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Erscheint Mittwoch und Samstag- — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 30~ Samstag, dm 15. April 1905. Jahrgang.
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Es ruft der Glocke Ton zur ernsten Leier Dich nun, mein liebes Aind; — so geh' mit Gott! pflanz dieses Wort in deine junge Seele Und laß es dein Geleit fein bis zum Tod. M, dieses Wort, daß ich es schreiben könnte Mit Llammenschrift dir in das Herz hinein. PasWort:,, MitGott!" das mög’ bei keinen Werfen Db hier, ob dort, Anfang und Ende sein!
Doch wenn des Lebens Wogen dich umbranden, Vb auch in N)eh und Leid der Mut wohl bricht, Und wenn das Schicksal sollte sturmgewaltig Dich reißen wollen von dem Weg der Pflicht, Bleib fest und treu, mein Aind, und nie verzage; Ueb' Redlichkeit und Wahrheit allezeit, Halt rein dein Herz und wahre drin die Tugend Als deines Lebens herrlichstes Geleit!
^§ Denkst du daran, daß deine Schritte heute
Ein Wendepunkt in deinem Leben sind, Daß damit eine neue Lebenspforte Sich heut' vor die geöffnet hat, ein Aind? Sie sind vorbei, der Aindheit gold'ne Zeiten, Wo Elternlieb dir täglich Glück verhieß. Der heut'ge Tag lenkt dich auf andre Bahnen, Entführt dich deiner Aindheit Paradies.
G, lern' das Leben voll und ganz erfassen, Flieh' der Versuchung, wo sie dich bedroht. Du kannst getrost den Aampf ums Dasein streiten, Gehst du nur deinen Pilgerpfad — mit Gott. So reinen Herzens sein und Gott zur Seite, Da wird die Sonn dir scheinen unverhüllt Und einst im Alter, wenn du rückwärts schaust, W Grüßt dich ein reines, ungetrübtes Bild.
0, denk an diese weihevolle Stunde, Vergiß die Worte nicht, die zum Geleit Dir deine treuen Eltern heute geben, Daß sie dich festigen zum Aampf und Streit. Du trittst hinaus, um in der Menschheit Mitte Als nützlich Glied zu stehn in k^ren Reih'n. Doch kann nicht Elternlieb dich mehr beschützen, Du mußt fortan dein eigner Hüter sein.
Und noch ein Nachwort möchte ich dir sagen, Eh' du hineintrittst in das Gotteshaus: Komm voller Andacht; was in deiner Seele An Zweifel ist und Unrecht, treib es aus. Denn was du auf die Fragen wirst geloben, Die dir verkünden wird des Priesters Mund, Das steigt hinauf zu deines Gottes Throne And wird dem Allerhöchsten droben kund.
Er sieht hinein in deine junge Seele
Und weiß, ob dein Gelöbnis wahr und rein. Dann gibst du dieser Stund die rechte Weihe. Und kannst der Gemeinschaft Gottes freun.—
Nun geh' mit Gott, mein Aind. was Elternliebe In diesem Wort dir mit ins Leben gab, Das halt' in deinem Herzen wohlgeborgen, Daß es dir sei ein fester Wanderstab;
Konfirmation,
Ein hoher Festtag ist der Tag der Konfirmation, nicht blos für die Tausende von jungen Christen, die das Gelübde der Treue ablegen, sondern auch für jede Familie, die diesen Freudentag begehen darf,' und für jede Gemeinde, in der solche Feier stattfindet. An dem Worte der Weltweisheit ist ein gutes Körnlein Wahrheit: Der Mensch ist ein Ergebnis seiner Umgebung und Erziehung. Die Einsegnung der Konfirmanden wird somit zu einer Prüfungsstunde für Familie und Gemeinde, ob sie ihre erzieherische Aufgabe an den ihnen anvertrauten Kindern auch immer mit rechter Sorgfalt und Geduld geübt und gelöst haben, ob das zarte Kindesreis, das einst ihrer Fürsorge und Pflege anvertraut wurde, nun auch unter verständnisvoller Obhut zu einem kräftigen Bäumchen herangewachsen ist, das nicht mehr von jedem Winde hin- und hergeweht, das in den Stürmen der Welt immer tiefer gewurzelt wird.
Gewaltig und verheißungsvoll ist besonders in den letzten 20 Jahren die Arbeit der Heidenmission vor
angegangen ; sie hat dem Christentum immer neue Gebiete erschlossen und das Kreuz Christi in immer neue Völker getragen. Aber Stromerweiterung ohne Stromvertiefung hat nicht lange Bestand: Dik Erweiterung draußen in der Heidenwelt muß mit der Vertiefung in der Christenheit Hand in Hand gehen. Es kann nur wehmütige Freude erregen, wenn wir hören, daß die frohe Botschaft heilsbegierig von Tausenden ausgenommen wird, die sie zum ersten Male hören, während zu gleicher Zeit so viele Tausende junger Christen, denen diese Botschaft zur vertrautetsten Heimatkunde geworden sein sollte, mit der Konfirmation der Kirche und dem Glauben den Rücken kehren. Hier liegen große Aufgaben für Familie und Gemeinde, damit der schöne Festtag der Konfirmation wirklich ein Tag des Eintritts in das kirchliche Gemeindeleben sei und nicht ein Tag des Austritts. Wenn unsere Augen in diesen Tagen, eingedenk unserer eigenen Konfirmation, voll Rührung auf die jungen Heranwachsenden Christen fallen, vergessen wir es nie: sie sind uns allen aus Herz gelegt. Gehen sie verloren, so sind wir mitschuldig,
lunb von dem Wachstum unserer Kirche hängt auch das Gedeihen unseres deutschen Volkes ab.
Deutsches Reich.
— Am Dienstag Morgen kam der Kaiser vor der Insel Korfu an. Dort lag ein starkes englisches Geschwader, welches salutierte. Der König von Griechenland war dem Kaiser entgegengefahren. Die Monarchen begrüßten.sich an Bord der „Hohenzollern". Die Begrüßung war eine sehr herzliche. Mit dem König war das kronprinzliche Paar und Prinz Nikolaus zur Begrüßung erschienen. Nachdem besuchte der Kaiser die königlichen Herrschaften auf ihrer Yacht „Amphitrite". Mittags fand auf der „Hohenzollern" Frühstück statt.
— Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Sonnabend die dritte Beratung des Entwurfes über das Seuchengesetz fort. Zunächst handelte es sich um die Frage, wie die Kosten zwischen dem Staat auf der einen und den Gemeinden und Gutsbezirken auf der andern Seite zu verteilen sind. Mehrere Anträge bezweckten durchweg eine Entlastung der Gemeinden und Gutsbezirke und eine Belastung des Staates. Minister
Der Kleine Doktor.
Roman von W. Sartory. 1
(Nachdruck nicht gestattet.)
Wer kennt nicht das reizvolle Städtchen Boppard am Rhein? Jenes Kurstädtchen, das rings von Bergen ein- geschlossen scheint. Kommt man an den Rhein, wo man in schattigen Alleen promenieren kann, so glaubt man, nicht den Rhein, sondern einen großen See vor sich zu haben, wenn man nicht von den Bewegungen des Wassers eines anderen belehrt würde.
Unterhalb Boppard macht der Rhein die größte Sie« B, eine förmliche Schlinge, oder richtiger gesagt, der
n bildet ein umgekehrtesFragezeichen, an dessenLängs- feite sich in malerischem Bogen die Häuser hinziehen. Ober» halb wie unterhalb sowohl fängt das Städtchen mit einem Villenviertel an, am Ufer ziehen sich reizende Hotels hin.
Bor 20 Jahren hats freilich noch anders hier ausgesehen. Da waren die Hotels am Rhein noch nicht so großartig. Die jetzt sauberen glatten Straßen existierten noch nicht. Aber dann hat jahrelang hintereinander in kurzen Zwischenräumen der grelle Ton der Brandglocke die Bürger erschreckt, der Markt ist bis auf ein Drittel abgebrannt.
Fast überall, wo man die neuen Blendsteinhäuser sieht, sind die alten durch Feuer zerstört worden, und auch die alte ehrwürdigeKirche hätte beinahe daran glauben müssen.
Ich kann mich noch ganz gut des Tages erinnern. Der große lange Bau des Rathauses stand mit dem unteren Flügel beinahe bis zu den Kirchtürmen. Es war Nacht. Auf einmal wurden wir durch den schrillen anhaltenden Pfiff einer Lokomobile, die in einem Hof neben dem Rathause stand, aus dem Schlaf aufgeweckt.
Ich war damals noch ein kleiner Junge und sehe noch, wie mein Vater an das Fenster springt, es aufreißt und hinausschreit in die Nacht: „Feuer! Feuer!"
Wir wohnten auf der anderen Seite des Kirchhofes, auf einem freien Platz vor der Kirche gegenüber dem Rat- Hause.
Wir Kinder sprangen erschreckt aus dem Bett und klammerten uns ängstlich an die Mutter an. Himmelhoch schlugen schon die Flammen und bald stand auch das Rat- Haus im Feuer. Während dessen pfiff die glühend gewor- dene Lokomobile in einem fort.
Lichterloh brannte das Dach deS Rathauses, dieFlam- men schlugen gegen den rechten Turm der Kirche, dessen Schiff keine 12 Meter von unserem Hause stand.
Meine Mutter fährt plötzlich zusammen und faltet unwillkürlich wie zum Gebet die Hände. Meine Augen waren ihrem erschreckten Blick gefolgt. Die Flammen hatten den Turm angegriffen. Schon züngelten sie höher und höher. Während wir auf den Knien und zu Gott beteten, daß er doch die Kirche verschonen wolle, kam aufgeregt mein Va- ter von dem Brande zurück.
„Alles ist verloren, nur die Kirche müssen wir retten!* Zwei Eimer nahm er mit Wasser und eilte wieder fort.
Plötzlich sprang das Fenster entzwei, klirrend fielen die Scheiben in unsere Stube, erschreckt schrien wir auf. Doch es war nur die übergroße Hitze, die das GlaS zum Springen gebracht hatte.
Eine bange Stunde verging. Wir beteten immer fort. Da kam mein Vater zurück, das Gesicht rauchgeschwärzt. Die Hände schwarz und geschunden, doch es war den Männern gelungen, das Feuer vom Kirchturm abzuwehren. Das Dach des Rathauses war krachend eingestürzt, einen Schwärm glühender Funken gen Himmel sendend.
Noch den ganzen anderen Tag wütete das Feuer.
Jetzt steht ein schmuckes neues Rathaus auf dem Kirch- Hof, etwas weiter wie das alte von der Kirche abgerückt.
Damals hatte Boppard infolge der kurz aufeinander folgenden Brände einen ganz üblen Ruf bekommen, aber einen Vorteil hat es doch gehabt; die Stadt macht jetzt einen schmucken Eindruck.
Das, was ich eben geschildert, gehört eigentlich nicht zu meiner Erzählung, ich habe mich von meinen Erinner- ungen an die Kindheit fortreißen lassen.
Geht man die Simmerne-Straße hinauf, so kommt man
kurz vor dem Weichbilde der Stadt, an die Kaltwasserheilanstalt „Marienberg". Dieselbe war zu früheren Zeiten ein Kloster und ist wie so viele andere in der Zeit der allgemeinen Säkularisation in weltliche Hände übergegangen. Die stillen Zellen, wo man einst nur beten hörte, sind erweitert und zu luxuriösen Zimmern eingerichtet worden. Kranke Menschen suchen jetzt hier Genesung und Erho. lung, und seitdem das Kranksein bei den feineren Gesellschaftskreisen im Sommer nun zu dem guten Ton erhoben worden ist, findet man jetzt auch andere Menschen dort wie überall in den anderen Bädern.
Der Park hat etwas natürliches, wildromantische» an sich, es ist nicht alles so gekünstelt wie man oft in Anlagen findet, denen man den stolzen Namen Park gegeben hat. Mitten durch schlingt sich murmelnd und geschwätzig das silberne Band des Kaßlinger Baches am unteren Ende in einen neuangelegten kleinen Fischteich verlaufend.
Wie ruht stch's hier herrlich unter den altenBaumriesen die wohltätigen Schatten spendend weit ihre sehnigen Arms ausstrecken.
In der Zeit der Mittagshitze sieht man fast unter ledem Baume einige Lehnsessel stehen, in denen die müden Menschen ihre Mittagsruhe halten. Auf den Lawu-Ten- mSplatz liegen die Bälle und Schläger zerstreut; es ist jetzt zu heiß zum Spielen.
Es war eben um die Mittagszeit, als ein mittelgro- her langer Mann, mit schwarzen Haaren und glattem, blaffen Gesicht, den Stock auf dem Rücken haltend, lang, sam und wie in tiefes Nachdenken versunken den oberen Talweg herging. Der junge Mann mochte ungefähr 28 Jahre zählen, obschon er viel jünger, fast noch wie ein Knabe aussah. Aber sein Gesicht hatte doch einen ernsten und selbstbewußten Zug.
An einem sprudelnden Quell, der in einer Nische au» dem Munde einer Wasseruhmphe brach, blieb der junge Mann stehen. 112,18