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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 56.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

8 81 äs <^wiq 4t^Ä finden in der Tchlitchteriter Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Die Gräfin-Mutter Caroline zur Lippe ist Montag Abend verschieden.

-- Bei der durch den Tod des Abg. Faller er­forderlich gewordenen Reichstagsersatzwahl in der zweite badische Wahlkreis Donaucschingen-Villingen-Bonndorf aus dem Besitze der Nationalliberalen ist in den des Zentrums übergegangen. Der Gutsbesitzer Düffner (Z.) wurde gegen die Stimmen für Oberschulrat Rebmann (natl.) und Schuhmacher Grahl (Soz.) gewählt.

Zu der von deutscher Seite erfolgten Kündig­ung des deutsch-spanischen Handelsvertrages bemerkt dieNordd. Allg. Ztg ": Nach Wegfall der spanisch­schweizerischer Zugeständnisse, woran die deutsche Einfuhr teilnahm, bitte der spanische Konventionaltarif kein ausreichendes Aequivalent gegenüber unserm künftigen Vertragstarife. Infolgedessen sei die Kündigung des Abkommens notwendig, welche nach der bestehenden Vereinbarung nicht vor dem 1. Juli 1906 wirksam werden könne. Bis dahin dürfe das Zustandekommen eines neuen Tarifvertrages mit Spanien eri^uciet werden.

Eine Konferenz wegen' der Maßnahmen zur Verbilligung der Fleischpreise, besonders wegen Zu­lassung des erhöhten Kontingents russischer Schweine, fand in Kattowitz statt. Es beteiligten sich daran Unterstaatssekretär v. Conrad und Geheimrat Küster aus Berlin, Oberpräsident Holtz, die Landräte, Bürger­meister und Grenztierärzte des Jndustriebezirks, der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer und Vertreter der oberschlesischen Industrie.

DerStagtsanz." veröffentlicht einen Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten, betreffend die Reisekosten-Pauschvergütungen der Beamten der Strom bauverwaliungen. Danach sollen solchen Pauschver«

Samstag, den 15. Juli 1905.

gütungen festgesetzt werden für häufige Dienstreisen innerhalb bestimmter Amtsbezirke und für regelmäßig Wiederkehrende Dienstreisen zwischen bestimmten Orten.

Der Eisenbahnminister hat unter Hinweis auf frühere Erlasse angeordnet, daß durch die Eisenbahn- Bauinspektoren und Regierungsbaumeister des Maschinen­baufaches im Einverständnis mit den Vorständen der Maschineninspektion eine erneute Untersuchung der Personenwagen auf den Zugbildungsstationen, den Refervestationen und in den Zügen während der Monate Juli und August vorgenommen wird. Die Unter­suchung hat sich wiederum auf den baulichen Zustand der Wagen und ihrer besonderen Einrichtungen zu erstrecken. Insbesondere ist festzustellen, ob die innere und äußere Reinigung mit der erforderlichen Sorgfalt vorgenommen wird, ob das Trink- und Waschwaffer von guter Beschaffenheit ist und entsprechend der Jahreszeit genügend oft erneuert wird, und ob die Wagen vor der Abfahrt der Züge gut gelüftet und abgekühlt werden, gegebenenfalls durch Bespritzen der Wagendächer.

Um den mannigfachen Klagen über Mangel- Haftigkeit der Kontrolle der Nahrungs- und Genußmittel auf den Grund zu gehen, sind seitens der Staats­regierung Verhandlungen eingeleitet worden, welche auch die Frage der Einrichtung einer Reichszentral­behörde, von der der gesamte Nahrungsmittelverkehr zu überwachen wäre, umfassen sollen. Im besonderen sind eingehende Erhebungen über die augenblickliche Organisation der Nahrungsmittelkontrolle in den einzelnen Bezirken Preußens angeordnet, aber noch nicht abgeschlossen. Wenn sich auch zur Zeit noch nicht übersehen läßt, zu welchen praktischen Ergebnissen diese Erhebungen führen werden, so ist doch jedenfalls sicher, daß die Staatsregierung der einheitlichen Ge­staltung und der Verstärkung der Nahrungsmittel­kontrolle ihre volle Aufmerksamkeit zuwendet und sie init tunlichster Beschleunigung zu fördern sucht.

Im Oktober des Jahres 1905 eröffnet der Deutsch-Evangelische Frauenbund in Hannover eine christlisch-soziale Frauenschule, jwelche den Zweck hat, Frauen und Mädchen mit Höherer Töchterschulbildung in den Zweigen der Inneren Mission und Wohlfahrts­pflege auszubilden. Dieselben müssen das 18. Lebens­jahr überschritten haben, und können wählen je nach dem sie Berufausbildung oder nur Fortbildung anstreben, ob sie den Vollkursus von 11 Monaten oder den Fortbildungskursus mitmachen wollen. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt. Anfragen nimmt

56. Jahrgang.

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Fräulein A. von Bennigsen, Bennigsen bei Hannover, entgegen.

Ausland.

In der Marokko-Angelegenheit ist die Einigung zwischen Deutschland und Frankreich über die Marokko­konferenz erfolgt. DieNordd. Allg. Ztg." veröffent­licht den Text des zwischen Deutschland und Frankreich geschlossenen Abkommens. Der Vertrag garantiert die Souveränität des Sultans von Marokko, Integrität seines Reiches und volle Handelsfreiheit. Frankreich nimmt die Einladung zur Marokko-Konferenz an. Beide Mächte berufen ihre Sondergesandtschaften von Fez nach Tanger zurück. Es verlautet, der Ort der Konferenz werde wahrscheinlich Tanger sein.

Amtlich werden neue siegreiche Kämpfe in Deutsch-Südwestafrika gemeldet. In den Karrasbergen ist es mehrfach gelungen, die Bande Morengas und die Leute des Bethanierhäuptlings Cornelius zu stellen. In einem schweren Gefecht, in dessen Verlauf die feindliche Stellung gestürmt wurde, haben unsere Truppen 5 Tote und 12 Verwundete verloren. Cor­nelius floh unter erheblichen Verlusten und Zurück- lassung von Vieh nach Westen bis in die Dunkelheit hinein von unseren Truppen verfolgt.

Eine Erweiterung hat der deutsch-spanische Kabelverkehr erfahren. Die Deutsch-Atlantische Tele- graphengesellschast erwarb die Endstation Vigo des von Emden dorthin führenden Telegraphenkabels und über- trug ihre Verwaltung deutschen Beamten. Bisher lag die Verwaltung der Station in den Händen der englischen Eastern Telegraph-Company.

Im englischen Oberhause richtete Lord Musterry an die Regierung die Anfrage, ob es Tatsache sei, daß die Hamburg-Amerika-Linie auf dem Nil Dampfer laufen lasse oder laufen zu lassen beabsichtige, welche dort mit Linien, die britischen Untertanen oder Unter­tanen der ägyptischen Regierung gehören, in Wettbe­werb treten sollten. Minister des Aeußern Marquis of Lansdowne erwiderte: Die Tatsache, wenn es eine Tatsache ist, ist von unseren Vertretern in Aegypten nicht gemeldet worden; ich werde Erkundigungen ein­ziehen.

Das meuternde russische KriegsschiffFürst Potemkin" und das es begleitende Torpedoboot haben sich im Hafen von Constanza den rumänischen Behörden ergeben. Die Mannschaft wurde ans Land gesetzt und wird in kleinen Gruppen in verschiedene Ort­schaften des Landes gebracht werden. Auf den beiden

Der kleine Doktor.

Roman von W. Sartory. 33

Retlow rief ihr nach, sie hörte nichts. Er sah, wie sie am Fischweiher stehen blieb und sich fast sehnsüchtig über das Geländer beugte. Dann raffte sie sich aber mit einem Ruck wieder auf, stürmte weiter den dunklen Parkweg hin- auf. Retlow eilte ihr nach. Er hatte eine unbestimmte Furcht, als ob sie sich ein Leid antun könnte. Schon von weitem hörte er, wie das Parktor zugeschlagen wurde, und als er dort ankam und hinaustrat, konnte er nicht» mehr von ihr sehen.

Lauschend stand er da. Er hörte flüchtige Schritte auf der obern Straße sich nach der Stadt entfernen. Einige Augenblicke zögerte er, dann aber nahm er schnellen Schrit­tes denselben Weg nach der Stadt. ES gelang ihm, ihr so nahe zu kommen, daß er sie im Auge behielt und sie selbst doch nicht seine Begleitung merkte.

So ging es in einer wahren Jagd bis zur Stadt. Hier hielt Emma einen Augenblick still, dann setzte sie ihren Weg in einem etwas langsameren Tempo fort.

Retlow kehrte nicht eher um, bis er sie durch ein Gar­tentor verschwinden sah, nun erst war er beruhigt und kehrte nach Marienberg zurück.

*

Dumpf vor sich hinbrütend, den Kopf in die rechte Hand gestützt, saß Max von Rottling in einer Zelle der Burg, wo er von Krummbaum vorläufig untergebracht war. Nun war es eingetreten und so unverhofft gekom­men, daß er noch nicht einmal von seinem letzten Ret­tungsmittel mehr Gebrauch machen konnte. Das Zucht­haus grinste ihm entgegen, unter Verbrechern konnte er letzt jahrelang sein Leben hinschleppen.

Mit einem Satze sprang Rottling auf und rannte dann wie wahnsinnig in der engen Zelle auf und ab.

Durch die kleinen, mit starken Eisenstäben vergitterten geuster drangen mitleidig die Sonnenstrahlen herein, all

wollten sie einen kleinen Ersatz geben für die Herrlichkei- ten in der Freiheit.

Rottling blieb vor dem kleinen Fenster stehen und starrte hinaus auf das Stückchen Blau. In der Zelle war es heiß und dumpf, die Schweißtropfen standen ihm auf der Stirn.

Plötzlich wurde an der Tür der Riegel weggeschoben, dann ging die schwere Tür auf und der Polizeidiener trat ein.Draußen ist jemand, der will mit Ihnen sprechen," sagte er.

Rottling lachte höhnisch auf.Ich dachte nicht, daß man mir diese Gnade noch gewährt, einen anderen Men­schen sehen zu dürfen. Wer ist eS denn?"

Eine Dame."

Irma!" fährt es dem Gefangenen durch den Kopf und sein Gesicht wird kreidebleich. Dann steht er da, als ob er nach Atem ringen muß.

Erst die Stimme des Wärter» bringt ihn wieder zur Besinnung.Soll ich die Dame eintreten lassen?"

Rottling zuckte zusammen.Wenn sie eS jedoch wünscht?" kam es dann gepreßt heraus. Und der Tür den Rücken zuwendend, wartete er die Dinge ab. Erhörte, nachdem der Wärter sich entfernt hatte, leichte Schritte nahen.

Herr von Rottling," flüsterte eS hinter ihm wie in unterdrücktem Schmerz.

Rottling fuhr herum wie von einer Natter gebissen. Emma? Du?"

Ein bleiches Gesicht mit dunkel umränderten Augen de­ren Pupillen wie im Feuer glühten, starrte ihm entgegen. Er mußte die Augen mit den Händen verdecken, der Blick ging ihm durch die Seele.

Schweigend standen sie sich eineZeitlang gegenüber.End- lich machte Emma einen schwankenden Schritt auf ihn zu.

Was suchst Du noch hier?" fuhr er auS seinerStarr- heit auf. Seine Stimme klang gereizt, er wollte das Mit- leid unterdrücken, das er plötzlich für das unglückliche Mäd­chen empfand.

WaS ich hier suche ?" Ihre Stimme bebte vor Schmerz.

Dich suche ich! Ich will sehen, ob das wahr ist. Ich frage Dich nun noch einmal, hast Du mich betrügen wollen?"

Rottling rang mit sich, mit seinen stürmischen Gedan­ken, mit der Wut gegen alles, was ihn umgab. WaS sollte er ihr sagen? Er hatte leben wollen, leben wie andere auch, daß sie eS gerade war, die ihm in den Weg gelaufen, was konnte er dafür!

Emmas bleiches Gesicht sah er jetzt dicht vor dem seinen, ihre sonst so sanften und jetzt so fieberisch glän­zenden Augen schienen in seinem Innern lesen zu wol­len. Als ob diese Augen mit ihrem flackernden Schein alles in seinem Innern aufwühlten, fuhr Rottling sich mit beiden Händen wild an den Kopf und knirschend kam ei über seine Lippen:Die Welt hat mich schlecht gemacht! Geh doch von mir! Du siehst ja, ich bin ein Verbrecher! Hast Du denn keinen Abscheu, nicht einmal Haß für mich?"

Emma zuckte zusammen, mit beiden Händen bedeckteste ihr Gesicht. Ein Zucken ging durch ihren Körper.

Mit starren Augen sah Rottling sie an. Warum kam sie zu ihm? Wollte sie noch immer nicht von ihm lassen, nachdem er von der Welt geächtet war? In seinem Her- zen schmolz die harte Kruste, heiß stieg eS auf, ein un­nennbares Gefühl, Sehnsucht nach dem Leben, ein Gefühl, das er bisher nie gekannt, ein Gefühl, das ihn zu dem weinenden Mädchen, das er bisher nur all sein Spiel­zeug betrachtet hatte, hinzog. Schon hob er den Arm und berührte leicht ihre Schulter, doch hoffnungslos ließ er ihn wieder sinken und wie ein schmerzliche» Stöhnen rang sich ein Laut über seine Lippen. Er wandte sich ab, mit der einen Hand sich auf den schweren Tisch stützend, mit den Fingen» krampfhaft die Tischkante umfassend, all ob sie das harte Holz erdrücken wollten. So stand er eine Weile.

In der Zelle war es still, nur ein leise» Schluchzen war zu hören. Durch das vergitterte kleine Fenster spielten die Sonnenstrahlen, fröhliche Kinderstimmen erklangen drau- ben. 112tl^