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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,
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Verordnung.
Für den Regierungsbezirk Cassel wird auf Grund des § 2 des Wildschongesetzes vom 14. Juli 1904 die Eröffnung der Jagd auf Rebhühner und Wachteln auf Donnerstag, den 24. August d. Js. festgesetzt.
Cassel, den 31. Juli 1905.
Namens des Bezirksausschusses.
Der Vorsitzende: Bernstorfs.
Deutsches Reich.
— Der deutsche Kaiserbesuch am dänischen Königshofe ist beendet, und Kaiser Wilhelm ist bereits in Saßnitz wieder eingetroffen. Vor seiner Heimfahrt fand an Bord der „Hohenzollern" eine Frühstückstafel statt, bei welcher König Christian in überaus herzlicher Weise dem Kaiser Wilhelm für den freundlichen Besuch dankte, worauf Kaiser Wilhelm seinen wärmsten -Dank für die herzliche Aufnahme aussprach und ebenso seine Freude, daß er in dem trauten Familienkreise habe weilen und sich dem König als dänischer Admiral vorstellen dürfen. Als der König und die übrigen Mitglieder des Königlichen Hauses unter dem Salut der Kriegsschiffe die „Hohenzollern" verließen, verabschiedete sich Kaiser Wilhelm in sehr herzlicher Weise vom König; beide Monarchen umarmten und küßten sich verschiedene Male. Auch die Verabschiedung vom Kronprinzen und den übrigen Mitgliedern der Königlichen Familie war äußerst freundschaftlich.
— Jetzt hat sich auch der Verfasser des unflätigen Schweineartikels der „Münchener Post" gemeldet. Es ist ein „Genosse" Rudolf Kraft, in Starnberg. -Er nimmt sogar noch den Ruhm für sich in Anspruch, daß er seit „zehn Jahren ununterbrochen für die Hebung der materiellen, rechtlichen und sozialen Lage der Soldaten eintrete", und ist sehr böse darüber, daß die Blätter ihn bisher totgeschwiegen hätten. Herr Krasft scheint sonderbare Ansichten von der Soldatenehre zu haben. Sein Name sei hiermit an den Pranger gestellt. Vielleicht ist er dann zufrieden.
— In einem Nachtrage zur Dienstanweisung der Pensionskasse für Arbeiter werden über die Nachbehandlung und Beschäftigung der aus den Lungenheilstätten entlassenen Eisenbahner vom Minister der öffentlichen Arbeiten v. Budde besondere Bestimmungen getroffen. Diese Bestimmungen gehen auf möglichste Schonung der Kranken, soweit sie dienstfähig sind, und auf Ausnutzung der Wald-Erholungsstätten für die Kranken.
— Vom Finanzminister und dem Minister des Innern wird in einer Verfügung angeordnet, daß bei Erteilung der Genehmigung oder Zustimmung zu Ge- meindesteuerordnungen, die den Erwerb von Grundstücken mit einer indirekten Steuer (Umsatzsteuer) belegen, in Zukunft darauf zu achten ist, daß alle Erwerbungen von Todes wegen und alle Besitzveränderungen, denen sich die Beteiligten aus Gründen öffentlichen Wohls zu unterwerfen gesetzlich verpflichtet sind, von der Besteuerung sreigelaffen werden müssen. Zu der letzteren Gruppe von Besitzveränderungen gehören sowohl die, welche durch einen Enleignungsbeschluß, als auch die, welche durch freiwillige Veräußerungs- geschäste in Gemäßheit der §§ 16, 17 des Enteignungsgesetzes bewirkt werden.
— Nach einem Nunderlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten ist den Arbeitern bei Arbeitsver- versäumnis infolge von Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten, insbesondere der Wahrnehmung von Terminen als Zeuge oder Sachverständiger, der Lohn für die Dauer der notwendigen Abwesenheit weiter zu gewähren, die etwa für den Zeitverlust anderweil gewährte Entschädigung jedoch anzurechnen. Zur Beseitigung von Zweifeln, welche über den Einfluß dieser Vorschrift auf die Gewährung von Zeugen- und Sachverständigengebühren .bei gerichtlichen Vernehmungen von Arbeitern entstanden sind, hat der Justizminister in einem an sämtliche Justizbehörden gerichteten Erlasse darauf hingewiesen, daß den staatlichen Arbeitern, die von den Justizbehörden als Zeugen oder Sachverständige ver- nommen werden, die ihnen in dieser Eigenschaft zustehende Entschädigung für Zeitverlust nicht unter Berufung auf obige Vorschrstt vorenthalten werden darf. Soweit demnach den Arbeitern bei gerichtlichen
Mittwoch, den 9. August 1905.
Vorladungen als Zeuge oder Sachverständige ein Anspruch auf die entsprechenden Gebühren zusteht, wozu auch die Entschädigung für den erlittenen Zeitverlust (Lohnausfall) rechnet, ist ihnen für die betreffende Arbeitsversäumnis kein Lohn zu gewähren.
— Ueber die Numerierung ver Lokomotiven bestimmt ein Erlaß der preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, daß zunächst von dem in dieser Angelegenheit berufenen Ausschusse nochmals geprüft teerten soll, ob in dem bereits vorgeschlagsnen neuen Numerierungsplane die Nummerreihen so gewählt sind, daß sie für die unterzubringenden Lokomotivgattungen in allen Direktionsbezirken für eine lange Reihe von Jahren ausreichen. Auch ist nochmals zu prüfen, ob die auf 80 000 Mark veranschlagten Kosten der gedachten Maßregel ausreichend bemessen, und wie dieser Kostenbetrag auf die einzelnen Direktionsbezirke zu verteilen sein möchte. Zugleich ist in Aussicht genommen, die Kontrolle über die Einhaltung und Regelung der Lokomotivnummern einer Zentralstelle, und zwar der Beschaffungsdirektion, welche von den Ausmusterungen durch die jährlichen Nachträge Kunde erhält, ein für allemal zu übertragen.
Ausland.
— Ueber den Besuch des deutschen Geschwaders in Stockholm wird von dort gemeldet, daß König Oskar den Großadmiral v. Koester in Audienz empfangen und ihm bei dieser Gelegenheit den Sera- phinen-Orden überreicht hat. Bei dem Festmahle, das der König im Stockholmer Schlosse für die deutschen Marineoffiziere gab, brächte König Oskar auf den deutschen Kaiser einen Trinkspruch in deutscher Sprache aus, in dem er seine Dankbarkeit für die Freundschaft aussprach, die Kaiser Wilhelm ihm seit seiner Thronbesteigung erwiesen habe. Hierauf toastete der König, ebenfalls in deutscher Sprache, auf die^deutsche Marine, deren mächtige und schnelle Entwickelung bei jedermann Bewunderung erwecken müsse, am meisten aber bei denjenigen, welche, wie er selbst, von Jugend auf der Flotte angehört hätten; er sei in Wahrheit stolz darauf, die Erlaubnis erhalten zu haben, die Uniform derselben zu tragen. Großadmiral Koester erwiderte mit einem Hoch auf König Oskar.
— Die französische Denkschrift über die Marokko- Konferenz, die nunmehr in Berlin eingetroffen ist, ist ziemlich umfangreich. Sie setzt auseinander, welches Programm Frankreich in Marokko zur Anwendung kommen zu sehen wünscht, wobei indessen den Beschlüssen der Marokko-Konferenz nicht vorgegriffen werden soll; ferner legt sie die Ansichten Frankreichs über die praktische Reformarbeit in Marokko dar; am eingehendsten werden die Frage der Sicherheit der Personen und die Finanzfrage behandelt.
— Ueber die Unruhen in Rußland liegen weitere Nachrichten vor. In Livland dauert der Bauernaufruhr fort. Wie aus Riga geweitet wird, wurde der Baron Bistram auf Neschenecken von aufrührerischen Bauern erschossen. Die Aufrührer plündern die Güter. Aus Grobin sind Dragoner abgesandt worden. Auch der Streik der Arbeiter der Wladikawkas-Eisenbahn dauert auf der ganzen Linie fort. Die Ausständigen halten die Züge nach Rostow am Dorn an; dort stockt der Handel völlig, und man befürchtet ernste Unruhen.
- - Da die den Aufständischen in Kreta gewährte Frist zur Unterwerfung ohne Erfolg abgelaufen ist, haben die Generalkonsuln der vier Schutzmächte das Standrecht verkündigt.
— Vom russisch-japanischen Kriegsschauplatze kommt die Nachricht, daß sich die russischen Besatzungstruppen von Sachalin mit dem Gouverneur in Stärke von 70 Offizieren und 3203 Mann den Japanern ergeben haben.
Lokales und Drovinflelles.
Schlüchtern, 8 August 1905.
- * Ein lebhaftes Straßenbild bot am vergangenen Sonntage unser sonst so ruhiges Städtchen. Bon nah und fern waren Zuschauer herbeigeeilt um den Festzug des Weitzelschen Stiftungsfestes anzusehen. Obgleich der alte Heidengott Jupiter um günstige Witterung angerufen wurde, so blieb doch dessen Ohr gegen dieseBitte verschlossen. Gegen Nachmittag schien der anfangs mehr als Ge-
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witterregen auftretende Regen in einen regelrechten Landregen übergehen zu wollen. Trotzdem eilten die Festzugteilnehmer nach dem Aufstellungsort des Zuges, dem Friedensgarten. Unterdes erwartete auf den Straßen, bei rieselndem Regen, die schaulustige Menge das Herannahen des Festzuges. Endlich verkündeten die schmetternden Klänge der Militärmusik das Kommen desselben und er bot wirklich einen ganz imposanten Anblick. Den Zug eröffnete ein Festreiter auf stattlichem Roß und in beflaggten Chaisen folgten alsdann die Verwaltungsmitglieder der Weitzelstiftung. Dann bot sich dem Auge ein buntes Bild dar. Auf ge- geschmackvollen Hergerichten Wagen saßen die jugend- frohen Schnitter und Schnitterinnen, die von Zeit zu Zeit frohe Erntelieder erklingen ließen. Auch das Pfluggespann sowie der mit sechs Kühen bespannte und mit allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen geschmückte Erntewagen entsprachen vollständig dem Charakter deu der Zug haben sollte. Besondere Beachtung verdienen der auf einem großen Faß thronende, im Trinken unermüdliche Gambrinus sowie die beiden Wagen auf welchen die Göttin der Gerechtigkeit und die Friedensgöttin verkörpert waren. So bot der Zug in seiner bunten Reihenfolge ein schönes Bild. Der Zug bewegte sich trotz des Sprühregens durch die Stadt nach dem Acisbrunnen und nach Ankunft dortselbt fand die Preis- Verteilung statt und erhielten nachfolgende Herren Preise: 1. Preis Jakob Basermann für Zuchtkuh 20 Mk. 2. „ Jean Schickedanz „ „ 15 „
3. „ Ludwig Hildebrand „ „ 10 „ 1. „ Martin Gärtner „ Rinder 20 „ 2. „ Adam Walter „ „ 15 „ 3. „ Johannes Eckhardt „ „ 10 „ 1. „ Philipp Rüffer „ Roggen 10 „ 2. „ Nikolaus Weitzel „ „ 7 „ 1. „ Ferdinand Rüffer „ Weizen 10 „ 2. „ L. v. Paris „ „ 7 „ 1. „ Friedrich Weitzel „ Gerste 8 „ 2. „ Wilhelm Urbach „ „ 5 „
1. . „ Georg Bolender „ Hafer 8 „
2. „ Jean Eckhard „ „ 5 „
1. „ Phil. Hildebrand „ Erbsen 10 „
2. „ Heinrich Trabant „ „ 7 „
Hieran schloß sich das Tanzvergnügen welches die Festteilnehmer in fröhlichster Stimmung bis zur späten Abendstunde beisainmenhielt und so das Fest in herkömmlicher Weise verlief.
— * Am Mittwoch kommt in der hiesigen Turnhalle zum Benefiz und fünfundzwanzigjährigen Schauspieler-Jubiläum des Charakter- und Gesangshumoristen Herrn Direktor Rhomberg das Blumenthal'sche berühmte Lustspiel „Großstadtluft" zur Aufführung. Ein volles Haus ist wohl mit Sicherheit zu erwarten. Herr Dir. Rhomberg hat uns durch seine famoseu Rollen schon so manche vergnügte Stunden bereitet, daß wir ihm auch von ganzem Herzen ein volles Haus wünschen.
* Ein bei dem Postamte in Salmünster angestellter Postgehilfe wurde verhaftet, weil er sich mehrfach Unterschlagungen amtlicher Gelder hat zu Schulden kommen lassen.
* Nach einem halbjährigen Aufenthalt im elterlichen Schlosse zu Büdingen kehrte die Gräfin-Mutter mit ihren Kindern nach Laubach zurück. Sie bewohnt die in der Stadt telegene neu hergestellte „Friedrichsburg". — Graf Wilhelm zu Solms-Laubach, Landrat des Kreises Schlüchtern, ist nach gut verlaufener Blinddarm-Operation aus Gießen bei seiner Mutter, der verwitweten Gräfin Friedrich, zur Rekonvalescenz in Schloß Arnsburg eingetroffen.
* In Gunzenbach bei Bad Orb hantierte der Bauerssohn Adam Beel mit einem Revolver. Als er die Waffe einem Kollegen zeigen wollte, entlud sich dieselbe und schoß sich die Nasenspitze ab sowie das rechte Auge vollständig aus. Er wurde nach Hanau ins Krankenhaus gebracht.
. * In der Nähe der Großsteinheimer Eisenbahnbrücke bei Hanau wurde die Leiche eines neugeborenen Kindes männlichen Geschlechts gefunden.
* Bei einem starken Gewitter schlug der Blitz in Steinbach (Rhön) in ein Haus ohne zu zünden. Em Ochs wurde vom Blitz erschlagen.
* In Fulda wird der Verband der Geflügelzucht- vereine im Regierungsbezirk Cassel, Mitglied der Land» ' wirtschastskammer daselbst, unter dem Protektorat deH-