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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oler deren Raum 10 Pfg.

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M 104.

Mittwoch, den 28. Dezember 1904.

55. Jahrgang.

Die im 55. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichen Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

M daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der

Wer eiie fctato

wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1905 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Prinz Adalbert von Preußen wird auf Wunsch seiner kaiserlichen Eltern an der Hochzeit des Kron­prinzen teilnehmen. Der Prinz ist bekanntlich Wach- offizier auf dem großen KreuzerHertha" in Ostasien und wird Anfang Mai wieder in Kiel eintreffen. Der Tag der Hochzeit des Kronprinzen im Mai, zu der die Braut kurze Zeit vorher aus Cannes "eintrifft, steht noch nicht fest; es ist leicht möglich, daß der 6. Mai, der Geburtstag des Kronprinzen gewählt wird.

Die Verlegung des Kaiserlichen Hofhaltes von Potsdam nach Berlin ist vorläufig auf ben'J7. Januar festgesetzt.

Der Zentralverband deutscher Industrieller hat seine Mitglieder zu gutachtlichen Aeußerungen über eine bei ihm angeregte Ergänzung des Gesetzes zur Be- kämpfung des unlauteren Wettbewerbes aufgefordert. Nach dieser Anregung soll in das Gesetz eine Bestim­mung ausgenommen werden, wonach Strafbarkeit auch noch mindestens drei Jahre nach dem Austritt aus dem Geschäft eintritt, wenn nachgewiesen wird, daß ein früherer Angestellter einem dritten in gewinnsüchtiger Absicht Betriebsgeheimnisse seines früheren Arbeitgebers anvertraut. Auch der Versuch soll schon strafbar sein,

Bei der am 16. Dezember abgehaltenen Reichs­tags-Ersatzwahl im Wahlkreise Rawitsch-Gostyn wurden nach amtlicher Feststellung im ganzen 13 402 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten Propst Stychel- Posen (Pole) 9618 und Dr Wagner-Breslau (Reichs­partei) 3781 Stimmen. Ersterer ist mithin gewählt. Der Wahlkreis ist von jeher in poln. Besitze gewesen.

Die sFrage der Kanalisierung des Oberrheins tritt in ein neues Stadium. Wie aus Straßburg im Elsaß berichtet wird, hat eine Versammlung von Bankiers sich bereit erklärt, unter gewissen Voraussetzungen 20 Millionen Mark zur Erbauung eines oberrheinischen Schiffahrtskanals aufzubringen.

Aer Kotteriekömg.

Roman von F. W ü st e f e l d. 12

Ich denke, sie wird noch mancherlei Unterricht neh­men müssen, in Sprachen, Musik, Litteratur, wir werden sehen, wozu am meisten Neigung und Talent vorhan­den ist.

Dazu wird reichlich Zeit sein, auch wenn sie sich am Morgen ein paar Stunden in der Wirtschaft beschäftigt," beharrte Frau Schobert.

Schobert ging darauf aber nicht ein, sondern sagte: Es ist mein Wunsch, daß Konradine eine Partie macht, die ihrem Reichtum angemessen ist. Vielleicht einen Offi­zier aus dem Generalstabe oder einen Diplomaten."

Meinst Du, daß sie das besonders glücklich machen wird?" fragte seine Frau recht ernst und nahm sich im stillen vor, über das Geschick des Mädchens, für das ihr Herz sich mütterlich erwärmt hatte, zu wachen.Ich kenne Dich ja gar nicht wieder, Konrad, seit wann hat denn Dich die Großmannssucht gepackt?"

Seine Stirn rötete sich. Wieder einmal hatte seine einfache Frau den Nagel auf den Kopf getroffen.Man strebt doch auch nach etwas Höherem," antwortete er ein wenig schwächlich.Uebrigens weißt Du auch, daß ich mei­nen Bürgerstolz besitze und ..."

Ich habe schon heute eine kleine Andeutung erhalten, daß sie Dir einen Strich durch die Rechnung machen dürfe, mein lieber Alter," lachte sie,aber ich spreche mich dar- über nicht aus.

Er ward an weiteren Fragen verhindert, durch die Meldung, daß angerichtet sei.

* * *

So gut bürgerlich es im Schobertschen Hause auchzu- ging, hatte Frau Mathilde sich auf den Wunsch ihres Man­nes doch zu einer Einrichtung bequemen müssen, die da­mit nicht ganz übereinstimmte. Herr Schobert fand eS für sich und seine geschäftliche Tätigkeit bequemer, englische Tischzeit zu haben. Man genoß zwischen zwölf nno ein

Seit der Feier des 10jährigen Stiftungsfestes des deutschen Ostmarken-Vereins sind in Ostpreußen 11, in Westpreußen 1 und in der Provinz Posen 6 neue Ortsgruppen gegründet worden.

Die Regierung hat auf eine Anregung des Pfarrers v. Bodelschwingh in Bielefeld hin eine ander­weitige Regelung der Natural-Verpflegungsstationen in dar Rheinprovinz in Aussicht genommen. Zu diesem Zweck fand in Düsseldorf eine Konferenz statt, an der eine große Anzabl Vertreter der beteiligten Behörden teilnahmen.

Vor kurzem kam in der Württembergischen Ab­geordnetenkammer die Eisenbahn-Betriebsnlittel-Gemein- schaft zur Sprache. Der Minister des Auswärtigen erklärte, die Uebertragung der Eisenbahnen au das Reich sei nicht mehr möglich, dazu sei der Zeitpunkt verpaßt. Auf der letzten Ministerkonferenz in Heidel­berg sei aber beschlossen worden, einer weiteren Ver­handlung einen von Württemberg ausgehenden Entwurf einer Eisenbahn-Betriebsmittel-Gemeinschaft zugrunde zu legen, der eine Wagengemeinschaft mit Gemeinschaft der Werkstätten Vorsicht.

Zur Lage im rheinisch-westfälischen Kohlenrepier erklärt die KölnerArb. Ztg.", angesichts der immer steigenden Erregung unter der Bergarbeiterschaft sähen sich die Leiter der Verbände außerstande, den Vorboten eines gewaltigen Sturmes entgegenzutreten. Es sei bereits soweit gekommen, daß die erregten Belegschaften die zum Abwarten mahnenden Führer der Feigheit und der Leisetreterei bezichtigten, und die Autorität der ge­wählten Führer sei ins Wanken gekommen, so daß ein Zustand eintrete, wo sich der angesammelte Groll ex­plosiv Lust mache. Wenn nicht die Reichstagsmehrheit sowie die Regierung schleunigst einschritten, sei der Aus­bruch eines riesenhaften Streikes unvermeidlich.

Ausland. -

Aus Windhuk wird vom 23. d. Mts. gemeldet: Von der Abteilung Kleist ist Oberleutnant Ritter am

Uhr ein warmes Gericht als Frühstück und hielt die Haupt­mahlzeit um sechs Uhr.

Es war der guten Frau gar nicht leicht geworden, sich in diese Ordnung der Dinge zu fügen. Sie tröstete sich jedoch damit, daß im Grunde nur die Namen für die Mahl­zeiten verändert seien, diese selbst aber fast zu derselben Stunde wie in ihrem elterlichen Hause aufgetragen wur- den; man hatte in der Familie des Tischlermeisters und Möbelfabrikanten Tbräuhardt immer um zwölf mittags und sieben Uhr abeuoS gegessen.

Pünktlich und ordentlich, wie Frau Mathilde war, hatte sie nun auch acht darauf, daß die Mahlzeiten genau zu der bestimmten Zeit auf dem Tische standen, und so fand sie denn auch heute, als sie mit ihrem Manne das Zim­mer betrat, in dem sie zu speisen pflegten, den Tisch ein­fach mit weißem Porzellan, aber tadellos sauber für drei Personen gedeckt.

Konradine war noch nicht da und erschien erst nach einigen Minuten. Sie hatte es für angemessen gesund. n, den Morgenrock mit einem Kleide zu vertauschen, und wenn sie dazu auch eines der einfachsten, die sie besaß, gewählt hatte, so stach sie doch gegen die Tante, die in ihrem blauen Kattunkleide geblieben war, bedeutend ab. Herr Schobert machte seine Frau durch Blicke darauf aufmerk­sam, und sie seufzte leise. So lieb die Nichte ihr auch war, ihr Aufenthalt im Hause würde doch allerlei Neuerungen mit sich bringen, das sah sie schon ein.

Das beste vom Feste sind die Reste," scherzte Herr Schobert, als heute ausnahmsweise ein paar Gerichte auf­getragen wurden, die sich, so gut sie angerichtet waren, doch als Ueberbleibsel vorn gestrigen Mahle erkennen lie­ßen.Haben unsere Gäste uns so viel übrig gelassen?"

O, die Gäste würden noch viel mehr übrig gelassen haben, aber die vielen fremden Leute, die man im Hause haben muß, schleppen ja alles unter den Händen weg, und ich durfte doch nicht von der Tafel aufstehen und wegschlie­ßen! Das ist alles, was Marie für uns gerettet hat!" antwor- tete Frau Mathilde.

21. aus aufständische Witbois gestoßen und griff sie übberraschend an. Der 200 Mann starke Feind wurde zersprengt und nach 10stündigem Gefecht völlig ge­schlagen. 12 beladene Ochsenwagen, 50 Pferde, 1000 Stück Großvieh und mehrere tausend Stück Kleinvieh wurden erbeutet. 10 Hottentotten blieben tot auf dem Platz. Nach einer Meldung von Lengeke sind die Veld- schoendrager nach ihrer Niederlage bei Koesam am 15. d. M. panikartig nach Süden geflohen. Die Verfol­gung wurde am Abend des 18. Dez. abgebrochen. Sie verloren im Gefecht und während der Flucht 54 Tote und 45 Gewehre. Außerdem wurde viel Munition erbeutet; 500 Stück Großvieh, 3000 Stück Kleinvieh und 50 Pferde sind genommen.

Nach Meldungen des Admirals Togo ist die Mehrzahl der Schiffe der japanischen Flotte von Port Arthur zurückgezogen worden. DerDaily Mail" meldet unterm 24. ds. aus Söul: Im Norden von Korea fanden scharfe Gefechte statt, in denen die Ja­paner siegreich waren. Der in Nordkorea komman­dierende russische Oberst wurde wegen seiner Tapferkeit zum General befördert. Die chinesischen Behörden beschlagnahmten am 24. Dez. bei Fengtai in der Nähe von Peking 3 Millionen Patronen, welche an eine rusische Firma in Tientsin adressiert und ersichtlich für die russische Armee bestimmt waren. Die Patronen waren zwischen Holz versteckt.

Die Verlobung des spanischen Königs Alfons XIII. mit der 19jährigen Prinzessin von Mecklenburg Marie Antoinette, Tochter des Herzogs Karl von Meck­lenburg-Schwerin ist nach demB. T." beschlossene Sache. Die Verlobung wird gelegentlich des Besuches von König Alfons bei Kaiser Wilhelin im kommenden Februar veröffentlicht werden.

Die AgenturInformation" in Paris ist in der Lage, initteilen zu können, daß die Dreyfus-Affäre am 15. Februar vor dem Kassationshofe zur Verhand­lung gelange. Der Staatsprokurator Baudoin schließt

Desto besser! Dann wird mir zum Mittagessen nicht nochmals davon aufgetischt."

Sei ohne Sorge, wir haben einen frischen Braten," tröstete ihn Frau Mathilde, aber zwischen ihren Augen­brauen bildete sich eine leichte Falte; sie besaß die kleine Schwäche, sich nicht gern in ihren häuslichen Angelegen­heiten dreinreden zu lassen.

Konradine bemerkte die kleine Verstimmung und war mit feinem Takt bedacht, das Gespräch auf ein anderes Gebiet zu lenken, indem sie erzählte, wie wundervoll sie und wie alle Gäste sich gestern amüsiert hätten.Herr Doktor Linderer sagte sogar, er wolle ein Feuilleton da­rüber für die Zeitung schreiben," fügte sie hinzu.

Das war ein Scherz, das wird er nicht tun, so takt­los ist Linderer nicht!" rief Herr Schobert und trank das Glas Bordeaux, an dem er bisher nur genippt hatte, aus einen Zug auS, füllte es aber nicht wieder, schob auch den Teller etwas zurück, zum Zeichen, daß seine Mahlzeit be- endet sei; er hielt sich beim Frühstück immer nur kurz« Zeit auf.

Beim Aufstehen sagte er:Ich will doch aber sogleich einmal nach der Redaktion gehen und mit Linderer spre­chen. Es wäre ja schrecklich, wenn ich heute abend in meiner Zeitung dieBeschreibungmeinesFesteS lesenmüßte."

Das hätte sich bei uns in Chicago ganz von selbst verstanden," bemerkte Konradine.

Ländlich, sittlich, Kind!" erwiderte achselzuckend Herr Schobert und wollte aus der Tür.

Seine Frau aber, die inzwischen in die auf dem Tisch liegende Zeitung geblickt hatte, hielt ihn mit den Worten zurück:Bitte, Konrad, sage doch zu Doktor Linderer, er solle mir die beiden Billets zum Opernhause schicken. Es wird heute der Tannhäuser gegeben, und ich möchte gern mit Konradine hingehen."

Ach, Tante, das ist herrlich! Eine WagnerscheOper," rief das junge Mädchen, und das schmale, liebliche Gesicht erglühte vor Freude. 116,18