SchlüchternerMtung
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Nach dem Ball von Port Arthur.
Das furchtbare Ringen um Port Arthur hat mit der Uebergabe der Festung an die Belagerer geendet. Die Verteidigung wie die Belagerung gehört zu den blutigsten und ruhmreichsten Ereignissen der Kriegsgeschichte aller Länder. War es auch seit ungefähr einem Monate gewiß, daß die Zähigkeit der Verteidiger gegen die Bravour der Belagerer den Fall der zu Wasser und zu Lande eingeschlossenen Festung nicht aufhalten konnte, so ist die Uebergabe doch noch schneller erfolgt, als vielfach erwartet wurde. In Japan freilich zeigte sich schon seit einer Reihe von Wochen wachsende Ungeduld und Nervosität über die lange Dauer der Belagerung, die immer neue Ergänzungen der Belagerungsarmee nötig machte, die Flotte Togos vor Port Arthur festhielt und das allmähliche, allerdings sehr langsame Näherrücken der baltischen Flotte gestattete.
Man schätzt die Stärke der japanischen Belagerungsarmee auf 70—bOOi >0 Mann. Ein erheblicher Teil davon wird den technischen Waffen, der Fuß- artillerie und dem Jngenieurkorps angehören, ein Teil der Infanterie wird zur Besetzung der genommenen, weit ausgedehnten Festung zurückbleiben müssen. Aber immerhin werden wohl 30—40000 Mann frei zur Verstärkung der Landarmee Oyamas, die seit der zehntägigen unentschiedenen Schlacht am Schaho der Armee Kuropatkins gegenübersteht. Durch diesen Nachschub _ werden die Verstärkungen, die Kuropatkin aus Sibirien und dem europäischen Rußland heranziehen konnte, ausgeglichen werden.
Wichtiger aber als für die militärische Lage zu Lande wird sich der Fall Port Arthurs für die Lage zur See erweisen, wahrscheinlich ist sie entscheidend für die Behauptung der japanischen Seeherrschaft in den koreanischen Gewässern. Die baltische Flotte ist bis
Der Kotteriekd'nig.
Roman von F. Wüstefeld. 17
„Ich kann uns hier keine Aufpasserin hersetzen. Du und Angela, Ihr müßt sehen, wie Ihr allein fertig wer- bet."
Sie stieß einen tiefen Seufzer auS. „Hätte ich da» gewußt, wäre ich lieber drüben geblieben."
„Und drüben ließest Du mir keine Ruhe, Du wolltest nach Europa, nach Deutschland. Seit wir hier sind, packt mich oft die Sorge, dieSachekönnte übel ablaufen."
Mrs. Farlow lachte lustig auf, wodurch ihr Gesicht ein jugendlicheres, viel hübscheres Gepräge erhielt; sie stand auf, legte ihrem Manne die eine Hand auf die Schul- ter und streichelte ihm mit der anderen die Wange. „Mach' Dir doch keine unnützen Sorgen. In Mr. James Farlow vermutet niemand den ..."
Erschrocken drückte er ihr die große, knochige Hand fest auf den Mund und gebot: „Sprich eS nicht aus, sprich eS nicht auS! Ich sage Dir, die Wände haben Ohren! Niemand darf den Namen hören, auch Angela nicht. Hätte ich gewußt, daß Du so unvorsichtig bist, ich hätte eS nicht gewagt.. ."
„Hab' ich Dir nicht bewiesen, daß ich schweigen kann? Bin ich Dir nicht eine treue Genossin gewesen?" fragte sie weinerlich.
„Ja, ja, daS bist Du, Mia, und hauptsächlich Dir zu Gefallen hab' ich das Wagnis unternommen. Die Gele- genheit war zu günstig, dem alten, reichen Schobert die Nichte zu bringen und sich von ihm in die vornehme Gesellschaft einführen zu lassen!"
Mia rümpfte die Nase. „Die vornehme Gesellschaft war's wohl nicht; Adelige waren sehr wenig darunter, aber für den Anfang mag's gut sein. Sind wir erst etwas warm geworden, lassen wir die Leute fallen und verkehren in den höheren Kreisen. Ich hoffe, wir werden bei Hofe vorgestellt und Angela heiratet einen adeligen Offizier;
Mittwoch, den 11. Januar 1905.
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jetzt erst bis zu den französischen Inseln im Stillen Ozean vorgedrungen und erwartet aus Petersburg den Befehl, 'ob sie weiter vorrücken soll. Durch den Fall Port Arthurs ist ihre Aufgabe aufs äußerste erschwert, der einzige Stützpunkt, den sie haben kann, ist das weit entfernte Wladiwostok. Ehe sie dahin gelangen kann, wird die japanische Flotte alles tun, um ihr die Kohlenzufuhr abzuschneiden und sie aufzu- halten. Bleibt Japan die Uebermacht zur See, so gebietet es auch über die Küsten der Mandschurei und Koreas, mag sich auch das Kriegsglück im Innern der Mandschurei zu Gunsten der Russen werden.
Abgesehen von den militärischen Vorteilen fällt das moralische Element sehr stark zu Gunsten Japans ins Gewicht. War die Stimmung der Japaner durch die lange Dauer opfervollen Belagerung Port Arthurs gedrückt, so ist sie jetzt um so zuversichtlicher und insbesondere die Besorgnis vor der baltischen Flotte fast ganz geschwunden. Da anderseits in Rußland trotz des verstärkten Verlangens nach innern Reformen doch die Ueberzeugung herrscht, daß das große Rußland sich dem kleinen Japan nicht unterwerfen kann und wenigstens zu" Lande Erfolge erringen muß, so steht das Ende dieses blutigen Krieges noch nicht in Sicht. Es wird wieder von Friedensvermittlung geschrieben, und namentlich in Washington scheinen ernste Bestrebungen für ein baldiges Ende des ostasiatischen Kampfes zu bestehen. Aber einstweilen hat der Fall Port Arthurs die Japaner nur zu energischerm Durchhalten des Krieges angespornt, und auf der andern Seite ist wie gesagt in Rußland an den maßgebenden Stellen keine Neigung vorhanden, sich von Japan Bedingungen diktieren zu lassen oder dritte Mächte um Vermittlung anzugehen.
Deutsches Reich.
— Am 9 Januar war Professor Schiemann zur Abendtafel geladen. Vormittags hörte der Kaiser einen Vortrag des Chefs des Zivilkabinets von Lucanus.
— In einem Erlasse an die Regierungspräsidenten tritt der preußische Minister des Innern für die Erhaltung des Deutschtums deutscher Auswanderer ein. Dem Minister ist berichtet worden, daß Personen, die ins Ausland sich begeben wollen, häufig der Rat erteilt werde, ihre Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande zu beantragen. Sie sollten damit aller Unbequemlichkeiten enthoben sein, die sich etwa aus dem Militärdienst-Verhältnisse ergeben sollten. Das werde Personen, die Passe oder Heimatspapiere verlangen, insbesondere von dem Bureaupersonal
sie sollen ja ganz versessen darauf sein, reiche Amerikanerinnen zu bekommen."
Mr. Farlow griff sich an den Kopf, die weitgehenden Wünsche und Hoffnungen seiner Frau erschreckten ihn; ehe er ihr aber Vorstellungen zu machen vermochte, öffnete sich die Tür, und Angela trat ein, Onkel und Tante guten Morgen wünschend, was freundlich erwidert ward.
„Vom Morgen ist freilich nichts mehr da, wir haben tief in den Tag hinein geschlafen, nun macht, daß wir zu unserem Frühstück kommen," rief Farlow lachend.
Er zog die Glocke und rief dadurch den Kellner herbei, der Tee, Kaffee, gekochte Eier herbeitrug und auf den Tisch in der Mitte des Zimmers niedersetzte, der bereits gedeckt und mit Butter, Weißbrot und mehreren Schüsseln kalten Fleisches besetzt war. Er hielt einen duftenden Strauß aus roten Nelken und weißem Flieder in der Hand, den er mit einem Brief in elegantem Kuvert Angela über- reichte.
Sie erbrach das Kuvert, zog eine Karte hervor, die mit einigen Zeilen beschrieben war, und sagte hoch errötend: „Vom Hauptmann Düskow. Er bittet, seine Aufwartung machen zu dürfen, um zu sehen, wie uns das Fest bekommen ist."
„Na, was hab' ich gesagt?" lachte Mrs. Farlow, die sich in einem Lehnstuhl am Tische niedergelassen und sich schnell eine Tasse Kaffee eingegossen und mundrecht gemacht hatte, während sie ihren Gatten auf die Schulter schlug. „Da kommt ja der Offizier schon heran. Aber es ist noch nicht der Richtige. Er heißt schlechtweg Düskow: >rs muß ein Graf oder wenigstens ein Baron sein."
Mr. Farlow schüttelte den Kopf,und Angelaverbarg ihre Verlegenheit, indem sie eine aus dem Kaminsims ste- hende Va e mit Wasser füllte und den Strauß hineinstellte; dann nahm sie am Tische Platz, frühstückte selbst und be- diente Onkel und Tante.
Auch für Angela war das Helle Licht des Tages weni- ger günstig als die Abendbeleuchtung. Sie war sorgfälti-
56. Jchrgang.
geraten oder nahegelegt. Der Minister hält es dagegen im Interesse des Deutschtums für erwünscht, wenn die im Auslande sich aufhaltenden Deutschen ihre Staatsangehörigkeit behalten. DieRegierungspräsidenten sind deshalb angewiesen worden, dafür zu sorgen, daß alle in Frage kommenden Behörden und ihr Personal sich jeder Einwirkung in dieser Beziehung enthalten.
— Der Eisenbahnminister von Budde hat an den kaiserlichen Kommissar und Militär-Inspekteur der freiwilligen Kriegspflege folgendes Schreiben gerichtet: Nachdem im vergangenen Sommer von den deutschen Kriegsveteranen ein erheblicher Gebrauch von der Fahrpreis-Ermäßigung zum Kurgebrauch gemacht worden ist, kann ein tatsächliches Bedürfnis zur Erleichterung dieser Reisen anerkannt werden. Ich habe daher Auftrag zur Fortgewährung der Vergünstigung auf den preußisch-Hessischen Staatsbahnen und Reichseisenbahnen gegeben, und den Bundesregierungen anempfohlen, sich der Maßnahme für ihre Staatsbahnstrecken anzu- schließen. Ferner wird geprüft werden, ob es sich nunmehr empfiehlt, Bestimmungen über die Fahrpreis- Ermäßigung in den deutschen Eisenbahn-Personen- nnd Gepäcktarif auszunehmen. Nach Abschluß der hierüber eingeleiteten Verhandlungen werde ich Euer Excellenz weitere Mitteilungen zugehen lassen. Ich ersuche ergebenst, das Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz auf die Vorstellungen vom 26. Okt. hierauf verständigen zu wollen.
— Im „Reichsanzeiger- werden die Namen der 40 Mitglieder des Kolonialrates für die vom 1. Okt. 1904 bis 30. September 1907 währende siebente Sitzungsperiode veröffentlicht. Es finden sich darunter drei neue Mitglieder, und zwar Rittmeister a. D. Bugge, Mitglied des Vorstandes der deutschen Kolo- nialgeseufchaft für Südwestafrika, Geh. SeehandlungS- rat a. D. Alexander Schöller, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Neu-Guinea-Kompagnie, und Direktor Stark von der Chemnitzer Aktien-Spinnerei.
- - Die Nachweisung der Geschäfts- und Rechnungs- Ergebnisse der auf Grund des Jnvalidenversicherungs- Gesetzes errichteten Versicherungs-Anstalten und zugelassenen Klassen-Einrichtungen pro 1903 legt dar, daß 152871 Invalidenrenten, 9215 Krankenrenten 12438 Altersrenten, 154305 Beitrags-Erstattungen bei Heiratsfällen, 778 Beitrags-Erstattungen bei Unfällen, 32584 Beitrags-Erstattungen bei Todesfällen festgesetzt worden sind. Insgesamt haben die Einnahmen bei allen Versicherungs-Anstalten rund 182,9 Millionen Mark betragen, die Ausgaben rund 107 Mill. Mark bei allen Versicherungs-Anstalten. Der Vermögens
ger gekleidet als MrS. Farlow, und ihr blauschwarzes Haar war bereits geflochten und aufgesteckt; sie sah aber gegen gestern um mehrere Jahre älter aus, und wer sie heute gesehen hätte, würde nicht im Zweifel gewesen sein, daß sie die zweite Hälfte der Zwanzig erreicht habe. Der Glanz der schwarzen Augen und das Rot, da» berm Empfang von Strauß und Brief in ihr längliche» Gesicht getreten war, verflog schnellbei den Worten der Tante, ihr« feingeschnittenen Lippen preßten sich fest auf einander, sie sah müde und traurig aus.
Mr. Farlow beobachtete sie einige Minuten schweigend, dann fragte er: „Auf welche Zeit hat der Hauptmann sich angemeldet?"
„Um halb vier," antwortete Angela, und wieder belebten sich ihre bleichen Züge.
„Da wird es Zeit, daß Ihr Toilette macht," bemerkt« Farlow mit einem Blick auf die Uhr.
„Ja, ja, Du mußt mir helfen, Angela! Mein werde ich nicht fertig, und Dein Onkel, der Barbar, will nicht, daß ich mir hier eine Zofe nehme," rief Mr». Farlow
„Gern, Tante, wir sind ja auch gestern allein zu stand« gekommen, ich stehe Dir, wie immer, gern zu Diensten," erwiderte Angela freundlich und bereitwillig, stellte über im stillen ihre Betrachtungen über diese neue Sonderbarkeit des Onkels an.
Man war von Chicago hierher in der bequemsten und teuersten Weise gereist, hatte hier in einem der ersten Hotels eine Reihe schöner Zimmer auf längere Zeit gemietet und auch für die ganze Dauer des Aufenthalte» eine Equipage genommen. 116,18
Es waren bereits ansehnliche Bestellungen in großen Magazinen gemacht worden, um die Toilette der Damen in der glänzendsten Weise zu vervollständigen, und dabei verweigerte Mr. Farlow ihnen die für ihre Bedienung erforderliche Hilfe. Er hatte seiner verwöhnten Frau nicht gestattet, ihre Jungfer mitzunehmen und wollte auch nicht» davon hören, daß sie sich am Orte eine solche anschaffte.