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SchlüchternerAitun g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

X 76.

Samstag, den 23. September 1905.

56. Jahrgang.

Die im 56. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung^ w ® Mm«

Wninn TTnlniiliiifinlinnH daher in der Zustellung unserer Zeitttttg durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der rlllr I I r I IIIII ^volle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtige lllllh I Illlll I |h 111IIII Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Sept. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Okt. ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober 1905 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein,

Amtliches.

r J.-Nr. 2768 K.-A. Dem beim Bauern und Gast­wirt Adam Stoppel in Elm im Dienst stehenden Dienstknecht Johannes Breitenbach ist für langjährige treue Dienstzeit eine 3. Prämie von 25 Mark bewilligt.

Schlüchtern, den 19. September 1905.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Graf zu Solms.

Deutsches Reich.

Deutsche Schweine-Einfuhr aus Rußland. Zu den in Nr. 209 desReichs- und Staatsanzeigers" veröffentlichten Mitteilungen über Deutschlands Vieh- und Fleischeinfuhr im Juli 1905, insbesondere zu der Feststellung, daß im Monat Juli d. I. nach Ober­schlesien weit weniger Schweine, als zulässig eingeführt worden sind, das heißt: daß das jetzt bestehende Kon­tingent noch nicht einmal voll ausgenützt worden ist, hat ein Teil der Presse behauptet, diese Feststellung beruhe auf einem Irrtum: Bei der Einfuhr handle es sich um Wochenkontingente, die Statistik müsse infolgedessen Monate mit fünf Wochen und solche mit vier Wochen aufführen, so daß sich sehr wohl einmal ein Plus und einmal ein Minus bis zu 1350 Stück ergeben könne, ohne, ohne daß dasselbe mehr als ein nur scheinbares sei. Da indessen der Juli doch wenigstens vier Wochen hat, muß die Mindesteinfuhr 4 mal 1360 Schweine gleich 5440 Schweine bei voller Ausnutzung des Kontingents betragen. Nun sind aber im Juli nur 4934 Schweine eingeführt worden; also selbst wenn die Einfuhrzahlen der amtlichen Statistik sich nur auf vier Wochen bezögen, so sind doch immer, wie derReichsanz." feststellt, 506 Schweine weniger, als das zulässige Kontingent beträgt, eingeführt worden. Die Ausführungen über die Nichtausnutzung des Kon­tingents sind also durchaus zutreffend

Der Postpaket- uud Postfrachtstückverkehr nach

<But afreefemmen

Eine littanische Militär-Humoreske von Berthold Gaben.

Fritze, der mittlerweile zu desOnkels" Füßen mit dem Nagel die Knopflöcher seiner Matrosenjacke in höchst kunstverständiger Weise erweitert hatte, war durch die Alarmrufe gleichfalls um seine idyllische Ruhe ge­bracht und glaubte BruderKoarl" nach Möglichkeit unterstützen zulmüssen, indem er gleichfalls zum Gott- ErbarmenKoarline, Koarliue" zeterte. Eberhardt dem Eisernen wurde es heiß und kalt. Wollte er zwei Sta­tionen weit nicht fortwährend dieses Jammergeheul an­hören, mußte er ein Mittel finden, die Schützlinge zu beruhigen.

Es half ihm nichts anderes, als den kleinen Fritze zu sich auf die Knie zu nehmen und ihn unter dem Hinweis, daß Karline ja recht bald erscheinen werde, liebevoll an das Herz zu drücken, eine Beschäftigung, die ihm ein ironisches Lächeln hätte entlocken mögen, wenn ihm nicht das Fluchen und Wettern näher ge­wesen wäre.

Ja, jetzt hätten ihn seine Kameraden oder gar die weiblichen Lästerzungen sehen müssen! Du lieber Him­mel, sein Ruhm als eisenfester Kriegsmann wäre dahin gewesen. Fritze schien die Zärtlichkeit des Onkels zu beruhigen. Er verbarg das tränenüberströmte Antlitz an der weißen Weste des Beschützers, die durch diese Anhänglichkeit einen mächtigen Fleck davontrug, so daß sie (jeden Anspruch auf ihre früher? Sasonfghigseit einbüßte.

Koarl", der vorher nur in der Anwandlung des ersten Angstgefühls geschrieen, schien sich sehr bald dem unvermeidlichen Schicksale auszusöhnen und hielt es für

Gibeon (Deutsch-Südwestafrika) ist wieder eröffnet worden, jedoch mit der Beschränkung, daß von einem Absender an demselben Tage nicht mehr als drei Pakete an denselben Empfänger eingeliefert werden dürfen. Das Franko gilt nur bis Windhuk, die Weiterbeförderungskosten werden vom Empfänger ein­gezogen. Die Privatpakete an Militärpersonen werden von der kaiserlichen Schutztruppe von Windhuk nach Gibeon kostenlos weiterbefördert.

In Mühlhausen t. Th. sind große Unter­schlagungen in der dortigen Ortskrankenkasse vorge­kommen. Auf Beschwerde des Vorstandes der Orts­krankenkasse verfügte die Oberstaatsanwaltschaft in Naumburg, daß die Staatsanwaltschaft in Erfurt das von ihr abgelehnte Wiederaufnahmeverfahren gegen den früheren Kassierer Bauer der Ortskrankenkasse I einzuleiten habe. Bauer war im März d. Js. wegen vielfacher Unterschlagungen zu längerer Gefängnisstrafe verurteilt worden und hat nachdem die Untersuchung gegen ihn bereits eingeleitet war, weitere Unter­schlagungen in der Gesamthöhe von ca. 20000 Mk. begangen. Diese kamen erst nach Bauers Verurteilung ans Tageslicht.

Der in Preußen während des Jahres 1903 durch Schadenbrände verursachte Gesamtschaden stellte sich nach der Statist. Korr. auf 90,10 Millionen Mk. und war damit um 13,86 Millionen Mark höher als im vorhergehenden Jahre. Von der Gesamtsumme entfielen auf Immobilien ein Verlust von 46,85, auf Mobilien ein solcher von 43,25 Millionen Mark. Die Städte hatten zusammen 45241 Brände mit einem Schaden im Betrage von 29,35 Millionen Mark aufzuweisen, das Land dagegen nur 14962 Brände, aber 60,75 Millionen Mark Brandschaden. Danach kam also aus jeden Brand in den Städten ein Schaden von 648 Mark im Durchschnitt, auf dem Lande da­gegen ein solcher von mehr als 4100 Mark oder über das Sechsfache.

angebracht, beut braven Onkel zum Zeichen seines un­verbrüchlichen Vertrauens auf den rechten Lackstiefel zu spucken, in welchem er sich vorher mit Neugierde ge- spiegelt hatte.

Ehrhardt, unser eiserner Charakter, hatte ob dieses Liebesbeweises, der ihm in überquellender Zärtlichkeit dargebracht worden war, anfänglich nicht die geeigneten Worte, schließlich glaubte er aber einer öfteren Wieder­holung desselben dadurch vorbeugen zu können, indem er dem freundlichenNeffen" drohte, sein Benehmen der gefürchteten Lucie zu verraten.

Dem bravenKoarl" den, der "Engel" Lucie nicht mehr als Strafgespenst erscheinen mochte, wie dem ängstlichen Fritze, kam diese in Aussicht gestellte Ver- klatschung seiner ehrenwerten Persönlichkeit sichtlich als offenbarer Hohn vor, den er damit in glänzender Weise parrieren zu müsse» vermeinte, indem er sich stracks vom Fenster dem spaßhaften Onkel zuwendete und ihm die nie wiederkehrende Gelegenheit bot, sein ausgestrecktes Zünglein zu bewundern. *

Angesichts dieser einen ungewöhnlichen Bildungs­grad verratenden Liebenswürdigkeit verzichtete unser Freund auf eine weitere Auseinandersetzung mit dein kleinen littauischen Biedermanne und wandte sein er­höhtes Interesse dem Bruder zu, der sich eifrigst be- mühte, das neue Oberhemd desOnkels" mit aller­hand fremdländischen HiroglYphen zu bemalen, wobei ihm die an den Lippen benetzte Zeigefinger als Griffel dienen mußte.

Der getreue Beschützer seufzte bej dieser Gelegenheit keineswegs erbaut auf. Wenn die Fahrt noch lange dauerte, dann kam er wie ein Stromer auf das Gut des Onkels, denn unterwegs bot sich ihm keine Ge-

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Austrat-Japan-Lime. Die früher unter den NamenNeu-Guinea Zweiglinie" oder Reichspost­dampfer-Zweiglinie Sydney-Uokohama" bekannte Linie des Norddeutschen Lloyd wird von nun an den Namen Austral-Japan-Linie führen. Auch im Fahrplan dieser Linie sind zwei wichtige Neuerungen vorge­nommen worden: Der Endpunkt der Linie wird künftig nicht mehr Iokohama, sondern Kobe sein, was zur Folge haben wird, daß die von Australien, den Süd- see-Jnseln und Hongkong nach Japan reisenden Passagiere rascher Iokohama erreichen werden, während die von Japan abfahrenden Passagiere ihre Reise dadurch abkürzen können, daß sie statt in Aokohama in Kobe das Schiff besteigen. Die Anlaufhäfen der Linie sind von nun an der Reihe nach folgende: Sydney, Herbertshöhe, Matupi und Simpsonhafen, Friedrich-Wilhelmshafen, Hongkong, Iokohama, Kobe, und auf der Rückreise: Kobe, Moji, Hongkong, Fried­rich-Wilhelmshafen u. s. f. In Sydney hat die Linie Anschluß an die australische, in Hongkong an die ostasiatische Reichspostdampfer-Linie des Norddeutschen Lloyd. Aus der Uebersicht der Anlaufhäfen ist auch noch eiye weitere Neuerung zu ersehen, insofern als von jetzt an Siinpsonhafen regelmäßig angelaufen werden soll. Der Norddeutsche Lloyd hat in diesem Herbertshöhe benachbarten Hafen durch Anlage von Pierbauten und Lagerschuppen eine Zentrale für das Neu-Guinea-Gebiet geschaffen, in welcher der ganze Verkehr mit den umliegenden Inselgruppen zusammen­laufen wird. Den Lokalverkehr von Simpsonhafen nach den benachbarten Inselgruppen besorgen die zwei Dampfer des Norddeutschen LloydSumatra" und Langeoog".

Ausland.

Die neuesten Meldungen über den Fortgang der schwedisch-norwegischen Unionskonferenz lassen die Erwartung auf einen beide Teile befriedigenden Aus-

legeit mehr' die derrangierte Toilette in Ordnung zu bringen.

Endlich aber hatte er die Endstation erreicht, die von dem am Fenster stehendenKoarl" mit lautem Freudengebrüll begrüßt wurde.

Am Bahnsteig stand nämlich ein bildhübsches, blondes junges Mädchen von kaum zwanzig Jahren, die Koarl schon von weitem mit Lucie anschrie, und die denn auch unter vielen Dankesbeteuerungen die beiden kleinen Passagiere aus den Händen des Leutnants in Empfang nahm.

Angesichts dieser blendenden. Erscheinung und den melodischen Worten kam Ehrhardt der Eiserne zum ersten Mal in seinem Leben einer Dame gegenüber in die größte Verlegenheit.

Er hatte alle seine Sprödigkeit vergessen, es war ihm ordentlich warm ums Herz, als er ihr Bedauern über dasvertrauensselige" Gebühren ihrer kleinen Brüder wahrnahm und er war ordentlich auf den ro­busten Kutscher böse, der mürrischKoarlinens" Reise­korb aus dem Wagen riß und das gnädige Fräulein dringend bat, sofort einzusteigen, da die Gäule nicht stehen wollten.

So kam es, daß Ehrhardt diese so angenehm be­rührende Unterhaltung zu Ende war, ehe es ihm in der Aufregung möglich wurde, der Dame seinen Namen zu nennen und auch den ihrigen zu erfahren.

Mr weiß es, für was es gut ist" - murmelte er, als er nachdenklich den Bahnhof verließ.Ehrhardt alter Knabe, es ist eigentlich himmelschreiend von Dir, daß Du beim Anblick irgend eines jungen Mädchens mit einem Male Deine Schwüre und guten Vorsätze vergißt."

Fortsetzung folgt.