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Ztaatsrätsmitgliedek gab der Kronprinz-Regent seine Zustimmung zu diesem Vorschläge.

Die in Smyrna aufgedeckte armenische Ver­schwörung hat nicht nur im Iildiz, sondern auch in diplomatischen Kreisen Beunruhigung hervorgerufen, da sie ein Anzeichen dafür ist, daß das Pildiz-Attentat nur ein Teil einer weitverzweigten Verschwörung gewesen ist. Man ist auch deshalb beunruhigt, weil Anzeichen vorhanden sind, daß in Konstantinopel und an anderen Orten noch bedeutende Mengen von Explosivstoffen verborgen sind, welche zu Maffenan- schlägen an Thronbesteigungsfeste am 1. September verwendet werden sollten, um durch Wirren eine internationale Intervention herbeizuführen.

In China macht das Eisenbahnwesen rüstige Fortschritte. So ist im Juni die Schantung-Eisenbahn zum ersten Male zu Militärtransporten benutzt worden. Drei Extrazüge der Eisenbahn werden die Vorschieb- ungen chinesischer Truppen, die in der Nähe der deutschen Grenze verlegt wurden, benutzt. Nachdem die über 3 Kilometer lange Brücke über den Hangho fertiggestellt ist, fuhr am 11. Juni zum ersten Male eine Lokomotive über die Schlußstrecke der Eisenbahn, die von beiden Seiten, von Peking und von Hankan aus, gebaut wurde. Im November soll diese auch strategisch wichtige Eisenbahn, die den mittleren Jangtse mit Peking verbindet, in ihrer ganzen Länge dem allgemeinen Verkehr übergeben werden.

Im Interesse unseres Leserkreises bringen wir nach­stehende Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 27. Juni d. J., betreffend die Betriebe in denen Maler-, Anstreicher-, Tüncher-, Weißbinder- oder Lackiererabeiten ausgeführt werden, hierdurch zur Veröffentlichung-

(Schluß.)

§ 10. Der Arbeitgeber hat die Ueberwachung des Gesundheitszustandes der Arbeiter einem von der höheren Verwaltungsbehörde hierzu ermächtigten, dem Gewerbeaufsichtsbeamten (§ 139b der Gewerbeordnung) namhaft zu machenden approbierten Arzte zu übertragen, der mindestens einmal halbjährlich die Arbeiter auf die Anzeichen etwa vorhandener Bleierkrankung zu unter­suchen hat.

Der Arbeitgeber darf Arbeiter, die bleikrank oder nach ärztlichem Urteil einer Bleierkrankung verdächtig sind, zu Beschäftigungen, bei welchen sie mit Bleifarben oder deren Gemischen in Berührung kommen, bis zu ihrer völligen Genesung nicht zulassen.

§ 11. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, zur Kontrolle über den Wechsel und Bestand sowie über den Gesund­heitszustand der Arbeiter ein Buch zu führen oder durch einen Betriebsbeamten führen zu lassen. Er ist für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Eintragungen soweit sie nicht vom Arzte bewirkt, verantwortlich.

Dieses Kontrollbuch muß enthalten:

1. den Namen dessen, welcher das Buch führt,

2. den Namen des mit der Ueberwachung des Gesund­heitszustandes der Arbeiter beauftragten Arztes,

3. Vor- und Zuname, Alter, Wohnort, Tag des Ein­tritts und des Austritts eines jeden der im Abs- 1 bezeichneten Arbeiter sowie die Art seiner Beschäfti­gung,

4. den Tag und die Art der Erkrankung eines Arbeiters,

5. den Tag der Genesung,

6. die Tage und Ergebnisse der im § 10 vorgeschrie­benen allgemeinen ärztlichen Untersuchungen.

Das Kontrollbuch ist den Gewerbeaufsichtsbeamten (§ 139b der Gerwerbeordnung) sowie dem zuständigen Medizinalbeamten auf Verlangen vorzulegen.

§ 12. Die vorstehenden Bestimmungen treten am 1. Januar 1906 in Kraft.

Anlage. Blei-Merkblatt

Wie schützen sich Maler, Anstreicher, Tüncher, W^ißbinder, Lackierer und sonst mit An­streicherarbeiten beschäftigte Personen vor Bleivergiftung?

Alle Bleifarben (Bleiweiß, Bleichromat, Massikot, Glätte, Mennige, Bleisuperoxyd, Pattisonsches Beiweiß, Casfeler Gelb, Englisches Gelb, Neapelgelb, Jodblei u. a.) sind Gifte.

Maler, Anstreicher, Tüncher, Weißbinder, Lackierer und sonst mit Anstreicherarbeiten beschäftigte Personen, die mit Bleifarben in Berührung kommen, sind der Gefahr der Bleivergiftung ausgesetzt.

Die Bleivergiftung kommt gewöhnlich dadurch zu­stande, daß Bleifarben, wenn auch nur in geringer Menge, durch Vermittlung der beschmutzten Hände, Barthaare und Kleider beim Essen, Trinken oder beim Rauchen, Schnupfen und Kauen von Tabak in den Mund ausgenommen oder während der Arbeit als Staub eingeatmet werden.

Die Folgen dieser Bleiaufnahme machen sich nicht alsbald bemerkbar; sie treten vielmehr erst nach Wochen, Monaten oder selbst Jahren auf, nachdem die in den Körper gelangten Bleimengen sich so weit angesammelt haben, daß sie Vergiftungserscheinungen hervorzubringen im stände sind.

Worin äußert sich die Bleivergiftung?

Die ersten Zeichen der Bleivergiftung pflegen in ,einem blaugrauen Saume am Zahnfleisch, Bleisaum

genannt und in einer durch Blässe des Gesichts und und der Lippen sich kundgebenden Bluiarmut zu be­stehen. Die weiteren Krankheitserscheinungen sind sehr mannigfaltig. Am häufigsten tritt die Bleikolik. Der Kranke empfindet heftige krampfartige, von der Nabel­gegend ausgehende Leibschmerzen (Kolikschmerzen); der Leib ist eingezogen und hart; dabei bestehen häufig Erbrechen und Stuhlverstopfung; selten Durchfall In anderen Krankheitsfällen zeigen sich Lähmungen; sie betreffen gewöhnlich diejenigen Muskeln, durch welche das Strecken der Finger besorgt wird, und treten am meisten an beiden Armen auf; ausnahmsweise werden auch andere Muskeln an den Armen oder Muskeln an den Beinen oder am Kehlkopfe befallen. Mitunter äußert sich die Bleivergiftung in heftigen Gelenkschmer­zen; von ihnen werden meist die Kniegelenke, seltener Gelenke an den oberen Gliedmaßen ergriffen. In be­sonders schweren Fällen treten Erscheinungen einer Er­krankung des Gehirns auf (heftige Kopfschmerzen, all­gemeine Krämpfe, liefe Bewußtlosigkeit oder große Un­ruhe, Erblindung). Endlich steht die Bleivergiftung mit dem als Schrumpfniere bezeichneten schweren Nieren­leiden und mit der Gicht in einem ursächlichen Zu­sammenhänge. Bei bleikranken Frauen sind Fehl­oder Totgeburten häufig. Lebend zur Welt gebrachte Kinder können infolge von Bleichsiechtum einer erhöhten Sterblichkeit in den ersten Jahren unterliegen. Von blei­kranken Frauen an der Brust genährte Kinder werden mittels der Milch vergiftet.

Abgesehen von den schweren, mit Gehirnerschein­ungen einhergehenden Fällen, welche nicht selten tötlich verlaufen, pflegen die Bleivergiftungen meist zu heilen, wenn die Kranken sich der weiteren schädigenden Ein­wirkung des Bleies entziehen können- Die Heilung tritt nach mehreren Wochen oder in schweren Fällen auch erst nach Monaten ein.

Verhütung der Bleierkrankung.

Die weit verbreitete Annahme, daß der regelmäßige Gebrauch gewisser Arzneien (Jodkalium, Glaubersalz u. a.) oder Milchtrinken ausreichende Mittel zur Vor­beugung der Bleivergiftung, ist nicht zutreffend. Da­gegen ist einer kräftigen und fettreichen Ernährung und insofern auch dem Milchtrinken ein gewisser Wert bei- zulegen.

Den wirksamsten Schutz vor Bleierkranknngen ver­leihen Sauberkeit und Mäßigkeit. Personen, welche, ohne gerade zu den Trinkern zu gehören, geistige Ge­tränke in reichlichen Mengen zu sich zu nehmen pflegen, sind der Bleivergiftungsgefahr in höherem Maße aus­gesetzt als Enthaltsamere. Branntwein sollte, nament­lich während der Arbeitszeit, nicht genossen werden. In bezug auf die Sauberkeit müssen die mit Bleifarben in Berührung kommenden Personen ganz besonders peinlich sein und dabei vornehmlich folgendes beachten:

1. Hände und Arbeitsfelder sind bei der Arbeit tun­lichst vor Verunreinigungen mit Bleifarben zu hüten. Es empfiehlt sich, die Nägel stets kurz geschnitten zu haben.

2. Da Verunreinigungen der Hände mit Bleifarben nicht gänzlich zu vermeiden sein werden, ist das Rauchen, Schnupfen und Kauen von Tabak während der Arbeit zu unterlassen.

3. Die Arbeiter dürfen erst dann Speisen und Getränke zu sich nehmen oder die Arbeitsstätte verlassen, nach­dem sie zuvor die Arbeitskleider abgelegt und die Hände mit Seife, womöglich mit Bimstein- oder Marmorseife, gründlich gewaschen haben. Einer gleichen Reinigung bedürfen das Gesicht und be­sonders der Bart, wenn sie während der Arbeit be­schmutzt worden sind. Läßt sich das Trinken während der Arbeit ausnahmsweise nicht vermeiden, so sollen die Ränder der Trinkgefäße nicht mit den Händen berührt werden.

4. Die Arbeitskleider sind bei denjenigen Arbeiten, für welche es von dem Arbeitgeber vorgeschrieben ist, zu benutzen.

Um die Einatmung bleihaltigen Staubes zu ver­meiden, sind die in den Bestimmungen hiergegen ent­haltenen Vorschriften genau zu befolgen; insbesondere ist das Anreiben von Bleiweiß und dergleichen mit Oel oder Firnis nicht mit der Hand, sondern in staubdichten Behältern vorzunehmen; ferner sollen Bleifarbenanstriche nicht trocken abgebimst oder abgeschliffen werden.

Erkrankt ein Arbeiter, welcher mit Bleifarben in Berührung kommt, trotz aller Vorsichtsmaßregeln unter Erscheinungen, welche den Verdacht einer Bleivergiftung (siehe oben) erwecken, so soll er in seinem und in seiner Familie Interesse die Hilfe eines Arztes sogleich in Anspruch nehmen und diesem gleichzeitig mitteilen, daß er mit Bleifarben zu arbeiten gehabt hat.

Berlin, den 27. Juni 1905.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers: Graf von Posadowsky.

Lokales und Krovinrielles.

Schlächtern, 29 August 1905.

* In der Zeit vom 18. bis zum 26. d. M. fand am Seminar dahier die erste Lehrerprüfung statt, welcher sich 29 Prüflinge unterzogen. Die schriftliche Prüfung dauerte drei Tage und brächte folgende Aufi- gaben zur Erledigung: 1. Deutscher Aufsatz:Worin

besteht die Bedeutung Herders?" 2. Mathematik: a) Jemand hat 2 Stücke Zeug, die zusammen 120 $ halten, gekauft. Im Verkauf gewinnt er an jedem Meier des I. Stückes 0,30 Mk., verliert aber an jedem Meter des II. Stückes 0,35 Mk., doch bleibt ihm im ganzen noch ein Gewinn von 10,00 Mk. Wieviel m hatte jedes Stück? b) In wieviel Jahren verdoppxg sich die Einwohnerzahl einer Stadt, wenn auf je 1000 Einwohner durchschnittlich jährlich 41 Tote und Aus­gewanderte, dagegen 65 Geborene und EingewandeH kommen? c) Es ist zu beweisen, daß die Kugel M 7s ihres Cylinders ist. . 3. Geschichte:Kaiser, Bun^ rat, Reichstag." 4. Naturkunde:Das Blut." V Theorie der Musik: Harmonisierung eines ChorM 6. Erdkunde:Die Meeresströmungen-" 7. Religion Die geschichtliche Entwickelung der äußeren Mission.' 8. Französisch:Eine Uebersetzung aus dem Deutsch in das Französische." Auf Grund durchweg gut!, schriftlicher Arbeiten wurden die Abiturienten Anacker,' Piskantor, Völp und Well von der mündlichen Prüfung befreit. Auch die andern Examinanden konnten schließ lich ohne Ausnahme für bestanden erklärt werden. Den Vorsitz in der Prüfungskommission führte Herr Geheimrat Dr. Otto, als Vertreter der Königliche« Regierung war Herr Schulrat Martin zugegen, und der Religionsprüfung wohnte Herr Generalsuperintendeni D. Pfeiffer bei.

* Am Sonntag Nachmittag gegen 2 Uhr tourbi wohl mancher hiesiger Einwohner durch das Feuen signal, aus seinem Mittagsschläfchen unsanft erschreck Es brannte im Hinterbau des Herrn Dr. Stern. I demselben befanden sich Heu- und Strohvorräte, welch dadurch, daß Kinder mit Streichhölzer spielten, Feim entstanden ist. Durch vas rasche Eingreifen der Feuerwehr wurde der Brand schnell gelöscht ohne weit größeren Schaden anzurichten,

* Am Samstag stürzte ein etwa 20jähriges russisch-polnisches Mädchen auf der Strecke Flieden- Elm am Drasenberg, der Bebra-Frankfurter Bah«, aus dem Personenzug der morgens um ca. 10 Uhr in Schlüchtern eintrifft. Die Verunglückte wollte mit zwei Schwestern und ihrem Schwager auf ein Gut in der Nähe von Würzburg. Der Unfall ereignete sich dadurch, daß plötzlich während des Fahrens durch eiM Luftzug die Türe des 4. Klasse-Wagens aufflog. Sai Mädchen sprang zu, wollte die Türe wieder zuziehen, bekam das Uebergewicht und stürzte hinaus. Eine ihrer Schwestern versuchte sie noch zurückzuziehen, wäre aber auch rettungslos verloren gewesen und hinaus- gestürzt, wenn ihr Schwager die schon hinausfallende nicht noch schnell erfaßte und zurückgerissen hätte. Auf das Geschrei der Wageninsassen hin, hielt der ZuGM^ Das Zugpersonal ging zurück und fand die Russin schon tot zwischen den Schienen liegend vor. Das Mädchen hatte sich das Genick abgestürzt, sodaß der Tod unmittelbar eingetreten ist.

* Ein seltener Kunstgenuß steht uns in der nächsten Woche in Aussicht. Am Sonntag den 10. Seht werden die Geschwister ©rneftine und Elmire Bouchr aus Paris im Saale des Hotel zum Stern dahier ein Konzert verunstalten. Die Leistungen von Frl. Elmire und Ernestine Boucher auf der Geige und dem Piano sind wahrhaft phänomenal und entzückend, wie wohl manchem unserer Leser und Leserinen noch von den früheren Konzerten der beiden Schwestern am hiesigen Platze her bekannt sein dürfte, und teilen wir darum nach einem auswärtigen Berichte nur noch mit, daß die Künstlerinnen vor kurzem zum dritten Male in London zwei Konzerte vor ausverkauftem Hause ge- geben haben, dgl. in Wien, Budapest, Brünn usw Von London ivird u. a. geschrieben, daß die beiden dort sehr beliebten Pariserinnen ihr letztes Konzert vor einem sehr eleganten und zahlreichen Publikum gaben, unter welchem sich auch mehrere Mitglieder der könig­lichen Familie befanden und die Künstlerinnen mit Applaus und Blumen überschütteten. Das Programm, das Beethoven, Liszt, Chopin usw. enthqlt, wgr feig gewählt und wurde mit künstlerischer Empfindung pyr- getragen. Mögen die Künstlerinnen auch bei uns ein volles Haus finden!

* Am Montag, den 21. August wurde der Hebamme Frau M. Heilmann in Elm eine seltene Ehrenerweisung und Auszeichnung zu teil indem Herr Landrat Graf zu Solms und Herr Kreisarzt Dr. Sauer ihr auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters eine « Ihrer Majestät der Kaiserin gespendete goldene Brosche überreichten und warme Worte der Anerkennung für treu geleisteten 40jährigen Berufsdienst an sie richteten. Auch wurde ihr die Erlaubnis zu teil noch weiterhin ihren verantwortungsvollen Beruf ausrichten zu dürfen.

* Der seit dem 4. d. Mts. vermißte 63 Jahre aste Leopold Watz von Höchst (Kreis Gelnhausen) wurde am sog. Nickerstall bei Bad Orb als Leiche an eine« Baume hängend aufgefunden. Das Motiv der Tat soll in Krankheit zu suchen sein,

* Darmstadf. Bei der Attacke der bayerischen Ulanen auf der Senne auf das 23. Dragoner-Regiment wurden 8 Pferde getötet und eine Anzahl verletzt. Zwei Dragoner-Offiziere wurden verwundet, einem Unter­offizier wurde der Unterkiefer zerschmettert. Mehrere Unteroffiziere und Mannschaften wurden durch Huftritt^