Arthur hat eine Verstärkung ihrer Streitkräfte am Schaho zu ihrer natürlichen Folge. Die schweren Geschütze sollen nun gegen Kuropatkin aufgeführt werden, außerdem treffen von Süden her starke Truppenab- teilungen auf der blutgetränkten Wahlstatt ein. Es steht zu erwarten, daß es auch hier bald wieder zu schweren Kämpfen kommen wird.
— Die Kommission zur Untersuchung des bedauerlichen Vorganges in der Nordsee bei Hull ist in Paris zusammengetreten. Der Admiral Fournier übernahm den Vorsitz. Zwei Sitzungen haben bereits stattge- funden. Obgleich die Protokolle derselben nichts über gefaßte Beschlüsse enthalten, wird doch versichert, daß die Kommission sich entschlossen habe, bei ihrer Untersuchung auf besonderes Betreiben Englands die Oeffent- lichkeit in weitgehendem Maße zu wahren.
— Zwischen den marokkanischen Regierungstruppen und den Scharen des Prätendenten fand etwa 80 Kilometer von Udscha ein neuer Kampf statt. . Die letzter« wurden geschlagen, zogen sich aber nach einem schon vorher ausgewählten Punkte zurück, wo Verstärkungen bereit standen. Als die Regierungstruppen die Fliehenden verfolgten, gerieten sie in diesen Hinterhalt und wurden vollständig aufgerieben. Der Verlust an Toten und Verwundeten beträgt 400 Mann.
— Der rumänische Ministerpräsident Sturdza tritt endgültig zurück. Sturdzu, der vom König mit der Neubildung des Kabinetts betraut worden war, legte diesen Auftrag in die Hände des Königs zurück. Man glaubt, daß nun ein konservatives Kabinett unter Cantaruzene gebildet wird. Bisher hat es nur Sturdza verstanden, im rumänischen Budget regelmäßig Ueber- schüsse zu erzielen.
£3 — Wie die „Frankfurter Zeitung" aus Konstantinopel meldet, schlug die Pforte der syrischen Bahngesellschaft, welche die Strecke Damaskus—Mezerib infolge der parallel gelegten Mekkabahn erst an die Türkei verkaufen wollte, aber durch die französische Regierung am Verkaufe gehindert wurde, eine Entschädigung vor. Die Pforte erkennt an, daß die Interessen der Damaskus—Mezerib-Bahn durch die Mekka-Bahn geschädigt werden, und will der erstem eine jährliche Indemnität von 10000 Pfund während der Dauer der Konzession vergüten. Die syrische Bahngesellschaft fordert 18000 Pfund.
— Die Verwüster des ungarischen Kammersitzungssaales werden zur Rechenschaft gezogen. 42 Abgeordnete, welche an der Zerstörung am 13. Dezember teilnahmen, wurden von dem Polizeiamte vorgeladen. Zwei Abgeordnete, Noß und Posgay, erschienen vor dem Polizeidirektor und erklärten, jede Aussage verweigern zu wollen, da ^ür ihr Vorgehen als W^- -erbnete nur der Reichstag verantwortlich sei. Da der Reichstag nun aber aufgelöst worden ist, so sind sie überhaupt keine Abgeordneten mehr, nehmen also auch rechtlich keine Sonderstellung mehr ein.
— Der Emir von Afghanistan hat, wie dem Reuterschen Bureau gemeldet wird, den Mörder des deutschen Technikers Fleischer vor ein Geschütz binden und in Stücke schießen lassen.
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern, 13. Januar 1905.
—* An Stelle des versetzten Rektors am hiesigen Progymnasium Herrn Dr. Schnegelsberg wurde Rektor Völker aus Melle bei Osnabrück gewählt.
—* Versetzt: die Straßenmeister Nix von Flieden nach Orb und Bosold von Rasdorf nach Flieden.
—* Vor nicht allzulangerZeit hatte der Schreiber dieser Zeilen den hohen Genuß, das für nächsten Sonntag auf dem Konzertprogramm verzeichnete Konzertstück „Fröhliche Weihnachten" Tongemälde von Koedel zu hören und wir begrüßen es mit Freuden, daß auch den verehrten Lesern unseres Blattes dieser Genuß nun zu teil werden soll. Der Saal der Turnhalle ist festlich geschmückt und 2 Weihnachtsbäume rechts und links des Musikorchesters werden im Lichtschmuck während der Aufführung des Musikstückes prangen. Großartig wirkt die Szene wenn die „Kinder" bescheert bekommen. Lustig erklingen dann die Weisen der Mundharmonika und fröhlich werden die Kindertrommeln gewirbelt. Auch die übrigen Nummern der Vortrags-Ordnung sind sehr gut gewählt, so Ouvertüre zu Egmont, die Mühle im Tal, Fantasie a. d. Oper „Carmen", Pilgerchor aus Tannhäuser, Ouvertüre aus Tell rc. sodaß allen Besuchern ein genußreicher Abend bevorstehen dürfte.
—* Der Kommunallandtag tritt am 20. Februar in Casfel zu seiner Tagung zusammen. Um die Vor- beratungen der Vorlagen für den Kommunallandtag zu treffen, tritt der Landesausschuß schon am nächsten Montag zu mehrtägiger Tagung zusammen.
—* Ueber die Durchschnittspreise der wichtigsten Lebensmittel besagt die neueste amtliche Zusammenstellung, daß die Preise für Getreide und Eßkartoffeln etwas gestiegen, für Kalb- und Hammelfleisch dagegen heruntergegangen sind. Die Rind- und Schweinefleischpreise haben sich wenig verändert.
. ^ Die Abgabe von Waldstreu an die Landwirte tm Regierungsbezirk Casfel soll nach einer Verfügung
des 'Herrn Regierungspräsidenten überall dort in entgegenkommender Weise erfolgen, wo sich Knappheit an Futter- und Streumitteln zeige.
—* Zur Erweiterung der Eisenbahn-Hauptwerkstätte in Fulda fordert der neue Eisenbahnetat 100 000 Mk
—* Die deutsche Turnerschaft entsendet eine Musterriege von acht Turnern aus ganz Deutschland zu dem vom 18. bis 25. Juni stattfindenden Bundesturnfest des nordamerikanischen Turnerbundes in Indianapolis. Die Führung der Riege hat Prof. Keßler in Stuttgart übernommen.
—* Schon etwas! Die Zunahme des Tages macht sich bereits ziemlich bemerkbar. Wir haben die Mitte des Januars erreicht und die Sonne weilt nun schon ein Weilchen länger am Firmament. Die Tageslänge, die am 1. Januar 7 Stunden 39 Minuten betrug, wächst bis zu Ende des Monats auf 8 Stunden 52 Minuten an, es ist also schon um beinahe 7* Stunden länger Tag als seither. Bis jetzt allerdings hat der sonst so frosthelle Januar in seiner aprilmäßigen Wetterlaune uns mehr trübe als Helle Tage beschert, was aber hoffentlich nun bald ein Ende nimmt, damit wir uns des langsam zunehmenden Tageslichtes wirklich erfreuen und das ewige Lichtbrennen endlich an den Nagel hängen können.
—* Die Strafkammer zu Hanau verurteilte den Briefträger Hafner von hier wegen Unterschlagung amtlicher Gelder zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und Absprechung der Fähigkeit zur Führung eines öffentlichen Amtes auf die Dauer von drei Jahren.
* Die Witwe des Vizebürgermeisters Heräus in Hanau überwies der Stadt 63 000 Mark zu Wohlfahrtszwecken.
* Nach Mitteilung des Statistischen Amtes ist die Volkszahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der seit der letzten Volkszählung polizeilich gemeldeten Zu- und Abwanderungen, sowie des entsprechenden Neberschuffes der Geburten über die Sterbefälle am 1. Janur mit rund 320,000 anzu- nehmen.
* Umlängst wurde in Langen ein Stück Rindvieh geschlachtet, das an Milzbrand gelitten haben soll. Ein zufällig hinzukommender Fleischbeschauer untersuchte den Verkauf und die Verwertung des Fleisches. Der Metzger, welcher beim Schlachten das Messer in den Mund nahm, erkrankte und starb nach 2 Tagen. Eben- so ist noch eine Person, die beim Schlachten geholfen, erkrankt. Die Untersuchung ist eingeleitet.
* Dieser Tage brächte ein dem Bauer Pius Hillen- brand in Molzbach (Kreis Hünfeld) gehörendes Mutterschaf ein Lamm .zur Welt, welches zwei vollständig ausgebildete Köpfe an einem sehr starken Hals und an dem ebenfalls sehr stark entwickelten Vorderteil 3 Beine hatte. Der übrige Teil des Lammes ist normal, aber kräftig entwickelt. Das Lamm konnte nur tot zur Welt gebracht werden.
* Am 9. d. M. fand in Frankenberg in feierlicher Weise die Einweihung des neuerbauten Lehrerseminars statt. Zu der Feier waren auch der Oberpräsident v. Windheim, Regierungspräsident v. Trott zu Solz und Geh. Oberschulrat Dr. Otto aus Cassel erschienen Letzterer hielt die Festrede; während des Festaktes erteilte der Oberpräsident an den Herrn Landrat Riesch Seminardirektor Dr. Pollack, Kgl. Kreisbauinspektor Hippenstiel und Polier Küster Ordensauszeichnungen. Das neue Seminargebäude bedeutet in seiner prächtigen Ausführung eine Zierde der Stadt Frankenberg.
* Die Entlaffungsprüfung der Lehrseminaristen vom Seminar in Homberg beginnt in diesem Jahr schon mit dem 16. Februar.
* Die schreckliche Tat in Breitenworbis (Eichsfeld), wobei der 60jährige Alois Rogge seinem 26jährigen Sohne, der einen Streit zwischen Vater und Mutter schlichten wollte, mit einem Messer den Leib aufschlitzte, hat jetzt den Tod des Schwerverletzten zur Folge gehabt. Der Getötete war verheiratet und Vater eines Kindes. Der alte Vater, der im Jähzorn die Tat beging, befindet sich in Worbis in Haft.
* Aus Casfel. Eine größere Anzahl Gendarmen aus hiesigen und auswärtigen Bezirken reisten nach dem Ruhr-Kohlenreviere ab.
Vermischtes.
— Der Metzger Oskar Hudde ist in Aachen verhaftet worden, welches nunmehr amtlich bestätigt wurde. — Die erste Vernehmung des unter dem Verdachte des Raubmordes an dem Pfarrer Thöbes verhafteten Metzgergesellen O. Hudde fand statt, der bisher die Tat leugnet. Die Verhaftung erfolgte dadurch, daß er von einem aus Gelsenkirchen stammenden Manne, mit dem er früher verkehrt hatte, erkannt wurde.
— Als Hochzeitsgeschenk für den Kronprinzen hat Ostpreußen einen silbernen Tafelschmuck mit einer Elchgruppe in Aussicht genommen.
— Einer entsetzlichen Familientragödie sind am Dienstag Vormittag in Rixdorf bei Berlin drei unschuldige Kinder zum Opfer gefallen. Dort hat der 28jährige Drechsler und Händler Arthur Medersky seine drei im Alter von 3, 17, und V« Jahren
stehenden Kinder mittels Zuckerschnur erhängt und sich dann selbst zu erhängen versucht. Die Kinder sind tot, der entmenschte Vater blieb am Leben.
— Zu dem Raubmorde in Berlin-Moabit, wo die Hausbesitzerin Sinnig in ihrem Zigarrengeschäft erschlagen wurde, wird mitgeteilt, daß die Leichenöffnung 22 Verletzungen feststellte, die zum Teil das Gehirn bloßlegten. Der Kopf ist zerhackt. Der Mörder ist noch nicht ermittelt.
— Ein sensationeller Selbstmord wird von dem „Tag" aus Berlin gemeldet. Darnach hat in einem Anfall von Schwermut am Dienstag dort der Hofzahnarzt Hofrat Dr. Alonzo Sylvester seinem Leben dadurch ein Ziel gesetzt, daß er sich mit einem Revolver einen tötlichen Schuß in die Schläfe beibrachte. Der Tod trat sofort ein, so daß ärztliche Hilfe, die unmittelbar nach der Katastrophe herbeigeholt wurde, nutzlos war. Dr. Sylvester hatte vor längerer Zeit einen schweren Jnfluenzaansall erlitten. Kaum hatte er sich einigermaßen erholt, als ein Rückfall eintrat, zu dem später eine Lungenentzündung hinzukam. Eine vollständige Besserung in seinem Befinden wollte sich indessen seit jener Zeit nicht wieder einstellen, und der Glaube, daß er von einem unheilbaren Leiden befallen sei, erzeugte in ihm eine tiefe Schwermut, die seiner Umgebung schon seit Wochen schweren Kummer bereitete In einem solchen Anfall hat Dr. Sylvester die unselige Tat begangen. Dr. Sylvester war vor etwa 35 Jahren aus Amerika gekommen, als Assistent von Dr. Abbott dem ersten amerikanischen Zahnarzte in Berlin. Nach dessen Tode machte S. sich selbständig und erwarb sich bald eine ausgedehnte Praxis. Der Kaiser ernannte ihn später zum Hofrat und Hofzahnarzt. S. erreichte ein Alter von 60 Jahren und stammte aus dem Staat Maine. Dr. Sylvester war zweimal verheiratet. Seine zweite Gattin, von der er erst vor einigen Jahren geschieden wurde, lebt in Frankfurt a. M.
— In dem Städtchen Dassel bei Göttingen entstand Großfeuer, das in kurzer Zeit fünf Wohnhäuser mit Nebengebäuden einäscherte. Das Feuer entstand im Hause der Witwe Rumpeltin am Lilienplan, die sich bei Ausbruch des Brandes in Einbeck befand. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein.
— Für Deutsch-Südwestafrika muß wieder Zuchtvieh beschafft werden. Eine ganze Schiffsladung voll wird Ende Januar von Hamburg abgehen.
— Schneeverwehungen fanden in Oberfranken und im Riesengebirge statt. Mehrere Züge blieben stecken.
— Der Schlepper „Borkum" mit seiner Besatzung und 15 Geretteten ist verschollen.
— Eine 16jährige Raubmörderin wurde in Reichenberg in Böhmen verhaftet. Sie hatte ihr Opfer, eine Frau, beim Frisiern hinterrücks mit einem Strick erwürgt ; dann stahl sie 400 Kronen.
— Eine unsinnige Wette ging ein Arbeiter in dem böhmischen Orte Josefhütte ein, indem er sich verpflichtete, 100 Gläschen Schnaps hintereinander aus- zutrinken. Bei dem 40. Glase stürzte er bewußtlos zusammen. Zwei Tage darauf starb er an starker Alkoholvergiftung. Er hinterläßt fünf kleine Kinder.
— In Rußland hackten sich Reservisten einen oder mehrere Finger ab, um nicht in den Krieg zu müssen.
— 2,500,000 Dollars Gold werden per Dampfer von China nach Japan verschifft.
— Verschnappt. Hausfrau: „Daß Sie sich aber nicht unterstehen, sich einen Schatz anzuschaffen!" — Dienstmädchen: „Nee, nee! Der gnädige Herr hat sich's ooch schon verbeten!"
Wer hohe Körnerernten erzielen wik, darf es an einer Phosphorsäuredüngung nicht fehlen lassen. Welche Form des Düngers aber zu wählen ist, dafür spricht sehr wesentlich der Preis mit. Pro kg % Gesamtphosphorsäure ist ab 1. Januar 1905 der Thomasmehlpreis gegen den verflossenen Herbst um '/» Pfg- herabgesetzt, für citronensäurelösliche Phosphorsäure um 1 Pfg. Oft wiederholte Düngungsversuche haben immer wieder bewiesen, daß das Thomasmehl auch zur Frühjahrssaat auf den verschiedensten, selbst schweren Böden mit größtem Vorteil benutzt wird, wenn es nur zeitig ausgestreut wird. Am schlagendsten geht dies wohl daraus hervor, daß nachweislich in ganzen Provinzen der Thomasmehlkonsum im Frühjahr denjenigen des Herbstes stark überwiegt.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchter».
Sonntag, den 15. Januar 1905.
Evangelische Gemeinde:
Morgengottesdienst: Herr Superintendent OrtU Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth. Wochendienst: Herr Superintendent Orth.
Katholische Gemeinde.
Go ttesdienst: 10 Uhr Herr Pfarrer Richter-Hernli
Telegraphischer Schiffsbericht der „Red Star Linie^
Antwerpen.
Der Postdampfer „Zeeland" der „Red Star Linie" in Antwerpen, ist laut Telegramm am 9. Januar wohlbehalten in „Newyork" angekommen.