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Erscheint Mittwoch und SamStag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile vier deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 23. November 1904

Deutsches Reich.

Der Kaiser besichtigte am 20. November die neuen Kasernen in Wik bei Kiel. Er gedenkt sich nach Schlesien zu begeben, zunächst nach Groß-Strehlitz, um dort an der Jagd des Grafen von Tschirsky-Renard teilzunehmen.

Das Zentral-Hülfskomitee für die deutschen Ansidler in Südwestafrika hat bis jetzt allein an nach Deutschland zurückgekehrte Ansiedler bezw. Witwen und deren Kinder über 60000 Mark an Unterstützungen St; darunter befinden sich wiederkehrende Beihülfen natsraten. Da immer neue Unterstützungsgesuche eingehen und den meisten eine Rückkehr in die Kolonie zur Zeit noch unmöglich ist, bittet das Komitee um weitere Gaben, die in erster Linie Witwen und Waisen zugutekommen sollen, deren Unterhaltung dem Komitee, soweit sie nach Deutschland flüchten mußten, allein obliegt.

In der Nacht vom 20. zum 21. November strandete der deutsche TruppentransportdampferGer­trud Waermann" 15 Kilom. nördlich von Swakopmund in Südwestafrika. An Bord befanden sich 24 Offiziere, 382 Mann und 300 Pferde. Der zur Hülfeleistung herbeieilende KreuzerVineta" nahm die Passagiere sowie das Expeditionskorps an Bord und brächte sie nach Swakopmund. Es wird versucht, zunächst die Pferde dann die Ladung zu bergen. Wenn das Wetter- gut bleibt, dürfte der größte Teil der Ladung geborgen werden, während der Dampfer selbst wohl verloren sein wird.

Der Minister des Innern beabsichtigt, Sonder- kurse für höhere technische Beamte der Kommunalver­bände bei den technischen Hochschulen in Charlottenburg, Hannover, Aachen und Danzig bei genügender Zahl von Teilnehmern noch im Laufe dieses Winters na dem Muster für höhere Staatsbaubeamte eingerichteten Jnformationskurse über Bau- und Wohnungshygiene einzurichten. Diese Sonderkurse dauern, 14 Tage mit täglich etwa zwei Stunden Vorträge. Die Kosten müssen die Kommunalverbände tragen.

Der dem Bundesrat zugegangene Etat für die Schutzgebiete pro 1905 balanziert, wie ein Berliner Blatt berichtet, in Einnahmen und Ausgaben mit 91 Millionen Mark. Die einmaligen Ausgaben für Süd­westafrika sind darin natürlich nicht enthalten. Sie werden in Form besonderer Nachtragsetats vom Reichs­tage aufgefordert werden.

Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter konnte dieser Tage auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken. Nachdem am 26. August 1894 in einer Versammlung von Delegierten der Knappen und christlich-sozialen Arbeitervereine beider Konfessionen der Grundstein zu dem Gewerkverein gelegt war, fand am 28. Oktober desselben Jahres die konstituierende Versammlung statt. Die Gesamtmitgliederzahl beträgt jetzt über 45000 und

Die Vadeveise.

Humoreske von Fr. Ferd. Tamborini.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Ja, das Pärchen hatte noch einen Bruder, der war Ziegeleibesitzer und wohnte draußen vor dem Magde­burger Tore. Friedo war ein ganz guter Mensch,n bischen derb in seinen Ausdrücken, das, brächte sein Geschäft mit sich, na, und seine Gattin .... die war ja auch ganz gut, nur das Kinderziehen verstand sie nicht. Nach Clementinens Ansicht war namentlich Gertrud, die älteste Tochter, total verzogen.

Als der Ziegeleibesitzer von dem Vorhaben seiner Geschwister hörte, war er zunächstbaff!" Das mußte seine Frau hören, die in der Küche beschäftigt war. Liese", rief er zur Tür hinaus,komm' doch 'mal schnell!"

Die wohlbeleibte Gattin schwebte in das Gemach, und als diese das Wort . Badereise" vernommen, war sie auchbaff." Schnell faßte sie sich aber von ihrem Erstaunen, und den faulen Witz ihres Mannes, seine Geschwister könnten auf der weiten Reise abhanden kommen, überhörend, meinte Frau Liese:Gar nicht so übel hm! Was Du auch immer hast! Gewiß Euch wird eine solche Reist gut tun. Aber, weißt Du Tinchen, da fällt mir ein Ihr könntet gut unsere Gertrud mitnehmen. Das Mädchen ist so blau in den letzten Wochen, sieht so schlecht aus, Dr. Memeyer meint, die Bleichsucht sei im Anzug. Und - in so

das Vereinsvermögen über 260OOU Mark. Für die Mitglieder sind acht Rechtschutzbureaus eingerichtet.

Die Kosterrechnung des sozialdemokratischen Parteitages schließt, wie verlautet, mit einem Fehlbe­träge von 6627,86 Mk. ab, der durch die sozialdemo­kratische Partei in Bremen gedeckt wird. Die Gesamt­einnahmen betrugen 3639,54 Mk., die Ausgaben 10297,40 Mk. Der Voranschlag wurde weit über­schritten, was zum Teil von den Mindereinnahmen bei den Festlichkeiten der Zusammenkunft herrührt. Man sieht hieraus, welche Aufwendungen die Partei derProletarier" bei ihren Tagungen zu machen in der Lage ist. Bei einer der bürgerlichen Parteien dürfte Aehnliches wohl kaum zu finden sein.

Zu einem Fischereigesetz für das ganze deutsche Reich sind die Vorarbeiten in Angriff genommen. Bei den Fischerei-Interessenten wird jetzt, Zeitungsnach­richten zufolge, von der Regierung aus eine Umfrage gehalten über ihre Ansichten und Wünsche bezüglich einer einheitlichen Ordnung des gesamten Fischerei­wesens im Reiche.

Welchen Gefahren unser Viehstand durch Ein- schleppung von Seuchen aus Oesterreich ausgesetzt ist, hat sich neuerdings wieder in recht drastischer Weise gezeigt. Es wird nämlich von amtlicher Seite mitge­teilt, daß der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche auf dem Schlachtviehhof in Mainz hervorgerufen ist durch einen über Passau eingetroffenen Transport von neun österreichischen Ochsen. Zwei ähnliche Fälle liegen aus Stuttgart vor, wo es sich nachgewiesener- maßen ebenfalls um eine Einschleppung der Seuche aus Oesterreich handelt.

In diesen Tagen hielt die Schiffsbautechnische Gesellschaft in der Aula der Hochschule zu Charlotten­burg ihre Jahresversammlung ab, an deren Verhand­lungen der Kaiser persönlich lebhaften Anteil nahm

Für den preußischen Städtetag, der seine Sitzungen am 6. und 7. Dezember d. I. in Berlin abhalten wird, ist jetzt die endgültige Tagesordnung wie folgt festgesetzt worden: Ueber das Fluchtliniengesetz werden Oberbürgermeister Dr. Wilms-Posen und Dr. Oehler-Halberstadt berichten, über den Wohnungs- gesetzentwurs Oberbürgermeister Zweigert-Essen und Stadtrat Fischbeck-Berlin, überdie Rechte der Städte an ihren Schulen" Sladtrat Rive Breslau und Bürgermeister Lichtenberg-Dortmund. Die Tages­ordnung beginnt mit den üblichen Geschäftsmitteilungen und schließt mit der Neuwahl des Vorstandes.

An das preußische Unterrichtsministerium hat der Bund deutscher Frauenvereine in einer Eingabe das Ersuchen gerichtet, bei der in Aussicht genommenen Neuregelung der kommunalen Schulverwaltungen auch die Zugehörigkeit der Frauen und Lehrerinnen zu diesen Körperschaften zu ermöglichen. Eine gleiche Petition will der Bund später auch an die Unterrichts- einem Badeort" . . . Madame Günther schmunzelte . . .da macht man zuweilen ganz hübsche Bekannt­schaft . . ."

Aha!" sagte der Gatte,so herum!"

Na, alle mal!" bekräftigte seine Frau.

Clementine fand den Gedanken so weit ganz nett. Das heißt. . . eigentlich war die Sacheso so" und mußte mit Benno überlegt werden. Benno freilich, der hatte das wilde Ding ja in sein Herz geschlossen; aber Clementine erwog die Gefahren, die Aufregung, die eventuellen Ueberraschungen . . .

Bei dieser Verabredung blieb es zunächst.

II.

Bennos Ferien begannen des anderen Tages. Be­haglich sein Pfeifchen rauchend saß er mit seiner Schwester am Kasfeetisch. Alan überlegte. Gertrud war ein Blitzmädel ein wenig wild--Tante Tinchen konnte das nicht leiden, denn sie war früher nie so gewesen.

Aber was stürmte denn da die Treppe herauf? Das war Gertrud.

,,'n Morgen Tante, 'n Morgen Onkelchen!" Schwabb, schwab! jeder hat einen Kuß auf der Backe. Schwab! saß sie aus einem Stuhle zwischen beiden.Jn's Bad soll's gehen? Das wird aber ein Spaß! Wart! ich trink' eine Tasse Kaffee mit!" Wie der Blitz war sie draußen, um sich eine leere Tasse zu holen.

Mein Himmel", stöhnte Clementine,das Mädchen wird immer schlimmer!*

Ministerien anderer deutscher Bundesstaaten richten. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß schon die preußische Ministerial-Jnstruktion vom 26. Juni 1811; die für den größern Teil der Monarchie die Grundlage für Zusammensetzung und Funktionen der städtischen Schuldeputationen bildet, auf eine solche Mitwirkung der Frauen Rücksicht genommen hat, und daß die Mitarbeit der Frauen in den kommunalen Schulverwaltungen der meisten Kulturländer bereits eingeführt ist.

Z Nach dem Fortgange, den die Verhandlungen der Sachverständigen-Kommission zur Vorprüfung von Fragen der Reform des Strafprozesses nehmen, ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß die Kommission im Frühjahr zu einem Abschluß ihrer Sitzungen gelangt. Die Protokolle der Verhandlungen werden nach ihrer Sichtung den Einzelregierungen und, soweit erwünscht ist, der Oeffentlichkeit unterbreitet werden.

In einer Versammlung der katholischen Arbeiter­vereine hielt Kardinal Fischer in Köln eine Rede, in der er nach einer warmen Befürwortung der kath. Arbeitervereine sich rückhaltlos für die, evangelische wie katholische Mitglieder umfassenden, christlichen Gewerkschaften aussprach und mitteilte, daß der preußische Episkopat wohlwollend den christlichen Ge­werkschaften gegenüberstehe.

Der sozialdemokratische Parteitag für Preußen soll, wie jetzt der Parteivorstand bekannt macht, vom 28. bis 30. Dezember in Berlin abgehalten werden. Auf der Tagesordnung stehen wichtige aktuelle Gegen­stände, wie der Wohnungsgesetzentwurf, Schulgesetz- entwurf und das Landtags-Wahlrecht.

Ausland.

- Nach einer Meldung des General v. Trotha aus Südwestafrika stieß Major v. Estorff Eiseb ab­wärts mit 150 Gewehren, einem Geschütz, zwei Maschinengewehren vor und gelangte bis 45 Kilometer nordwestlich Epata, wo er gänzlichen Wassermangels wegen umkehren mußte. Mehrere hundert Herero flohen bei seiner Annäherung nach allen Seiten aus­einander. Der Feind verlor 19 Tote und 10 Gewehre. Auch fanden noch mehrere kleinere Gefechte statt. Der Feind hat anscheinend das Bestreben, mit kleinen Trupps unsere Linie zu durchschleichen, um westlich Wasser zu gewinnen. Der General versucht, ihn weiterhin durch Streiskolonnen und Patrouillen auf- zureiben.

Die vom englischen Handelsamte verunstaltete Untersuchung über die Huller Affäre ist, soweit der Tatbestand in Frage kommt, abgeschlossen worden. Du Kommission zollte dem heldenmütigen Verhalten der Besatzungen der FischdampferGull" undCrane" besondere Annerkennung. Der Vertreter Rußlands schloß sich dieser Anerkennung an und sprach im Namen

Famose Hexe! lachte Benno.Diese Augen alles energiko!"

Da war sie wieder.Wann soll's denn losgehen? Morgen, übermorgen?"

Aber", warf Tante Tine entrüstet ein,morgen? wer sagt das? Ich habe erst Stoff zur Vervollständigung unserer Garderobe gekauft. Onkel Benno muß einen neuen Anzug haben, mir fehlen einige Kleider .... in acht bis zehn Tagen, eher geht's nicht."

Ja", meinte Onkel Benno,so können wir un­möglich reifen. Uebrigens, ich habe volle sechs Wochen Ferien, vor uns haben wir noch den August und September . . ."

Dann kommt der Oktober", fiel Gertrud spitz ein.

Onkel Benno schwieg.

Und dann überhaupt die Vorbereitungen", sagt Tante Clementine.

Ja, um Himmelswillen", rief Gertrud,soll,denn die Reise nach Australien gehen? Was wollt Ihr denn alles mitnehmen? Wart' mal, ich will die Sache in Schwung bringen!"

Schwab! war sie im Nebenzimmer, und als Tante und Onkel eintraten, hatte sie schon den Kleiderschrank geöffnet und riß ein Stück nach dem anderen heraus.

Onkel Benno schmunzelte; Tante Clementine fiel ihr in die Arme.Mein Gott, Kind, schließ doch wenigstens das Fenster und zieh' die'Gardinen zu."

Fortsetzung folgt.