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Samstag, den 14. Januar 1905

Erscheint Mittwoch und Samstag. Prers mitKreisblatt vrerteljährüch 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die Kchliichterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner

Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schläch­tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat den deutschen Generalkonsul in Rom beauftragt, nach Palermo zu gehen, um ihn bei der Einweihung des Denkmals Crispis und bei den zu dessen Gedächtnis Verunstalteten Feierlichkeiten zu vertreten.

- - Der Kaiser hat auf die vom Vorstände des preußischen Landeskriegerverbandes übersandten Glück­wünsche zum neuen Jahre seinen wärmsten Dank aus­gesprochen. Der Kronprinz sagt in seinem Antwort­schreiben: Möge auch in dem kommenden Jahre der preußische Landeskriegerverband weiterhin wachsen und erstarken, so daß er wie bisher jederzeit imstande sein möge, tatkräftige Beweise seiner edlen Opfer­freudigkeit zu betätigen.

Der Kaiser hat den Generalen Stössel und Nogi in Anerkennung der von ihnen und ihren Tuppen bei der Belagerung Port Arthurs bewiesenen heroischen Tapferkeit den Orden pour le merite verliehen. Der Kaiser hat den Zaren und den Mikado um ihre Zu­stimmung zu der Auszeichnung gebeten.

Der Minister des Innern hat, wie verlautet, bestimmt, daß entlassene befähigte Gefangene in den Gefängnissen Strafanstalten, die seiner Verwaltung selbst unterstellt sind, in Schreiberstellen verwandt werden können. Jedoch darf, derKöln. Zeitung" zufolge, die Verwendung nicht an der Anstalt statt- finden, in der sie ihre Strafe verbüßt haben. Eben­falls ist ausgeschlossen, daß sie Personalakten von Gefangenen oder Anstaltsbeamten in die Hände be­kommen. Eine gleiche Verfügung für Justizgefängnisse stehen noch aus.

Ein alter Krieger ist in Berlin gestorben: Der frühere Feldwebel der Schloßgarde. Philipp Wilhelm,

Der Kotieriekömg.

Roman von F. Wüstefeld.

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Da» war freilich nicht der einzige Widerspruch, auf den Angela im Hause ihrer Pflegeeltern gestoßen war. Sie hatte sich daselbst immer von Rätseln umgeben gesehen und sich längst abgewöhnt, nach deren Lösung zu forschen, da sie aus Erfahrung wußte, daß dies doch ganz erfolg­los sein würde. Auf alle Fragen die sie gestellt, war ihr nie eine Antwort zu teil geworden, der Onkel hatte sie meist scherzend, die Tante verdrossen zurückgewiesen.

Auch üver ihre Eltern hatte Angela nur sehr wenig in Erfahrungbringen können. Sie mußten gestorben sein, als sie sich noch im zartesten Kindesalter befunden hatte und sie besaß nicht die leiseste Erinnerung an sie, vermochte sich auch des Ortes, an dem sie ihre ersten Lebensjahre zugebracht, durchaus nicht klar zu entsinnen. Wie aus einem Nebel tauchte in ihrer Erinnerung zuweilen ein großes HauS mit Zimmern und Sälen, umgeben von einem durch Mauern umschlossenen Garten auf, indem sie mit anderen Kindern von dunkel gekleideten Frauen verpflegt und er-

K worden war, verschwand jedoch dann wieder. Nach

röter gemachten Erfahrungen nahm sie an, sie sei in einem Waisenhaus« gewesen und dies war ihr denn auch eines Tages von der Tante bestätigt worden. Wo sich dies befunden, erfuhr sie jedoch nicht, und ebenso wenig, welche Sprache man daselbst geredet hatte.

Onkel und Tante hatten sie abgeholt von dem Orte, wo sie bisher gelebt, und mußten mit ihr längere Zeit umhergereist sein. Wie lange und wo man sich aufgehalten hatte, erfuhr sie ebenso wenig, wie man ihr sagte, wie alt sie eigentlich sei; einen GeourtS- oder Taufschein hatte sie nie zu Gesicht bekommen. Und merkwürdig, sie wußte von dieser Zeit noch weniger wie von der ersteren, eS war alle» wie weggewischt und sie empfand mit Schmerz und Grauen die Leere in ihrem Gehirn.

Eine schwere Krankheit hatte sie, wie MrS. Farlow sagte, heimgesucht und ihr das Gedächtnis geraubt. Ihre

der im 80. Lebensjahre stand, Nach dem französischen Kriege war er zum Leutnant ernannt worden.

Die Bewegung im westfälischen Kohlenrevier. Der Ausstand der Bergleute umfaßt 43 Zechen. Auf den Zechen, deren Belegschaft 30000 Arbeiter beträgt, sind am Mittwoch morgen 21358 Bergleute über und unter Tage nicht angefahren.

Die Königliche Regierung zu Minden hat in einer an die Kreisschulinspektionen erlassenen Ver­fügung angeordnet, daß in Zukunft kein Analphabet ohne besonders von ihr einzuholende Erlaubnis aus der Volksschule entlassen werden darf; vielmehr sollen alle Kinder, auch wenn sie das 14. Lebensjahr vollendet haben, so lange zum Schulbesuch angehalten werden, bis sie die notwendigste Elementarbildung (Lesen, Schreiben und Rechnen) erlangt haben. Gleichzeitig fordert die Regierung Bericht ein, ob und welche Kinder in den letzten zehn Jahren aus den Schulen entlasten sind, die weder lesen, schreiben noch rechnen konnten.

In Nordschleswig haben im Jahre 1904 ins­gesamt nur zwölf Ausweisungen dänischer Staatsan­gehöriger, stattgefunden- Da in früheren Jahren 100 und mehr Ausweisungen angeordnet worden sind, ist der Rückgang sehr erheblich. Diese Entwicklung dürfte beweisen, daß die Politik der Beruhigung nicht erfolg­los geblieben ist. Die Protestier geben zu, daß dänische Arbeitgeber sich den politischen Kundgebungen diesseit und jenseit der Grenze fernhalten.

Die Eisenbahnkonferenz zur Beratung einer deutschen Betriebsmittelgemeinschaft ist in diesen Tagen in Berlin zusammengetreten. Bekanntlich war von Württemberg und später auch von Baden , und Bayern bei Preußen die Vereinbarung einer Betriebsmittelge- meinschast beantragt worden, worauf grundsätzliche Erörterungen dieser Frage seitens der verschiedenen Ressortminister im Herbst v. I. zu Heidelberg stattge­funden haben. Später wurde auch von Sachsen, Oldenburg und Mecklenburg der gleiche Antrag gestellt. Es ist zu hoffen, daß die Verhandlungen zu einem

erfreulichen Ergebnis führen.

Eine Versammlung größerer Fabrikanten hat vor kurzem unter dem Vorsitz des Handelskammer- Präsidenten Meier in Pforzheim stattgefunden, um über die Gründung eines Arbeitgeber-Verbandes zu beraten. Nach Feststellung und nahezu einstimmiger Annahme der Satzungen haben sich sofort 86 Arbeit­geber zum Eintritt in den neuen Verein gemeldet. , __________,.....o. .... ,7 ............

Wie bestimmt verlautet, wird der preußische sind. Die Entlastung der japanischen Arm

ia

Erinnerungen setzten erst nach der Genesung von dersel­ben langsam wieder ein.

Der Onkel war verschwunden gewesen, er mußte, wie ihr die Tante gesagt, eine sehr große Reise machen, wohin er sie beide nicht mitnehmen konnte, besonders da sie von der Krankheit zu sehr geschwächt worden war. Tante und Nichte hatten sich nach Amerika eingeschifft, und die erstere hatte sie in New-York in eine große, vornehme Erzie- hungS-Anstalt gebracht.

Sehr lange, viel länger als ihre Gefährtinnen in der Erziehungsanstalt geblieben waren,hatteman sie dort ge­lassen. Nie hatte sie jemand besucht, nie hatte man sie in den Ferien nach Hause kommen lassen. Sie hatte bereits überlegt, ob sie nicht auf eigene Hand fortgehen und ver­suchen solle, sich ihr Brot zu erwerben, da war sie end- lich durch den Onkel und die Tante abgeholt worden, und sofort hatte sie sich von Rätseln umgeben gesehen.

Mr. und Mrs. Farlow mußten sich damals schon in sehr günstigen Vermögensumständen befunden haben, denn sie besaßen ein schönes trefflich eingerichtetes Haus, leb- ten gut, hielten mehrere Dienstboten und besuchten Thea­ter, Bälle und öffentliche Vergnügungen, hatten aber wenig Verkehr. Erst mit dem anwachsenden Reichtum und sich immer üppiger gestaltender Lebenshaltung fand sich auch biefet ein.

Mr. Farlow war, wie Angela erfuhr, bei großen Mi- neu- und Eisenbahnunternehmungen beteiligt, die ihm bin­nen kurzem riesenhafte Summen einbrachten. Genauerer darüber wurde ihr aber auch nicht gesagt. Wunderlich er- schien e» ihr auch, daß beide Gatten behaupteten, außer englisch keine Sprache ordentlich und fließend sprechen zu können, und daß sie trotzdem, wenn sie sich allein und un- beobachtet wußten, mit Vorliebe in einem etwas dunkel gefärbten Deutsch mit einander redeten. Mr. Farlow ver- mied auch sorgfältig den Verkehr mit deutschen Familien; die einzige Ausnahme davon hatte in den letzten Jahren der Buchdruckereibesitzer Schobert gemacht, der viel Geld in den von Farlow geleiteten Unternehmungen angelegt

56. Jahrgang.

Haushaltsvoranschlag für das nächste Etatsjahr ein verhältnismäßig günstiges Bild darbieten. Es ist dies wesentlich auf die fortschreitend erfreuliche Gestaltung der Eisenbahneinnahmen zurückzuführen. Der Segen der Eisenbahn-Verstaatlichungspolitik, die in Preußen nunmehr ein Vierteljahrhundert lang gewirkt hat, erweist sich je länger desto mehr als ein dauernder. Gleichzeitig kommt als ein Vorschlag in Betracht, daß Preußen Anfang des vorigen Jahrzehnts unter Führung Miguels eine durchgreifende Reform seines direkten Steuersystems einführte. Daß die Mängel dieses Steuersystems beseitigt werden sollen, hat der Finanzminister im Abgeordnetenhause zugesagt.

Die Vereinigung der Handelskammern des niederrheinisch-westfälischen Jndustriebezirks faßte auf Antrag von Dr. Martens-Dortmund folgenden Be­schluß: Die Vereinigung gibt der Ueberzeugung Aus­druck, daß die Vermehrung und der schnellere Ausbau der Flotte in Rücksicht auf unseren Außenhandel, mit­hin auch auf unsere Industrie und das ganze arbeitende, schaffende Volk, ebenso wie mit Rücksicht auf das An­sehen und die Macht unseres Vaterlandes geradezu eine Notwendigkeit sind.

Ausland.

Im südwestafrikanischen Aufstandsgebiete haben in den letzten Tagen wieder heftige Kämpfe stattge­funden. Die Abteilung des Majors Meister ist kürz­lich auf eine bedeutende Streitmacht des Gegners gestoßen, die erst nach äußerst langwierigen Kämpfen endlich glücklich besiegt werden konnte. Bemerkenswert ist, daß auch 250 Herero unter Friedrich Maharero sich den Hottentotten angeschlossen hatten; diese Leute sind also aus dem Norden, vielleicht sogar über englisches Gebiet, zu den Aufständischen im Süden AtWuÄtea. Der Feind ^r über 1000 Mann stark und sein Standort, Groß-NabaS, konnte erst nach SOstündigem Kampfe genommen werden. Die Auf­ständischen haben mindestens 80 Tote verloren. Leider haben auch unsere Truppen schmerzliche Ver­luste erlitten.

Die Uebergabe der Gefangenen von Port Arthur ist jetzt abgeschlossen worden. Es sind im ganzen 87 8 Offiziere und Beamte und 23 491 Mann. Die Schwerkranken wurden vorläufig noch in Feld­lazaretten in Port Arthur bleiben; alle, die trans­

portabel sind, tverden nach Japan gebracht werden, sobald die Einrichtungen für ihre Unterbringung beendet

vor Port

hatte. Beide Männer hatten sich so eng befreundet) daß Schobert, als er seinen Tod herannahen gefühlt, Farlow die Sorge für seine Tochter übertragen hatte, bis dies« sie zu seinem Bruder nach Deutschland bringen konnte.

Angela war stets sehr gut behandelt worden. Der On­kel, den sie für den Bruder ihres Vaters hielt, war so- gar liebevoll gegen sie, und wenn die Tante ihr nie Zart- lichkeitsbeweise gab, so mochte das in ihrer mehr kühlen Natur liegen. Dem sehr lebhaften, leidenschaftlichen Na- turell des jungen Mädchens genügte das aber nicht. Siege- wöhnte sich zwar, ihr wahres Wesen unter einer kühlen, gehaltenen Außenseite zu verbergen, aber im Innern glühte das Feuer fort. Sie hatte sich nicht entschließen können, von den Freiern die sich ihr genähert, einen zu erhören, weil sie in ihnen nur Bewerber um die Nichte de» Minen- besitzers gesehen, und sie dürstete nach Liebe.

Nicht ohne Neid hatte sie auf die um mehrere Jahre jüngere Konradine Schobert geblickt, die von ihren Eltern mit der größten Liebe und Zärtlichkeit umgeben ward, für die eS keine Rätsel, keine Geheimnisse gab, um die alle»

hell, licht und klar war, von der selbst Freude, Licht und Klarheit auszugehen schien.

Der schnell aufeinander folgende Tod der frischen, an­scheinend so lebenskräftigen Mutter und des bereit» seit längerer Zeit kränkelnden Vaters hatte Konradine zwar tief gebeugt, die ursprüngliche Heiterkeit ihres Gemütes aber nicht zu zerstören vermocht. Während de» Jahres, das sie im Farlowschen Hause verlebt hatte, wardieSon- nigkeit ihres Wesens wieder zum Vorschein gekommen und hatte auch ihrer Umgebung mehr Licht und Freudigkeit verliehen.

Es wäre schwer gewesen, sich mit Konradine nicht gut zu vertragen, denn sie besaß eine Liebenswürdigkeit di * Herzens, der nicht leicht zu widerstehen war. Angela hatte denn auch mit der jungen Hausgenossin ununterbrochen in den freundlichsten Beziehungen gestanden, ihre Anwe­senheit als eine Annehmlichkeit empfunden und sich jetzt

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ungern von ihr getrennt.

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