Einzelbild herunterladen
 

SchWerner^Mng

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 17.

Deutsches Reich.

Den Bauhandwerkern des Berliner Domes will der Kaiser an einem der nächsten Sonntage ein Fest, essen geben.

Prinz Friedrich Leopold reiste am 26. Februar abends 10 Uhr nach Genua ab, um dort die Ausreise nach Ostasien anzutreten. Der Kaiser, der Kronprinz und die Prinzessin Friedrich Leopold waren zur Ver­abschiedung auf dem Bahnhof.

Im Reichstag wurde am Dienstag zunächst der Toleranz-Antrag an eine Kommission von 28 Mit­gliedern überwiesen. Es folgte die Beratung des sozial­demokratischen Antrages auf Errichtung von Arbeiter­kammern, Einigungsämtern und eines Reichsarbeitsamts womit die Beratung eines ähnlichen Antrages von nationalliberaler und polnischer Seite verbunden wurde. Bei dem Zentrum und der freis. Vereinigung fanden sie Zustimmung, während der Abg. Pauli sich im Namen der Konservativen grundsätzlich gegen sie aus- sprach- Endlich wurde der nationalliberale Antrag auf Errichtung eines Reichsarbeitsamtes angenommen, der sozialdemokratische gelangt später in die zweite Lesung und der polnische wurde der Regierung als Material überwiesen. Am Mittwoch trat das Haus in die dritte Beratung der Handelsverträge ein, die mit endgültiger Annahme derselben abschloß. Staatssekretär Graf Posadowsky beleuchtete die Gründe, die die Regierung zur Agrarpolitik treiben. Die Verträge mit Oesterreich und Rußland wurden in namentlicher Abstimmung und die übrigen en bloc angenommen. Am Donnerstag behandelte der Reichstag die Resolution Blell, die auf eine Anpassung des Vereinszollgesetzes von 1869 an die modernen Verhältnisse hinzielt Die Resolution wurde nach längerer Debatte dem Reichskanzler als Material überwiesen. Es folgte die Beratung ^es Antrages Graf Kanitz, der die Aufhebung der Zms« freiheit der Zollkredite für Getreide bereits am 1. Juni 190b in Kraft gesetzt wissen will, um der Getreide­spekulation bis zum Inkrafttreten der Getreidezölle ent- gegenzuwirken. Die Zolltarifgegner beantragten nament­liche Abstimmung, die die Beschlußunfähigkeit des Hauses ergab. In der fortgesetzten Sitzung erfolgte die Beratung des Post- und Telegraphenetats. Eine Resolution, die die Erhöhung des Endgehalts für die Unterbeamten, im Landbestelldienste auf 1100 Mark erhöht wissen will, sowie die Vorschläge der Kommission wurden angenommen. Am Freitag wurde die Be­ratung desselben Etats fortgesetzt. Von besonderem In­teresse war die Besprechung über die Forderung der

Mittwoch, den 1. März 1905.

Regierung, verschiedenen Bermtenklassen außerordentlich! Unterstützungen zukommen zu lassen. Für mittlere und höhere Beamte waren 835 580., für Kanzlei- und Unter- beamte 1 468 410 Mark angesetzt. Die Budgetkom­mission hatte 80 000 Mk. und 130 000 gestrichen und dieser Vorschlag der Kommission gelangte zur An­nahme.

Im preußischen Abgeordnetenhause begann am Dienstag die Beratung des Kultuselats. Gleich zu Anfang kam es bei den Fragen der Teilnahme der höheren Schüler an den Uebungen der marianischen Kongregationen und der Bewegung unter den Studenten zu einem Zusammenstoß zwischen dem Abg. Dr. Fried­berg einerseits und dem Minister und dem Ministerial­direktor Althoff anderseits, bei dem die beiden letzten Redner wirksam das Vorgehen der Regierung vertei­digten. In der weiteren Debatte wurden hauptsächlich Wünsche auf Besserstellung der Lehrer laut. Am Mittwoch wurde die Beratuug fortgesetzt. Dem Abg. Hackenberg (nat.-lib.), der sich gegen die geistliche Ober- schulaufsicht als veraltet und unzweckmäßig wandte, trat der Minister entgegen. Am Donnerstag be­schäftigte sich das Haus mit der Frage der akademischen Freiheit und der konfessionellen Verbindungen an den Hochschulen. Die Spannung, die nach der letzten Be­ratung noch auf dem Hause lastete, löste sich nach einer Erklärung des Ministers Studt und des Ministerial­direktors Althoff. Aus den Verhandlungen ging hervor daß die akademische Freiheit nicht verletzt worden ist und nicht verletzt werden soll, soweit es nicht um einen Mißbrauch desselben handelt. Die konfessionellen Ver­bindungen sollen bestehen bleiben, da man kein Recht hat gegen sie vorzugehen. Ein Antrag betreff einer Gedächtnißfeier von Schiller wurde der Unterrichtskom­mission überwiesen. Am Freitag tadelte der Abg Fischbeck das Vorgehen der kirchlichen Behörde gegen den liberalen Pastor Fischer in Berlin, wobei er von dem Dr. Hackenberg unterstützt wurde. Auch der Abg. v. Zedlitz tadelte das Vorgehen der Behörde. Der letzte Teil der Sitzung wurde durch Erledigung ver­schiedener Einzelwünsche, wie Erhöhung des Gehalts der Superintendenten u. dergl. ausgefüllt.

Zur weiteren Klärung der Frage der Uebertrag- barkeit der Rindertuberkulose aus den Menschen wird vom Kultus- und Landwirtschaftsminister eine Erhebung veranstaltet, in der möglichst Fälle ausfindig gemacht werden sollen, in denen Menschen längere Zeit hindurch Milch eutertuberkuloser Rinder genossen haben. Die Tierärzte haben geeignetes Material an den Kreisarzt

56. Jahrgang.

zu geben, dieser nach angestellten Untersuchungen ge­gebenenfalls an das Reichsgesundheitsamt weiterzusenden.

Die Königliche Ansiedelungskommission hat ihren Gutsverwaltern in bestimmtester Form die Pflicht auf­erlegt, alle Bedürfnisse nur bei Deutschen zu decken. Gleiche Weisung ist an die Ansiedler ergangen. Die­jenigen Ansiedler, die ihr nicht entsprechen, sollen Ent­ziehung aller staatlichen Vergünstigungen zu gewärtigen haben.

Ausland.

Der Kaiser sandte an den Professor Harrison von der Universität in Pensylvanien anläßlich seiner Ehrenpromotion folgendes Danktelegramm:Ich bin wahrhaft erfreut, daß die Universität Mir gleichzeitig mit dem Präsidenten Roosevelt die akademische Ehre anbietet, mit der eiust George Washington bekleidet war. Ich bitte Sie mit meinem Danke die besten Wünsche für das fernere Wachsen und Blühen der Universität entgegenzunehmen."

Nach einer Meldung des Generals v, Trotha aus Südwistafrika vom 22. ds. Mts. wurde Anfang Februar, wahrscheinlich am 5. ein Ersatztransport nnter Leutnant Reith halbwegs zwischen Owikokorero und Epikuro von einem Truppe von Truppe aon Treugott- leuten angegriffen. Es gelang dem Transport, den Gegner zurückzuschlagen, wobei dieser mehrere Tote verlor.

Vom Kriegsschauplatze in Ostasien werden wieder zahlreiche Patrouillen- und Aufklärungsgefechie gemel­det, denen aber irgend welche Bedeutung nicht beizu- legen ist. Bedenklicher klingt eine Meldung aus Hugu- fchan, wonach eine russische Rekognoszierungstruppe im Gebiet von Jnschentschen die Japaner nötigte, neun Bataillone und zwei Batterien ins Feuer zu bringen.

3er Vormarsch eer Japaner konnte von den Russen nicht aufgehalten weroen und sie mußten sich zurück­ziehen. Wie gemeldet wird wird, sind 20 japanische Torpedoboote und 2 Linienschiffe nach Wladiwostok unterwegs. Die Japaner brachten bisher 41 Schiffe auf, die Wladiwostok zu erreichen suchen.

Die Beisetzung des Großfürsten Sergius ist in Moskau in der Alexiuskirche erfolgt. In Petersburg wurde in der Jsaakskirche ein Trauergottesdienst ab- gehalten, ar dem die Hofchargen, der Reichsrat und die Generalität teilnehmen. In Jarskoje Sselo fand im Beisein des Kaisers, beider Kaiserinnen, der Mit­glieder der kaiserlichen Familie und des diplomatischen Korps ein Requiem statt.

Der Kotteriekönig.

Roman von F. W ü st e f e l d. 37

Konradine sah in dem weißen Kleide mit dem dunkel­roten Gürtel um die feine Taille und den roten Anemo­nen im blonden Haar und vor der Brust zwar reizend aus, aber ihre blauen Augen hatten einen Glanz wie von jüngst vergossenen Tränen, und sie war schweigsamer als gewöhnlich.

Linderer schaute recht ernst vor sich hin und suchte sie dann wieder mit den Blicken. Die Nachricht von der Ver­lobung des HauptmannS Düskow mit Angela, die Frau Schobert ihm zugeflüstert hatte, gab ihm viel zu denken, und letztere war auch mehr erfüllt von dem Plane, mit dem sie sich trug, als einer Hausfrau eigentlich angemessen war. Sogar ihr Gatte, der sich sonst nicht leicht von äuße­ren Dingen beeinflussen ließ, trug eine sinnende Miene zur Schau.

Der einzige Unbefangene in dem Kreise hätte Doktor Alfred Meinhold sein sollen, wer ihn aber genauer ge- kannt hätte, der würde wahrgenommen haben, daß auch er von etwas Besonderem in Anspruch genommen ward. Er hatte das Ansehen eines Menschen, der eine interes­sante Neuigkeit mit sich herumträgt und auf den schicklichen Augenblick wartet, wo er sie den anderen mitteilen kann.

Der schien ihm gekommen zu sein, als das aufwar­tende Mädchen die Teller, von denen man die Forellen gespeist hinweggenommen und sich entfernt hatte, um frische Teller herbeizuholen. Er trank den Rest des Rheinweins, den er noch im Glase hatte, aus und wandte sich an den Hausherrn mit der Frage: Befinden sich die Amerikaner, die ich bei Ihnen kennen lernte, noch hier, Herr Schobert ?*

Schobert bejahte, seiner Frau, die aufhorchte, als habe sie ihr Stichwort empfangen, einen warnenden Blick zu­werfend.

Sie begnügte sich auch den Worten ihres Mannes Hin- B'ügen:Sie sind noch hier, aber wir habe» fast gar

n Verkehr mit ihnen,"

Dazu beglückwünsche ich Sie, meine gnädige Frau," sagte der Weltreisende, und erregte mit dieser Aeußerung allgemeines Erstaunen, nur nicht bei Frau Mathilde Scho­bert.

Sie nickte, als sei ihr die Bestätigung einer längst ge­hegten Vermutung gekommen, bekannte aber dann ganz offenherzig:Wir sind den Leuten nicht mehr gut genug, sie verkehren nur noch mit Grafen und Baronen."

Die würden sich den Verkehr auch bald verbitten, wenn sie wüßten, was ich weiß," lachte Doktor Meinhold, verstummte aber, denn das Mädchen trat mit einem Stoß reiner Teller herein und reichte, nachdem sie diese aufge­setzt, das Gemüse herum.

Erst als sie sich wieder entfernt hatte, wandte sich Herr Schobert an Doktor Meinhold und sagte:Sie scheinen es darauf abgesehen zu haben, uns in große Spannung zu versetzen, lieber Doktor? WaS ist denn mit den Far- lows? Schießen Sie doch los i"

Meinhold sah sich nach der Tür um und entgegnete kopfschüttelnd:Es ist eine ziemlich lange Geschichte, die ich zu erzählen habe, und sie taugt nicht für die Ohren der Dienstboten. Erlauben Sie, daß ich damit warte, bis wir ungestört beim Kaffee sitzen, und daß wir jetzt von et­was anderem reden."

Dem Wunsche des Gastes wurde sofort Folge gegeben, die Unterhaltung wandte sich anderen Dingen zu; es schien aber kein Thema recht geeignet, das Interesse der Tisch­genossen dauernd zu fesseln. Alle waren mehr oder weni­ger erfüllt von der Erwartung dessen, was Doktor Mein­hold ihnen berichten würde.

Schneller, als dies sonst geschehen durfte, wurde der Braten und der süße Nachtisch verzehrt, früher, als es ihre Gewohnheit war, hob Frau Mathilde Schobert die Ta­fel auf und begab sich mit den Gästen in das Wohnzim­mer, wo der Kaffeetisch bereit stand und Konradine das duftende Getränk braute und in die Tassen goß.

Ich werde klingeln, wenn Sie abräumen sollen, Ma­rie," sagte Frau Schobert zu dem Hausmädchen, das

den Kessel mit dem dampfenden Wasser gebracht und über die Spirituslampe gehängt hatte.

Da» gutgeschulte Mädchen verschwand sogleich- Sie wußte, baß ihre Gegenwart nicht mehr erwünscht war.

Nun sind wir ganz unter uns, lieber Herr Doktor, nun können Sie erzählen, wir warten sämtlich mit Unge­duld auf Ihre Geschichte," begann Frau Mathilde und rückte dem Gaste, der soeben eine Tasse Kaffee genom­men, mit ihrem Sessel etwas näher.

Laß den Herrn Doktor doch erst seine Tafle Kaffee auStrinken, liebe Mathilde, wir haben jaZeit," tat ihr Gatt« Einspruch.

Meinhold aber entgegnete:Nicht doch, ich pflegt den Kaffee ganz kalt und immer sehr langsam zu trinken, ich kann das sehr gut während de» Erzählen» tun. Die Ge­schichte ist nur ziemlich lang."

Wir haben ja heute den zweiten Osterfeiertag und weiter nichts zu tun," scherzte Doktor Linderer, der einen Platz ganz in KonradineS Nähe gewählt hatte.

Meinhold nickte und fragte, sich im Kreise umsehend: Die Herrschaften erinnern sich, daß ich Ihnen mitgeteilt habe, ich wisse entschieden, ich habe Mr. Farlow schon einmal, und zwar unter Umständen die für ihn nicht an­genehm waren, gesehen, könne mich aber nicht besinnen, wo das gewesen sei?"

Ja, ja," bestätigten Schobert und Doktor Linderer. Haben Sie sich nun besonnen? Wo ist e» denn gewe- sen?" fragte Linderer.

Im SchwurgerIchtSsaql, doch lassen Sie sich die Sache ausführlich erzählen.Ich bin während meine» hiesigen Aufenthaltes noch ein paarmal mit Mr. Farlow zusam­mengetroffen, habe mir den Kopf zerbrochen, wo und un­ter welchen Umständen ich ihn schon früher gesehen ha­ben könne, ohne jedoch darauf kommen zu können, dann reiste ich nach Wien, wo ich sehr viel mit meinen Vor­bereitungen zu der Expedition nach dem Nordpol zu tun hatte, und die Sache kam mir aus dem Gedächtnis. Erst in Budapest wurde ich wieder daran erinnert." 116,11