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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 47.
Mittwoch, den 14. Juni 1905.
56. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 5477 Nach § 6 der Königlichen Verordnung vom 25. Mai 1887 bezw. 21. Juli 1892, betreffend die Einrichtung einer ärztlichen Standesvertretung, hat im Monat November d. Js. eine Neuwahl der Mitglieder der Aerztekammer für die Provinz Hessen- Nassau stattzufinden und zu diesem Zwecke die Liste der wahlberechtigten Aerzte in den einzelnen Kreisen des Kammerbezirks im Monat Juni vierzehn Tage öffentlich auszuliegen.
Die Liste der wahlberechtigten Aerzte des Kreises Schlächtern liegt vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung ab 14 Jage lang in meinem Geschäftszimmer zur Einsicht offen, wovon ich den Herren Aerzten des Kreises Mitteilung mache.
Schlächtern, den 10. Juni 1905.
Der Königl. Landrat: J. V. Schult hei s.
Deutsches Reich.
— Die Hochzeitsgabe des Kronprinzen, die er seiner jungen Gemahlin am Tage nach der Hochzeit überreicht hat, besteht in einem Diadem. Das ganz aus Brillanten bestehende Kleinod ist im griechischen Stile nach besonderen Entwürfen gefertigt und aus dem Atelier der Hofjuweliere Gebr. Friedländer hervorgegangen. Oben und unten sind Bänder a la Grecque und in der Mitte große Brillanten angebracht. Der Wert des kostbaren Schmuckstücks beträgt 30000 M.
— Das Geschenk des türkischen Sultans zur Kronprinzenhochzeit besteht in einer für den Kronprinzen bestimmten, mit Edelsteinen verzierten goldenen Kassette und in einer großen Diamantbrosche für die Kr^n- prinzessin. Dieses letztere Schmuckstück soll einen Wert von 200000 M. haben.
— Fürst Leopold von Hohenzollern, der während der Vermählungsfeierlichkeiten bei seinem Sohne, dem Erbprinzen von Hohenzollern, Wohnung genommen hatte, ist am 8. Juni nachmittag in Berlin verstorben.
— Durch die jetzt veröffentlichte neue bayerische Wahlkreiseinteilung wurden im ganzen 8 bisher durch 4 Abgeordnete und 6 bisher durch 3 Abgeordnete vertretene Wahlkreise, zusammen somit 14 Wahlkreise, geteilt, während die übrigen unverändert bleiben. Die Gesamtzahl der Wahlkreise steigt von 63 auf 77, die Zahl der Abgeordneten bleibt wie bisher 159. Die von der Teilung betroffenen Wahlkreise sind die bis-
getigert Wahlkreise Rosenheim, Pfarrkirchen, Speier, Neustadt a. Haardt, Zweibrücken, Kaiserslautern, Bayreuth, Hof, Kulmbach, Ansbach, Neustadt a. d. Aisch, Weißenburg, Würzburg 2, Kempten.
— Der erste Akt der Wahlrechtsreform in Hamburg ist vorbei. Die Hamburger Bürgerschaft hat in ihrer letzten Sitzung mit einer überraschend großen Mehrheit die Einführung der Klassenwahlen gutgeheißen. Die Art und Weise, wie die Klaffen gebildet werden sollen, soll allerdings noch in einem Ausschuß näher beraten werden; auch will man die erforderliche zweite Abstimmung auf die Verfaffungsänderung erst vornehmen, nachdem man die Klasseneinteilung selbst festgestellt hat.
— Nach dem Bericht der Preußischen Zenlral- Genossenschaft hat diese im Finanzjahre 1904 einen Gesamtumsatz von 9835159987 Mk. gegen 8674868004 Mark im Vorjahre gehabt. Von der ersteren Summe entfielen 3842,1 Millionen Mark auf den Kassenverkehr, 16,2 Millionen Mark auf den Verkehr in Zinsscheinen, 478,3 Millionen Mark auf den Wechselverkehr, 454,2 Millionen Mark auf den Verkehr in Wertpapieren, 42,9 Millionen Mark auf den Lombardverkehr, 841,6 Millionen Mark auf den Verkehr in „Laufender Rechnung", 792,3 Millionen Mark auf den Depositen- und Scheckverkehr und 339 Mill. Mark auf den sonstigen Verkehr.
— Betreffs Beschaffung von Bettungsmaterialien hat der Minister der öffentlichen Arbeiten an die Eisenbahndirektionen folgenden Erlaß gerichtet: „Die auf Erlaß vom 26. Februar 1903 eingangenen Berichte über die Beschaffung der Bettungsmaterialien lassen erkennen, daß die gegenwärtige Handhabung der Beschaffung, die je nach den eigenartigen Verhältnissen der einzelnen Bezirke verschieden ist, sich im allgemeinen bewährt hat. Die Königlichen Eisenbahndirektionen denen ein besonderer Erlaß auf ihren Bericht nicht zugeht, ermächtige ich, das jetzige Verfahren bis auf weiteres beizubehalten, erwarte aber, daß weitere Vereinfachung angestrebt wird. Die Frage der Einrichtung oder der Erweiterung fiskalischer Steinbrechanlagen scheint noch nicht mit dem wünschenswerten Interesse verfolgt zu werden. In den Bezirken, in denen sich Gelegenheit bietet, sind Versuche mit dem Betriebe von Steinbrüchen auf eigene Rechnung und über dessen Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit, gegenüber der Beschaffung des Materials von Privaten, Vergleiche anzustellen. Ich behalte mir vor, weiteren Bericht hierüber seinerzeit einzufordern.
Ausland.
— In der deutschen Botschaft in Petersburg fand aus Anlaß der Hochzeitsfeier des deutschen Kronprinzen großer Empfang der deutschen Kolonie statt. Der Botschafter gedachte in begeisterten Worten des Brautpaares und brächte ein Hurra auf dasselbe aus. Die deutsche Kolonie sandte dem Kronprinzen ein Huldigungstelegramm.
— Auch die deutsche Kolonie in der bulgarischen Hauptstadt Sofia hat die Hochzeitsfeier des deutschen Kronprinzen festlich begangen. In der deutsch-evangelischen Kirche fand ein Festgottesdienst stat, dem auch der Thronfolger Boris, die Minister und Diplomaten beiwohnten.
— Das norwegische Storthing hat den Bruch der schwedisch-norwegischen Union vollzogen und die Aufhebung der Herrschaft des Königs ausgesprochen, da der König sich außerstande erklärt habe, dem Lande eine neue Regierung zu verschaffen und die konstitutionelle Königsmacht außer Wirksamkeit getreten ist. Das Storthing ermächtigte die Mitglieder des abgetretenen Staatsrats bis auf weiteres, als die norwegische Regierung die dem König zustehende Macht auszuüben in Uebereinstimmung mit der Verfassung Norwegens und den geltenten Gesetzen mit den Aenderungen, welche dadurch notwendig werden, daß die Vereinigung mit Schweden unter einem König als Folge davon aufgelöst ist, daß der König aufgehört hat, als norwegischer König zu fungiren. Das Storthing ersuchte den König um Mitwirkung dazu, daß ein jüngerer Prinz vom Hause Bernadotte den Thron Norwegens besteigen kann. König Oskar hat gegen die Beschlüsse des Storthing Protest eingelegt.
- Aus Paris wird der Rücktritt des französischen Minister Delcasft gemeldet. Ministerpräsident Rouvier hat einstweilen die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten übernommen. Die auswärtige Politik DelcasseS hat den Interessen Deutschlands eine beharrliche Nichtbeachtung entgegengestellt, und sicher hat die energische Haltung Deutschlands in der Marrokko-Frage zu seinem Sturze beigetragen.
— Wie in Paris verlautet, wird in den nächsten Tagen die Entscheidung in der Dreysus-Affäre fallen. Es wird mit Sicherheit erwartet, daß der Kassations- Hof alle bisher ergangenen Urteile kassiren und damit die Angelegenheit definitiv beendigen wird, ohne sie vor ein neues Kriegsgericht zu verweisen.
— Der Attentäter auf den König von Spanien
Der Meine Doktor.
Roman von W. Sartory.
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Schwarz packte sein Bild unter den Arm und entfernte sich, ohne ein Wort zu seiner Verteidigung zu sagen.
Mein Bruder kam auf mich zu und faßte mich ziemlich rauh am Arm. „Gertrud," sagte er ärgerlich. „Mach sticht wieder solche Dummheiten!"
„Dummheiten?^ entgegnete ich gereizt. „Woher weißt Du denn, daß es Dummheiten sind? Wir haben uns gern, bekümmere Du Dich um Deine Angelegenheiten!"
Ich war ganz erregt geworden. Mein Bruder lachte hart auf, hart und spöttisch.
„So? Ihr habt Euch gern? Hahaha! Mach doch nicht solche Faxen!"
DaS machte mich noch rasender. „Ist mir furchtbar ernst!" entgegnete ich gereizt.
„Hör' mal, Gertrud," sagte er da ruhig, aber bestimmt, „schlag Dip das aus dem Kopf.' Bedeute, daß Schwarz weit unter uns steht. Wenn Du nicht sy jung wärest, wür- ö?st Du das gleich schon bedacht haben."
„Aber Du hast doch selbst gesagt, daß er Talent hat und es noch zu etwas Großem bringen könnte."
„Und wenn das der Fall wäre, so ist er doch keine Persönlichkeit, die in unsern Stand paßt, Gertrud."
Ich konnte das nicht begreifen und entfernte mich ärgerlich. Schwarz kam von diesem Tage an nicht mehr, aber wir trafen uns heimlich. Niemand hatte eine Ahnung dp-; von. Ueber ein Jahr ging so hin, ha kamM meine Eltern Hiyser unsere Liebschaft. Abeptrotzdein mafi mich wi^ einen Verbrecher bewachte, so fand ich doch hier und da einige Minuten Zeit, um mit ihm zu sprechen Er tröstete mich iinmer auf später, wenn er mal 0p berühmter Mann sei, würden meine Eltern gewiß nichts mehr gegen ihn einzu- wenden haben. Ich wollte sp gerne geduldig warten! Nun ich fort von der Heimat weit weg in ein Pensionat.
Ein ganzes Jahr sah ich Schwarz nicht mehr wieder. Briefe konnte er keine an mich senden, dazu wurden Wir zu strenge gehalten. Als ich dann wieder nach Hause kam, glaubten meine Eltern sicher, diese Jugenddnselei, wie sie meine Neigung nannten, sei verflogen.
„Aber sie hatten sich sehr getäuscht, meine Liebe war im Gegenteil nych fester geworben und ich sehnte mich mit ganzem Herzen nach ihm. Einige Wochen vergingen, ehe die gewünschte Gelegenheit zu einer heimlichen Zusam- menkunft kam. Dann verlebten wir eine glückliche Stunde in der Abenddämmerung in einer Laube im Hintergründe unseres Gartens."
Tante Gertrud hielt einen Augenblick inne, wie von schmerzlicher Erinnerung ergriffen, dann fuhr sie leise fort: „Ich ahnte nicht, daß es die letzte war. Mein Bruder mußte mich heimlich beobachtet haben, vielleicht war es auch nur ein böser Zufall, daß er uns in der Laube entdeckte. Es gäb ?ine erregte Szene zwischen den ehemaligen Freunden, er nannte Schwarz einen infamen Verführer, und wäre ich nicht dazwischeWetretem es wäre sicher zu Tät- lichkeiten gekommen. Acht Tage vergingen, als mein Bruder eines Nachmittags mit verstörter Miene nach Hause kam. Ich sehe ihn noch, wie er matt, blaß wie ein Leichentuch, auf einen Stuhl zusammensinkt. Ich war allein in dem Zimmer anwesend und lief, erschreckt über seinAus- sehen, zu ihm, „Was ist geschehen ?" fragte ich besorgt.
Er sah mich mit eisern traurigen Blick an, dann rang Ä^$^^^
‘ „Wen?" fragte ich PkemkoS.
Schwarz." '
Tants Gertrud wischte sich die feuchten Augen. „Was dann weiter geschah, weiß ich nicht," fuhr sie fort. „Mir wurde auf einmal schwarz vor den Augen und dann umfing mich eine Ohnmacht. Meinen Bruder hab'ich erst wiedergesehen, als man ihn sterbend aus Frankreich brächte. Ich habe ihm auf dem Sterbelager verziehen."
Still war es in dem Zimmer, leise tickte die kleine Wand- uhr, Blumenduft drang durch das geöffnete Fenster.
Tante Gertrud hielt das Taschentuch an die Augen ge- preßt, die Erinnerung an ihr verlorenes Glück hatte sie überwältigt.
Auch in Irmas Augen glänzte e» feucht. Leise legte sie ihren Arm um Tante Gertruds Hals. „Arme Tante," flüsterte sie teilnehmend. „So hat Dir im Leben kein Glück geblüht."
„Vielleicht wird mich der liebe Gott im späteren Leben dafür belohnen," sprach sie mit vor Wehmut zitternder Stimme „Wäre mir die Hoffnung auf das bessere Jenseits nicht geblieben, ich hätte dieses Leben nicht länger ertragen."
Baron von Stotzler kramte in seinen Papieren herum. An der Tür tlopfte es leise an. Aergerlich wandte er sich um.
Noch einmal klopfte eS, lauter.
„Herein!" rief er fast wütend, eiligst einen Stoß ®a» pure in seiner Brusttasche verschwinden lassend.
Der Portier trat, die Mütze in der Hand, ein.
„Was wollen Sie?" fuhr der Baron ihn an.
«Eine Dame wünscht den Herrn Baron zu sprechen."
„Eine Dame? Wie heißt sie denn?"
«Den Namen wollte sie mir nicht nennen."
„Zum Donnerwetter, ich hab' nicht Zeit, eine ixbeliebig» Perion zu empfangen !" fuhr er nervös auf.
„Sie wünscht es dringend, Herr Baron."
„Sagen Sie, ich sei nicht zu Hause."
Der Portier machte ein Gesicht, als ob er sagen trollte: »Da kann ich nichts dafür," und entfernte sich eiligst.
„Bist Du für mich auch nicht zu Hause?" fragte Emm« an der Tür stehend, mit zitternder Stimme.
Der Baron war bei ihrem Eintreten unwillkürlich einer» Schritt zurückgewichen und starrte sie jetzt an, als ob er eine Erscheinung vor sich sehe, ,WaS joU das?" tarn e» ärgerlich über seine Lippen, uz ^