zuwachs bestes sich auf rund 76,8 Millionen Mark. Die Zahl der zugegangenen Invaliden- und Krankenrenten hat gegen das Vorjahr vei den VersicherungsAnstalten zu-, bei den Kassen-Einrichtungen abge- genommen, das umgekehrte Verhältnis zeigt der Zugang an Altersrenten.
— Die deutsche Landwirtschafts-Gesellschaftsreisen verunstalten. Die eine wird eine Jnlandsreise sein und sich an die 19. Wanderausstellung der Gesellschaft, welche vom 29. Juni bis zum 4. Juli 1905 in München stattfindet, anschließen. Als Reisegebiet ist das Königreich Württemberg und das Schwarzwaldgebiet im Großherzogtum Baden in Aussicht genommen. Die zweite Reise wird eine Auslandsreise sein und nach Dänemark und Schweden gehen. Als Zeitpunkt für diese Reise ist die Zeit der Ernte, also der Monat August, in Aussicht genommen.
— Zur Erweiterung des Emdener Hafens nebst neuer Seeschleuse bewilligten der Magistrat und Bürgervorsteher in öffentlicher Plenarsitzung 4 Mill. Mark als städtischen Beitrag für die Ausführung des auf 18 Millionen Mark veranschlagten Regierungsplaneb.
— Dem Förderer des Deutschtunis in den Ostmarken, Landes-Oekonomierat Rennemann-Klenka ist anläßlich seines 90. Geburtstages der Stern zum Roten Adlerorden zweiter Klasse verliehen worden. j
Ausland.
— Nach einer Meldung des Generals v. Trotha aus Windhuk in Südwestafrika haben mit den Hottentotten erhebliche Gefechte stattgefunden. . So stieß Major Meister am 1. Januar abends beim Stam- prietfontein auf 500 bis 600 Hottentotten; diese hielten trotz wiederholter Bajonettangriffe bis nach Eintritt völliger Dunkelheit Stand nnd zogen sich erst unter dem Schutz der Nacht in Richtung auf Gochas zurück Major Meister folgte am nächsten Morgen. Die Verluste des Feindes, welche bedeutend gewesen sein müssen, sind noch nicht festzustellen gewejen.
— Wie vom ostasiatischen Kriegsschauplatze berichtet wird, ist die Uebergabe aller Forts und Befestigungen von Port Arthur beendet. Die Gefangenenliste weist auf von der Armee 8 Generale, 588 Offiziere, 221 Beamte, Aerzte und Priester, 22434 Mannschaften und 3645 Nichtkombattanten; von der Narine 4 Admirale, 300 Offiziere, 4500 Mannschaften und 500 Nichtkombattanten, insgesamt also 32000 Köpfe, ohne die Kranken und Verwundeten, 16000 an der Zahl. Der tapfere General Stössel, der eine lange Unterredung mit General Nogi hatte, hat sein Ehrenwort gegeben, am Kriege nicht mehr teilzunehmen und kehrt nach Rußland zurück. Der Marschall Oyama teilte General Kuropatkin die Kapitulation von Port Arthur mit. Diese Nachricht wirkte um so beunruhigender, als gerade noch in den letzten Tagen Meldungen eintrafen, die einen längeren Widerstand erhoffen ließen.
— Vor kurzem ging eine deutsche Mission nach Abessinien ab. Nun steht auch eine österreichische Mission nach dorthin bevor. In den nächsten Tagen be- gibt sich der österreichische Kreuzer „Panther" in besonderer Mission nach Abessinien. Es handelt sich um Einleitung von Verhandlungen wegen Abschlusses eines Handelsvertrags zwischen Abessinien und Oesterreich.
— Die Truppen des Sultans von Marokko haben an der algerischen Grenze eine schwere Niederlage erlitten. Der Befehlshaber der kaiserlichen Truppen, Abdul Sadok, hatte auf die Mithülfe des Stammeshäuptlings Buhamamas gerechnet, weil dieser vom Sultan 40000 Duros erhalten hat unter der Bedingung, daß er vom Prätendenten Buhamara abfalle Buha- mama blieb aber dem Prätendenten treu und griff Abdul Sadok plötzlich auf der linken Flanke an und durch diesen Angriff wurde die Niederlage herbeigeführt.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 10. Januar 1905.
r—* Wie aus dem Inseratenteil zu ersehen ist finden, in der Zeit vom 4. bis 15. Januar, in Geln- Hausen Vaterländische Festspiele statt. Um den Besuch auch aus hiesigen Kreisen zu ermöglichen, werden aus Anlaß der Festspiele, von Gelnhausen am 8. und 15. Januar abends 12 Uhr 40 Min. nach Schlüchtern Extrazüge gefahren. Da der Reinertrag für hilfsbedüftige Krieger bestimmt ist wollen wir nicht versäumen, auch in dieser Spalte, darauf hinzuweisen.
—* Bei dem Preisschießen, welches Herr D. Leh- mann auf dem Felsenkeller veranstaltete, wonach die 3 besten Schützen Preise erhielten, waren bis am vergangenen Sonntag 10 Schützen die sämtlich 35 Ringe geschossen hatten. Es kam daher zu Stichschüssen und es erhielten demnach folgende Herren Preise: Als 1. Preis ein Regulator Herr Thielmann, 2. Preis ein Bierservis Herr Rudolf, 3. Preis eine Hängelampe Herr Heinr. Urbach. Ferner erhielt Herr Ruoolf als bester Schütze von vorige Woche einen Hasen und eine gemästete Gans. Für diese Woche gelangen neue Preise zur Verteilung und zwar: ein Stück Rehwild, ein Bierseidel mit Ansicht von Schlüchtern sowie eine silberne Remontoir-Uhr mit Etui.
—* Alle, die es angeht, möchten wir darauf auf
merksam machen, jetzt, zu Beginn des neuen Jahres,' ihre Jnvalidenkarten nachzusehen. Nach 8 13a des Jnvalidenversicherungsgesetzes verliert die Karte ihre Giltigkeit, wenn sie nicht innerhalb 2 Jahren nach dem Tage der Ausstellung, welcher auf der Karte eingeschrieben ist, zum Umtausch eingereicht wird. Ist dieser zweijährige Termin übersehen worden, so ist sofort an den Vorstand der Versicherungsanstalt ein Gesuch einzureichen, daß die fortdauernde Giltigkeit der Karte noch anerkannt wird. Der Anspruch auf Versicherung hört auf, wenn in 2 Jahren nicht wenigstens 20 Wochenkarten eingeklebt sind. Es ist dringend zu empfehlen, die Marken auch bei kurzer Arbeitslosigkeit zu kleben; je mehr Marken geklebt wurden und je höher die Marken sind, desto größer wird auch seinerzeit die Invalidenrente sein. Ein Versicherter der ersten Lohnklaffe z. B. erhält nach 40 Versicherungsjahren eine Rente von 172 Mk. 40 Pf. (an Beiträgen hat er bis dahin geleistet 291 Mk. 20 Pfg.); bei der Versicherung in der dritten Klaffe ist diese Rente 296 Mk., die Summe der Beiträge 499 Mk; bei der fünften Lohnklaffe die Rente 399 Mk., die Gesamtbei- träge 748 Mk. 80 Pfg. Es ist also von großem Vorteil, wenn jemand freiwillig hohe Beiträge leistet.
* Die große Vereinfachung im Abfertigungs- Wesen des Eisenbahn-Güterverkehrs, welche am 1. Febr. 1904 auf den Preußisch-Hessischen Staatsbahnen zur Einführung gelangte, hat sich gut bewährt und ist infolgedessen am 1 Januar 1905 mit geringen Aenderungen von sämtlichen deutschen Eisenbahnverwaltungen übernommen und zur Einführung gebracht worden. Die Vereinfachung besteht bekanntlich im wesentlichen in der Beseitigung der Güterfrachtkarten und in der Verwendung von Frachtmarken und bedeutet für die Eisenbahnverwaltungen eine große Arbeitsersparnis, die wieder einer beschleunigten Abfertigung, Verladung, Entladung und Aushändigung der Güter zu gute kommt. Die Geschäftswelt wird durch das Verfahren nach wie vor nicht berührt. Nur werden abweichend vom seitherigen Verfahren die Frachtinarken nicht mehr an die Geschäftswelt verkauft, sondern nur noch von den Eisenbahn-Abfertigungsstellen selbst als Verrechnungsmittel benutzt. Veranlassung zu dieser Maßnahme war der Umstand, daß seitens der Geschäftswelt von den Marken fast gar kein Gebrauch gemacht und kein Wert auf die Einrichtung gelegt wurde.
—* Gedenket der darbenden Vögel! Die Sänger- aus Wald und Flur sind jetzt auf unsere Mildtätigkeit angewiesen. Und es ist ja so leicht und billig, ihnen mit einigen Lebensmitteln über die Unbilden des Winters hinwegzuhelfen. Speisereste finden sich in jedem Haushalt, die jetzt vielleicht achtlos weggeworfen werden, und die wir doch als Futter für die hungernden und frierenden Vögel so nützlich verwenden können. Auch sollte sich niemand um die Freude bringen, die es bereitet, einer gefiederten zwitschernden Schar täglich den Mittagstisch zu decken.
—* Ein plötzlicher Tod ereilte den 1842 zu Züntersbach geborenen Dienstknecht Adam Müller. Der Mann kam am Freitag abend, in Hanau, gegen 10 Uhr in ein Gasthaus und bat um ein Nachtlager. Mit Rücksicht auf seinen anscheinend leidenden Gesundheitszustand wurde ihm seine Bitte erfüllt und ihm ein Zimmer angewiesen. Als der Fremde bis den anderen mittag 11 Uhr nichts von sich hören ließ, begab sich ein Dienstmädchen des Gastwirtes nach dem betr. Fremdenzimmer und versuchte, die Tür zu öffnen, welche aber durch einen vor ihr liegenden Gegenstand am Aufgehen gehindert wurde. Mit Anwendung von Gewalt wurde die Tür gesprengt und man fand den Gast tot vor der Tür liegen. Ein Schlaganfall hatte seinem Leben ein Ende gemacht.
—* Aehnlich wie auf dem Feldberg im Taunus sollen auf der großen Wasserkuppe (Rhön) im Sommer 1905 zum ersten Male Rhön-Turnspiele abgehalten werden. Der Rhönklub steht dem Projekt sehr sym- patisch gegenüber.
—* Zum Kommandeur des Landwehrbezirks Hanau wurde Major z. D. von Köppen, bisher Bataillons- Kommandeur im Pommerffchen Füsilier-Regiment Nr. 34 ernannt.
* Hanau. Zu dem Postraub in dem benachbarten bayerischen Ort Hörstein kann noch mitgeteilt werden, daß das gestohlene Wertpaket eine Vorschußlieferung der Postbezirkskasse für die Postagentur Waffenlos enthielt. Der Inhalt bestand aus 1000 Mk. in Fünf Markstücken und aus 500 Mark in Kronen. Der Diebstahl erfolgte abends um ’/a7 Uhr, als der Postwagen zur Abfertigung vor dem Postgebäude hielt. Mit dem Wertpacket ist gleichzeitig auch der von Det- tingen nach Wafferlos bestimmte Postbeutel verschwunden.
* Gegen die Inhaber der kürzlich in Konkurs geratenen offenen Handelsgesellschaft Beisler u. Reis in Hanau, Juwelier Beisler und Bijoutier Reis, wurde das Verfahren wegen betrügerischen Bankrotts eingeleitet. B. wurde in Untersuchungshaft genommen, R. ist seit acht Tagen flüchtig.
* In der Wohnung eines Arztes in Sachsenhausen explodierte ein Porzellanosen, in dem das Dienstmäd
chen die Aeste des Christbaumes zum Verbrennen gesteckt hatte, und setzte mehrere Möbel in Brand. — Vermißt wird der 70jährige Kastellan des Landgrafen von Hessen, Heinrich Eggers, in Frankfurt a. M., der seit einiger Zeit an Gedächtnisschwäche leidet. Eggers war früher in Schloß Philippsruhe bei Hanau be- dienstet.
* In Eckweisbach (Rhön) wurde am Montag nach einem Schneesturm ein lebender wilder Schwan gefangen.
* In Guntersblum sind 60 bis 70 Kindern an Masern und Dyphteritis erkrankt.
* In mehreren Ortschaften des Kreises Hersfeld herrschen immer noch Scharlach und Diphtherie. Diese gefürchteten Kinderkrankheiten treten bisweilen recht bösartig auf; so wurden dem Schmiedemeister Möller in M. innerhalb 12 Stunden drei seiner Kinder durch Scharlach entrissen.
* In Hirzenhain brannten zwei mit Futtervorräten reichlich gefüllte Scheunen des in der Nähe liegenden Gutshofes „Neuhof" vollständig nieder. Der Besitzer hatte noch vor wenig Tagen einen größeren Transport Friesländer Vieh bezogen.
* Wahrscheinlich ein Opfer ihres Leichtsinnes wurden zwei Handwerksburschen in Frankenberg, welche in dem Stalle des Gastwirts Wolf zu Altenlotheim ein Obdach gesucht hatten. Am Morgen bemerkte man aus dem genannten Stalle Rauch hervordringen und als die Tür geöffnet wurde, fand man zwei Männer, die sich als durchreisende Handwerksburschen heraus- stellten, leblos vor. Wie später konstatiert wurde, ist der Tod durch Ersticken eingetreten. Die beiden Unglücklichen haben jedenfalls durch Rauchen oder unvorsichtiges Umgehen mit Feuerzeug den Brand, der sich glücklicherweise nicht weiter ausdehnte, verursacht. Der eine der beiden Verunglückten wird in Altenlotheim beerdigt werden, über die Leiche des anderen wird noch die Verfügung der Angehörigen erwartet. — Die Persönlichkeiten der Verunglückten ist aus den vorgefundenen Papieren wie folgt festgestellt worden: 1) Arbeiter Friedrich Schmitt, geb. 1869 zu Pferdsdorf, Kr. Hildburghausen, 2) Arbeiter Walter Wilinzig geb. 1874 zu Königsberg.
* In Kirdors bei Homburg verbrannte eine 56 Jahre alte Frau in ihrem Bett. Sie hatteUich einen Ziegelstein im Herd heiß gemacht, in ein Tuch gewickelt und mit ins Bett genommen. Tuch und Bett wurden durch den heißen Stein entzündet.
* Der hat im Habichtswalde große Verwüstungen angerichtet. Auf dem Hültenberge, zwischen dem Herkules auf der Wilhelmshöhe und dem Druseltale, hat der Orkan eine ganze Waldecke, gegen 100 achtzig- bis hundertjähriger Tannen und Fichten, entwurzelt.
Vermischtes.
— Aus Aachen. Der berüchtigte Einbrecher Bertram der jahrelang mit seinen Helfershelfern die Hauptstädte Westdeutschlands unsicher machte, ist zur Verbüßung einer langjährigen Zuchthausstrafe nach Werden transportiert worden. Nachdem er 19 Ausbruchsversuche gemacht hatte, war er später in Ketten gelegt und angeschmiedet worden und hatte auch diese Fesseln wie Bindfaden zerrissen. Schließlich zwängte man Bertram in eine mit starken Eisengittern versehene Lade, die er gleichfalls zertrümmerte. Wie aus der Schwurgerichtsverhandlung hervorging, konnte Bertram in Köln nur dadurch gebändigt werden, daß seine Zelle derart mit Wasser gefüllt wurde, daß es ihm bis an den Mund reichte. ,
— 16 Mk. Masse bei 300 000 Mk. Forderungen. Vor der Berliner Strafkammer hatte sich ein Fabrikant wegen Konkursvergehens und Betrugs zu verantworten. Der Mann war früher Hausdiener in einem Hotel und sparte sich als solcher 19000 Mk. Dann bekam er es mit der Großmannssucht zu tun; er wurde Fabrikant. Als solcher büßte er nicht nur sein Geld ein, sondern auch die 30 000 Mk. Mitgift, die seine erste und seine zweite Frau in die Ehe einbrachten. Anstatt Konkurs anzumelden, legte er sich auf Wechselreiterei; auch ließ er sich nach wie vor Ware schicken, die er aber gleich wieder verschleuderte. Die Schuldenlast wuchs schließlich auf 300 000 Mark an, denen anfangs nur 16 M. Masse gegenüberstanden. Hinterher erhielten die Gläubiger aber doch noch 6 Prozent. Der Angeklagte kam mit einer Gefängnisstrafe von einem Monat noch ziemlich gnädig davon.
— Bei einer Besteigung der Zugspitze wurden nach Münchener Blättern drei Damen von mehreren Herren im Stich gelassen. Drei Tage und vier Nächte warteten die Damen vergeblich auf Hilfe; vom Hunger gepeinigt und mit erfrorenen Gliedern kehrten sie ins Tal zurück.
— Ein zweijähriges Kind wurde in einem Wiener Hotel von einer älteren, elegant gekleideten Dame, die sich als Großmutter des Kindes und Hermine v. Mar- witz bezeichnete, ausgesetzt. Sie entfernte sich plötzlich und ist spurlos verschwunden.
— Gegen eine Naturärztin, Klara Niebios, begann ein Prozeß vor dem Schwurgericht in Tilsit. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung zweier MädcheH