Erscheint Mittwoch und Samstag - Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Der Kriefträger kommt
in der Zeit voni ! 5. bis 25. d. Mts. zu denjenigen Lesern, welche unsere Zeitung jdurch die Post beziehen, um von denselben das Zeitungsgeld für die Monate April, Mai und Juni abzuholen, über dessen Empfang er eine rechtsgültige Qni'tung ausstellt. Wer unser Blatt noch nicht uPliesi und dasselbe fürs nächste Quartal zu beziehen wünscht, der kann sich den Gang zur Post ersparen indem er auf einen Zettel schreibt: „Der Unterzeichnete bcstUU hiermit die Schlüchterner Zeitung für die Monate April bis Juni und ersucht um Abholung des Geldes durch den Briefträger." Diesen Zettel wirft ci dann ohne Couvert und unfrankiert in den nächsten Briefkasten, worauf es nicht lange dauern wird, bis
Der Kriefträger kommt.
Deutsches Reich.
— Am Mittwoch traf der Kaiser mit Sonderzug 8 Uhr 50 auf dem Bahnhof Oldenburg ein und wurde vom Großherzog begrüßt. Die Fürstlichkeiten fuhren nach dem Elisabeth Anuen-Palais, wo das Frühstück eingenommen wurde. Um D Uhr 35 erfolgte die Weiterreise nach Wilhelmshaven wo eine Vereidigung der Marinetruppen stattfand.
— Im Reichstage kam am Sonnabend ein Gesetzentwurf des Abg. Auer und Genossen über Errichtung eines Reichs-Arbeitsamtes, von Arbeitsämtern, Arbeitskammern und Einigungsämtern zur Verhandlung, den der Abg. Trimborn der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen wissen wollte, während der Abg. Büsing (nat.-lib.) nur Ueberweisung als Material empfahl. Der Abg. Pachnicke (fr. Vg.) wünschte nur «ane arbeitsstatistische Behörde, aber kein Reichs-Arbeitsamt. Nach einer längeren Geschäftsordnungs-Debatte wurde der Antrag Trimborn angenommen und der Antrag Büsing abgelehnt. Zum Schluß wurde ein Antrag v. Treuenfels (kons.), betreffend anderweite Regelung der Haftpflicht für Tierschaden dahin gehend, daß eine Ersatzpflicht nicht eintritt, wenn der Schaden trotz der erforderlichen Sorgfalt dessen, der das Tier hält, entstanden ist, an eine Kommission verwiesen. — Am Montag setzte das Haus die zweite Beratung des Etats des Reichsamis des Innern fort. Der Abg. Dr. Pothoff (fr. Vg.) trat für den Hausierhandel ein und empfahl Schutz der Privatbeamten, während der Abg. Werner (Antis.) die Warenhäuser bekämpfte und
Der Kotteriekönig.
Roman von F. Wüstefeld.
Hauptmann Düskow sah sich entlassen. Erhalte so gerne ; noch mehr gefragt, hätte gerne die Namen derjenigen, die dem Obersten die Anzeige üb erbracht, erfahren, um blutige Rechenschaft von ihnen zu fordern, aber er wußte, daß dies ein vergeb iches Beginnen seinwürde. DerOberst Würdesich nicht herbeilassen, zu sagen, was er nicht wollte, und im tiefsten Herzen empfand er mit nagendem Schmerz, daß ihm die Währbeit erzählt worden war.
Eine Anzahl seiner, an und für sich geringfügiger Dinge, die ihm flüchtig aufgefallen, von ihm aber nicht beachtet worden waren, tauchten in feiner Erinnerung auf und gewannen in der Gesamtheit Bedeutung.
Trotz seiner Liebe zu Angela hatte er so lange gezögert, das entscheidende Wort zu sprechen, weil ihm vieles in Farlows Leben rätselhaft gewesen war.
Jetzt hatte er die furchtbare, die vernichtende Lösung des Rätsels! Farlow war der Lotteriedieb, Angela seine HelserShelferiu, denn daß sie daS als Waisenknabe ver- kleidete kleine Mädchen, das den Streich ausgeführt hatte, gewesen war, unterlag für ihn keinem Zweifel. Und sie hatte sich mit ihm verloben können! Hatte sie denn keine Erinnerung an ihre Tat besessen? Sie mußte doch sieben bis acht Jahre alt gewesen sein, als sie den Betrug ver- üben geholfen hatt.-. War sie sich auch damals nicht be- wußt gewesen, was sie getan, so mußte ihr doch später die Erkenntnis dessen gekommen sein. Wie hätte sie da ihre Hand in die seine, in die Hand eines Offiziers legen können! War sie bis dahin schuldlos schtttdig gewesen, so hatte sie sich damit schuldig gemacht.
Er mußte ihr das Zeugnis geben, sie hatte sich lange gesträubt, die Seine zu werden, sie hatte viele Bedenken vorgebracht, aber sie hatte doch endlich eingewilligt,ffie, die Nichte des Lotteriediebes, des Sträflings, seine Helferin hatte doch ihre Hand in die (einige gelegt.
. „D Angela, Angela! Wie konntest Du mir daS tun!"
Samstag, den 11. März 1905.
erneut den Befähigungsnachweis für das Handwerk forderte. Nachdem sich der Abg. Merten (fr. Bp.) über den Kinderschutz ausgesprochen und einige Ausstellungen an demMesetze gemacht hatte, vertagte sich das Haus
— Aus der Tagesordnung der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses stand am Sonnabend die zweite Lesung des Etats der Bauverwaltung. Dazu lag ein Antrag Fritsch (nat.-lib.) vor, der sich mit einer Berliner Verkehrsfrage beschäftigte und dessen Besprechung den ganzen Raum der Verhandlung ein- nahm. Zum Schluß erklärte der Minister v. Budde, er werde die Angelegenheit so behandeln, daß die Ver- kehrsverhältnisse von Groß-Berlin gebessert würden. — Am Montag beriet das Haus zunächst einen Antrag auf Gewährung von Notstandsdarlehen an die Klein- schiffer. Von Regierungsseite wurde bemerkt, daß ein schwerer Notstand der Kleinschiffer vorliege, der aber nicht erst vom verflossenen Sommer herrühre. Nach längerer Debatte wurde der Antrag der Budget- Kommission überwiesen. Sodann trat man in die zweite Beratung des Etats der Eisenbahn-Verwaltung ein. Minister v. Budde gab einen umfangreichen Bericht über die Ergebnisse der preußisch-Hessischen Eisen- bahn-Gemeinschaft im letzten Etatsjahr Erfreulicherweise konnte der Minister auf allen Gebieten seines Ressorts Fortschritte konstatieren. Die Unfälle haben wesentlich abgenommen, und die Leistungsfähigkeit der Bahnen hat sich gehoben. In der Frage der Betriebs- mittel-Gemeinschaft betonte der Minister die durch sie zu erreichende Vereinfachung und Verbilligung des Betriebest es sei auch zu hoffen, daß durch sie die Vereinheitlichung der Personentarife zu erreichen sei. Aehnlich äußerten sich die Abgg. v. Pappenheim (kons.) Macco (ngHib.) Oeser (Hosp. b. d. fr. Vp.), Schmedding (Z.) und Gamp (sreik.)
— Nach einer Entscheidung des Kultusministers ist die französische Sprache als Fach der Weiterbildung bei der zweiten Lehrerprüfung zugelassen.
— Wiei aus Dem Ruhrrevier berichtet wird, verhängten die westfälischen Gerichte exemplarische Strafen über eine Anzahl Bergleute, i te Arbeitswillige bedrohten. Ein Gericht erklärt in einem Urteilsspruch, strafschärfe nd sei, daß die Angeklagten die Parole der Bergarbeiterverbäude nicht befolgt haben, die eine Belästigung von Arbeitswilligen entschieden verurteilt und in den Versammlungen davor gewarnt hätten. In einem Falle beantragte vor dem Bochumer Gericht der Staütsanwalt eine dreiwöchige Gefängnisstrafe.
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stöhnte er auf und erschrak über den Ton seiner eigenen Stimme, sah sich betroffen um, wo er sich befinde.
Vollständig von seinen quälenden Gedanken im Bann gehalten, hatte Düskow den Weg von der Straße, wo Oberst von Prolling in einer Billawohnte, bis zum Generalstabsgebäude ganz maschinenmäßig gemacht, ohne etwas davon gewahr zu werden. Nun schaute er sich um wie jemand, der aus tiefem, schweren Traum erwacht. Aber die Wirklichkeit brächte ihm keine Befreiung.
Da war das Haus, wo er seine ehrenvolle Tätigkeit ausgeübt, der Ort, dem anzugehören ihn mit gerechtem Stolz erfüllt hatte! Was er mühsam aufgebaut, das war mit einem Schlage vernichtet. Seine Existenz als Offizier zerstört, seine Uniform besudelt! Nicht im geringstenJn- fanterie-Regiment in der fernsten Provinz konnte er, der eine so stolze Laufbahn vor sich gesehen, sich mehr verber- gen!
Und die, welche ihm das alles zugefügt, war daS von ihm heißgeliebteMädchen, war seineAngela gewesen. Mit Lügen hatte sie ihn umgarnt. O, das war von allen Schmerzen der schneidendste, der unerträglichste, und weil er daS war, darum bäumte sich sein gesunder Sinn dagegen auf.
„Es ist nicht wahr' Es kann nicht wahr sein !" sagte er, tief Atem holend, nahm einen Augenblick den Helm ab und trocknete mit dem Taschentuch die feuchte Stirn. „Entweder ist die ganze Geschichte erlogen oder vielmehr die Ausgeburt einer erregten Einbildungskraft; entwebet sind Farlow und Farkas nicht identisch, oder, wenn dies der Fall ist, hat Angela mit diesen Dingen nichts zu tun!" murmelte er im halblauten Selbstgespräch und fügte ent- schlössen hinzu: „Ich gehe auf der Stelle zu ihr. Aug' in Auge will ich ihr gegenüberstehen, will sie fragen; sie soll mir Antwort geben. Zwischen uns sei Wahrheit, ob Glück ob Unglück daraus entstehe. Nicht auf falschem, trügerischen Grunde soll unser Haus aufgebaut werden."
Er lenkte seine Schritte nach dem Park und verfolgte den Weg bis zum Park-Hotei.
56. Jahrgang.
bmih^hmibbbibbbbe;' Das Gericht erkannte auf sechs Wochen, in einem andern Falle auf vier Monate Gefängnis.
— Nach der Denkschrift über die Ausführung des Gesetzes betreffend die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen für das Jahr 1904 ist eine gesteigerte Nachfrage von Bewerbern mit kleinen Vermögen zu beobachten. Die Ansiedelungskommission war in der Lage, ihre Ver- gebungsb^dingungen den geringeren Vermögen anzu- pafsen. Für die Stellen mit gutem Boden ist mit einer Be stimmtheit zu erwarten, daß sich kapitalschwache Pächter im Laufe der Jahre "zu leistungsfähigen Renten- ansiedlern auswachsen können. Die Erfahrung, daß das Vorwärtskommen der alten Ansiedler den Zuzug aus dem engeren Heimatskreise befördert, hat sich weiter bestätigt.
— Eine neue Königliche Be.rg-Jnspektion wird, wie bestimmt verlautet, im April d. I. in Nordhausen a. H. gebildet werden.
Ausland.
— In Südwestafrika steht der Bau einer wichtigen Bahnlinie bevor. Der portugiesische Marine- und Kolonialminister konferierte mit dem Ingenieur Terra Vianna über die schleunige Herstellung einer schmalspurigen Eisenbahn von Mossamedes nach dem Schella- Gebirge. Wie in der Abteilung Berlin der deutschen Kolonialgesellschaft Anfang Januar in dem Singel- mannschen Vortrage gesagt wurde, ist die Route Mossamedes—Schella - Humbe der beste Zugang zu den portugiesischen und deutschen Ovamboländern, welche sowohl durch ausgebreiteten Ackerbau wie durch eine zahlreiche Arbeiterbevölkerung von Bedeutung sind. ^ — Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplatze dauert die SZmcht bei Mukden fort. Die Japaner richten jetzt ihren Hauptangriff gegen die Hunhobrücke südlich von Mukden, dort, wo der zurückgebogene rechte Flügel der Russen an deren Zentrum grenzt. Dieser, die Armee Kuroparkins sehr gefährdende Vorstoß ist nach den Meldungen aus dem russischen Lager bisher mit Erfolg abgeschlagen worden. An den übrigen Teilen der Front werden die Kämpfe ohne Entscheidung fortgesetzt, wenn auch mit Unterbrechungen. Nordwestlich von Mukden leitet General Kuropatkin persönlich die Angriffe gegen den andringenden linken Flügel der Japaner. Irgend eine Entscheidung ist noch nicht herbeigeführt. Der Widerstand der Russen ist außerordentlich zähe.
— Sieg der Japaner!! Bureau Reuter meldet,
Angela saß noch im Morgenkleide an dem Stutzflügel im Salon, den sie sich für ihre Musikübungen angeschafft hatte, und probierte einige Noten, die ihr am Abend zuvor aus der Musikalienhandlung, in der sie abonniert hatte, zugeschickt worden waren, als sie draußen im Bor- saal das Geräusch von Schritten und da» Klappen eine» Säbels vernahm.
Wie elektrisiert sprang sie auf, zupfte schnell einige Rüschen und Schleifen an ihrem Anzüge zurecht und öffnete die Tür.
„Paul, Du?! Zu so ungewohnter Stunde! DaS ist eine liebe Ueberraschung," rief sie ihrem Verlobten entgegen. Bitte, lege ab und komme herein."
Hauptmann Düskow hing, der Aufforderung folgend, Helm und Degen an den im Vorsaal befindlichen Riegel und folgte seiner Braut, die ihm voran geschritten war, in den Salon.
„Bist Du allein?" fragte er nach kurzer, flüchtiger Begrüßung.
Sie lächelte glückselig. „Ganz ausnahmsweise zu dieser Stunde. Onkel und Tante, die sonst noch in den Federn zu liegen pflegen, haben sich früh aufgemacht, um eine Villa in der Ulmenstraße zu besehen, die der Onkel für uns kaufen und vollständig einrichten will. Er ist mir wirklich sehr gut und kann sich mit dem, was er für uns anschaffen will, gar nicht genug tun."
Statt der Antwort stieß Düskow nur einen tiefen Seufzer aus.
Dadurch aufmerksam gemacht, faßte ihn Angela schärfer ins Auge und fragte erschrocken: „Was fehlt Dir, Paul? Du siehst verstört aus! Ich habe das in meiner Freude über Dein Kommen vorher nicht bemerkt. Ist Dir etwas Unangenehmes begegnet?"
Düskow seufzte noch schmerzlicher als zuvor. „Mehr als das!" antwortete er halblaut. „Etwas sehr, sehr Trauriges. Ich komme soeben vom Obersten, der mich zu sich beschieden hatte." 116,18