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*■<<* über die Vorkommnisse auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens unterrichtet sein und daneben einen reichhaltigen, intereff. unterhaltenden Lesestoff für seine Familie haben will, der bestelle die wöchentlich zweinial mit dem amtL Kreisblatt erscheinende „Kchlüchteruer Dettnng".
Der Leserkreis dieses Blattes nimmt ständig zu, ein Beweis, daß die „Schlüchterner Zeitung" ein für den Stadt- und Landbewohner unentbehrliches Lokalblatt ist. Der Bezugspreis beträgt nur 1 Mk. vierteljährlich.
finden in der „Schlüchterner 'Smw^w Zeitung" eine große und zweckentsprechende Verbreitung.
Deutsches Reich.
— In Gegenwart des Kaisers wurde am Mittwoch Abend eine Musikprobe im neuen Dom abgehalten. Gegen 1500 Soldaten waren zur Füllung des Raumes kommandiert worden. Ferner waren die Mitglieder des Domkapitels, die Dombauverwaltung und eine Anzahl geladener Personen zugegen. Der Monarch soll über das Resultat der Probe, bei der Musikstücke und Gesänge des Domchores zm Vorführung gelangten, wie das „Berl. Tagebl." hört, seine Zufriedenheit "ausgesprochen haben.
— Der Reichstag setzte am Sonnabend die erste Beratung des vom Zentrum eingebrachten Toleranzantrages fort. Der Hauptredner der Gegenpartei war der Abg. Dr. Hieber (natl.-lib.), der in längerer Rede unter lebhaftem Widerspruch des Zentrums den ablehnenden Standpunkt der Nationalliberalen begründete. Das Zentrum wünschteUeberweisung an eine Kommission, die Nationalliberalen aber forderten namentliche Abstimmung über den Antrag auf Kommissions-Beratung Das Ergebnis waren 96 Zettel mit Ja, 64 Zettel mit Nein und eine Stimmenthaltung. Es waren mithin statt der notwendigen 191 nur 161 Abgeordnete anwesend und das Haus somit beschlußunfähig. — Am Montag erledigte das Haus in zweiter Beratung die sieben Handelsverträge nebst der Viehseuchen- Konvention mit Oesterreich-Ungarn. Sämtliche Be- stimmungen wurden mit großen Mehrheiten gegen eine aus Sozialdemokraten und einigen Freisinnigen zusammengesetzte Minderheit angenommen. Das Haus war beschlußfähig, und die Stärke der Vertragsfreunde erwirkte die Schnelligkeit der Beratung, ohne daß
Der Kolteriekönig.
Roman von F. W ü st e f e l d. 36
„Linderer?" wiederholte Schobert sehr erstaunt. „Was hat ihr denn der getan?"
Ohne auf diese Frage zu antworten, fuhr Frau Mathilde fort: „Was habe ich auf den Menschen gehalten! Und nun macht er mir solche Streiche!"
„Aber welche denn?" fragte Herr Schobert, und eS war nicht recht ersichtlich, ob er wirklich unwissend war oder nur so tat.
„Ach, stelle Dich doch nicht so. Du weißt so gut wie ich, daß der Doktor bis über beide Ohren in Konradine verliebt ist, und daß das Kind keinen Gedanken hat als an ihn."
„Wenn es sich so verhält, kannst Du ja sehr zufrieden sein; die Sache paßt ja vorzüglich in Deine Pläne," antwortete er gelassen.
„Aber der Dummkopf redet ja nicht!" fuhr sie auf. Wenn sie in großen Eifer geriet, war sie in ihren Aus- drücken nicht eben wählerisch. „Jeden Sonntag, den Gott werden läßt, koche und brate ich für ihn; wo ich weiß und kann, gebe ich ihm Gelegenheit, mit ihr zusammen zu sein."
„Ich sehe alte, abgespielte Stücke, gehe in Theater, in die mich sonst kein Mensch kriegte, nur weil er auch noch ein Billet dazu hat, und weil der Rückweg ein recht langer ist. Aber hilft es mir denn etwas? Der reine Eis- block bleibt der Mensch und dabei weiß ich, daß er innerlich brennt."
„Du irrst Dich doch wohl. Weshalb sollte er schweigen, wo er Deines Schutzes so sicher ist?" fragte er mit leichtem Spott.
„Weshalb? Weshalb? Weil er einer von den idealen Männern ist, die sich fürchten, um ein reiches Mädchen zu werben, wenn sie es auch lieben, weil es andere ohne Liebe des Geldes halber tun. Als ob die reichen Mädchen nur dazu da wären, von Mitgiftjägern erbeutet zu
werden! Aber ich sage Dir, die Sache nimmt jetzt ein Ende, so wahr ich Mathilde Schobert heiße."
„Bravo!" lachte er. „Wie willst Du denn das anfangen?"
Sie legte den Finger an die Nase. „Ganz genau weiß ich das selbst noch nicht, aber es geschieht, und zwar heute noch.HanptmannDüskowS Verlobung wird mir schänden Anlaß geben."
„Ich bitte Dich, über die Verlobung nicht zu sprechen, sie ist uns als Geheimnis anvertraut worden," mahnte er.
„Und ich werde sie als Geheimnis behandeln," gelobte sie lachend. „Du läßt mir freie Hand?"
„Ich hatte andere Wünsche, aber handle meinetwegen wie Du willst," erklärte Herr Schobert seufzend, jedoch mit lachendem Munde. „Mach'S gnädig mit Linderer, Tilli."
„Ohne Sorge! Laß auf alle Fälle einige Flaschen Sekt kalt stellen! Doch jetzt muß ich in die Küche!" fuhr sie, von ihrem Sitze auffahrend, fort. „Dein Doktor Meinhold hat mir durch seine Anmeldung für heute mittag einen argen Strich durch die Rechnung gemacht."
„Wieso denn?"
„Ich dachte,wirwürdenheuteimHoteldeRomespeisen."
„Du weißt, daß ich das an Festtagen nicht gern tue," schaltete er ein.
„Ja, ja," nickte sie, „aber es hätte so schön gepaßt, Linderer hatte mir auch versprochen, mitzukommen. Ich hatte allen drei Mädchen einen freien Tag verheißen, und nun kann ich nur eine gehen lassen."
„Ich werde sie durch ein reiches Ostergeschenk entschädigen," sagte Schobert, dem es auch leid tat, daß den Mädchen die Freude verdorben war, „und mich bei Hen- riette und Marie noch extra entschuldigen."
„Ach ja, das tue!" sagte FrauTilli mit sichtlichem Aufatmen. „Mit Geld allein ist's nicht abgemacht. Henriette hält sich ja schon für eine Kapitalistin."
Ich werde Ihre Gnaden schon versöhnen," lächelte
Samstag, den 25. Februar 1905.
Schlußanträge gestellt zu werden brauchten. Besonders wirkungsvoll waren die verschiedenen Ausführungen des Staatssekretärs Grafen v. Posadowsky, dem der erfreuliche Ausgang der Beratung nicht zum Wenigsten zu verdanken ist.
— Im preußischen Abgeordnetenhause wurde am Sonnabend die Beratung über den Etat des Ministeriums des Innern fortgesetzt. Der Abg. Bänsch-Schmidtlein (freik.) trat für eine Erhöhung des Wohnungsgeld- Zuschusses der Gendarmen, für dienstfreie Sonntage und Verminderung der Arreststrafen ein. In demselben Sinne äußerten sich die Abgg. v. Riepenhausen (k.), Haminer (t.), Werner tAntis.) und Dr. Wiemer (fr. Vp.). Der Minister v. Hammerstein dankte dem Redner für ihr warmes Eintreten für die Gendarmen und sagte weitestgehende Berücksichtigung der geäußerten Wünsche zu. — Am Montag begann das Haus die zweite Beratung des Etats des Finanzministeriums. Abg. Dr. Dziembowski (Pole) leitete eine Polendebatte ein, indem er die Ostmarkenzulage und überhaupt die preußische Ostmarken-Politik heftig bekämpfte. Wirkungsvoll trat der Minister diesen Angriffen entgegen und wies darauf hin, daß alle diese Maßregeln nur in der Abwehr getroffen seien. Der Abg v. Eynern (natl.-lib.) verlangte Reform des Einkommensteuergesetzes, worauf der Minister die Vorlage eines Entwurfes ankündigte, der zur Zeit nach dem Staatsministerium vorliege. Frhr. v. Zedlitz (freik.) und Werner (Antis.) verlangten die Besteuerung der Konsumvereine. Endlich wurde der Etat bewilligt.
— Der Finanzminister hat im Interesse der schnelleren Abfertigung des Publikums und der Erleichterung der Kassierer der Regierungshauptkassen getroffene Anordnung, daß die unmittelbaren Zahlungen dieser Kassen von Beamten-Besoldungen auch dann, wenn der Fälligkeitstag nicht auf einen Festlag oder Sonntag fällt, schon am letztvorhergehenden Werktage geleistet werden dürfen, auf die von den Regierungs» Hauptkaffen unmittelbar zu zahlenden fixierten Renu- merationen der noch nicht etatsmäßig angestellten Beamten ausgedehnt.
— Der frühere Vorsteher des Geheimbureaus der Germaniawerft in Kiel, Barkemeyer, wurde von der Strafkammer wegen unlauteren Wettbewerbes und Diebstahls von Plänen zu einem Jahre Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt und wegen Fluchtverdachts in Haft genommen.
— Nicht mit Unrecht weist die „Kons. Korr." daraus hin, daß die Geldsammlungen für die Ruhrberg-
56. Jahrgang.
leute möglichenfalls wieder dem gedachten Zwecke nicht zu gute kommen könnten; sie schreibt: „Die Geldsammlungen für die Ruhrbergleute werden in der sozialdemokratischen Presse nicht weiter emsig betrieben. Man wird auf den Rechenschaftsbericht über deren Verwendung gespannt sein können. Bei dem Crimmit- schauer Streik waren einschließlich den Spenden aus bürgerlichen Kreisen 1151146 Mark eingekommen; es waren aber nur 730 943 Mark verbraucht worden. Mithin hat die Gewerkschaftskasse von der Crimmit- schauer Streikbewegung einen Reinertrag in Höhe von 420 000 Mark gehabt.
Ausland.
— Von verschiedenen Seilen sind bisher für die Schutztruppe in Südwestafrika in dankenswerter Weise Hunde zur Verwendung als Kriegshunde zur Verfügung gestellt worden. Leider haben nach einer Nachricht vom Kommando der obengenannten Schutztruppe die meisten Tiere nicht den erhofften Nutzen gezeitigt, so daß nunmehr bis auf weiteres von der Heraussendung von Hunden Abstand genommen wird.
— Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplatze scheinen die Russen einen erneuten Angriff zu unternehmen. Sie ließen eine Division gegenüber dem Zentrum Oyamas nach dem linken Flügel vorrücken, ebenso gingen sie von Tashan aus vor. Auch haben sie eine Feldbahn gebaut, die Fushun Aenling mit Fushun Tot am obern Schaho verbindet. Dies alles weist auf die Absicht hin, Kurokis rechte Flanke zu umgehen. Kuro- patkin fährt fort, Verteidigungswerke an seiner ganzen Stellung entlang zu errichten und zu verstärken. — Das dritte russische Geschwader passierte die Insel Samsö in nördlicher Richtung und ein russisches Panzerschiff, von einem russischen Bugsierdampfer begleiten, passierte ebenfalls nordwärts fahrend, die Nordspitze der Insel Langeland.
— Wie aus Ungarn berichtet wird, ist es den vereinigten Bemühungen Szells und Andrassys gelungen, den frühern Ackerbauminister Daranyi zur Bildung eines neuen Beamten-Ministeriums zu gewinnen. Das neue ungarische Kabinett wird keinerlei Regierungsprogramm aufstellen, weil alle politische Fragen ungelöst bleiben sollen. Die vereinigte Opposition will nichts weiter gewähren als ein längeres Budgetprovisorium und die Rekrutierung. Wie verlautet, hat der König auf militärischem Gebiete diejenigen Zugeständnisse als äußerste Grenze bezeichnet, die Tisza vor einem halben Jahre gemacht wurden und die der
»■■MMIHIHmmWMW^MMWMMMMI der gutmütige Mann. „Es tut mir leid, liebe Frau, daß ich Deine Anordnungen umwerfen mußte, aber Meinhold ist jetzt vier Wochen in Wien und Budapest gewesen, er will Ende der Woche wieder fort auf eine große Reise gehen, da konnte ich ihn nicht abweisen, als er sich an- sagte."
„Nein, nein, das sehe ich ein," nickte Frau Mathilde schnell begütigt, „und es wird sich ja alles recht schön machen, die Mädchen gehen nun morgen aus. ES freut mich auch, daß ich Linderer nun hier haben kann. Die, Bombe Platzt, sage ich Dir, die Bombe platzt!"
„Sei vorsichtig," bat er mit aufgehobenem Finger.
„Aengstige Dich nicht, Du kennst mich doch."
Er lächelte etwas zweifelhaft. „Sprich nicht zu Mein- hold von Angelas Verlobung, ich möchte nicht, daß er si« durch uns erfährt."
„Kein Sterbenswort!" versicherte sie und nahm sich vor, Linderer die Neuigkeit sogleich bei seinem Eintritt zuzuflüstern. „Nun muß ich aber fort, eS ist die höchst« Zeit, will auch noch einmal nach Konradinchen sehen. Di« ist, nachdem Angela bei ihr gewesen, nicht wieder zum Vorschein gekommen. Das Kind wird sich doch nicht rote Augen weinen!"
Sie eilte auS dem Zimmer. Herr Schobert nahm seinen Korrekturbogen und seinen Bleistift wieder auf und vertiefte sich darin.
Tellergeklapper und die zum Flüsterton gedämpfte Kommandostimme seiner Frau belehrten ihn darüber, daß sir mit ihren Gehilfinnen daran sei, den Tisch für das Mahl zu rüsten.
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Die kleine Tafelrunde war wieder vereint und ließ sich die von Frau Mathilde Schobert und ihren Getreuen bereiteten ausgezeichneten Speisen, sowie die vomHausherrn kredenzten erlesenen Weine trefflich munden; dennoch herrschte nicht der frohe Ton, der bei ähnlichen Gelegen- heilen dem Kreise eigen zu sein pflegte. 116,18