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Das Sparen.
Seit der Zeit, da Lasalle seine Schrift »Herr Bastiat-Schulze von Delitzsch" veröffentlichte, bis auf unsere Tage ist es das eifrige Bemühen der Sozial- demokratie gewesen, die Arbeiter vom Sparen zurück- zuhalten. Der Grund dieses Tuns ist offensichtlich. Ein Mensch, der soviel Interesse an seinem Fortkommen, soviel Vorsorge für sich und seine Familie an den Tag legt, daß die Ersparnisse macht, ist in den meisten Fällen für die Sozialdemokratie und ihre Lockungen verloren.
Alles, was der Förderung des Spürsinnes dient, dient daher zugleich auch dem staatlichen Interesse, der Erhaltung und Festigung des Bestehenden. Die Bedeutung des Sparens reicht weit über den privatwirtschaftlichen Gesichtspunkt hinaus und verknüpft sich mit den höchsten Interessen von Vaterland und Nation. In voller Klarheit erkennen wir dies beim Lesen einer Schrift, die vor einigen Jahren unter dem Titel „Das' Sparen, sein Wesen und seine volkswirtschaftliche Wirkung" von Dr. Carl Freiherrn von Manteuffel veröffentlicht worden ist. Mit wissenschaftlicher Tiefe und doch zugleich in klarer und anziehender Sprache werden hier alle Vorteile dargelegt, die das Sparen dem einzelnen wie der staatlichen Gesamtheit zu bieten vermag.
Fortschreitende Kultur und steigender Spürsinn sind nach dem Verfasser unzertrennlich miteinander verknüpft. Wo der Sparsinn nicht vorhanden und nicht einzupflanzen ist, da stellt es sich eine Kultur-Entwicklung als unmöglich heraus, der Wilde kennt den Sparsinn nicht, den Indianern und Eskimos hat das Sparen erst von den Missionaren mühsam beigebracht
Der Kotteriekömg.
Roman von F. Wüstefeld. 21
Ihr Gatte warf ihr einen verdrießlichen Blick zu und sagte: „Wir gehen morgen vormittag in die englische Kirche, machen alsdann dem Geistlichen einen Besuch und später eine Spazierfahrt; so geziemt eS sich für uns. Jetzt will ich hinuntergehen, um noch einige Anordnungen für unser Diner zu treffen," fügte er hinzu und verließ das Zimmer.
Als er zurückkehrte, fand er seine Frau allein. Angela hatte sich unter dem Vorwande, noch einen Brief schreiben zu müssen, in ihr Zimmer zurückgezogen, in Wahrheit wünschte sie aber, sich den beobachtenden Blicken deS Onkels und der Tante zu entziehen, allein zu sein, und ihr stürmisch klopfendes Herz zur Ruhe kommen zu lassen.
Mr. Farlow machte, wie es seine Art war, wenn ihn etwas lebhaft beschäftigte, ein paar schnelle Gänge durch daS Zimmer und sagte dann, vor seiner Frau stehen bleibend : „Ein gescheiter, ein eminent gescheiter Mann, der DüSkow."
„Er hat Dir sehr gefallen?" fragte sie rechtkühl.
Mr. Farlow bejahte lebhaft. „DaS hat er, wäre ein brillanter Gewinn für meine Unternehmungen, würde mich prachtvoll vertreten können. Es wird freilich schwer halten, ihn zu gewinnen."
„Und Du würdest ihm Angela geben?"
„Auf der Stelle, wenn er sich entschließen wollte, den Soldatenrock an den Nagel zu hängen und in meine Dienste zu treten."
„Dazu scheint er wenig Lust zu haben," erwiderte sie. „Wenn er aber Offizier bleiben will . . ."
„So hat die Sache ihre großen Bedenken," fiel er ein.
„Und mir gefällt sie ganz und gar nicht, mag er hier Offizier bleiben oder drüben Beamter oder meinetwegen Teilhaber bei Dir werden. Ich bin ganz zufrieden, wenn Wir uns jetzt mit ihm zeigen, er mag uns als Lockvogel
Samstag, den 21. Januar 1905.
werden müssen. In Zeiten rückschreitender Kultur geht auch das Sparen zurück, wir brauchen nur an die Römer in der Zeit ihres Sinkens und Verfalles zu denken. Sparen ist ein Zeichen, daß ein Volk hoffnungsfreudig in die Zukunft blickt, ein Zeichen der Gesundheit des sozialen Körpers, ein Zeichen des rüstigen nationalen Vorwärtsschreitens.
Ueber den Segen der Sparsamkeit und die Pflicht des einzelnen, sparsam zu sein, sollte es keine Meinungs- Verschiedenbeit geben. Wer diesen Segen und diese Pflicht anzweifelt, der verfolgt unter allen Umständen, wie die Sozialdemokratie, heimliche, eigennützige, verderbliche Pläne; er hat es auf die Vernichtung unsers Glückes abgesehen. Ohne Sparen geht auch der Reichste in seinem Vermögen zurück, mit Sparen kann auch der Arme vorwärts kommen. Es ist sittlich und christliche Pflicht, die Zukunft zu bedenken, an der Verbesserung seiner eigenen Lage zu arbeiten, für seine Kinder vorzusorgen, und es ist klar, daß die Erfüllung dieser Pflicht auf den Charakter des einzelnen einen guten rückwirkenden Einfluß haben muß. Die Ausbildung der Energie, der Opferfreudigkeit, die Zurück- drängung materieller Genußsucht, die Gewöhnung, an die Zukunft und an andere zu denken, muß den Charakter festigen und läutern. Indirekt werden durch die Sparsamkeit auch noch andere Tugenden gefördert, die wiederum zur Hebung des Wohlstandes beitragen. Nüchternheit und Ordnung, Reinlichkeit und Einfachheit und damit körperliche und geistige Gesundheit pflegen in ihrem Gefolge zu gehen.
Es sind also falsche Propheten, Wölfe im Schafskleids, die ihren Mitmenschen unter allerlei schönen . Redensarten und scheinbar wissenschaftlichem Aufputze "tU Nutzlosigkeit oder gar Verderb!ichkeit des Svarens weismachen wollen. Die Führer des Umsturzes selber wissen für ihre Person den Wert des Sparens sehr wohl zu schätzen; sie legen ihre Einkünfte zinstragend an oder bauen sich prächtige Häuser und vermieten darin, wie Bebel, für teures Geld Wohnungen. Aber die Masse soll und darf nicht sparen. Schon dieser Widerspruch sollte der bessern Erkenntnis Bahn brechen; denn, was dem einen nützt, das wird doch sicherlich auch dem andern frommen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser nahm am Mittwoch Mittag im Schloß die feierliche Investitur der sechs jüngsten Ritter des Schwarzen Adlerordens vor, des Erbgroßherzogs
dienen. Wenn aber Angela einen Offizier heiratet, so muß eS ein Graf oder wenigstens ein Baron sein."
„Mia, weißt Du auch, was Du da redest?" rief er erschrocken.
„Sehr gut! Es wird sehr viel Geld kosten!" lachte sie. „Du hast es ja aber."
„Und gebe es dem Mädchen gern!" fiel er ein. „Aber ein deutscher Graf oder Baron, ja selbst ein simpler bürgerlicher Offizier! Die Sache scheint mir zu gefährlich. Dergleichen Leute erkundigen sich gar zu genau."
„Ach, was können sie denn erfahren!" lachte sie. „Sei doch nicht ein solches Hasenherz, Alter, das war doch früher nicht Dein Fall. Wärest Du immer so gewesen . .."
„Still, still!" unterbrach er sie. „Wie oft habe ich Dir schon gesagt, Du sollst nicht mit einem Worte auf die Geschichte anspielen."
„Und ich sage Dir, es kräht kein Hahn mehr danach," behauptete sie. „Es ist längst GraS darüber gewachsen, niemand wird in Mr. und Mrs. Farlow den . .."
„Schweige! Schweige!" rief er, mit dem Fuße auf den teppichbelegten Fußboden stampfend. „Nenne den Namen nicht! Hast Du unsere Abrede vergessen?"
„Ich schweig' ja schon! Ich schweig'ja schon!" ent- gegnete sie. „Aber ich bleib' dabei, Du machst Dir ganz unnütze Sorgen, und verbitterst Dir und mir nur das Leben damit."
„Ich wünschte, Du sprächest wahr!" sagte er mit einem tiefen Seufzer, „aber seit wir wieder auf europäischem Boden sind, werde ich die Angst nicht loS. Ich hätte Deinem Zureden nicht nachgeben sollen."
„Ach, das ist ja alles Unsinn!" erwiderte sie mit einem leichtsinnigen Lachen. „Alle Welt macht einen Trip nach Europa. Man hätte sich gewundert, wenn wir'S nicht ge- tan hätten. Und was sollte aus Angela werden ? Wir tön« nen sie doch nicht behalten, bis sie alt und grau ist."
„Wir haben schwere Verpflichtungen gegen Angela," sagte Mr. Farlow mit einem abermaligen tiefen Seufzer.
56. Jahrgang.
von Meckklenburg-Strelitz, des Herzogs Ulrich von Württemberg, des Herzogs von Anhalt, der Generale v. Langenbeck, v. Massow und v. Plessen. Alsdann hielt der Kaiser ein Ordenskapitel ab.
— Wie die „Berl. Ztg." berichtet hat den Kronprinzen ein Unfall betroffen. Auf der Fahrt nach der Eisbahn auf dem Heiligensee strauchelte ein» seiner Wagenpferde, und der Kronprinz, der bereits Schlittschuhe angelegt hatte, wurde durch den Sturz des Pferdes in hohem Bogen aus dem Wagen geschleudert. Er konnte sich nur mit Mühe erheben. Welcher Art die Verletzungen sind, konnte noch nicht festgestellt werden.
— Die Großherzogin Caroline von Sachsen- Weimar ist am Dienstag früh 6 Uhr gestorben.
— Der Königliche Hof legt für die Großherzogin von Sachsen die Trauer auf vierzehn Tage — bis einschließlich den 30. d. Mts. — an. Diese Hoftrauer wird für die Couren, für das Ordensfest und für das Geburtsfest des Kaisers abgelegt.
— Im Reichstage wurde am Sonnabend die zweite Beratung des Etats der Justizverwaltung fortgesetzt. Der Abg. Stadthagen (soz.) kam wieder auf den Oldenburger Ruhstrat-Prozeß zurück und erging sich in den schwersten Beschuldigen gegen die Zustände in deutschen Strafanstalten. Er wurde aber wieder wie das letzte Mal vom Staatssekretär Dr. Nieberding auf Grund aktenmäßiger Feststellung gründlich widerlegt, wobei diesem die Abgg. Bargmann (fr. Vp.) und Burlage (Z.) wirksam zu Hülfe kamen. Verschiedene Redner verlangten ein Gesetz über den Automobilverkehr mit dessen reichsgesetzlicher Regelung man bereits eifrigst beschäftigt ist. Zwei Rededuelle zwischen den Abgtz ^i^ckmann (Rp.) und Jeffen (Däne) über deutsch-dänische Verhältnisse in Nordschleswig und den Abgg. Brühn (d. Rfp.) und Lenzmann (fr. Vp.) bildeten die Fortsetzung. Zum Schlüsse brachten verschiedene Redner Wünsche vor betreffs Abänderung mehrerer Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches. — Am Montag entbrannte eine mit dem Justiz-Etat kaum im Zusammenhang stehende Kulturkampf-Debatte, zu der der Abg. Müller-Meiningen (fr. Vp.) mit Empfehlung seines Antrages auf Aenderung des Gotteslästerungs-Paragraphen den Anlaß gab. Ihm wurde von den Abgg. Spähn (Ztr.) und Dr. Hieber (ntl.) geschickt geantwortet. Endlich wurde der StaatSsekretär- Gehaltstitel bewilligt. Auch eine Resolution betreffend Aenderung des Fremdenrechts und Strafvollzug fand
Seine Frau zuckte die Achseln. „Das bildest Du Dir nur ein. Was wäre denn aus ihr geworden, wenn wir sie gelassen hätten, wo sie war?"
„Dann hätte sie nicht.." Er brach ab, fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und die kahle Stirn und sagte dann: „Das Wenigste, was wir tun konnten, war, daß wir sie zu uns nahmen und sie wie unser Kind hielten."
„Und vorher war sie lange Jahre in dem teuren Erziehungsinstitut, während ich es nicht so hatte, und Du ..
Er hob drohend die Faust.
„Ich sag' ja nichts! Ich sag' ja nicht»! Und ich hab' auch gar nichts gegen Angela, nur möcht' ich, daß sie hei- ratete, und zwar recht vornehm, dann hätte ich doch auch noch etwas davon!" rief MrS. Farlow erschrocken.
Er schüttelte den Kopf. „Du bist nicht zu belehren! Ich werde schon sorgen müssen, daß kein Unheil entsteht. Die Konradine Schobert, die könnte einen Grafen heiraten, die hat das Geld dazu, und bei bet ist alle» klipp und klar."
Mrs. Farlow lachte. „Mag sie doch. ES gibt ja genug Grafen in Europa, die gern reiche Amerikanerinnen heiraten. Wird freilich keine so vornehme Gräfin abae- ben, wie Angela. Gott weiß, wo die es her hat? Ihre Eltern . . ." Sie entzog sich einem abermaligen Zornes- auSbruch ihres Mannes durch schleunige Flucht und rief noch in der Tür: „Jetzt muß sie mir aber Zofendienste tun, warum hältst Du mir keine Kammerjungfer!"
Allein geblieben, ging Mr. Farlow wieder mit schweren Schritten im Zimmer auf und nieder. Seine Stirn war tief gefurcht, er grub die Zähne in die Lippen, machte sehr lebhafte Bewegungen mit den Händen und murmelte et« was vor sich hin.
Plötzlich fuhr er zusammen und stieß einen englischen Fluch aus. In seiner großen Erregung hatte er das strenge Gebot, das er seiner Frau und Richte gegeben, selbst übertreten: er hatte nicht englisch gesprochen.
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