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Erscheint Mittwoch und Samstag, — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
X 90.
Mittwoch, den 9. November 1904.
55. Jahrgang.
Deutsches Reich.
- - Der Kaiser nahm am Sonnabend an einer Fasanen- und Kaninchenjagd teil. Am Freitag Nachmittag hatte der Monarch bei Prof. Reinh. Vegas den Bismarcksarkophag für den Berliner Dom besichtigt, abends war er Gast des Reichskanzlers. Zu dieser Tafel waren u. a. auch Oberhofprediger Dryander und Kirchenhistoriker Prof. Harnack geladen. Die Braut des Kronprinzen ist wieder in Potsdam eingetroffen.
— Der Kronprinz von Korea ist vorgestern^gestorben.
— Prinz Adalbert, der dritte Sohn unseres Kaiserpaares, der gegenwärtig noch im fernsten Osten gründlich Umschau hält und China sowie Japan kennen lernt, wird auf Befehl seines kaiserlichen Vaters mit dem Panzerkreuzer „Hertha" im Februar nächsten Jahres die Gewässer der Philippinen besuchen und einige Zeit im Hafen von Manila verweilen. Er wird dort Gast der Amerikaner sein.
— Das preußische Abgeordnetenhaus verhandelte am Donnerstag in zweiter Beratung über den Antrag Fritzsch (ntl.), betreffend Aufhebung der Arreststrafen für Unterbeamte. Die Petition wurde, nachdem sich Redner aller Parteien zustimmend über sie ausgesprochen hatten, der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Ein Antrag, betreffend Förderung des hauswirtschaft- lichen Unterrichts in den Mädchenvolksschulen wurde an die Unterrichtskommission verwiesen und ein Antrag, betreffend die Fürsorge für mittellose Geisteskranke und Schwachsinnige ging an die Gemeindekommission.
— Am Donnerstag fand die Beratung des Antrages des Abgeordneten Fischbeck (frs. Vpt.), betreffend die Veranstaltung von Prämienverlosungen (Scherl'sches Sparsystem) statt. Mit ihr wurde die Verhanllung"' falls eingehend behandelt werden. Der Bericht über über den Antrag Fritsch (ntl.), betreffend die Spar- tätigkeit der Bevölkerung verbunden. Nach Erkärung
des Ministers Freiherrn v. Hammerstein, Scherl habe seinen Entwurf zurückgezogen und die Frage sei zur Zeit nicht mehr akut, doch lehne die Regierung ein eventuelles Zurückkommen auf das System durchaus nicht ab, zogen die beiden Antragsteller ihre Anträge zurück. Das Haus erledigte sodann einige Petitionen.
— Der württembergische Landtag wurde durch den König eröffnet; die Thronrede stellt bezüglich der Verfassungsreform fest, daß die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Landtages über die nähere Gestaltung der Reform die erwünschte Ausgleichung nicht erfahren haben, spricht aber die feste Hoffnung aus, daß es der Regierung gelingen werde, die Gegensätze zu versöhnen.
— Bei der Landtagsersatzwahl in Wiesbaden erhielt Reichstagsabg. Kommerzienrat Bartling 247 Stimmen, Dr. Müller-Sagan 150. Die Wahl Bart- lings ist somit gesichert.
— Für die Ersatzwahl im Reichstagswahlkreise Schwerin-Wismar wurde, nachdem Regierungrat Dr. Dröscher aus Gesundheitsrücksichten von der Kandidatur
Glänzendes Elend.
Roman von Arthur Roehl.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
„Also, keinerlei Heftigkeit, Mira, hast Du gehört, keinerlei Aufwallung, wenn Du zu ihm gehst, gehst Du zu ihm voll Ruhe und Nachsicht und voller Verzeihung auch für seine Schuld —"
„Ja! Ja!" sagte Mira, aber die Pulse flogen und die Schläfen hämmerten ihr während der ganzen Fahrt von Berlin bis an die See und eine böse Fiebernacht hatte sie hinter sich, als ssie mit ihrer Mutter auf den Strandgasthof zuschritt, auf dessen Terrasse Arnold ahnungslos von dem Ungewitter, das über ihn herauf- zog, sich an seinen Morgenkaffee herangesetzt hatte.
„Ruhig! Ruhig!" Die Mutter mußte es der Tochter ohne Ende wiederholen. „Ich glaube, daß wir große Dinge erreichen werden," sagte sie zu ihr noch auf dem Gasthofs-Korridor dicht vor seiner Tür. „Er ist im Grunde kein schlechter Mensch. Vielleicht daß er auf unser Entgegenkommen nur wartet —"
Aber die steinerne Maske, die er aufgesetzt hatte, als sie bei ihm eintraten, ließen diese Hoffnung kaum gerechtfertigt scheinen.
Auch war das erste Wort, das seine Gemahlin in seinem Salon zu ihm sagte:
.,Du scheint über unseren Besuch -- allerdings: — Zeitig erfreut."
„Ich bin erstaunt," antwortete er einfach.
zurückgetreten ist, als Kandidat der Konservativen Privatdozent Dr. Dade-Berlin aufgestellt.
— Zum bayerischen Finanzminister ist derMinisterial- rat im Finanzministerium, Hermann Ritter von Pfaff, ernannt worden.
— In Darmstadt erhält sich ein Gerücht von der Verlobung des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen fortdauernd. Es heißt, der Großherzog werde sich Ende November mit einer Prinzessin aus dem Hause Solms-Lich verloben.
— Bedauerlicherweise fanden die Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhause bezüglich der Zen- trums-Jnterpellation über die Wahlbeeinflussungen im Saarrevier nicht die ruhige und sachliche Fortsetzung, die der Anfang zu versprechen schien. Es kam zu einer recht lebhaften Debatte, an der sich von Zentrumsseite die Abgeordnete Fuchs, Dasbach und Marx und von nationalliberaler Seite der Abgeordnete Friedberg beteiligten uud die der Interpellant wieder in ruhige Bahnen zurückzulenken versuchte. Ein Schlußantrag
von el
des Abgeordneten v. Zedlitz brächte den Streitpunkt zur Erledigung. Als weiterer Gegenstand gelangte die Vorlage über Kosten der Prüfung und Ueberwachung
stektrischen Anlagen usw. zur Beratung in zweiter
Lesung. Die Verhandlung endete mit Annahme der Kompromißbeschlüsse der Kommission.
— In der Sitzung des Großen Ausschusses des Zentral-Vereins für Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt am 11. November wird die gegenwärtig in der Kanalkommission des Abgeordnetenhauses lebhaft erörterte Frage der Monopolisierung des Schleppbetriebes auf Kanälen und kanalisierten Flüssen gleich-
die Frage hat der auf dem Gebiete der Binnenschiff
fahrt bekannte Major a. D. Kurs-Berlin übernommen. An der Debatte werden sich ohne Zweifel hervorragende Sachverständige aus der Schiffahrtspraxis beteiligen. — Ein gleich interessantes Thema wird Baurat Contag von der Firma Havestadt und Contag in seinem Vor- trage behandeln, der das Ergebnis einer Reise zum Studium der amerikanischen Binnenschiffahrt und eine Besprechung der nordamerikanischen Kanal-Projekte zum Inhalte hat. Der letztere Vortrag wird durch Vorlage von Karten und Plänen erläutert werden.
— Die Reichs-Justizkommission zur Vorbereitung einer Reform der Strafprozeß-Ordnung tritt am 8. November wieder im Reichs-Justizamt zusammen. Die Beratungen beschäftigten sich mit den Vorschriften über das Verfahren in Strafsachen, und zwar mit der öffentlichen und der Privatklage, dem Vorverfahren, der Hauptverhandlung, der Frage der bedingten Verfahren in der zweiten und der Revisions-Jnstanz.
— Nach den Bestimmungen des Bundesrates über die Vornahme einer Viehzählung am 1. Dezember 1904 hat dabei auch eine Zählung derjenigen in der Zeit
„Du hast gedacht, daß ich mich so leicht abschütteln lasse. Darin irrst Du Dich aber. Du bist gebunden an mich. Du hast Deine gesetzlichen Pflichten und ich hab meine Rechte — ich hab meine Rechte —"
Sie hatte sich eine wohlgesetzte Ansprache an ihn ausgearbeitet gehabt, deren Faden sie aber jetzt plötzlich vollkommen verloren. Ihre Mutter, die sich so lange im Hintergründe gehalten, hielt es für geraten, ihrer Tochter zu Hilfe zu kommen.
„Sie müssen nichts mißverstehen, Herr Sohn," trat sie vor. „Sie sind trotz allem, was wir durch Sie gelitten, doch unser Sohn und wir hängen an Ihnen. Sie, Mira, liebt Sie —"
Er trat einen Schritt zurück mit einer abwehrenden Geste.
„Ja, sie liebt Sie, Herr Sohn. Und wie wir nun zufällig gestern Ihren Aufenthalt an dem Strande erfuhren — Ich weiß nicht, ob Sie es wissen, daß Egon sich auch in Heiligenhöh befindet, da schien keine Macht der Erde sie zurückhalten zu können, zu Ihnen, zu eilen, und nun sind wir hier, Arnold, Frieden und Versöhnung, Eintracht zu stiften, vergessen und vergeben zu erklären alles, was uns getrennt hat —"
Arnold Stahl taumelte, wie die eifrige Matrone, wie seine Hände zu ergreifen, auf ihn zutrat, einen weiteren Schritt an die Wand des Zimmers zurück.
„Halt! Halt!" rief er aus. Das Fieberblut war ihm in die Augen geschossen, daß der ganze Raum sich
Vom 1. Dezember 1903 bis 30. November 1904 vorgekommenen Schlachtungen zu erfolgen, bei denen gemäß den bestehenden Vorschriften die amtliche Fleischbeschau unterblieben ist. Die Zählung geschieht durch eine Umfrage von Haus zu Haus. Bei der Zählung sollen auch besondere Viehbestände, wie z. B. Vieh in Schlachthäusern, Pferde in Bergwerken sowie Schlachtungen in Häusern, in denen zur Zeit der Viehzählung kein Vieh vorhanden ist, nicht Übergängen werden.
— Der Kultusminister hat die Lehrer der Volksschulen darauf Hinweisen lassen, daß die Entscheidung über ihre etwaigen Beschwerden über die Königlichen Regierungen wegen der von diesen verfügten unfreiwilligen Versetzungen in den Ruhestand den Oberpräsidenten als letzte Instanz übertragen sei und er selbst also mit solchen Beschwerden nicht mehr behelligt werden dürfe.
— Der Rückktritt des bayerischen Finanzministers, Frhrn. v. Riedel, ist vom Prinzregenten von Bayern in einem sehr huldvollen Handschreiben genehmigt worden. Mit der interimistischen Führung der Geschäfte des Finanzministeriums wurde Staatsrat v. May beauftragt.
— Der geschäftsführende Ausschuß der Nationalliberalen Partei für die Rheinprovinz hat die Einberufung eines rheinischen Delegiertages beschlossen, sobald der Schulgesetzentwurf von der Regierung dem Landtage vorgelegt worden ist.
— In Essen a. Ruhr ist ein Arbeitgeberverband für den Jndustriebezirk gegründet worden, dem sich die Arbeitgeber des Baugewerbes der Städte des Ruhrgebiets angeschlossen haben.
— Die Eisenbahngemeinschaft wird demnächst im Mecklenburgischen Landtag zur Sprache kommen. Der Vizelandmarschall Freiherr v. Maltzan, der anch konserativer Reichstagsabgeordneter ist, hat im Amtskonvente des Ritterschaftlichen Amts Stavenhagen einen Antrag eingebracht, die meckleuburgische Regierung zu ersuchen, mit Preußen wegen des Abschlusses einer Eisenbahngemeinschaft in Verhandlung zu treten. Der Amtskonvent hat beschlossen, dem Landtage vorzulegen.
— Einen die Fürsorge für arbeitslose Wanderer betreffenden Antrag mit einem ausgearbeiteten Gesetzentwurf hat der Abgeordnete Pastor v. Bodelschwingh- Bielefeld dem Abgeordnetenhause vorgelegt. Neben der Errichtung von Wander-Arbeitsstätten empfiehlt der Antrag Durchsicht des Gesetzes in Bezug auf die Gefängnisstrafen wegen Bettelns.
— Die Vereinigung von Handelskammern des niederrheinisch-westfälischen Jndustriebezirks hat an beide Häuser des preußischen Landtages die Bitte gerichtet, jedem auf einen Ankanf von Bergwerken im Ruhrbezirk gerichteten Vorgehen der Staatsregierung die Zustimmung zu versagen. mit ihm im Kreise zu drehen anfing. „Es geht nicht. Es geht nicht."
„Sie müssen — Sie müssen sich wieder versöhnen," drang die Mutter, seiner ablehnenden Geste nicht achtend, in ihn. „Sie müssen den Frieden, den wir Ihnen bieten, annehmen. Geh, Mira, geh! Gieb ihm die Hand. Sie können nicht so grausam, so rücksichtslos, so obstinat sein! Sie können es nicht —"
Aber er floh vor der Hand, die ihm Mira mit scheuem, verlegenen Lächeln hinhielt. Er floh davor instinktiv wie das Waldgetier vor dem Nahen des Sturmes. Er war alles andere als ein harter, gefühlloser Mann, aber liebte nicht mehr und nichts in der Welt kann härter und gefühlloser sein als das Herz eines Mannes, das zu lieben ausgehört hat.
„Sie wollen keinen Frieden?" keuchte die Mutter verzweifelt.
Er preßte sich die Hände leidenschaftlich vor das Gesicht, als ob er nicht ansehen wollte, was um ihn vorging.
„Nein, nein," rief er aus. „Welch ein Friede kann das auch sein? Der Friede des Grabes. Ein gequälter, unhaltbarer, jeder Tag von neuem bedrohter und gefährdeter Zustand. Das Band, das gebrochen ist, ward nicht von mir, es ist von Dir gelöst worden, Mira, Du flohest von mir. llnb es kann, es kann nicht wieder zusammengeschweist werden. Es geht nicht! Es geht nicht."
„Hahaha!" lachte Mira' Sie sank mit ballender