SWchternerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
JE 49.
Einladung zum yibonnement auf die 8ck»liick»teener Deitung mit amtlichem Kreisblatt.
Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlächtern, (55. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet die Schltichterner Zeitung über alle neue und be- merkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.
Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
finden in der über alle Ort- schaften des Kreises und weiter hinaus verbreiteten Schltichterner Zeitung wirksame Verbreitung.
Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt
1 Mark.
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Expedition der Schlüchterner Zeitung.
Deutsche Samariter in Ostasien.
Die Bestimmungen der Genfer Konvention fordern von den Staaten, die an einem Krieg zwischen zwei oder mehr Mächten nicht beteiligt sind, daß sie das Werk des Roten Kreuzes der Kriegführenden Nationen unterstützen. Die Art der Unterstützung steht ihnen frei. Deutschland hat im russisch-japanischen Kriege sich entschlossen, statt Geld und Gut ein eigenes, vollständig ausgerüstetes, mit deutschen Aerzten und Krankenpflegern reich versehenes Lazarett auf den Kriegsschauplatz zu schicken. Es hat damit das Beste gegeben, was ihm gehört: die eigene Arbeit, die es in den Dienst des gefährdeten Nachbarn stellte. Indem das deutsche Volk sein eigenstes gibt, tritt es dem, der von ihm empfängt, auch am nächsten. Gewiß zeigten unsere westlichen Nachbarn hohen Sinn, wenn sie ihre Franken und Pfunde der Zentralverwaltung des russischen Roten Kreuzes zufließen ließen, aber der Retter, der selbst den Kahn in die Brandung lenkt — der ist „der brave Mann" unseres Dichters, und
Mittwoch, den 21. Juni 1905.
solch ein selbstloses Eilen an den Ort der Gefahr ist die Stiftung des deutschen Lazaretts an der Grenze der Mandschurei.
Sucht man die Sache des Roten Kreuzes von einem höheren Standpunkt zu würdigen und von einem weiteren Gesichtspunkt zu betrachten als dem eines Spendenpflegers, so ist es die hohe moralische Bedeutung der Annäherung der Völker gerade dann, wenn sie für die ihnen entgegengetragene Liebe und Teilnahme besonders empfänglich sind, in der Zeit der Not, der Krankheit und der blutenden Wunden. Die Arme, die aus dem Feuer den Gefährdeten tragen, sind eines Engels Fittiche! Trost und Heilung zu bringen, ist des Menschenfrendes schönste Aufgabe, durch die er um die Nächstenliebe wirbt und das Vertrauen derer erwirbt, denen er die helfende Hand reicht. Die dienende Liebe an dem Kranken ist das Mittel, durch das das Rote Kreuz die Verbrüderung der Völker fördert. Sie aber muß gesehen werden und vor die Augen derer, denen sie gewidmet ist, treten. Wer die deutsche Arbeit wertschätzen und lieben lernen soll, muß sie an sich erfahren und erprobt haben.
Dieser großen Sache dient — so führt der berühmte Berliner Chirurg Pros. E. v. Bergmann in der „Woche" aus, der wir diese hochaktuellen Betrachtungen im Auszuge entnehmen — das deutsche Lazarett des Roten Kreuzes in Charbin. Was es schon in der kurzen Zeit hierin erwirkt, bezeugt einstimmig die sonst so vielfach gespaltene russische Presse. Der russische Chef der freiwilligen Krankenpflege im Kriege hat jüngst die an der sibirischen und, so weit sie noch im Besitz Rußlands ist, mandschurischen Eisenbahn gelegenen Kriegshospitäler gemustert. Das schönste, am zweckmäßigsten eingerichtete und verwaltete ist nach seinem offiziellen Bericht das deutsche in Charbin. Vor einiger Zeit führte mich die Aufforderung zu einer Operation nach Rjasksk, dem Ausgangspunkt der sibirischen Eisenbahn im europäischen Rußland, und gab mir Gelegenheit, die Urteile heimkehrender Offiziere und Aerzte zu hören. Eine Oase in der Wüste nannte einer von ihnen unser Rotes-Kreuz- Hospital.
Ein Schrecken war es für die Deutschen in Rußland, als die russischen Zeitungen von einer beabsichtigten Auflösung des nur für ein halbes Jahr gestifteten Lazaretts schrieben. Nach solcher Anerkennung ein gänzliches und plötzliches Verschwinden von der
56. Jahrgang.
Bühne, die so viel wohlwollende, ja entzückte Augen auf sich gerichtet hat, das soll und wird das deutsche Volk nicht zulassen! *
Mehr als ein Merkstein in der Geschichte des Roten Kreuzes trägt den deutscheil Namen. Vor allen ist es der erste Deutsche Kaiser gewesen, der als erster unter den - Souveränen der Welt . die Genfer Konvention annahm und sie in seinen Kriegen von 1866 und 1870/71 zu gesegneter Wirksamkeit entfältete. Eine bessere Pflegerin als die unvergeßliche Kaiserin Augusta hat das Rote Kreuz nicht finden können.
(Schluß folgt.)
Deutsches Reich.
— Die Hauptversammlung des Allgemeinen deutschen Schulvereins wurde in München mit einem Begrüßungs-Abend eingeleitet, bei dem Schulrat Rohmeder-München die aus allen Teilen Deutschlands und Oesterreichs erschienenen Vertreter herzlich willkommen hieß. Weitere Ansprachen hielten Professor v. Sauer, der die Versammlung im Namen der Münchner Ortsgruppe des Deutschen Flottenvereins willkommen hieß, sowie Professor Gareis-München im Namen der dortigen Gruppe der Deutschen Kolonial- gesellschaft und eine Reihe auswärtiger Vertreter.
— Der englische Ausschuß zum Studium der deutschen städtischen Einrichtungen besuchte als erste deutsche Stadt Aachen. Die Gäste wurden im Rat- Hause vom Oberbürgermeister Veltmann empfangen. Der Führer der englischen Mission gab bei dieser Gelegenheit dem Dankgefühl gegenüber dem deutschen Kaiser Ausdruck. Am Abend fand ein Festmahl statt, bei dem Sir John Gorst in einer Rede der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß der Ausschuß von dem Besuche in Deutschland gewinnreiche Anregungen mit nach Hause nehmen werde. Der Redner sprach sodann herzliche Glückwünsche für das neuvermählte kronprinz- liche Paar aus und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Regierungspräsident Hartmann toastete auf den König und die Königin von England.
— Um Abhülfe gegen Auswüchse des Ausverkaufswesens hatten Konservative, Nationallieberale und Zentrum im Wege der Gesetzgebung in der letzten Reichstagssession die verbündeten Regierungen ersucht. Jetzt ersucht nun das Reichsamt des Innern die Einzelstaatsregierungen um Erhebungen 1. über die hauptsächlichsten Arten der Auswüchse und 2. über die allenfalsigen Abänderungs- oder Ergänzungsvorschläge
Der kleine Doktor.
Roman von W. Sartory. 26
„Na, na!" machte Krummbaum verschmitzt lächelnd. „Ist ja ein nettes Kind.
Dr. Retlow mußte unwillkürlich lachen. „D, ich weiß noch ein hübscheres!"
„Also, Doktorchen? Du bist ernstlich verliebt?"
Der kleine Doktor zuckte die Achseln. „Vielleicht noch sogar hoffnungslos."
Krummbaum sah ihn überrascht an. „DaS ist ja interessant, besonders für Dich."
„So? Meinst Du?"
„Natürlich! Kannst dann so etwas aus eigener Erfahrung schreiben."
„Ich wollt', es wäre anders," seufzte der Doktor auf.
„Sag' mal, wer ist's denn? Mich als Deinen alten Freund müßtest Du doch in Deine Geheimnisse einweihen."
„Kennst Du die kleine Irma von Hochheim?"
„Potz Kuckuck! Kein übler Geschmack. Ist so'n kleines Nippfigürchen! Aber, springt da nicht der Baron von Ctotzler drum herum? Uebrigens, was ich Dir sagen wollte. Ich halte diesen Baron für einen raffinierten Gauner, für einen Hochstapler. Aber das bleibt unter uns."
Wie kommst Du daraus?" fragte Retlow auf's höchste überrascht, fast erfreut.
Krummbaum nahm seine Brieftasche heraus und entnahm dieser einen Brief, der halb durchgerissen war. „Hier lies 'mal," reichte er ihn Dr. Retlow hin.
Dr. Retlow nahm das Schreiben und studierte die halbe Seite, da es aber nur lauter Bruchstücke waren, wurde er nicht klug daraus.
„Was soll der Wisch ?" fragte Retlow verwundert,
„Den hab ich dem Baron auf seinem Zimmer weg- stibitzt," lächelte Krummbaum.
Dr. Retlow riß die Augen weit auf. „Wie kommst Du denn dazu?"
„Das ist mein Geschäft."
„Wie? Das Stibitzen?" Retlow mußte laut auflachen.
Mit pathetischer Bewegung zog Krummbaum aus der Rocktasche ein umfangreiches Schreiben hervor. „Wilhelm Krummbaum, Geheimpolizist," stand oben darüber und unten befand sich das große Amtssiegel.
Der kleine Doktor machte in diesem Moment ein furchtbar dummes Gesicht. Als ob er etwas wunderbares vor sich sehe, starrte er den lächelnden Krummbaum an.
„Mensch! Das bist Du?" brächte er schließlich mühsam heraus. Retlow war vor Verwunderung fast starr.
„Warum nicht?" entgegnete dieser gelassen. „Jedenfalls ein interessanter Beruf."
„Aber sag doch 'mal, was istmitdemBaron?" Krummbaum wurde mit einmal ernst. „Du bist doch verschwiegen?" fragte er. „Eigentlich habe ich Dir schon mehr mit- geteilt, als mir erlaubt ist. Wir suchen nämlich einen ent- flohenen Bankdirektor, Max von Rottling, und aus den hinterlassenen Papieren eines ebenfalls flüchtig gewordenen Kassierers glaubte manannehmen zu dürfen, daß die- ser Rottling sich hier aufhielt. Komm, wir gehen hinten unter die Halle, dort sieht uns niemand." Krummbaum nahm seinen um ein bedeutendes kleineren Freund am Arm und zog ihn unter die Glashalle.
Nachdem sie an einem Tisch Platz genommen hatten, nahm Krummbaum die Photographie hervor und frug: „Fällt Dir an diesen Gesichtszügen nichts auf?"
t,S$. Retlow betrachtete lange und eingehend das Bild. Die,e scharfen Linien auf der Stirn und unter den Augen glaubte er schon bei dem Baron gesehen zu haben,
Retlow teilte seine Wahrnehmung dem Freunde mit.
Dieser nickte bedächtig und meinte: „Die Aehnlichkeit habe ich sofort herausgöfunden, als ich den Baron zum ersten Male sah. Und dennoch kann es eine Täuschung sein, Ahnst Du jetzt, was es für eine VewandmS Mit dem Brief hat?"
„Aber der Inhalt sagt garnichtS, weil er nur stückweise vorhanden ist," zweifelte Dr. Retlow.
„So? Meinst Du? Sieh' einmal diesen Zettel an und halte ihn neben den Fetzen. So, jetzt lies einmal."
Der Brief lautete jetzt folgendermaßen: „Ich habe alles versucht, die Aufsichtsratsmitglieder im Dunkeln au halten, bis sie schließlich, durch Ihr allzulange» Fernblei- den mißtrauisch geworden, hier erschienen und in den Büchern herummausten. Zwar gelang es mir noch einmal, sie hinters Licht zu führen, aber der Boden wurde mir doch zu heiß. Morgen sage ich lebe wohl. Vielleicht treffen wir uns auf einem anderen Erdteil wieder. Dumme Geschichte daß wir das Geld schon verpufft haben. Zum größten Teil sind wir doch Opfer der schlechten Zeit! Na, machen wir uns keine Gedanken über etwas, was geschehen ist Gruß Ihr N. R." J 9 '
. »Das paßt so ziemlich darauf," meinte Retlow nach, denklich, „den Brief hast Du also bei dem Baron aesun- den?" • 1
„Unter dem Tisch auf der Erde lag da» Stückchen Pa- Pier, entgegnete Krummbaum, den Brief und da» Bild wieder einsteckend.
„Dann bist Du sicher, daß er el ist, den Du suchst?" „Weißt Du, das ist so eine Sache. So ganz sicher bin tch nun doch noch nicht. Der Fetzen kann ja auch durch einen Zufall in das Zimmer gekommen sein."
„Ader die Aehnlichkeit mit dem Bild."
Es gibt so viele Menschen, die sich ähnlich sehen."
Was willst Du denn noch tun?" frug hierauf der Dok-
tor.
„Warten!"
Dr. Retlow war sichtlich in Erregung geraten. Jetzt sprang er heftig auf und faßte seinen Freund am Arm: „Menich! Du darfst nicht länger warten! Du ahnst nicht, was auf bem Spiele steht!"
Krummbaum lachte ruhig. „Du meinst wohl die Geschichte mit der kleinen Irma von Hochheim?"
„Selbstverständlich! Sie wird ja kompromittiert!"
Krummbaum zuckte die Achseln und erwiderte: Auch deshalb darf ich noch nicht so hastig vorgehen." 112,1$