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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile vier deren Raum 10 Pfg.

M. 96.

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J.-Nr. 7662. Die Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen und Schulwesen zu Cassel hat aus Anlaß der am 1. Dezember d. I. stattfindenden Viehzählung angeordnet, daß den Herren Volksschullehrern die Mit­wirkung an dem Zählgeschäste auch für den Fall gestattet werden soll, daß dadurch eine Aussetzung des Schulunterrichts am Zahl­tage notwendig werden sollte.

Schlüchtern, den 28. Nov. 1904.

Der chom. Königliche Landrat: Graf zu Solms.

Deutsches Reich.

Der Kaiser verweilte in diesen Tagen als Gast des Fürsten Henkel Donnersmarck in Neudeck in Schlesien. Am 5. Dez. wird der Monarch zur Ab­haltung von Jagden in der Orianienbaumer Heide in Dessau bei dem Herzog von Anhalt eintreffen. Die Jagdbeute in Fasanen, die in Oberschlesien gemacht ist, beziffert sich auf etwa 10 000 Stck. Der Kaiser er legte über 800 Fasanen.

Prinz Adalbert von Preußen ist an Bord des KreuzersHertha" in Bangkok eingetroffen. Der Prinz soll Gast des Königs bis zum 6. Dezember fein; es werden zahlreiche Festlichkeiten ihm zu Ehren statt« finden.

Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Dienstag den Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung eines Oberlandesgerichts in Düsseldorf, in zweiter Beratung an. Eine längere Debatte entspann sich über den Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes. Schließlich wurde unter Zustimmung des Justizministers der Antrag des Abgeordneten Trimborn (Ztr.) genehmigt, nach dem das Gesetz am 16. November 1906 Gültig­keit gewinnen soll. Ein Antrag Bachem (Ztr.), nach dem gleichzeitig Landgerichte in Krefeld und München- Gladbach errichtet werden sollen, wurde abgelehnt. Am Mittwoch wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung eines Oberlandesgerichts in Düffeldorf, in dritter Lesung angenommen. Den Schluß der Sitzung bildete die Beratung zahlreicher Petitionen. Von Interesse waren die Wünsche auf neu herzustellend Bahnen, die, wie gewöhnlich, der Regierung als Material überwiesen wurden., Am Donnerstag nahm das Haus den Gesetzentwurf, betreffend die Jnkraft- setzung einer anderweiten Klossen-Einteilung für diel Die Badereise.

Humoreske von Fr. Ferd. Tamborini.

Nachdruck verboten.

(Schluß.)

Jetzt War's heraus. Aber seltsam: Gertrud machte ein so dummes Gesicht zu dieser Offenbarung, daß Tante bald die Fassung verlor.Auf mich?" fragte das junge Mädchen,Du irrst dich, Lantchen!"

Möglich ich weiß ja nicht sicher", versetzte die Tante,aber nimm Dich in acht, was wir von ihm gehört haben . . ."

Ja, da wird so mancherlei gesprochen das ist nicht sein ..."

Ja, was hat er denn getan?" forschte Gertrud. Hat er seinen Chef bestohlen, einen ermordet was denn? Raus damit!"

Na das nicht! . . . aber er soll sehr unsolide sein!"

Vater trinkt auch zuweilen einen über den Durst."

Soll spielen."

Vater spielt auch gern Skat."

Er spielt aber die Nächte durch."

Gertrud zuckte die Achsel.

Und zechen soll er können? Sogar Sekt."

Trink ich auch gern!"

Er soll neulich des Nachts über die Straße ge­torkelt sein, es war nicht mehr schön! Auch und das ist das schlimmste soll er hier und da herum poussieren . . ."

Gertrud merkte auf.Wer sagt das?"

Die Näherin hat es gehört."

Gertrud lachte jetzt wieder hell auf.

Mittwoch, den 30. November 1904.

SS. Jchrgang.

Gewährung von Wohnungsgeldzuschuß für die Staats­beamten (Vereinsgesetz), ohne Erörterung in dritter Beratung, alsoZ endgültig an. Sodann gelangte der Antrag des Abgeordneten Grafen Douglas (frk.) be­treffend Schaffung einer Landeskommissionen zur Be­kämpfung des Alkohols und Reform des Schank­konzessionswesens in Vorschlag bringen, zur Beratung. Graf Douglas legte eindringlich und ^umfassend die Notwendigkeit seiner Vorschläge dar. Er wies darauf hin, daß die beantragte Landeskommission sich mit der gesamten Gesundheitspflege, der ersten Hülfe bei Un- glücksfällen, Ausbildung von Pflegepersonal, Belehrung der Bevölkerung, den Wöchnerinnen, Kinderbewahr- anstalten usw. zu beschäftigen habe. Auf Vorschlag des Abgeordneten v. Bodelschwingh (wildkons.) wurde der Antrag unter allgemeiner Zustimmung einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Endlich wurde nach kurzer Beratung der Gesetzentwurf, betreffend Maßnahmen zur Regelung des Hochwasser, Deich- und Vorflutverhältnisse an der oberen und mittleren Oder, in zweiter Beratung angenommen. Am Freitag wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Maßnahmen an der oberen und mittleren Oder, in dritter Beratung, also endgültig genehmigt und der Antrag des Abge­ordneten Engelsmann (natlib.) betreffend die Ueber- Wachung vonNahrungs- und Genußmitteln, insbesondere von Wein, nach kurzer Besprechung einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Sodann erledigte das Haus eine Reihe von Petitionen.

Der Bundesrat hat der Reichstagsresolution wegen Selbstbeköstigung von Untersuchungsgefangenen und solchen Strafgefangenen, deren Handlungen nicht eine.ehrlose Gesinnung bekundet haben, die Zustimmun versagt, dagegen eine andere Resolution des Reichstages wegen einheitlicher Bestimmungen über Zuchthaus- und Gefängnisarbeit in den Einzelstaaten dem Reichs­kanzler überwiesen.

In Danzig ist ein großes Jnvalidenhaus für Eisenbahnbeamre durch die Pensionskasse der preußisch­hessischen Eisenbahn-Gemeinschaft auf dem frühern Stiftsgute Jenkau eingerichtet worden. Aufnahme finden noch nicht 80jährige Arbeiter der genannten Bahnen, welche im Besitze der Alters- und Invaliden­rente sind.

Der Verband kaufmännischer Vereine hat eine Erklärung veröffentlicht, in der er Angriffe gegen die Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände und den bei ihr errichteten Arbeitsnachweis für kaufmännische und technische Beamte der Industrie richtet. Wie unge­rechtfertigt die Angriffe sind, zeigt die Erwiderung der Hauptstelle, in der darauf hingewiesen wird, daß die Arbeitsnachweisstelle sich eines außerordentlichen Zu­spruchs seitens der Beamtenschaft und nicht zum

Und Unfug soll er mit seinen Zechgenosfen verübt I haben."

Wann wo?"

In der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag."

Ach, die Geschichte! davon hat man Vat»r auch erzählt. Da haben sie der Germania alte Kleidungs­stücke umgehängt ein harmloser Scherz."

So hm! Wenn's so ist . . ."

Mit dem Mädel war nichts anzufangen.

Fünf Tage waren wieder verstrichen und die letzten Reisehi, .»ernisse schienen beseitigt: der Papagei war in Pflege gegeben, die Schlösser nachgesehen, die Blumen in der Nachbarschaft placiert, Abschiedsbesucye gemacht und der fertig gepackte Reisekorb stand mitten in der Stube.

Onkel Benno saß auf dem Sofa und Tante auf ihrem gewohnten Platz am Fenster. Der letzte Abend vor der Badereise. Clementine seufzte:Morgen geht's fort!"

Ja!" erwiderte Benno einsilbig. Pause!

So gute Luft wie in Gommeur gicbts wohl in Oeynhausen nicht," begann Clemen wieder.

Benno lächelte.

Wenn nur erst die schreckt senbahnsahrt überstanden wäre. Ich vertrage das so schlecht."

So?"

Jetzt polterte etwas die Treppe . Wie eine wilde Amazone stürmte Gertrud in ner. Ihre Augen glänzten, ihre Wangen gb . .Tante, Onkel," rief sie,seht Ihr nichts an u.w?"

Die beiden alten Herrschaften erhoben sich verdutzt von ihren Plätzen.Was wie? an Dir sehen?"

wenigsten gerade der kaufmännischen Angestellten zu erfreuen gehabt hat, und hier die Vermittlung wirklich kostenlos gewährt wird, ohne an eine Vereins-Ange- Hörigkeit und die Notwendigkeit der Zahlung eines Mitgliedsbeitrages gebunden zu sein.

Der Minister des Innern hat auf eine Beschwerde wegen der Ablehnung einer Vormundschaft seitens eines Beamten geantwortet, daß er die Beschwerde für berechtigt halte und jedem Beamten gestattet werde, Vormundschaften zu übernehmen, und nur in Aus­nahmefällen diese Ermächtigung nicht erteilen werde.

Die Generalversammlung der katholischen Ver­eine Berlins hat vor kurzem zum Schulkompromiß- Antrage folgende Resolution angenommen:Die Mitglieder der katholischen Vereine Berlins und der Vororte erklären hiermit einmütig: 1. daß sie die Konfessionsschule für die beste Form der allgenleinen Volksschule halten, 2. daß sie darum auf der Forderung einer gesetzlichen Festlegung des konfessionellen Charakters der Volksschule beharren.

Ausland.

Vom Aufstandsgebiete in Südwestafrika liegt eine Meldung vor, die erkennen laßt, daß die flüch­tigen Banden der Herero von unseren Truppen auf einem Gebiete zusammengehalten werden, und daß dieses, soweit es bei den kolossalen Entfernungen möglich ist, abgesperrt wird. Zahlreiche in der Gegend von Eware, Oparakana und Okatjekuri auftretende Banden machten die Absperrung durch zwei hintereinanderliegende Linien wünschenswert. Die Witboileute haben sich seit ihrer Erhebung gegen die deutsche Schutzherrschaft zu dem ersten größeren Angriff entschlossen. Etwa 250 Witboi, angeblich unter Hendrick Witboi und Manasse, griffen Kub uk, wurden aber nach mehrstündigem Kampfe nach Kuis zurückgeworfen und flohen unter eifriger Verfol­gung über Hadad hinaus. Auch bei Gabis fand ein Zusammenstoß statt, bei dem der Feind abgejagt wurde. Vor einigen Tagen ging ein neuer Truppentransport von 20 Offizieren, 858 Mann und Kriegsmaterial nach Südwestafrika ab.

Auf dem Kriegsschauplatze am Schaho dauern die Scharmützel fort. Einige Kompagnien und eine Eskadron Japaner überschritten die Brücke bei Siaosys, wurden aber unter bedeutenden Verlusten zurückge­schlagen. Der Humho und der Taitseho sind einge­froren, und der flache Wasserstand des Liaho verhindert Ve Zufuhr von Lebensmitteln von Jnkau. Der Mangel an Eisenbahnwagen verzögert die Zufuhr von Munition und die Fortschaffung Verwundeter nach Liaujang und Oalny. Die Meldungen über die Belagerung von Port Arthur werden immer unzuverlässiger und wertloser. Wie es nun scheint, sind die Japaner im hartnäckigen

Ich bin Braut!" jubelte das überfrohe Herz.

Gertrud riß den Onkel an sich, drehte die Tante im Wirbel herum.Und Euch verdanke ich mein Glück!" Wieder ein Rundtanz durch die Stube. HeuE Nachmittag hat er bei den Eltern angefragt!"

Um's Himmelswillen, Gertrud, wer denn nur?" fragten beide.

Der Redakteur Fritz Spunt, der liebe prächtige Kerl, der Sausewind, der Spieler!" Und ein aber­maliger Rundtanz folgte.Und Euer Fenster hier nebenan, das lasse ich in Gold fassen. Hurrah!"

Da saß sie endlich auf einen Stuhl; Tantchen echauviert auf einen anderen und der Onkel im Sofa. Uff stöhnte Tante Clementine.Na!" machte der Onkel.

Nach Oeynhausen kann ich aber nicht entweichen, das geht nicht. Ihr Beiden ja ...!"

Verdutzt blickten sich die Alten an.

Wißt Ihr was?" sprang Truoe wieder auf.Ich habe Euch bei den Reisevorbereitungen so treu geholfen jetzt helft Ihr mir, die Verlobungsfeier vorbereiten. Was da reisen!"

Tante Clementine sah zu ihrem Bruder hinüber und seufzte.Was meinst Du, Benno. Sie hat so unrecht nicht!"

Benno ,eufzte noch tiefer:Wir schreiben den 20. August; ich glaube auch, wir bleiben daheim."

Ein Wink des Schicksals!" flüsterte froh die Tante.

Ich werde meine Badereise jetzt imschwarzen Bären" absitzen." sagte Onkel Benno und verließ zum größten Erstaunen seiner Schwester das Gemach.

Ende.