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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 68.

Amtliches.

J -N. 2521. K.-A. Die FirmaSterbfritzer Cha- motte- und Tonwerke" in Sterbfritz beabsichtigt auf ihren in der Gemarkung Sierbfritz belegenen Grund­stücken (Kartenblatt E. Nr. 405a und 407 sowie Karten- blatt Gr Nr. 409 und 410) einen neuen Brennofen mit Generatorfeuerung sowie eine Trocken-Anlage zu errichten.

Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kennt­nis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tage nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht

Montag, den 18. September 1905,

Vormittags 10 Uhr

vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens der Unternehmer oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.

Zeichnungen und Beschreibungen der Anlagen können während der Dienststunden im Bureau des Kreis-Aus- schuffes eingesehen werden.

Schlüchtern, den 23. August 1905.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Graf zu Solms.

Deutsches Reich.

Der Kaiser und seine Begleitung traf mittels Automobils von Cronberg kommend gestern morgen auf der Saalburg bei Homburg ein und wurde vom Landrat Dr. Ritter von Marx, dem Geheimen Banrat Jaevbi und dessen Sohn, Bauinspektor Jacobi empfangen.

Zum Besuche der englischen Flotte in der Ostsee schreibt dieNordd. Allg. Ztg.": Ein Teil der englischen Kanalflotte hat die seit längerer Zeit ange­kündigte Fahrt nach der Ostsee angetreten und be> absichtigt, außer in verschiedenen ausländischen See­städten auch in deutschen Seestädten Aufenthalt zu nehmen. Das Erscheinen des englischen Geschwaders und der britischen Seeleute stellt eine Erwiderung der Besuche dar, die deutsche Kriegsschiffe im Laufe der letzten Jahre zu wiederholten Malen in englischen Häfen abgestattet haben. Die Bevölkerung der be­treffenden Seestädte ist unsern Offizieren und Mann­schaften jederzeit mit Achtung und Freundlichkeit

Der Kleine Doktor.

Roman von W. Sartory. 44

Hastig schritten sie durch die Allee dem HotelSpie­gel" zu. Die ihnen begegnenden Passanten blieben ver­wundert stehen, als sie den nassen Doktor sahen.

Aber Doktor, eine solche Courage hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut," konnte Jda nicht unterlassen, einzuge- stehen.DaS ging ja alles wie der Blitz. Und die Angst, die Irma von Hochheim ausgestanden! Wenn ich sie nicht gehalten hätte, ich glaube, sie wäre im stande gewesen, Ihnen nachzuspringen!"

Dr.Retlow konnte nichts erwidern. Er sah noch immer bieseängstlichaufgerissenenAugen.Siehatteumihn gezittert, um seinLeben gebangt? Er hätte aufjauchzen mögen vorLust.

Irma von Hochheim war mehr tot als lebendig auf Marienberg angelangt.

Tante Gertrud hatte nichts Eiligere» zu tun, als sie tnl Bett zu schaffen.

Wie ein hitziges Fieber war es über sie gekommen, der Kopf brannte und die aufgeregte Phantasie spiegelte ihr allerhand erschreckende Bilder vor.

Tante Gertrud bewachte ihren Liebling, wie eine Mut­ter ihr krankes Kind, die ganze Nacht saß sie wachend ne­ben dem Bett, und erst gegen Morgen, als der Tag schon graute und Irma in einen etwas ruhigen Schlaf gefallen war, nickte sie etwa» auf dem Sessel ein.

Plötzlich wurde sie durch einen ängstlichen Schrei ge­weckt. Erschreckt fuhr sie aus ihrem Schlummer auf.

Irma saß halb aufgerichtet im Bett. Die schwarzen Locken fielen aufgelöst auf ihre weißen Schultern, die Au­gen starrten weit aufgerissen umher.Der Doktor, der Doktor! Ist er tot? Ich hab'ihn im Waffer gesehen!" kam es aufgeregt über ihre Lippen.

Irma, sei still. Du hast geträumt," suchte Tante Ger­trud sie zu beruhigen.

Irma sah sich wie suchend im Zimmer um, langsam

Samstag, den 26. August 1905. begegnet, und die englischen Behörden haben es sich stets" angelegen sein lassen, den Offizieren und Mann­schaften unserer Kriegsschiffe den Aufenthalt angenehm zu machen, im Einklang mit den Verkehrsformen, die sich zwischen gesitteten Nationen als feststehender Brauch herausgebildet haben und die in von fremden Schiffen berührenden Häfen fortgesetzt geübt werden. Nicht blos der Wunsch der amtlichen Kreise in England und in Deutschland, sondern auch der Wunsch aller ruhig denkenden Briten und Deutschen ist es, daß der Besuch des englischen Geschwaders dazu beitragen möge, die Achtung zwischen den Angehörigen der beiden großen Kulturvölker zu festigen. Wer dieser Ansicht, in welcher Form auch immer, entgegenarbeitet, begibt sich in den Dienst von Bestrebungen, die weder mit den Anfor­derungen des Gastrechts noch mit der Stellung einer mächtigen Nation in Uebereinstimmung zu bringen sind.

Am Sonntag vormittag wurde in Straßburg i. Elf. die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands mit einem feierlichen Pontifikalamte im Münster eröffnet. Um 7«2 Uhr fand bei prächtigem Wetter der große Festzug der katholischen Männer-, Arbeiter- und Gesellenvereine statt, an dem sich etwa 35 500 Personen beteiligten, darunter über 23 000 aus dem Reichslande. Der Zug nahm seine Aufstellung an der Universität und ging durch die Stadt am Münster vorbei, vor dessen Portal der Bischof von Straßburg Dr. Fritzen mit dem Bischof Benzler von Metz, Weihbischof Zorn Don Bulach sowie zahlreiche Prälaten und sonstige hervorragende Persönlichkeiten die Vorüberziehenden begrüßten. Der Zug dauerte über drei Stunden. Eine zahlreiche Menschenmenge aus der ganzen Umgegend hatte sich dazu eingefunden. Im Anschluß an den Festzug fanden neun große Ver­sammlungen der Teilneh ner des Zuges statt. Auch Abordnungen aus der Schweiz und aus Frankreich waren eingetroffen. An dem Begrüßungsabend in der Festhalle nahmen etwa 8000 Personen teil, da­runter zahlreiche Reichstags- und Landtagsabgeordnete sowie Abgesandte aus dem Auslande. Als Ort des nächsten Katholikentages wurde Essen a. d. R. bestimmt.

In Köln sind Einigungsverhandlungen wegen des Dachdecker- und .Bauklempnerstreiks vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts bei dem ersten, die Arbeitszeit betreffenden Punkte des Tarifs gescheitert. Da sich die Vertrauensmänner der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer stimmengleich gegenüberstanden und

schien ihr die Besinnung wiederzukommen.Mir ist so heiß im Kopf," klagte sie.

Lege Dich wieder hin, Irma. Du mußt Ruhe haben." Tante Gertrud bettete sie wieder sorglich zu und nach einer Weile schlummerte Irma wieder ein.

Zehn Uhr mochte es sein. Tante Gertrud hatte das Zim­mer verlassen, in dem Irma noch immer ruhig schlief, als leise an der Tür geklopft wurde.

Die alte Dame stand auf und ging nach der Tür, um zu öffnen. Erstaunen malte sich auf ihren offenen Zügen, als sie Jda Bonee plötzlich gegenüberstand.

Ohne viele Umstände zu machen, trat Jda ein.Sie müssen entschuldigen, daß ich Sie in aller Frühe störe, aber ich hab' etwas Wichtiges mit Fräulein von Hochheim zu reden," begann sie.

Tante Gertrud schob ihr einen Stuhl hin und nahm selbst Platz.Da kommen Sie leider noch zu früh," entgeg- nete sie bedauernd.Irma ist etwas krank."

Krank? Das arme Kind!"

Die Aufregung gestern "

Ah 1 Bitte, wollen Sie nicht einmal nachsehen, ob sie vielleicht wach ist? Meine Mitteilung würde vielleicht be- lebend auf sie wirken."

Ist sie von solcher Wichtigkeit?"

Sehr! Ihnen kann ich es ja sagen. Ich glaube be­stimmt, daß Fräulein Irma sich einem verhängnisvollen Irrtum hingibt, indem sie mich mit Dr. Retlow in- her? Berbindung bringt. Sie müssen mich entschuldigen, daß ich mich da in Verhältnisse einmische, die mich ja ei gentlich gar Nichts angehen. Aber ich kann es nicht mehr länger mit ansehen, daß zwei Menschen um mich leiden. Ich bin ganz unbewußt der schuldige Teil und möchte die Sache wieder gutmachen."

Tante Gertrud stand schweigend aus und entfernte sich. Gleich darauf erschien sie in der anstoßenden Tür wieder und winkte Jda Bonee heran.

Tante Gertrud ließ Jda in da» Schlafzimmer eintre­ten und blieb selbst zurück.

56. Jahrgang.

der Vorstand sich der Abstimmung enthielt, konnte kein Schiedsspruch gefällt werden. Der Streik dauert dem­nach fort.

Die turnerische Vorbildung der Rekruten des 1. Armeekorps hat sich, wie ein imAmtl. Schul- blatt der Provinz Ostpreußen" veröffentlichter Erlaß der Regierung feststellt, in letzter Zeit vielfach als ungenügend erwiesen. Die Behörde hat deshalb die Ortsschulinspektoren angewiesen, darauf zu achten, daß die notwendigen Turngeräte überall in brauchbarem Zustande vorhanden sind und fleißig benutzt werden« Bei den Schulrevisionen und Lehrerkonferenzen sollen sie mehr als bisher dem Turnunterricht Beachtung zuwenden und in den Jahresberichten stets ein Urteil über den Betrieb und die Erfolge des Turnunterrichts abgeben. Ferner werden die Lehrer ersucht, dem Turnunterricht ihre ganze Aufmerksamkeit zu widmen und darauf zu achten, daß möglichst alle Schüler das nach den Verhältnissen der Schule erreichbare Mindest­maß turnerischer Fertigkeit erlangen. Um die in der Schule erworbene Turnfertigkeit zu erhalten und zu mehren, wird empfohlen, die Knaben bei der Schul­entlassung zum Eintritt in die bestehenden Turnvereine, zumal wenn besondere Schülerabteilungen vorhanden sind, anzuregen oder die schulentlassen Knaben auf dem Turnplätze der Schule zu turnerischen Uebungen zu versammeln.

Ausland.

Seine Majestät der Kaiser und König hat dem Gouverneur Leutwein den erbetenen Abschied bewilligt und an seiner Stelle den Generalkonsul von Lindequist zum Gouverneur des südwestafrikanischen Schutzgebietes ernannt. Herr von Lindequist wird voraussichtlich im Oktober d. I. im Schutzgebiet eintreffen.

In Rußland ist durch einen freiwilligen Akt des Zaren eine Verfassung verkündet worden. Die künftige Reichsduma soll eine beratende Körperschaft mit einer gewissen Berechtigung zu eigener gesetz­geberischer Initiative sein. Das russische Grundgesetz, betreffend die selbstherrliche Gewalt des Zaren, bleibt gewahrt. Von den maßgebenden russischen Blättern wird der Verfassungsentwurf überwiegend günstig beurteilt. So schreibt beispielsweise dieNowoje Wremja", nach der Schablone des Westens sei die Schaffung der Reichsduma keine Konstitution. Doch sei sie nicht das letzte Wort des politischen Schaffens. Die gegenwärtige Reform stellte Rußland nicht an

Jda trat leise auf das Bett zu. Irma hatte die Augen aufgeschlagen und sah ihre vermeintliche Nebenbuhlerin mit gemischten Gefühlen an.

Stumm reichte die Sängerin ihre Hand hin, während Irma nur zögernd die ihrige hineinlegte. Ihre Augen schie- neu zu fragen:Willst Dumirsagen, daß er Dir gehört?"

Fräulein Irma," begann Jda etwas zögernd,ich weiß jemand, der Sie liebt, und ich glaube, Sie lieben ihn auch."

Von wem sprechen Sie?" unterbrach JrmadieKünst- lerin.

Bon wem anders, als von Doktor Retlow."

Wie ein Leuchten zuckte es über Irmas Züge, doch dann wurde sie ernst.Und Sie?"

Fräulein Irma, daß ist es ja eben, wa» mich zu Ih­nen trieb."

Sie wollten . . ."

Ach was, ich will Sie nur von Ihrem törichten Glau- ben ablenken. Dr. Retlow ist mir nur ein Freund!

Mit einem Ruck setzte sich Irma auf.Ist das wahr?" kam es hastig über ihre Lippen.

Ich gebe Ihnen mein Wort. Er liebt Sie und e» tat ihm in der Seele leid, daß Sie ihn so abweisend bebau- delten."

Erschöpft sank Irma in die Kissen zurück.Ich dachte, Sie O, mein Gott! Ist es Wahrheit?" kam e» wie ein Traum über ihre Lippen. Sie wollte es noch nicht glau­ben, es kam ihr alles vor wie ein Traum, der im näch­sten Moment wieder zerfließt. Doch der Traum war so schon, Irmas Augen leuchteten in seligem Glanz.

Jda Bonee stand stumm an der Seite der Bette» und wagte es nicht, Irma aus ihrem traumhaften Zustande aufzuwecken. 1121»

Endlich kehrten sich Irmas Gedanken wieder der Wirk­lichkeit zu. Sie wandte suchend den Kopf um und als sie die Künstlerin erblickte, richtete sie sich halb auf. Mit fle­henden Augen blickte sie diese an:Sagen Sie mir doch em Traum ist es doch nicht ? O Gott? Ich Würdeja sterbend