechische Demonstrationsversammlung statt, nach deren Schluß es zu deutsch -feindlichen Demonstrationen kam. In der Versammlung wurde eine Resolution angenommen, in der die bekannten nationalen, politischen und wirtschaftlichen Postulate der Tschechen aufgestellt werden. Nach der Versammlung zogen die Tschechen unter Schmährufen gegen die Deutschen durck, die Straßen. Die Polizei war zunächst machtlos, wiederholt kam es zu Zusammenstößen. Auf dem „Oberring" wurden deutsche Studenten von Tschechen insultiert. Die Polizei, die inzwischen Verstärkung erhalten hatte, nahm nun zahlreiche Verhaftungen vor.
— Ueber Unruhen in der arabischen Landschaft Jemen meldet ein Telegramm aus Hodeida: Die Türken haben unter General Arnim-Pascha bedeutende für die Landwirtschaft Asir bestimmte Verstärkungen gelandet. Die Stämme neigen zur Uebergabe. Die Scheiks aus der Umgegend der Hauptstadt Sena tarnen in die Stadt, um die Gewehre auszuliefern.
— In China ist auf eine Denkschrift Iuanschikais hin wieder einmal ein kaiserlicher Erlaß ergangen, der das ganze herkömmliche System der Prüfungen für staatliche Grade zur Bekleidung von öffentlichen Aemtern, wobei die Prüflinge ihre Kenntnisse von den Schriften des Konfuzius und der alten Gelehrten dartun müssen, abschaft. Künftig sollen die Beamten aus Schulen hervorgehen, die auf moderner Grundlage im ganzen Reiche errichtet werden sollen. Die Prüfungen werden dann in den verschiedenen Schulen selbst und nicht mehr in den Hauptstädten abgehalten werden.
Lokaler und Provinzielles.
Schlüchteru, 22 September 1905.
—* Herbst! Nebel und Reif haben als Fouriere uns in den letzten Tagen den Herbst angekündigt und nun ist der letztere in der Tat da, sein astronomischer Anfang liegt bereits hinter uns. Längst sind die Getreidefelder kahl und leer, die lieben Sänger in Flur und Hain still geworden, und nun kommen welke Blätter rauhe Winde und immer kürzer werdende Tage an die Reihe. Es war einmal!
—* Die Herbstferien nehmen an diesem Freilag ihren Anfang. Sind sie auch von weit kürzerer Dauer als die verflossenen großen Ferien, so werden sie doch mit gleich großer Freude wie diese von Lehrern und Schülern begrüßt. Tummelt es sich doch an schönen Herbsttagen nicht minder gut in Gottes freier Natur Md ist das Wandern über Berg und Tos, durch die
* In Fulda stürzte sich der typhuskranke Bäcker, meister Joseph Traut in einem unbewachten Augenblick aus dem Fenster seiner im ersten Stockwerk gelegenen Wohnung auf das Straßenpflaster und verletzte sich t0 schwer, daß er bald darauf starb.
* Der Direktor des Gymnasiums zu Hersfeld Herr Geheimrat Dr. Duden ist aus seiner Amtstätigkeit ausgeschieden. Während des Festkommerses, der aus diesem Anlaß stattfand, wurden dem scheidenden Direktor eine von ehemaligen Schülern gespendet, Summe von 5000 Mk. als Duden-Stiftung überreicht, deren Zinsen nach den Bestimmungen des Herrn Gr- heimrats würdigen und bedürftigen Schülern zugute kommen sollen.
* Von einem Personenzuge wurde bei Kaffel der spielende Junge eines Bahnwärters vor den Augen seines Vaters überfahren und zermalmt.
* Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich in dem Dorfe Leimsfelde bei Ziegenhain. Beim Dreschen geriet ein älteres Mädchen während des Ganges mit einem Bein in die Welle des Dreschers und wurde dasselbe vollständig abgerissen.
* Die den Personenzug 202 Berlin-Frankfurt begleitende Druckmaschine stieß in Bahnhof Obersuhl mit solcher Wucht auf den Personenzug, daß die in den letzten Wagen befindlichen Passagiere teilweise nicht unerheblich verletzt wurden.
Pernrischtes.
— Eine große Schiffahrtsgesellschaft, welche überseeische Personenbeförderung betreibt, braucht ein gewaltiges Wäschematerial, um alle ihre Dampfer damit ausstatten zu können. Eine annähernde Vorstellung von diesen riesigen Mengen erhält man aus der Tatsache, daß ein Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd bei seiner Rückkehr von einer einzigen Rundreise nach Newyork in Bremerhaven etwa 37 000 Stück gebrauchter Wäsche abzuliefern pflegt. Natürlich hat der Norddeutsche Lloyd, um diese Wäschemengen jederzeit sofort waschen lassen zu können, eine eigene große Waschanstalt, die sich in Bremen befindet. In derselben sind 10 Waschmaschinen, 7 Zentrifugen und 7 Dampfmangeln im Betrieb und werden etwa 140 Personen beschäftigt.
— Im „Hann. Anz." lesen wir: Eine ungewöhnliche Umwandlung hat im altehrwürdigen Städtchen Murten die 10jährige Tochter eines Schuhmachers, Cäcilie Waridel, durchgemacht. Dieses Mädchen wurde nämlich von einem Arzte, der es eines unbedeutenden Unwohlseins wegen untersuchte, plötzlich als männlichen Geschlechts erklärt. Am 7. September war, Cäcilie noch als Mädchen zu Bett gegangen, am 8. Mnv^re als Jüngling auf, ging mit ihrem Vater auf das Zivilstandesamt, um dort den Mädchennamen, den sie : 19 Jahre lang getragen, abzulegen und sich in aller Form Rechtens ins Mannsgeschlecht einreichen zu lassen. Aus der Cäcilie ist nun ein Cäsar Wandel geworden, der natürlich Korsett und Weiberröcke alsbald ablegte und jetzt unter den höchlich erstaunten Augen seiner Mitbürger als junger Herr daherstolziert. Cäsar , Waridel mißt in der Körperlänge 152 Zentimeter, also leider wohl etwas zu wenig für die Rekrutenaushebung zu der er sich demnächst zu stellen haben wird.
— Einen originellen Liebesbrief erhielt ein Mädchen in der Nähe von Ruhland. Das Schriftstück lautet wie folgt: „Liebe E. Da wir uns am Sonntag da der Rauchklub Vergnügen hatte und wir uns haben kennen gelernt, möchte ich Sie höflich bitten, mit mir eine gemeine Liebschaft zu treiben und wir beide alt genug find und auch beide Geld und Vermögen haben, würde es sich doch fein interessieren, so in der Jugend ein bischen Liebchen zu treiben. Dreugeliebte, Du kannst es nicht glauben, wie gut ich dir bin, Du liegst mir im Herzen, ^Du liegst mir Sinn. Mit Gruß und Kuß verbleibe ich Dein Dich liebender E. Nächsten Sonntag auf das Schulfest bin ich auch drüben. Unkosten vergüte ich aus meiner Tasche."
— Die Räume für Aufbewahrung von Obst, also Keller, Kammern, vorher ausschwefeln, bevor man das Obst hinein bringt. Dann ebendort wollene Lumpen Lappen, Tücher auslegen, in die sich auskriechende Raupen ziehen, die alsdann auf diese Weise leicht ah- ' gefaßt werden. Daß das Schwefeln mehr den schätz- lichen Pilzen, die das Lagerobst anstecken und verderben, als den Insekten gilt, weiß der Leser; aber es wird nicht überflüssig sein, wenn man auch einmal daraus aufmerksam mgcht-
— Aus der Sommerfrische. Der kleine Willy schreibt: „Lieber Papa! Hier giebt es viele Schweine, Mama und wir denken oft' an dich.
Kirchlicher Anzeiger für Schlächtern.
Sonntag, den 24. September 1905.
Evangelische Gemeinde: Morgengottesdienst: Herr Superintendent Orth. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Kahl. Wochendienst: Herr Superintendent Orth.
Katholische Gemeinde.
Gottesdienst: 10 Uhr. Herr Pfarrer Richter-Herolj.