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Bei bet Wiederaufnahme der Verhandlungen des Haager Schiedsgerichts zur Entscheidung der Streit­frage zwischen Japan und Deutschland, Frankreich und England wegen der von Japan in den ehemaligen Fremdenniederlassungen erhobenen Gebäudesteuern er­wiesen am Montag der Präsident Gram und die Vertreter der sämtlichen Länder dem verstorbenen deutschen Vertreter Weipert die üblichen Ehren und begrüßten dessen Nachfolger Lentze. Die europäischen Mächte beantragten die Zulassung des Deutschen als Verhandlungssprache. Japan stimmte unter der Be­dingung zu, daß auch das Japanische als Verhand­lungssprache zugelassen würde.

Die russische Maifeier ist nach offiziösen Be- richten ruhig verlaufen. Zwei unbedeutende Versuche in Petersburg, auf dem Preobrashenskoje-Kirchhofe, auf dem die am 22. Januar Gefallenen begraben sind, Kundgebungen zu veranstalten, schlugen fehl. Die Ruhestörer wurden sogleich von Kosaken ohne Auf­wendung von Waffengewalt auseinandergetrieben. Ebenso wurde eine andere Gruppe von Arbeitern, die singend über Wassili-Ostrow zog,- von Kosaken zerstreut. Auch aus Moskau, Saratow, Kosan, Kronstadt, Rostow, Kischinew, Jekaterinodar, Tomsk, Tiflis, Kiew und Wologda wird gemeldet, daß dort den Tag über Ruhe herrschte.

In Rußland ist eine staatliche Beihülfe für die notleidenden Bauern geplant. Das russische Minister­komitee hat einen Entwurf ausgearbeitet, nach welchem den Bauern die Pacht von Kronländereien im Gesamt- flächeninhalt von 90 Millionen Dessatinen erleichtert werden soll. Der Ackerbauminister soll _ das Recht erhalten, bei der Entrichtung des Pachtzinses Aufschub zu gewähren oder ihn ganz zu erlassen, ebenso den Bauern den Erwerb von Kronland zu erleichtern. Der Nowoje Wremja" zufolge beschloß das Ministerkomitee, wegen der Bauernunruhen die Genehmigung des Kaisers einzuholen, daß der Entwurf ohne vorherige Begutachtung durch die Ministerien dem Reichsrat vor­gelegt werden dürfe.

Der norwegische Storthing nahm mit 64 gegen 46 Stimmen den Antrag des Finanzministers an, daß der Vorschlag der Mehrheit der Zollkommission, be­treffend Zoll auf Kartoffeln, provisorisch sofort in Kraft treten soll. Es wird angenommen, daß die Sätze des Mehrheitsvorschlages eine Mehreinnahme von etwas über 3 Millionen Kronen jährlich bringen werden.

Aus dem Kerwaltungsberichi der Landes- Kreditkasse für 1904,

der uns von der Direktion zur Verfügung gestellt wurde, heben wir das Nachfolgende, das Wohl einen großen Teil unserer Leser interessieren dürfte, hervor:

Der Darlehnsausstand ist von 124,61 Millionen Mark (Ende 1903) gestiegen auf 180,64 Millionen in 33 489 Posten; der Obligationen-Umlauf von 122,52 Millionen auf 129,93 davon 3,10 im eigenen Besitz der Anstalt. In 1904 gingen ein 1931 Darlehnsge- suche im Gesamtbetrage von 15,62 Millionen, bewilligt wurden 1736 Darlehn in Höhe von 11,68 Millionen, ausgezahlt 1642 Posten mit 10,81 Millionen. Von den Neuausleihungen entfallen im Durchschnitt auf ein Darlehn 6584 M., über 74 der gewährten Darlehn bleiben unter 5000 M-, nahezu 7s derselben entfallen auf ländlichen Grundbesitz. Den Grund für die ver­hältnismäßig geringe Inanspruchnahme des Kredits der Landeskreditkasse seitens der städtischen Grundbesitzer findet der Bericht einmal darin, daß in vielen Fällen die auf andereu Schätzungsunterlagen beruhenden höheren Beleihungen der Privathypothekenbanken trotz ungünstigerer Bedingungen dem Kreditbedürfnis der Erborger besser dienen. Weiter aber scheint es, . daß von vielen Hauseigentümern die mit der Armortisations- hypothek verbundenen großen Vorteile der Unkündbar- keit und Unmöglichkeit der Zinserhöhung, zwei Momente, welche den Ertrag und die Verkäuflichkeit eines Hauses äußerst günstig beeinflussen, nicht genügend gewürdigt werden. Der Zinsfuß der im Berichtsjahre gewährten Dahrlehn stellte sich auf 3,85 Prozent, daneben trat vom 1. Juli ab ein Kursverlust von 1 Prozent ein, der aber auf Grund der Beschlüsse des Kommunalland- tages zinsfrei vorschußweise zugelegt wird. Von dem Gesamtdarlehnsausstand der Landeskreditkasse im Be­trage von 130 645 Millionen werden verzinst rd. 239 000 M. mit 3,1 Prozent, rd. 4 579 000 Mark mit 3,35 Prozent, rd. 75 606 000 M. mit 3,60 Proz., rd. 262 000 M. mit 34 Prozent rd. 33 986 000 M. mit 3,85 Prozent, rd. 1509 000 M. mit 4 Prozent, rd. 147 000 Mark mit 4,1 Prozent, rd. 13 981000 M. mit 47. Prozent, rd. 336 000 Mk. mit 4/a Prozent.

(Schluß folgt.)

Lokales und Provinzielles.

Schlüchteru, 19 Mai 1905.

* Ernannt wurde der Pfarrverweser Junker in Hohenzell, Klasse Schlüchtern, zum Pfarrer daselbst.

* Kreistierschau mit ^räiutirung wird nun- mehr bestimmt Dienstag, den 20. Juni von morgens 7 Uhr ab vahier stattfinden. Da diese Ausstellung in den weitesten Kreisen bekannt gegeben wird mit bim

Hinzufügen, daß Kaufgelegenheit für Zuchttiere, nament- lich junge Bullen hier gegeben ist, auch der Vorstand der Landwirtschaftskammer seinen Besuch bereits zu­gesagt hat, ebenso die Vertreter Königlicher Regierung gewiß anwesend sein werden, liegt es nun an den Viehhaltern zu zeigen, was sie leisten können und muß jedenfalls eine zahlreiche Beschickung ber. Ausstellung nicht allein mit Simmentaler Reinblut sondern auch mit Kreuzungstieren erwartet werden. Der Prämien­fonds ist reichlich bedacht, es sollen nicht gerade sehr hohe sondern recht viele Prämien verteilt werden.

* Wie uns mitgeteilt wird, haben die Gesellschafter der Sannerzcr Ziegel- und Thonwerke in ihrer General- Versammlung am 18. Februar d. I. beschlossen, das Stammkapital der Gesellschaft von 440000 Mark auf 242 000 Mark herabzusetzen, ferner ist der bisherige Geschäftsführer Herr Max May seit dem 24. April d. J. aus der Direktion der Gesellschaft ausgetreten.

- * Die Durchschnittspreise der höchsten Tagespreise für Hafer, Heu und Stroh für die Kreise Fulda, Hünfeld, Gersfeld und Schlüchtern sind im Monat Mai folgende: Hafer: 8 Mark 27 Pfg.; Heu 3 Mark 68 Pfg.; Stroh 2 Mark 63 Pfg.

* Die diesjährige Generalversammlung des Deutschen Vereins für das Fortbildungsschulwefen" findet am 28. Sept. er. in Stettin statt und steht auf der Tagesordnung u. a.Die Errichtung einer Pensionskasse für Fortbildungsschullehrer". An­schließend hieran wird ebendaselbst am 30. September und 1. Oktober der diesjährige (8.) Fortbildungstag abgehalten. -- Der Verein zählt z. Zt. über 1200 Mitglieder.

* Zu den 33 preußischen Handwerkskammern gehörten 1904 im ganzen 8169 Innungen mit 172 Jnnungsausschüssen. ' Hiervon waren 5805 freie und 2364 Zwangsinnungen. Der Handwerkskammerbezirk Kasfel umfaßte 52 freie, 75 Zwangs-Jnnungen und 2 Jnnungsausschüsse und der Handwerkskammerbezirk Wiesbaden 31 freie, 27 Zwangs-Jnnungen und 3 Jnnungsausschüsse. Der nächste Bezirk Berlin um­faßte 731 Innungen und zwar 566 freie und 165 Zwangs-Jnnungen, der schwächste Aachen 25, 7 freie und 18 Zwangs-Jnnungen. Der Handwerkskammer- bezirkSigmaringen hatte 1904 weder eine Innung noch einen Jnnungsausschuß.

* Erleichterung des Jufanteriegepäcks. Schon seit längerer Zeit werden Versuche gemacht, das Ge­wicht des Jufanteriegepäcks herabzumindern. Wie jetzt dieLeipz. N. Nachr." erfahren soll anstelle des Tornisters der günstige Ergebnisse geliefert haben, weil die Verteilung der Last auf dem Rücken nach Umständen verändert werden kann, während sie bei dem Tornister stetig unverändert wirkt. Die Ver­ringerung des Gewichts soll dadurch erreicht werden, daß der Rucksack nur Leibwäsche, Kochgeschirr und eiserne Portion aufnehmen, alles übrige aber auf dem Packwagen der Kompagnie befördert werden soll. Die sonst noch im Tornister untergebrachten zwei Patronen- schachteln werden ebenfalls im Rucksack getragen und noch durch zwei vermehrt, was bei der Allgemein- Herabsetzung des Gepäckgew-chts auch sehr gut möglich ist, sodaß die vom Manne am Leibe mitgeführte Patronenzahl später 150 gegen 130 jetzt betragen wird. Um auch sonst die Beweglichkeit der Fußtruppen zu steigern, geht man mit der Absicht um, den großen erforderlichen Troß der Truppenfahrzeuge zu verringern, indem man den für je ein Bataillon ausgeworfenen Marketenderwagen als entbehrlich in Fortfall bringen, dafür aber, der gesteigerten Wichtigkeit des Schanz­zeuges entsprechend, für jedes Bataillon einen Schanz­zeugwagen feinstellen will. Einen Lebensmittelwagen erhält jede Kompagnie schon ohnehin, sodaß man des­halb glaubt, auf den Marketenderwagen des Bataillons verzichten zu können.

* Sankt Urban fällt auf den 25. Mai. Gleich den in diesem Jahre gut vorübergegangenen drei Ge­strengen ist auch dieser im Volksglauben gefürchtet, da er gewisfermaßer als vierter Eisheiliger angesehen wird. Hoffentlich verfährt er aber ebenso gelinde als seine Vorgänger, dennist Urban ohne Regen, so verspricht er gxoßey Sxgen, wenn er aber kein gut Wetter hält, das Weinfaß in die Pfütze fällt."

* Die Blüte der Kastanie kommt punmehr eben­falls zur Entwickelung. Die an den Zweigen gerade und aufrecht wie die Kerzen am Weihngchtsbaum stehenden weißen oder rötlichen Blüten haben der Kastanie nicht mit Unrecht die BezeichnungChrist- baum des Frühlings" gegeben. Sowohl Blüten wie Früchten des stattlichen, schattenspendenden Kastanien- baumes wohnt eine große Heilkraft inne. In Spiritus aufgesetzt, sind die Blüten ein vorzügliches Einreibe- mittel bei allerlei Schmerzen und Gebrechen, während die Kastanien, in der Tasche getragen, altem Volks­glauben nach bei Rheumatismusunfehlbar" wirken. So ist hier das Schöne mit dem Nützlichen verbunden, und deshalb freuen wir uns doppelt der jetzt wieder­kehrenden poefiereichen Zeit der Kastanienblüte.

* Der noch unbestrafte Dienstknecht W. von Weichers- bach hat sich an einem 8jährigen Ainde einer unzüchtigen Handlung schuldig gemacht. Er wurde von der

Strafkammer in Hanau unter Annahme mildernder Umstände zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt.

* Ein heiterer Zwischenfall hat sich am letzten Dienstag gelegentlich der Schillerfeier in einem Dorfe des Kreises Offenbach ereignet. Als nämlich um 5 Uhr die Glocken der Dorfkirche die Sterbestunde des großen Dichters verkündeten, befand sich die Mehrzahl der Einwohner auf tem Felde. Da man den Sach- verhalt nicht sofort erkannte, bemächtigte sich der Leute zuerst großes Erstaunen und dann jäher Schreck. Hört ihr's wimmern hoch vom Turm, das ist Sturm", so zog es Wohl unbewußt durch die Seelen Geängstigten, und mit dem Schreckensrufe:Es brennt!" stürzte alles dem Dorfe zu. Dort eilte man zum Spritzen- Hause, holte die Löschgeräte hervor und jagte damit durch die Dorfstraßen, eifrig nach der Brandstelle suchend. Einer brächte den anderen in Verwirrung, bis endlich ein ausgeschickter Feuerwehrmann von der Kirche her, wo noch immer der Ton der Glocken erklang, zurückkam mit der Meldung, daß das Geläute bem vor 100 Jahren verstorbenen Dichter Schiller gelte. Nun beruhigte man sich endlich und ging, selbst höchlichst ergötzt, wieder an die Arbeit.

* Als Abschluß der Schillerwoche fand am Sonntag Nachmittag auf dem sogenannten Aepfelweinhügel im Frankfurter Stadtwald das von den Sachsenhäuser Vereinen arrangierte Schiller-Waldfest statt. Auf einem Podium stand zwischen Vereinsfahnen und Maiengrün die weiße Schillerbüste. An Stelle des unpäßlich gewordenen Rektors Lang hielt Dr. Gantter die Festrede. Danach zogen Zöglinge von Sachsen­häuser Schulen über das Podium und schmückten unter Absingen eines Huldigungsliedes die Büste des Dichters mit Blumen. Ferner gab es gemeinschaftliche Lieder, Chorvorträge von 15 Gesangvereinen, Konzert usw.

* In Frankfurt hat eine Frauensperson ein etwa 56 Monate altes Mädchen in einem Hause der Moselstraße ausgesetzt.

* Großfeuer war am Montag Vormittag in bet Offenbacher-Landstraße zwischen Oberrad und Sachsem Hausen. In der am Fuße des Mühlbergs gelegenen Stallung des Fuhrunternehmers Aschenbrücker war um 729 Uhr ein Brand ausgebrochen, der das Ge­bäude und eine Scheuer zerstörte. Die Feuerwehr hatte bis gegen 12 Uhr zu tun. Viele Futtervorräte sind verbrannt. Die Ursache des Feuers ist noch nicht bekannt.

* Wie in Marburg bekannt gegeben wurde, ist der Befehl eingetroffen, daß zu den Kaisertagen in Wies­baden anläßlich der Anwesenheit der Königin von. Italien sich nicht das gesamte Jägerbataillon, sondern nur das Offizierkorps nach dort begibt. wm0*

* In der Gemarkung Hilders in der Rhön deuten frischgewühlte Spuren darauf hin, daß aus dem Spessart Wildschweine sich wieder in die Rhön ver­laufen haben Die Jäger sind zwar noch auf keine der Sauen gestoßen, aber sie sind entschlossen im Ver­ein mit benachbarten Weidmännern eine Keffeljagd auf die ungebetenen Gäste abzuhalten.

* Die ledige 24jährige W., welche vor kurzem in Frankfurt a. M. alsStütze" gedient, schenkte in Fulda vor etlichen Tagen einem Kinde das Leben. Um sich dessen zu entledigen, soll die Rabenmutter das Kind in die Abortgrube geworfen haben. Die sofort eingeleitete Untersuchung resp. Obduktion der Leiche ergab, daß das Kind lebend zur Welt gekommen. Am Hälschen wurden zwei Stellen entdeckt, nach welchen zu schließen ist, daß das hilflose Wesen erwürgt wurde. Seit der Entbindung befindet sich die un­menschliche Mutter im Landkrankenhaus zwecks Ge­nesung; seit Sonnabend ist sie zur Untersuchungsge­fangenen geworden.

* Der für gestern Abend zu Ehren der Generalität geplante große Zapfenstreich und die Serenade sind mit Rücksicht auf eine schwerkranke Frau im Stadt­schloß Fulda unterblieben. Das Musikkorps war be­reits auf der Kurfürstenstraße, als vom kommandierenden General des 11. Armeekorps Generalleutnant Linde, welcher mit dem v-Zug 8.40 hier ankam, der Befehl eintraf, daß der Zapfenstreich und die Serenade aus- zufallen haben. Heute früh 6 Uhr 15 Minuten rückte das Regiment von der Kaserne ab und zog unter klingendem Spiel über's Eichsfeld auf den Exerzier­platz ; um 8 Uhr mußte das Regiment dort ausgss- richtet stehen und mit alsbaldiger Ankunft der Generalität begannen die Uebungen- \

* Rittmeister a. D- Hupfeld, gebürtig aus Mader« zell bei Fulda, der die Gemahlin des Schriftstellers Georg von Ompteda, geb. Florenee Motard, s. Z. entführte und nach einem Duell mit ihm verurteilt wurde, hat nunmehr wie aus Dresden gemeldet wird, die geschiedene Frau v. Ompteda geheiratet. Die Vermählung fand in Paris statt.

* Erschossen aufgefunden wurde am Montag früh ein junges Ehe- oder Liebespaar, welches am Sonntag Abend mit der Eisenbahn in Cassel angekommen und in einem Gasthofe nahe beim Oberstadlbahnhofe abge­stiegen war. Irgendwelche Legitimationspapiere wurden in den Effekten der beiden Leichen nicht vorgefunden.