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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile vier deren Raum 10 Pfg.

32 103. Samstag, den 24. Dezember 1904. 55. Jahrgang.

Die im 55. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichen Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise 1 Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung. I ft eiie MM»

daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Vostamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt

und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1905 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitnng"

Amtliches.

J.-Nr. 4106 K.-A. Die aus der Kreisbibliotek

entliehenen Bücher ersuche ich bis zum 1. Januar 1905 zurückzuliefern.

Schlüchtern, den 20. Dezember 1904.

Der Vors. des Kreisausschusses: Graf zu SolmS.

LVeihnachtsgruß,

Hell klingt der Glocken Jestgeläut'

Vom Turm zu Turm frohlockend wieder.

Und Himmelsboten fliegen heut'

In froher Eile auf und nieder,

Wo Tannenduft und Aerzenschein

In Prunkgemach und Rämmerlein,

Da tritt ein Engel lächelnd ein,

Des Himmels Gruß zu spenden.

Ehrist ist geboren! Christ ist da!

So tönt die süße Engelskunde

And pflanzt sich weiter fern und nah Wit Iubelschall von Mund zu Munde.

6) Heil'ge Nacht, drum brich herein!

V komm' mit deinem Himmelsschein, Auf daß auch in der Seele mein

4 Die Freudensonne tage!

Im Schacht des Herzens unbewußt,

Weckst du die edelsten der Triebe,

Du streuest in die Menschenbrust

Das Samenkorn der Himmelsbrust

Gesegnet und gebenedeit,

Von Heil'ger Liebe uns geweiht,

Du frohe, fel'ge Weihnachtszeit, Willkommen fei uns wieder!

Weihnachten.

Die schönste Zeit, die liebste Zeit, Sagt's allen Leuten weit und breit, Damit sich jedes freuen mag, Das ist der liebe Weihnachtstag.

Der Kottsriekönig.

Roman von F. Wüstefeld. 10

Du mochtest mich nicht haben, TanteMathilde!" sagte bar junge Mädchen traurig.

Frau Schobert schlug die Hände zusammen und erwi­derte eifrig:I Gott bewahre, Kind, wie kannst Du so et­was glauben! Die Nichte meines Mannes, ein Kind, das keine Eltern mehr hat, nicht haben wollen? Aber sieh," sprach sie treuherzig weiter,ich dachte mir, daS Kon- radinchen wird rasend verwöhnt sein; der jungen, reichen Amerikanerin wird es in unserem schlichten Haushalt nicht gefallen, sie wird ganz andere Ansprüche machen, und da­vor fürchtete ich mich 1"

Dem jungen Mädchen traten die Tränen in die Augen und mit zuckenden Lippen antwortete sie:Du hast ja recht, Tante. ES war in Chicago alles anders als hier, besonders seit meine Mutter nicht mehr lebte und ich bei Mr. und MrS.Farlow wohnte. Da durste ich nichts, aber auch gar nichts tun; es hieß immer, das schicke sich nicht für eine Lady."

Da hast Du eS ja!" sagte Frau Schobert mit einem leichten Seufzer.

Aber eS gefiel mir nicht!" erwiderte Konradine schnell. Mir war immer, als fehle mir etwas, obwohl ich nicht recht wußte, was es war. Jetzt bin ich mir darüber klar. Die ordentliche Arbeit, die Sorge für andere, wie ich daS bei Dir kennen gelernt..."

Liebes Herzchen, ich bin nur eine einfache Frau!" un­terbrach sie die Tante, über deren Gesicht ein helles Rot flog.

Alle Achtung, Tantchen!" lachte Konradine.Hättest Du doch die Lobrede gehört, die Doktor Linderer gestern auf Dich gehalten hat. Er hat in mir den Wunsch hervor­gerufen, Dir ähnlich zu werden und bei Dir zu lernen."

Mein liebes, gutes Mädchen," murmelte die Tante und streichelte der holden Sprecherin die Wangen, konnte

So singt ein Kinderlieb von der Weihnachtszeit. Und in der Tat gibt es kein Fest im ganzen Jahre, bei dessen Nahen Groß und Klein, Alt und Jung, Arm und Reich eine größere Freude empfindet. Welche Fülle von Liedern und lieblichen Melodien, die alle lauter Freude atmen, klingt und tönt durch die Feier! Ihrer holdseligen Macht können sich selbst die Unkirch« lichen und Ungläubigen nicht entziehen. Wenn die zweifelsvolle Zeir gar manchem den Kinderglauben zersetzt und aufgelöst hat Weihnachten will er doch nicht feiern ohne die Weihnachtsgeschichte, die Weih­nachtslieder, das Weihnachtsbekenntnis aus Kindermund. Und über den fröhlichen Kreis von Gnß und Klein, von Freund und Nachbar verbreitet der schimmernde Weihnachtsbaum seinen festlichen Glanz als ein schönes, irdisches Abbild jenes himmlischen Lichtes, wovon der Dichter singt:

Das ewige Licht geht da herein, Gibt der Welt einen neuen Schein;

Es leucht wohl mitten in der Nacht Und uns zu Lichtes Kindern madjt."

-Und woher all diese Freude, dieser Jubel? Wir feiern nicht nur den Geburtstag eines Menschen, von dem große geschichtliche Wirkungen ausgingen, der eine menschliche Religion gelehrt, den Gedanken der Humanität in die Welt gebracht und das frohe Evan­gelium der Gotteskindschaft den Menschen verkündet hat. Wir feiern eine erlösende Gottestat, die in der Person Christi der alternden Menschheit eine neue Lebenskraft erzeugt und der Welt einen Heiland gibt, der eine neue Menschheitsreihe beginnt. Wir feiern den geweihten Augenblick, wo der Arm des lebendigen Gottes in die Geschichte der Welt eingreift, um mit seiner Offenbarung ihrem Strom ein neues Bett zu graben und ein neues Ziel zu verbürgen! Ein Blick auf die christlichen Nationen, als die einzig ent­wicklungsfähigen, genügt, um die befreiende und adelnde Macht zu ermessen, die ihnen durch das Christentum zu teil ward.

aber gleichzeitig ein leises, verschmitztes Lächeln, das ihr sehr gut stand, nicht unterdrücken.Wie mich daS von Dir freut; ich will Dich nur gar zu gern in die Schule neh­men." *

Und wir machen sogleich den Anfang, und ich helfe Dir," rief Konradine,aber freilich in diesem Kleide werde ich recht unbehilflich sein, und ich besitze kein passenderes."

Das können wir bald besorgen," sagte Frau Scho­bert munter,und für heute werden wir uns auch zu hel- fen suchen. Warte nur ein paar Minuten, ich bin sogleich wieder da."

Sie verschwand und kehrte sehr bald mit einer weiten und langen Latzschürze zurück, die daS elegante Morgen­kleid beinahe ganz verdeckte; die Schleppe ward durch ein paar «Sicherheitsnadeln aufgesteckt.

Nun komm," sagte sie, ihr Werk schmunzelnd betrach­tend,nun wollen wir das Geschirr in die Schränke räu­men und das Silber, das inzwischen auch geputzt sein wird, in die Etuis packen."

Sie führte die Nichte in eins der großtzn niedrigen Zinimer, die gestern mit zu den GesellschaftSräumen ge­hört hatten, heute aber, ihres Blumenschmuckes beraubt, sehr kahl aussahen, und schloß eine Anzahl in die Wand eingelassener Schränke auf.

Zwei Mädchen trugen soeben auf großen Brettern daS Geschirr und die Glassachen, die gestern auf den Tafeln geprangt hatten, herbei und setzten alles auf große Holz- tische nieder.

Sputet Euch, Kinder, daß wir alles heraufbekommen, und seht zu, wie weit sie mit dem Silberputzen sind, ich mache mich mit meiner Nichte ans Einräum?n!" gebot Frau Schobert mit freundlicher Dringlichkeit und setzte zu Konradine gewendet, erklärend hinzu:Ich habe mir ein ganzes Dutzend Putz- und Scheuerfrauen bestellt und et­liche Arbeiter aus der Druckerei hat mir mein Mann auch freigeben müssen. Meine beiden Hausmädchen sind gut an­gelernt, und wenn wir zwei nun noch zugreifen, dann

So geht an jedem Weihnachtsfest von der stille^ Stätte der Krippe zu Bethlehem der Blick'auf de« mächtigen Lebensstrom, der breiter und breiter vo" dort aus die Jahrhunderte durchflutet, der mit seinen Wassern alles segnet, was er berührt, ohne den uxfere Bildung, unsere Kultur, unsere Sittlichkeit veröden und vertrocknen würden. Wo Jesus in einer Gemeinde, in einem Volke regiert, da erwachen Liebe und Gemein- geist, Begeisterung und Opferwilligkeit für die großen Aufgaben des Volkes, der ganzen Menschheit. Er ist in Wahrheit und in Ewigkeit der Seelen, das Licht der Welt.

Deutscher Deich.

Der Kaiser und die Kaiserin werden den Sil­vesterabend im Neuen Palais bei Potsdam verleben und gedenken am Neujahrstage etwa 9 Uhr in Berlin zur Gratulationskur einzutreffen.

Die verwitwete Herzogin Alexandrine von Sachsen-Koburg-Gotha ist Dienstag abends 10'/. Uhr auf Schloß Callenberg gestorben.

S Anton Radziwill, der General-Adjutant und vertraute Freund des alten Kaisers Wilhelm I. ist vor einigen Tagen in Berlin gestorben. Im Beisein des Kaisers fand eine Trauerfeier in der St. HedwigS- kirche statt, nachdem am Tage vorher Armeebischoff Vollmer im Sterbehause eine Familienandacht abge- halten hatte. Nach der Trauerfeier wurde der ver­storbene Fürst mit großen militärischen Ehren nach dem Bahnhof Alexanderplatz gebracht, von wo die Leiche zu einstweiliger Beisetzung nach einem Gute der Verstorbenen in Posen überführt wurde, um später ihre endgültige Ruhestätte auf den Radziwillschen Besitzungen in Russisch-Polen zu finden.

Im Ausland ist eine lebhafte Bewegung im Gange zur Reform des Gesetzes über die Reichsange- Hörigkeit, namentlich dahin, daß jedem im Auslande lebenden Deutschen die Sicherheit gewährt wird, daß er niemals kgegen seinen Willen seine Rechte als

sieh^eut^ben^ieman^uchr^^^^^^MtzM Morgen große Gesellschaft gehabt haben. Zähl« »u jW die Teller und trage sie mir zu, ich räume sie inkte$Mfer.

Tante und Nichte arbeiteten eine Zeitlang schweißn», dann begann die erstere mit zufriedenem Rt««: M stimmt. Sie scheinen nichts zerbrochen »« heben; O Mate auch jammerschade um da« teure Porzellan, dM gern « stenmal in Gebrauch gekommen ist.''

Zum erstenmal?" fragte Konradin« »MWmdevLWUi- rend sie Frau Schobert eine große Schüssel »M schtn de­korierten Porzellans zuretchte.Habt Ihr Mw*»iw angeschafft?"

Das nicht," lächelte Frau Schobest, .stete Mmin hat mir schon seit Jahren zum Geburtstag, m W*ww6. ten und bei anderen Anlässen Porzellan tm» Ol*w schenkt, so daß wir jetzt die Menge, die D« ht« »we Ste siehst, haben; aber in Gebrauch genommen, täte «Kern, ist es nicht. ES war die erste große Gesel^H wjitfe »«« nehmen Leuten, die wir gegeben habe«?

Um meinetwillen?" p^-^^rnTBtlltt müi ftMimt. DaS wäre nicht nötig gewesen."

Um Deinetwillen und um Farlow» will«," «Midecte Frau Mathilde, die jetzt von der Sterlette: H^untmgestte- gen war und die unteren Fächer der mächtigen OchrankeS ordnete;der Onkel sagte, eS gehöre sich sb, «d WteWÖr» den und mühten eS jetzt öfter tun."

Ein Seufzer, der ihr entschlüpfte, entging der Nichte nicht. Sie trat zu ihr heran, legte die H»»d auf Gee Schulter'und sagte:Nein, nein, um meinettiÄai brauchst Du Dich solcher Mühe nicht zu unterziehen, ich bedarf dessen nicht." 111,18

Frau Schobert hielt in ihrer Arbeit inne und «wi- derte, sich voll zu dem jungen Mädchen umwendond:Ach, wegen der Mühe ist's mir nicht, und Schobert sagt ja, die Kosten brauchten keine Rolle zu spielen, obgleich sie recht, recht groß sind; aber «S wird mir sp schwer und ich habe solche Angst, wenn ich die Wirtin spMn muß.