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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Jum Bußtage.

Der Bußtag ruft die gesamte Christenheit unseres Landes auf zu gemeinsamem Bekenntnisse ihrer Schuld und zur Bitte um Vergebung und um Kraft von oben. Was jeder einzelne Gläubige täglich mit seinem Gott abzumachen hat, das Werk des Herzens, zu dem soll sich am Bußtage das ganze Volk vereinigen. Aber die große Masse der Weltmenschen will sich von Gottes Geist nicht strafen lassen und weist die Ermahnungen zur Buße als lästige Störungen ihres Lebensgenusses von sich. Es ist von jeher die Ordnung in der Welt gewesen, daß die Schuld der Gesamtheit von einer kleinen Minderheit getragen wurde. Wenn die Menge gedankenlos in den Tag hineinlebt, dann treten die Frommen vor Gottes Angesicht, um sich durch sein heiliges Wort ihrer Verfehlung überführen zu lassen, zugleich aber auch ihre Mitschuld an den Schäden der Gesamtheit zu bekennen und fürbittend einzutreten für alle, die noch nicht zur Besinnung erwacht sind.

Aber uns bedrückt die bittere Sorge, ob die Christen­heit wohl solches priesterlichen Amtes zu walten selbst noch fähig sei. Wir sehen, wie der Geist der Zeit, der ein Geist der Lüge, der Diesseitigkeit, des Ver­trauens auf das Fleisch und des Glaubens an die Materie ist, seine Herrschaft in unserm Volke immer weiter ausbreitet, wie er die Gemüter dem, was wir von unsern Vätern ererbt haben, immer mehr ent­fremdet, wie mitten in der gläubigen Gemeinde das Vertrauen auf die Wasser von Siloah, die da stille gehen, verschwindet und die löcherigten Brunnen der modernen Weisheit und der weltlichen Vielgeschäftigkeit aufgesucht werden, als könne aus ihnen der Quell der Erneuerung für das Haus Gottes rinnen. Dieser schmerzlichen Erscheinung gegenüber trifft uns die Frage des Herrn: wenn das Salz dumm ^b, wo­mit soll man salzen?

Um soviel nötiger ist es deshalb für uns, den Bußtag ernst zu nehmen und mit tiefer Beugung vor unserm Gott ihn zu feiern. Je weniger Grund auch der Frömmste hat, sich von dem Bekenntnisse der all­gemeinen Schuld auszuschließen, um so dankbarer müssen wir Gott dafür sein, daß er sein heiliges Wort - :d Sakrament uns noch nicht entzogen hat und uns noch zurechtweist und uns überführt durch sein richten­des Urteil über die Sünde. Das ist der Beweis dafür, daß er uns nicht verstoßen will. Darum gilt es, eifrig zu sein und ernste Buße zu tun, damit das Gericht von unserm Volke abgewendet werde und die Herzen sich von dem sanften Stäbe des göttlichen Gnadenwortes zur Lebensquelle leiten und im Wandel der Heiligung erhalten lassen.

Deutsches Reichs

Der Kaiser hörte am Montag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts. Zur Abendtafel am Sonn-

JOaSeieife.

Humoreske von Fr. Ferd. Tamborini.

Nachdruck verboten.

I.

Nein, wie das Zimmer dekoriert war! Unzählige kleine Deckchen lagen auf den Möbeln; unzählige Nipp- sachen standen auf Kommode, Schränk, Etagöre die Fensterbänke voller Fuchsien und Geranien in der Fensterecke ein unaufhaltsam schreiender und lachender grauer Papagei in einem formlosen Zinkkäfig, auf dem Tisch ein Körbchen voller Papierblumen, und dazu alles peinlich sauber, jeder Gegenstand an seinem be­stimmten Platze, größte Stille .... hier konnte man es vergessen, daß es draußen noch eine lärmende, dampfende, hastende Welt gab, hier entschlug man sich der Gedankens, daß die weltbewegende Elektrizität ein neues Zeitalter zu schaffen im Begriffe stand.

Und in welch' einem Hause lag das Zimmer? Das Zimmer lag in einem kleinen, einstöckigen Häuschen. Und wo lag das Häuschen? Das Häuschen lag in einer kleinen Straße. Und die Straße? Die kleine,Straße war die Hauptverkehrsader in dem kleinen Landstädtchen Gommern bei Magdeburg.

Gommern hat etwa 4000 Einwohner, ist Station der Linie Magdeburg-Zerbst-Leipzig, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat ein Provinzial-Gefängnis, eine Bier­brauerei, eine Wassermahl- und Schneidemühle, eine Stärkefabrik, eine Zuckerfabrik, und -- nicht zu ver­gessen! es giebt in Gommern viel Steine aber

Mittwoch, den 16. November 1904.

55. Jahrgang.

tag war geladen der Flügeladjutant Petersburger Militärattachee Graf Lambsdorff, welcher bekanntlich der Person des Zaren zugeteilt ist.

Der Bochumer Verein für Bergbau, und Guß- stahl-Fabrikation feierte in diesen Tagen das Fest seines 50jährigen Bestehens. Der Kaiser sandte ein Telegramm, in dem er die Tätigkeit des Vereins in der Arbeiterfürsorge rühmend hervorhebt.

Als Höchstgrenze für den Altersnachlaß bei Zulassungen zur Lehrerinnenprüfung hat der Kultus­minister in einem auf ein Gesuch gegebenen Bescheide den Zeitraum von sechs Monaten bezeichnet.

Eine neue Altersversorgung der Lehrerinnen ist vor kurzem mit der allgemeinen Pensionsanstalt für Lehrerinnen und Erzieherinnen nach den Grundsätzen einer Sparversicherung vereinbart. Die Vorsteherinnen von Privatschulen und andern Unterrichts- und Er­ziehungsanstalten haben darnach das Recht, sich selbst zu versichern. Die Schulen sind verpflichtet, mit einer Rente von mindestens 4oO Mark, die mit dem 55. Lebensjahr beginnt, möglichst alle ihre vollbeschäftigten Lehrerinnen, die über 22, aber nicht älter als 35 Jahre sind.

Vor kurzem tagte in Berlin eine Konferenz von Krankenkassen-Vorständen der Provinz Branden­burg, auf der die Gründung einer Freien Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg beschlossen wurde. Die Leitung der Vereinigung besteht aus der Zentralkommission Berlins und neun Vertretern aus der Provinz. Ferner wurde folgende Resolution ange­nommen:In Erwägung, daß es im Interesse der Allgemeinheit notwendig ist, in den einzelnen Orten möglichst einheitliche Versicherungsbedingungen auf dem Gebiete der Krankenversicherung zu schaffen, macht es die Konferenz den anwesenden Kassenvorstände l $q Pflicht, ohne Rücksicht auf persönliche Interessen den Zusammenschluß der in den einzelnen Orten bestehenden Kassen zu allgemeinen Orts-Krankenkassen mit allen Mitteln anzustreben."

Die Vorschriften des Gesetzes, betreffend Ab­änderungen des Krankenversicherungsgesetzes, vom 25. Mai 1903, welche eine Aenderung der für die Be- triebs-(Fabrik-)Krankenkassen vorgeschriebenen Mindest­leistungen enthalten, treten für di preußischen Knapp­schaftskassen mit dem 1. Januar 1905 in Kraft.

Auf Veranlassung des preußischen Kultusministers ist eine Denkschrift:Die Gefährdung der Naturdenk­mäler und Vorschläge zu ihrer Erhaltung" verfaßt worden. Ein Runderlaß des Ministers lenkt die Aufmerksamkeit auf diese Denkschrift mit der Weisung, den auf die Erhaltung der Naturdenkmäler gerichteten Bestrebungen nach Maßgabe der örtlichen Bestrebungen tunlichste Förderung zuteil werden zu lassen.

Zu den vom Verwaltungsausschusse des Pfarr- Witwen- und Waisen-Fonds gefaßten Beschlüssen,

wenig Brot. Die Steine der ergiebigen Steinbrüche werden meist auf dem Wasserwege nach Berlin, Ham­burg und Wilhelmshaven verfrachtet.

Man sieht: Gommern die kleine Landstadt, hat seine Bedeutung, und die kleine Straße ist die Haupt­verkehrsader, und das kleine Häuschen birgt in seinem Innern nicht etwa unwichtige Personen bewahre! Herr Akmar Günther nebst Fräulein Schwester . . stadtbekannte, gerngesehene Persönlichkeiten. Wenn dies alte Geschwisterpaar in dem wunderlich dekorierten Zimmer beisammen saß, er auf dem breiten Ledersofa, sie am Fenster vor den Blumentöpfen, fühlte man so recht das harmonische Verhältnis, welches hier bis in die äußersten Winkel hinein obwaltete. Beide waren schon weit über vierzig, beide waren mittelgroß und hager, beide hatten dasselbe spitze Gesicht, dasselbe mit Silberfäden durchzogene Haar, beide liebten eine ruhige Häuslichkeit, und beide hielten streng darauf, daß in dieser Häuslichkeit die größte Ordnung herrschte. . . . Ordnung, segensreiche Himmelstochter. Wenn der Herr Aktuar gegen 6 Uhr sein Bureau verließ, begab er sich das geschah täglich mit Ausnahme des Sonntags in die heimische Behausung, um den Moniteur die Gommern'sche Zeitung zu lesen. Fräulein Clementine Günther war dann meist noch nicht von ihrem täglichen Ausgange, der stets mit einem nachbarlichen Besuche abschloß, zurückgekehrt.

So auch heute: Benno Günther saß in der Sofa­ecke und las, Clementine war aushäusig.

betreffend die Aufhebung der gesetzlichen Pfarrbeiträge an den Fonds und die Erhöhung des Witwen- und Waisengeldes, ist die Zustimmung des Fondsvorstandes sowie des Staatsministeriums erteilt worden. Das Witwengeld beträgt nunmehr bis zum vollendete» 5. Dienstjahre 700 Mark und steigt in acht Stufen bis 1300 Mark bei mehr als 40 Dienstjahren. DaS Waisengeld beträgt für Kinder, deren Mutter lebt und zur "Zeit des Todes des Geistlichen zum Bezüge von Witwengeld berechtigt war, 400 Mark für jedes Kind.

Zur Beseitigung des Lehrermangels in den Ostprovinzen beabsichtigt das Provinzialschulkollegium in Koblenz im nächsten Jahre in Saarbrücken einen katholischen Präparandenkursus einzurichten, dessen Zöglinge den Seminaren in Westpreußen, Posen und Oberschlesien überwiesen werden sollen. Die Zöglinge erhalten, wie verlautet, Befreiung vom Schulgeld und eine Jahres-Unterstützung von 150 Mark, wofür sie die Verpflichtung übernehmen, später eine bestimmte Reihe von Jahren Lehrerstellen in den Ostprovinzen zu übernehmen.

Ausland.

In Südwestafrika haben nach einer Meldung des Generals v.Troth sowohl gegen die aufständischen Hottentotten im Süden wie gegen zersprengte Herero- banden im Norden in der Gegend des Waterberges einige kleinere für die Unsrigen glückliche Gefechte stattgefunden, die mit erheblichen Verlusten für die Ausständigen verbunden waren. Wie Gouverneur Leutwein berichtet, ist nach Erzählung eines vom Witboilager zurückgekehrten Bastards der Aufstand der Hottentotten durch Aufstand eines angeblich eingeborenen Propheten aus der Kapkolonie veranlaßt worden. Die WUboi glaubten an dessen höhere Sendung und die von ihm gepredigte Notwendigkeit zum Aufstand sowie an bestimmten Sieg durch höhere Hülfe. Das Schick­sal ihrer gefangenen Landsleute sei ihnen, weil auf höherer Fügung beruhend, gleichgültig. Leider ist der deutsche DamferEdith Heyne" auf dem Wege nach Südwestafrika, der mit Eisenbahnniaterial befrachtet war, gescheitert und verloren gegangen. Die Besatzung wurde gerettet.

Auf dem russisch-japanischen Kriegsschauplatze sieht man noch unverändert das alte Bild, nur daß die Vortruppenkämpfe allmählich an Heftigkeit zuzu- nehmen scheinen. Nach einer Depesche aus General Okus Hauptquartier machten die Russen verschiedene energische Angriffe aufLamutu und Linschinpu, wurden aber mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Die genannten Orte sind durch Artilleriefeuer zerstört worden. Aus Tokio kam die Meldung, General Stöffel stehe in Begriff, Port Arthur zu übergeben. Diese Nachricht hat sich bisher nicht bewahrheitet. Nach einer Mitteilung desReuterschen Bureaus"

Benno schien von der Leklüre nicht sehr erbaut, denn er hatte sein Gesicht in die denkbar mürrischste Faltenlage gebracht.Nichts weiter wie Bäderan­kündigungen", murmelte er, verdrießlich den Inseraten­teil durchfliegend.Wer sich eine Badereise leisten kann! Freilich ich könnte es . . . aber Clementine will ja nicht und allein? . . . Schwarzwald Schweiz die Reviöra, Ost- und Nordsee. . . . . Herrlich! man versauert förmlich in dieser Sand­büchse . . . ."

Das war allerdings nur zur Hälfte wahr. Freilich Sand giebts in und um Gommern in Hülle und Fülle, aber es wachsen hier auch Tannen, Fichten und Kiefern, stellenweise stehen sie sogar so dicht, daß man die BezeichnungWald getrost in Anwendung bringen kann; auch hier und da steht eine große Wasserlache, die größte führt sogar den NamenHerta- See." Aber mit dem Schwarzwald, der Schweiz, der Ost- oder Nordsee ließen sich diese bescheidenen An­deutungen nicht vergleichen, und selbst einem Lokal­patrioten, wie Benno Günther einer war, konnte das nicht verborgen bleiben.

Es war nämlich fast sieben Uhr geworden, und zu einer solchen Unregelmäßigkeit mußten doch gewichtige Gründe vorhanden sein. Nun, diese Gründe lagen auch vor: Clementine hatte bei Bauunternehmers einen Besuch gemacht und hier allerlei erfahren. Am meisten gab ihr der Entschluß zu denken, den jene Familie hinsichtlich einer Badereise gefaßt hatte. Forts, folgt,