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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Amtliches.

J.-Nr. 1654. Dem bei der Freiherrlich v. Stumm- schen Gutsverwaltung zu Ramholz in Dienst stehenden Dienstknecht Johannes Alt aus Vollmerz ist für lang­jährige treue Dienstzeit eine 3. Prämie von 15 Mark aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlichtern, den 26. Mai 1935.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:

Graf zu Solms.

Zur Vermählung des deutschen Kronprinzenpaares.

Im milden Strahl der Frühlingssonne Beim Blühn und Sprießen allerwärts

Ward unserem Volke Heil und Wonne, Ward Freude jedem deutschen Herz.

Es eint sich heller Jubelklang

Mck Blumenduft und Vogelfang.

Geführet hat zum Ehebunde

Des Reiches Kronprinz heim die Braut,

Das ist des Lenzes frohe Kunde,

Äas ist die Botschaft wonnetraut.

Die klinget jubelnd fort und fort

Durch Berg nnd Tal von Ort zu Ort.

Von hehrem Glänze steht umstosfen,

Die sich der Krone Erb' erkor,

Ist sie doch jenem Stamm entsprossen,

Aus dem Luise wuchs empor,

Die wie ein Stern in lichter Pracht

Erhellet einst des Volkes Nacht.

O Gott, vom Himmel blick' hernieder,

Und Du auch, edle Dulderin,

Breit die verklärten Hände wieder

Mild segnend über Deutschland hin,

Daß Glück und Heil sei immerdar

Dem hohen neuvermählten Paar!

Willkommen dem kronprinsiichen Brautpaare.

Freude ist in unserm Kaiserhause eingezogen, und Jubel herrscht in allen deutschen Gauen, denn am 5. Juni findet die Vermählung des deutschen Kron­prinzen Friedrich Wilhelm mit seiner erwählten Braut, der Herzogin Cäcilie von Mecklenburg-Schwerin, statt.

Wenn in bürgerlichen Kreisen eine Hochzeit gefeiert wird, so wetteifern Freunde und Verwandte und wer sonst der Familie nahe steht, dieser ihre herzliche Teil­nahme an dem frohen Ereignisse zu bezeugen. Wenn aber im Hohenzollernhause ein solches Fest stattfindet,

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Der kleine Doktor.

Roman von W. Sartory. 20

DaS scheint ja gerade keine sehr freundliche Unterhal­tung gewesen zu sein," meinte sie.

O, nichts von Bedeutung," entgegnete Stotzler, sich zur Ruhe zwingend um ein gleichgiltiges Wesen zur Schau zu tragen.

Warum ist denn der Doktor weggelaufen?"

Weiß ich nicht," kam es etwas ungeduldig zurück Wenn Sie nach ihm verlangen und Ihnen meine Gesellschaft nicht angenehm ist, kann ich ihn ja zurückrufen," entgegnete er ungeduldig.

Irma verzog schmollend das Gesichtchen. Das war sie nicht von dem Baron gewöhnt," eine solche Tonart.

Stotzler sah ihr die Verstimmung an und gleich wurde er wieder freundlicher. Er trat ganz dicht an sie heran und flüsterte ihr zu:Verzeihen Sie, Irma, ich kann es nicht dulden, daß Sie einen andern bevorzugen." Dann beugte er sich noch tiefer, so daß sein Atem ihre Wange streifte. Irma, wann endlich werden Sie das entscheidende Wort sprechen? Sehen Sie denn nicht, daß ich danach lechze, wie ein Fisch, der sich aufs Land verirrt hat, nach dem Wasser? Irma!" Er faßte ihre Hand und drückte sie leidenschaft- lich an seine Lippen.Irma! Sag' doch das eine Wort! Fällt eS Dir denn so schwer, einen armen Menschen glück­lich zu machen?" Noch immer hielt er ihre Hand fest in der seinen, als wollte er sie nicht mehr loslassen.

Irma lächelte still. Auf ihren kindlichen Zügen lag ein Zug von Zufriedenheit und stillem Glück. Die Augen hielt sie wie im Traume geschlossen. ES kam ihr alles so traumhaft vor.

Der Baron wartete auf die Antwort. Er verschlang fast mit seinen Blicken die zierliche Gestalt, in seinen Au­gen glühte die Erwartung .. ein unheimliches Feuer.

Es hing so viel von dem einen Wörtchen für ihn ab. Als er wieder ihre Hand stürmisch küßte, schlug sie die Au­

Samstag, den 3. Juni 1905.

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so ist es nicht ein Fest der Familie allein, sondern des gesamten Volkes, des ganzen Landes. Darum gestaltet sich auch die Vermählungsfeier unseres Kronprinzen­paares zu einem nationalen Festtage für das ganze deutsche Vaterland, ist es doch wieder eine deutsche Fürstentocher, die einst den deutschen Kaiserthron be­steigen wird. Dazu kommt, daß es nicht eine Fürsten­heirat ist, durch die Staatsraison und politische Er­wägungen veranlaßt, sondern daß wahre Herzensneigung die beiden jungen Fürstensprossen zusammengeführt hat.

Im September 1904 war es, als in Gelbensande an der Ostseeküste, dem Sommeraufeuthalte der mecklen­burgischen Herrscherfamilie, sich die Herzen der hohen Verlobten fanden. Die hohe Braut wurde am 20. September 1886 als die zweite Tochter des im Jahre 1897 verstorbenen Großherzogs Friedrich Franz 3. und seiner Gemahlin, der Großherzogin Anastasia Michailowna, geb. Großfürstin von Rußland, geboren, steht also jetzt im 19. Lebensjahre. Von allen, die sie kennen, wird sie als eine stattliche Erscheinung geschildert von großer Lebhaftigkeit und natürlicher Anmut gepaart mit schlichter Einfachheit, gewinnender Herzengüte und' wahrer Frömmigkeit, und in ihrer engeren Heimat erfreut sie sich wegen ihres schlichten und echt weiblichen Wesens großer Beliebtheit. Dabei besitzt sie infolge ihrer vortrefflichen, echt deutschen Erziehung eine vor­zügliche allgemeine Bildung. In der Weltgeschichte, Kirchen- und Kunstgeschichte ist sie wohl bewandert und spricht vier Sprachen. Rege beteiligt sie sich an allerlei Liebeswerken im Dienste der Kranken und Not" leidenden. Kein Wunder, daß die Wahl unseres Kronprinzen ganz nach dem Herzen seines kaiserlichen Vaters war, wie aus den herzlichen und begeisterten Worten hervorgeht, mit denen er in Altona die Ver­lobung seines Sohnes bekannt gab.

Und einer solchen an Körper und Geist ausge­zeichneten Braut ist der jetzt 23 Jahre alte deutsche Kronprinz wert. Auch er besitzt eine gründliche wissen­schaftliche Bildung. In dem Kadettenhause zu Plön erhielt er seine wissenschaftliche und militärische Vor­bildung, und nach beendeten Universitätsstudien in Bonn tat er, wie alle Hohenzollernprinzen, als Leutnant beim 1. Garderegiment z. F. in Potsdam Dienst, getreu der alten hohenzollernschen Tradition, daß ein preußi­scher Prinz wie jeder andere Soldat und Offizier im Heere dienen und jede Strapaze zu ertragen lernen müsse. Und daß unser Kronprinz ein tüchtiger, pflicht­eifriger Soldat und Offizier ist, davon hat er schon mehrfache Proben abgelegt. Dabei ist er von einer

gen auf und zog die Hand mit einem ängstlichen Blick nach allen Seiten zurück.

Wenn uns jemand sieht, Herr Baron," kam es leise über ihre Lippen, wobei ein rosiger Hauch über ihr Ge­sichtchen huschte.

Was tut's, Irma!"

Quälen Sie mich doch nicht länger."

Sagen Sie ja. Sie machen einen armen Menschen glücklich! Irma!" Fast flehend sah er ihr in die Augen.

Irma nickte nur stumm mit dem Köpfchen.

Wie ein Jubelton kam es aus der Brust des Barons. Irma mein Engel! Du willst mein werden." Alles ver­gessend beugte der Baron sich über das erglühende Ge­sichtchen und^küßte die roten Lippen.

Gehen Sie jetzt, Baron " sagte Irma nach einer Pause, fast flehend. Es war ihr auf einmal so wunderbar zu Mute geworden. Sie mußte allein sein, allein mit all den stür- mischen Gedanken und Wünschen.

Irma," bat der Baron,willst Du nicht auch das vertrauliche Du gegen mich gebrauchen. Du willst ja jetzt mein sein! Sag' 'mal: lieber Max geh' jetzt, ich will allein sein. Bitte!"

Lieber . . Max . . geh',* sprach sie wie ein Kind nach, dann wandte sie in holder Verwirrung das Köpfchen ab und hielt sich beschämt die Augen zu.

Noch einmal drückte der Baron ihr die Hand und dann ging er dem Kurhause zu. Er war aufgeregt, mehr auf­geregt als ihm lieb war, ganz so kalt, als wie er wollte, war sein Herz doch nicht dabei geblieben.

Verd .. .." murmelte er wütend vor sich hin.Das fehlte auch noch, daß ich mich in sie verliebte."

Unruhig ging er weiter. An der Eingangstür machte er Kehrt und ging nach dem Fischweiher hinunter, Kühlung mußte er haben. Jetzt ftiQ auf dem Zimmer hocken, das brächte er nicht fertig,

Vielleicht eine Stunde später kehrte er in das Kur- haus zurück.

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56. Jahrgang.

natürlichen Schlichtheit und einnehmenden Leutseligkeit, die jeden bezaubert. Er gilt auch als der Liebling seiner kaiserlichen Mutter, deren milden Sinn er geerbt hat. Ohne Zweifel sind die Herzens- und Charakter­eigenschaften der beiden hohen Brautleute dazu angetan daß die Ehe eine glückliche und segenbringende werde.

Mit der Herzogin Cäcilie wird die erste Königin dieses Namens auf den. deutschen Thron kommen, denn der Name Cäcilie ist bisher unter den preußischen Königinnen noch nicht vertreten gewesen.

So heißen ivir denn das hohe Brautpaar herzlich willkommen. Möge die junge deutsche Kronprinzessin sich einreihen als eine neue Perle in den Kranz edler Fürstinnen, die den Hohenzollernthron stets geschmückt haben; mögen die hohen Frauentugenden, die unsere erlauchte Kaiserin zieren, in reichstem Maße auch sie schmücken; möge sie, wie einst ihre hohe Ahnin, die edle Königin Luise, die auch eine mecklenburgische Prin­zessin war, eine Landesmutter in des Wortes schönster Bedeutung werden, möge der hohe Bräutigam dereinst ein Hohenzollernfürst auf dem preußischen und deutschen Throne sein, seinen hohen Ahnen gleich; möge seine Ehe, wie die unseres Kaisers, ein Muster und leuch­tendes Vorbild echten deutschen Familienlebens zeitigen, das ist der Wunsch und die Hoffnung des ganzen deutschen Vaterlands.

Deutsches Reich.

- Die Abschiedsfeierlichkeiten für die Braut des deutschen Kronprinzen, Herzogin Cäcilie, in Schwerin begannen Sonnabend vormittag mit dem Empfange von Abordnungen, welche im Thronsaale des groß- herzvguchen Schlosses dein kronprinzlichen Brautpaare Geschenke überreichten. Bei dem Empfang waren auch der Großherzog, die Großherzogin und die Großher- zogin-Mutter zugegen. Die Hofstaaten überreichten ein Bild des verstorbenen Vaters der Braut, des Großherzogs Friedrich Franz III. Andere Gaben überreichten die Damen Schwerins, die Offiziere des Grenadierregiments Nr. 89 und Vertreter der mecklen­burgischen Ritterschaft. Nach dem Empfang fand für die Vertreter der Ritterschaft ein Frühstück im Waffen- saale des Schlosses statt.

Das preußische Herrenhaus trat am Montag wieder zusammen und erledigte verschiedene kleinere Vorlagen und Petitionen. Vor Eintritt in die Tages­ordnung teilte Präsident Fürst Knyphausen mit, daß vor der Kommissionsberatung über die Berggesetznovelle eine allgemeine Besprechung dieser Vorlagen, und zwar

Doktor Retlow war den Parkweg heraufgegangen. Was er aus dem Baron herausgebracht hatte, das hatte er von ihm erwartet. Das Mädchen war nur ein Zeitvertreib für ihn gewesen.

Kopfschüttelnd mußte er sich wieder fragen:Was kann einMädchen nur liebenswertes an diesemMenschen finden?" Das konnte ihm gar nicht in den Kopf kommen, er konnte das nicht begreifen. Dr. Retlow ging ruhig weiter.

Plötzlich klopfte ihn jemand auf die Schulter und eine wchend^Stiinme klang an sein Ohr.Alter Junge, fängst

So jäh aus seinen Gedanken aufgeschreckt, war der kleine Doktor etwas zusammengezuckt. Er blieb stehen und wandte sich um. Ein Herr in schwarzem Frack und Zylin­der stand hinter ihm und hielt ihm lächelnd die Hand hin.

Der kleine Doktor sah einen Moment zweifelnd den Störer an.

Na, kennst Du Deinen alten Freund Wilhem nicht mehr?" lachte der schwarze Herr.

Ach .. Du .. Krummbaum! Wie kommst Du dem» hierher?"

Der Schwarze lachte verschmitzt.Geheimnis, alter Junge."

Du siehst ja so feierlich aus, als ob Du auf einem Brautgang wärest."

Muß hier den feinen Gentleman markieren " Mensch! Hast Du das große Los gewonnen?"

Gott bewahre! Bin immer noch ein armer Teufel!" Das scheint mir gerade nicht," meinte der Doktor mit einem prüfenden Blick auf sein vornehmes Aeußere.

Später werde ich Dir die Sache erklären. Vorläufig muß ich noch schweigen, Doktorchen."

Du machst mich wirklich neugierig."

Kann Deine Neugierde aber jetzt mit dem besten Wil­len nicht befriedigen."

Eine kleine Pause entstand, während die beiden Ju­gendfreunde, die sich hier so unerwartet getroffen hatten, ruhig weiter schritten. nz xg