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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 2. September 1905.

56. Jahrgang.

Zum Sedanstage.

Ein heil'ges Mahnen jener Zeit, Die Nord, Süd, Ost und West geeint, Durchzieht das ganze deutsche Reich.

Wo ist die Zeit, die jener gleich? Drum soll auch heut die Losung sein, Alldeutschland stimmt mit Jubel ein: :,: Fest steht und treu die Wacht am Rhein! :,:

Zu schirmen deutsche Landesmark, Zog König Wilhelm kühn und stark Mit Deutschlands Söhnen über'n Rhein. Lieb Vaterland, kannst ruhig sein! Von Nord und Süd im Waffenbund Erscholl der Schwur aus einem Mund: Fest stehn als Brüder wir in Kampfesstund!

Im Sturme ging's ins welsche Reich, Ein Siegen war es ohnegleich!

Voran, voran, im Siegeslauf!

Wer hielt wohl deutsche Manne auf? Und deutscher Arm und deutsches Schwert, Sie zeigten sich der Väter wert! Heil, deutsche Kämpfer, sei stets hochgeehrt!

Und was der Väter Ahnen war, Erfüllen half's der Sedantag. Denn aus dem Kampf, an Opfern reich, Erstand das neue deutsche Reich! Nun brause hin durch Nord und Süd, DuWacht am Rhein", du stolzes Lied, Daß es begeisternd jedes Herz durchglüht!

Und Ihr, die Ihr das Schwert gezückt, So kühn dem Feind ins Aug' geblickt, Jetzt ruht in stiller Erde Schoß---

Wie lieblich fiel doch euer Los!

Ihr schaut aus lichten Himmelshöh'n Ein ein'ges Deutschland, herrlich, schön, Nach blut'gem Kampfe machtvoll aufersteh'n!

Doch kehrt einst wieder solche Zeit, Da uns der grimme Feind bedräut, Wir schwören laut mit Herz und Mund In dieser hohen Feierstund: Wir zieh'n das Schwert, wir stimmen ein, Lieb Vaterland magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht am Rhein!"

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Sedan.

Umwölkt liegt der politische Himmel, da sich der 1. September jährt und die unvergleichliche Sieges­kunde erneuert, aus der das geeinte Deutschland zur Herrlichkeit und Macht erstanden ist. Im fernen Osten hat das blutige Ringen Rußlands mit dem empor­strebenden Japan endlich zueinem entscheidenden Ergebnis geführt, und^uuser Vaterland selbst ist seit Jahr und Tag gezwungen, unter mannigfachen Opfern im dunklen Erdteil Ehre und Ansehen des deutschen Namens im Kampfe -mit den aufrührerischen Hereros zu wahren- Daneben mancherlei Verstimmung mit unserem eifer­süchtigen Vetter im britischen Reiche, der uns seine Herrschaft zur See fühlen lassen möchte.

Wo so mancherlei nationale Schatten vorhanden sind, ist es gut, sich an einem nationalen Hochtag mit seinen herrlichen Erinnerungen zu stärken. Namentlich unserem Heranwachsenden Geschlechte, dem man vielfach die Freude am Vaterlande nicht gönnen will, tut es not, daß es immer wieder von deutschem Heldenmut und deutscher Heldentreue erfahre, die durchGottes Fügung- den Tag von Sedan zu einem so glanzvollen gemacht haben. Entartete Volksgenossen spotteten letzthin der Vaterlandsfreunde, die sich den Sedantag nicht nehmen lassen wollen, als vonSiegeslümmeln," und in der Provinz Sachsen verstieg sich ein sozial- demokratischer Stadtverordneter zu der Aeußerung, in seinen Augen sei Sedan einTag des Mordens!"

Gewiß hat der Tag von Sedan viel Blut und Tränen gekostet, aber ohne solche kostbare Aussaat ist es noch nie zu einer nationalen Ernte gekommen und der Fortschritt der Wissenschaft wie das Emporstreben eines Volkes werden immer mit wertvollen Opfern erkauft. Wir müssen uns aufs tiefste der Volkskreise schämen, die ihr nationales Empfinden verloren haben und die Würde des deutschen Namens mit Füßen treten.

Wenn wir wieder mit allen Treugesinnten Sedan feiern, so ist es nicht Siegesübermut gegenüber dem

geschlagenen Feinde, mit dem wir Gottlob von Jahr zu Jahr in besserem Einvernehmen leben. Sondern wir freuen uns am Vaterlande und seiner Kraftent­faltung. Wir danken im Geiste den tapferen Männern aus allen deutschen Gauen, den hohen Fürsten wie den schlichten Kämpfern, die zur Befestigung deutscher Einheit und Größe in altbewährter Pflichttreue das Ihrige getan haben. Und wir lassen diesen Dank ausklingen in einen Lobpreis des Allerhöchsten, des Lenkers der Schlachten, des Vaters der Völker und der Einzelnen, wie das der unvergeßliche greise Kaiser Wilhelm in der bekannten Siegesdepesche an seine Gemahlin getan hat:Welch eine Wendung durch Gottes Fügung!" In solchem Geiste feiern wir Sedan und wollen uns diesen Ehrentag stolzer vater­ländischer Erinnerungen niemals rauben lassen!

Deutsches Reich.

Der Kaiser und die Kaiserin sind gestern abend wieder in Potsdam eingetroffen.

Das Kronprinzenpaar wird nach Beendigung der Kaisermanöver im September voraussichtlich in dem zur Oberförsterei Thall i. Th. gehörigen Forst­haus Dambach zu kurzem Jagdaufenthalt eintreffen.

Prinz Friedrich Leopold von Preußen, jüngster Sohn des gleichnamigen Prinzen, ist am Sonntag zum Leutnant im 1. Garde-Regiment zu Fuß ernannt worden.

Ein Geschenk des Kaisers für die Christuskirche in London. Nach der Fahnenweihe empfing am Sonn­tag der Kaiser in Gegenwart des Kronprinzen im Schloß den Professor Otto Rohloff, der die für die neue deutsche protestantische Christuskirche" in London bestimmten Altargeräte vorführte.. Diese Altargeräte sind ein Geschenk des Kaisers an die Kirche. Sie bestehen aus einem ein Meter hohen Kruzifix, zwei Leuchtern, Kelch, Kanne Hostiendose und Patene aus getriebenem, stark vergoldetem Silber. Der Stil ist gotisch. Die Geräte sind von Professor Rohloff nach den Angaben des Kaisers entworfen worden, und die Ausführung fand den vollsten Beifall des Monarchen.

In Gegenwart des Kaiserpaares fand am Diens­tag in Stettin der Stapellauf des Schnelldampfers Auguste Miktoria" statt.

Der verstorbene Landgraf Alexis von Hessen hat, wie gemeldet wird, durch letztwillige Verfügung 75000 Mk. für wohltätige Stiftungen hinterlassen.

Die englische Flotte ist in Swinemünde einge­troffen. Es herrscht ein gewaltiger Andrang von Fremden. Zu Ehren der englischen Gäste gab die Stadt Swinemünde ein Diner, an dem 72 Personen teilnahmen, darunter der englische Admiral Wilson, der Vizeadmiral Moore, der Readadmiral Poore, von deutscher Seite der Generalinspekteur der deutschen Marine Großadmiral v. Koester und der Inspekteur der Marineartillerie Admiral Büchfel. Das Essen wurde mit einem dreifachen Hipp, Hipp, Hurra auf Seine Majestät den deutschen Kaiser eröffnet, das Admiral Wilson ausbrachte. Der Bürgermeister trank auf das Wohl König Eduards und Stadtverordneten­vorsteher Schiemann begrüßte in längerer englischer Rede die Gäste. Admiral Wilson trank dann auf das deutsche Volk und die Stadt Swinemünde; er führte aus, der Besuch der englischen Flotte in einem deutschen Hafen lege ein schönes Zeugnis dafür ab, daß zwischen Dentschland und England das beste Einvernehmen bestände. Das Essen nahm bis zum Schlüsse einen sehr angeregten Verlauf.

Die Nagelung und Weihe von 72 Fahnen und Standarten für Truppenteile des 8. und 18. Armee­korps sowie einiger Reserve- und Landwehr-Kriegs« formatjonen fand am Sonntag mittag 12 Uhr im Zeughause zu Berlin in Anwesenheit des Kaiser, und Kronprinzenpaares statt. Die Leibkompagnie des 1. Garderegiments unter Führung des Prinzen Eitel Friedrich hatte vor dem Zeughause Aufstellung ge­nommen. Im Lichthofe des Zeughauses halten die Mitglieder des königlichen Hauses, die in Berlin an­wesenden Prinzen aus regierenden deutschen Häusern, das kaiserliche Hauptquartier, die Generalität usw. Aufstellung genommen.

In das preußische Herrenhaus sind berufen durch Allerhöchsten Erlaß vom 5. d. M. aus beson­derem königlichen Vertrauen unter gleichzeitiger Be­stellung als Kronsyndici der Kammergerichts-Präsident

Dr. v. Schmidt in Berlin und der Oberlandesgerichts- Präsident a. D. Wirkliche Geheime Rat Dr. Hamm in Bonn.

Aus Anlaß eines Besuches französischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M. veranstalteten die dortigen Lehrer- und Lehrerinnenvereine kürzlich ein Festmahl, bei dem folgendes Telegramm an Seine Majestät den Kaiser gesandt wurde:Seiner Majestät dem Kaiser und König senden mehr als 400 französische und deutsche Lehrer und Lehrerinnen aller Schul- gattungen, die in Frankfurt im Gefühle freundschaft­licher Zusammengehörigkeit und gegenseitiger Wert­schätzung der beiden großen Nachbarvölker sich zusammengefunden habe», ehrerbietigsten Gruß und untertänigste Huldigung." An den Präsidenten Loubet wurde ein entsprechendes Telegramm gesandt.

Ausland.

In Deutsch-Ostafrika hat Oberleutnant zur See Paasche den Aufständischen am mittleren Rufidji nördlich Schende ein siegreiches Gefecht geliefert. In den Matumbibergen nehmen die Operationen ihren Fortgang. Leutnant Lindeiner hatte drei Stunden westlich von Kilwa gegen eine größere Anzahl von Aufständischen ein Gefecht. Die Aufständischen hatten schwere Verluste, auf deutscher Seite war kein Verlust. Der Aufstand hat sich nach einer Meldung des Be­zirksamts Lindi auf die nördlichen Teile des Lindibezirks ausgedehnt und zwar infolge Verhetzung der Bevölkerung durch Kiwa-Leute. Eine unmittelbare Bedrohung der Stadt Lindi selbst scheint bisher nicht vorzuliegen.

Laut offizieller Meldung wurde in der Sitzung der Friedenskonferenz in Portsmouth am 29. August volle Uebereinstimmung in allen Fragen erzielt und beschlossen, zur Ausarbeitung des Frieoensvertrages zu schreiten.

Der deutsche Botschafter zu Paris, Fürst Ra- dolin, hat dem Ministerpräsidenten Rouvier die Antwort Deutschlands auf das von Frankreich vorgeschlagene Reformprogramm für Marokko überbracht. Hierzu schreibt der Temps: Die durch das deutsche Memoran­dum über die Marrokofrage vorgebrachten neuen Punkte sind von genügender Bedeutung, um einen endgültigen Meinungsaustausch, sei es in Unterredungen oder Noten als erforderlich voraussehen zu lassen. Ein Punkt ist indessen erreicht worden: Deutschland widerspricht nicht dem französischen Programm, sondern schlägt Abänder­ungen dieses Programms vor, das es im Prinzip an- nimt. Das läßt auf den baldigen Abschluß eines end­gültigen Abkommens über die marrokanische Frage hoffen.

Der Botschafter Oesterreich-Ungarns hat der Pforte ein von allen Botschaftern unterzeichnetes Me­morandum überreicht, worin die Namen der ernannten vier Finanzdeligirten für Macedonien mitgeteilt werden und die Pforte zugleich ersucht wird, den Generalin­spektor dementprechend zu informieren.

Mit einer erheblichen Verstärkung des Unions­heeres beschäftigt sich dem Vernehmen nach das Kriegs­departement in Washington. Das Projekt wird in der nächsten Sitzung dem Kongresse vorgelegt werden. Die gegenwärtige Friedenspräsenz von 60000 Mann, die nach der geltenden Gesetzgebung im Kriege auf höch­stens 100 000 Mann gebracht werden darf, soll auf 250 000 Mann erhöht werden, einschließlich einer re- gulären Reserve", die gegen Empfang einer Wochen- löhnung auf Befehl jederzeit aus dem bürgerlichen Beruf zu den Fahnen überzutreten hat. Das Projekt stellt das Mindestmaß dessen dar, was Präsident Roose- velt im Einklang mit dem Kriegssekretär Taft für notwendig hält.

Lokaler und Provinzieller.

Schlüchter«, 1, September 1905.

* Morgen, am 11. Sonntag n. Tr., feiert unsere evangelische Gemeinde ein Fest der Heidenmission. Die Mission ist das größte Unternehmen, das es überhaupt auf der Welt giebt. Es handelt sich um nichts Ge­ringeres als darum, allen Völkern der Erde das Evangelium so zu verkündigen und einzupflanzen, daß sie es selbständig weiterpflegen können. Im ganzen gibt es jetzt ca. 160 evangelische Missionsgesellschaften auf der Welt, welche rund 12000 weiße Missions­arbeiter beschäftigen, und zwischen 60 und 70 Mill. Mark Jahreseinnahmen haben. Der Erfolg de?