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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Samstag, den 4. Februar 1905.
56. Jahrgang.
31. Dezembers 1917 festgesetzt, und zwar mit einjähriger Kündigungsfrist. Ueber diesen Termin hinaus können sie täglich mit gleicher Frist gekündigt werden. Nur int deutsch-österreichischen Vertrage haben sich beide Parteien vorbehalten, 12 Monate vor dem 31. Dezember 1915 mit Wirkung auf dieses Datum zu kündigen. Wird von diesem Rechte nicht Gebrauch gemacht, so treten dieselben Besti nmungen in Wirksamkeit wie bei den anderen Verträgen.
Eine Neuerung ist die in alle Verträge mit Ausnahme des russischen aufgenommene Schiedsgerichts klausel. Danach unterliegen auf Verlangen des einen oder andern vertragschließenden Teils Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung oder Anwendung der Vertragstarife einschließlich der Zusatzbestimmungen sowie der Zollsätze der von den vertragschließenden Teilen mit dritten Staaten vereinbarten Berlragstarife schiedsgerichtlichem Austroge. Auch ist die Möglichkeit weiterer Ausdehnung des schiedsgerichtlichen Verfahrens gegeben durch eine Bestimmung, wonach „eintretendenfalls und vorbehaltlich besonderer Verständigung" auch andere Meinungsverschiedenheiten über Auslegung oder Anwendung der Verträge schiedsgerichtlich ausgetragen werden können.
Soviel über die leitenden Grundsätze und prinzipiellen Bestimmungen des Vertragswerkes. Sie entsprechen durchaus den gehegten Erwartungen und dürften daher mit allseitiger Befriedigung aufge- nommen werden.________________________________
Deutsches Reich.
— Der Kaiser besuchte gestern Morgen das Mn seum für Völkerkunde und hörte im Königlichen Schlosse die Vorträge. Zur Frühstückstafel waren geladen, Generaldirektor Ballin und Kapitiun zur See a. D- von Grumme.
— Das Befinden des Prinzen Eitel Friedrich ist in den letzten Tagen andauernd besser und gibt mit Recht zn der erfreulichen Hoffnung Anlaß, daß der Verlauf der Krankheit des hohen Patienten ein gutartiger sein werde.
— Der Reichstag verhandelte am Montag über den zweiten Nachtragsetat für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1904. Staatssekretär Frhr. v. Stengel erklärte die Bereitwilligkeit der Regierung, für die Etats-Ueberschreitung Indemnität zu erbitten, er fügte auch zur Genugtuung des Hauses hinzu, daß der Bundesrat die angefocktenen 200 000 Mark für den Bahnbau-Windhuk-Rehobot zurückziehe, um sie als
Die neuen Handelsverträge.
Dem Reichstage sind nunmehr die neuen Handelsverträge zur Beschlußfassung zugegangen. In langer und angestrengter Arbeit ist es gelungen, auf der Grundlage des neuen deutschen Zolltarifs^>as Vertragswert zustande zu bringen. Sämtliche Tarifverträge sich erneuert worden, und zwar in einer Form, die unter wesentlicher Besserstellung der Landwirtschaft es auch unserer Industrie ermöglichen wird, sich in befriedigender Weise einzurichten.
WaS zunächst den äußern Charakter der neuen Handelsverträge anbetrifft, so erscheinen dieselben als Zusatzverträge. Die Grundlagen der alten Verträge bleiben also bestehen, womit insbesondere auch gesagt ist, daß an der in ihnen enthaltenen, die Tarifabreden ergänzenden Meistbegünstigungsklausel nichts geändert wird- Außer den Tarifen selbst sind nur solche Punkte verhandelt worden, die eine Revision der bestehenden Vereinbarungen erforderten. Nach Möglichkeit sind bie Bestimmungen der einzelnen Verträge untereinander ausgeglichen, ungenaue oder zweifelhafte Vereinbarungen durch präzisere ersetzt worden. So haben beispielsweise die Vereinbarungen über Ausfuhr-, Einfuhr- und Durchfuhr-Verbote in den Verträgen mit Italien, Belgien, der Schweiz, Rumänien und Serbien eine abgeänderte, im wesentlichen gleichlautende Fassung erhalten.
Für den Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Verträge sind verschiedene Formeln gewählt worden. Die Verträge mit Italien, Belgien und Rumänien bestimmen die Inkraftsetzung nach Ablauf einer Frist von sechs Monaten von einem zu vereinbarenden Tage ab und setzen als frühesten Termin den 1. Januar 1905 und als spätesten den 1. Juli 1906 fest. Der, Vertrag mit Serbien enthält ebenfalls die sechsmonat-" liche Frist und denselben spätesten Termin, als frühesten aber den I. Januar 1906. Mit Rußland ist vereinbart worden, daß die Inkraftsetzung 12 Monate nach Austausch der Ratifikationen, spätestens aber am 1. Juli 1906 erfolgen soll. Mit Oesterreich-Ungarn ist die Abmachung getroffen, daß der Vertrag am 15. Februar 1906 in Kraft treten soll. Im Schweizer Vertrage endlich ist auf Verlangen der Schweiz die Fassung gewählt worden, daß der Vertrag an sich am 1. Januar 1906 in Kraft treten soll, Deutschland aber befugt ist, die Anwendung des deutschen Vertragstarifes bis zum 1. Juli 1906 zu verschieben.
Die Dauer der Verträge ist gleichmäßig bis zum
besondere und eingehender begründeter Vorlage noch einmal einzubringen. Trotzdem überschüttete der Abg. Bebel (soz.) die Kolonialverwaltung mit den bekannten unbegründeten oder stark übertriebenen Angriffen. Ja, er verstieg sich sogar zu den heftigsten Angriffen gegen unsere tapferen Truppen im Aufstandsgebiet, wurde aber von dem Abg. Dr. Arendt (Rp.) geschickt zurückgewiesen. Kolonialdirektor Dr. Stübel gab die vorge- kommenen Fehler zu, widerlegte aber im übrigen gewandt die einseitige und gehässige Kritik Bebels. Nachdem noch verschiedene Redner zu der Sache das Wort genommen hatten, vertagte sich das Haus.
— Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Sonnabend in zweiter Lesung den Etat der Domänen- Verwaltung an. Bei der dann folgenden Beratung des Forstetats verteidigte sich Minister v. Podbielski erfolgreich gegen den Vorwurf, daß er bedeutende mit Bäumen bestandene Bodenflächen zum Abholzen und zur Bebauung im fiskalischen Interesse verkauft habe. Weiter kam die Beseitigung von Wildschäden durch Hasen und Kaninchen und die Lage der Zivilforst- assefforen und Förster zur Sprache. Danach wurde der Forstetat genehmigt und ebenso der Etat der Rente des Kronfideikommißfonds. — Am Montag erklärte Minister Möller bezüglich des Antrages der Abgg. Stößel (Z ) und Bachmann (nat.-lib.) auf Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung der Kohlen- Arbeiterverhältnisse, daß dem Landtage baldigst eine Novelle zum Berggesetz vorgelegt werden würde, worauf der Antrag zurückgezogen wurde. Das Haus ging sodann zur zweiten Beratung des Justizetats über. Von allen Seiten wurden die verschiedensten Wünsche für die Ausbildung der Referendare und Assessoren, Dienstwohnungen für Richter, Besserstellung der mittleren Beamten, Beförderung der jüdischen Juristen und dergl. mehr vorgebracht. Der Minister Dr. Schönstedt ging bereitwilligst auf sie ein; im Einzelnen wies er auf die Aenderung der Prüfungsordnung und die Fortbildungskurse der Assessoren hin. Endlich wurde der Titel Gehalt des Ministers und einige andere Titel des Etats genehmigt.____________________
Ausland.
— Nach einer Meldung des Generalleutnants v. Trotha aus Südwestafrika war die 7. Kompagnie des Regiments Nr. 2 von der Abteilung Meister am 24. Januar auf dem Marsche von Stamrietfontein nach Lidfontein in Schürfpenz eingetroffen. Anscheinend ohne Kenntnis von der Kompagnie versuchten dort 200 Wit-
Der Kotteriekönig.
Roman von F. Wüstefeld. 27
Frau Schobert, die mit dem ihr eigenen feinen Takte des guten Herzens merkte, daß hier etwas vorlag, das sie in Gegenwart Konradines nicht gern verhandelt haben mochte, brächte schnell die Rede auf die Toiletten, welche die Farlowschen Damen am gestrigen Abend im Theater getragen hatten, und erkundigte sich bei Meinhold, ob eS denn in Amerika Sitte sei, dort so zu erscheinen.
Er lächelte. „Man treibt in den großen amerikanischen Städten, wie auch in London, PariS usw. allerdings einen größeren Toilettenluxus'im Theater und besonders in der per, als dies im allgemeinen in Deutschland der Fall ist," antwortete er, „aber die Damen Farlow und beson- der-Mrs. Farlow hatten des Guten doch etwas zu viel getan."
„Ich finde eS viel hübscher, wenn man sich im Theater einfach kleidet," bemerke Konradine mit leiser Stimme, nie wage sie nicht recht, sich in diese Unterhaltung zu mischen. „ES wäre mir unpassend, ja ich möchte sagen, widerwärtig gewesen, wenn ich gestern in bunter Toilette, mit Schmuck beladen, den Gesang der Pilger und Minnesänger oder gar den von Elisabeth hätte mit anhören sollen, eSwäre mir wie eine Entweihung erschienen."
„Eine bewundernswerte Auffassung!" rief Linderer, hingerissen von dem Liebreiz des jungen Mädchens und vermochte die Blicke nicht von der Errötenden abzuwen- drn.
„Fräulein Schobert verleugnet ihre Abkunft nicht, das ist echt deutsche Innerlichkeit!" stimmte Meinhold bei.
Frau Schobert, obwohl ihr selbst die Augen vor Freuden leuchteten, glaubte doch hinzusetzen zu müssen: „Aer- gernSiemirdaS Kind nicht, meine Herren!"
„ES ist dabei gar nichts zu ärgern," lachte ihr Gatte.
„Dina hat recht. Wir können ihr nur für die origi- selle Auffassung der Dinge dankbar sein. Wie wäre eS,
Linderer, wenn Sie demnächst ein Feuilleton über die Beziehungen der Damentoilette zur Kunstauffassung schrieben? Ich meine, die Sache könnte interessant werden."
„Vielleicht entschließt sich das gnädige Fräulein, selbst eS zu tun," warf Meinhold ein, und es war nicht recht erkennbar, ob er im Scherz oder Ernst spreche, seine Worte riefen aber eine allseitige Bewegung hervor.
Konradine streckte beide Hände abwehrend vor und schaute wie hilfesuchend um sich. Frau Schobert machte ein erschrockenes, Doktor Linderer ein geradezu entsetztes Gesicht.
„Nein, nein, unter die Schriftsteller soll mir das Mädchen nicht gehen!" rief Herr Schobert lachend. „Ich habe nichts gegen weibliche Schriftsteller," fügte er ernster hinzu. „Wenn ich auch die Ausschreitungen, zu denen manche sich hinreißen lassen, nicht billigen kann, so schätze ich doch andere sehr hoch und habe von mehreren Werke mit gu- tem Erfolg verlegt, aber trotz alledem möchte ich nicht, daß Konradine schriebe."
Vielleicht unbewußt, daß er eS tue, stimmte ihm Linderer mit lebhaftem Kopfnicken zu.
Konradine fragte aber ganz ernsthaft: „Du würdest nichts von mir verlegen, Onkel?" Und als er den Kopf schüttelte, sagte sie mit einem Seufzer: „Dann müßte ich zu einem Deiner Konkurrenten gehen!"
Linderers Mienen verfinsterten sich noch mehr. „Um Gottes willen, was höre ich da! Du hast doch nicht etwa ein Bündel Manuskripte imKoffer mitgebracht ?" rief Schobert.
Ein silberhelles Lachen antwortete ihm und mit frischer Stimme entgegnete sie: „Aengstige Dich nicht, Onkel. Ich habe in meinem Leben noch nichts geschrieben als Briefe, und die sind mir auch herzlich sauer geworden. Mir fehlt jedes schriftstellerisches Talent."
„Aber daS Talent, alte Leute zu foppen, besitzest Du, chexe!" rief Herr Schobert und drohte mit dem Finger, mir wurde schon ganz ängstlich zu Mut-"
„Die Herren sind leichtgläubiger als ich," lachte Frau Schobert,„ich bemerkte sogleich,daß demMüdchen derSchalk im Nacken saß. Essen Sie jetzt die Zitronenspeise, die sie eingerührt hat, und nach dem Tische soll sie uns eine Probe des Talents geben, das sie wirklich besitzt."
„O, Tante, nicht doch!" wehrte Konradine.
„Meinst Du, Dein Onkel habe die Noten holen lassen, damit Du sie in den Schränk legen sollst? Du wirst: „O, Du mein holder Abendstern" singen."
„Ich kann es ja noch nicht."
„Doktor Linderer wird Dich begleiten. Er spielt alles vom Blatt," erwiderte Frau Schobert. „Nicht wahr, Dok- torchen?"
Linderer erklärte seine Bereitwilligkeit.
Zum Dank dafür schälte ihm Frau Schobert eine Birne von dem zum Nachtisch aufgetragenen Obst.
Bald darauf wurde die Tafel aufgehoben, man kehrte in das Wohnzimmer zurück, wo der Kaffee getrunken ward, dann sagte Herr Schobert mit drolligem Pathos: „Die Gewohnheit nennt sich des Menschen Amme! Ich überlasse es Doktor Linderer zu sagen, welcher Schriftsteller das Wort gesprochen hat, und begnüge mich, ein lebendiger Beweis für dessen Richtigkeit zu sein. Ich muß ein halbes Stündchen der Ruhe pflegen. Rauchen die Herren inzwischen eine Zigarre, meine Frau ist das gewohnt, und Dina wird auch nichts dagegen haben, auch können Sie, lieber Linderer, mit ihr die Musikübungen beginnen. Ich werde in meinem Zimmer dadurch nicht gestört."
Er bot seinen Gästen eine Zigarrenkiste und entfernte sich.
Als die Tür sich hinter ihm geschlossen hatte, rief Frau Schobert: „Jetzt schnell, lieber Linderer, üben Sie mit Diana daSLied. Ich weiß, wie mein Mann sich freut, wenn sie es ihm nachher vorsingen kann. Herr Doktor Meinhold nimmt inzwischen mit mir fürlieb."
Doktor Meinhold erwiderte, daß es für ihn wohl an der Zeit sei, sich.zu empfehlen. 116,18