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SchWwmÄltung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oler deren Raum 10 Pfg.

32 89. Samstag, den 5, November 1904. 55. Jahrgang.

Amtliches.

ObstbSumchen!

Aus hiesiger Kreisbaumschule werden von nächstem

Montag an abgegeben:

Apfelstämmchen . . Birnenstämmchen . . Kirschenstämmchen. .

. & Stück 0,601,20 Mk.

Apfel-Spaliere, süße Eberesche

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je nach Qualität.

Größere Bezüge sind einige Tage vorher dem Kreis- gärtner mitzuteilen.

Schlüchtern, der 14. Oktober 1904.

Der k. Königl. Landrat: Graf zu Solms.

Ein Beitrag zur Irauenfrage.

vermöge

Bekanntlich hat die Frauenbewegung, so weit sie berechtigt ist, das Hauptziel, den unbemittelten, im harten Kampfe um das tägliche Brot allein ringenden Frauen die für ihre geistigen und körperlichen Eigen­schaften passenden Berufe zu erschließen. Sie richtet ihr Augenmerk aber auch darauf, den besser situierten Frauen, denen Stellung und Vermögen eine gemein­nützige Tätigkeit ermöglicht, die Wege hierzu zu ebnen.

In dankenswerter Weise kommt diesem Begehren ein Aufruf zu Hülfe, den die Geschäftsstelle der Innern Mission und des Evangelischen Verbandes zur Für­sorge-Erziehung in diesen Tagen veröffentlicht hat. Er befaßt sich mit der Vormundschaft der Frau. Es gibt eine große Anzahl von Personen, die vermöge ihrer geistigen und körperlichen Eigenschaften überhaupt nicht oder doch nur in mehr oder minder beschränkter Weise imstande sind für ihre persönlichen und Ver- mvgens-Jntereffen zu sorgen, und die daher eines wertem Beschützers, eines Vormundes, bedürfen. Es sind dies vor allem die Minderjährigen, sodann die wegen Geisteskrankheit oder Geistesschwäche, wegen Verschwendung oder Trunksucht Entmündigten und schließlich andere hülflose und hülfsbedürftige Personen. Wie groß die Zahl dieser Hülfsbedürftigen ist, mag aus der Tatsache erhellen, daß allein in der Berliner Charitö in jedem Jahre mehr als 2000 außereheliche Kinder geboren werden, für die ein Vormund bestellt

werden muß.

Es ist bekannt, daß viele Männer nur mit Wider­streben das Amt eines Vormundes übernehmen, weil ihnen ihre täglichen Amts- und Berufungsgeschäfte nicht die nötige Zeit und Ruhe lassen, sich ihrer Pflege­befohlenen gebührend anzunehmen, oder auch aus andern Gründen. Nun hat das bürgerliche Gesetzbuch den Frauen das Recht geschenkt, das Amt einer Vor- münderin zu übernehmen und ihnen hiermit ein reiches Feld geboten, auf dem sich ihre auf das Gemeinwohl gerichteten Bestrebungen voll entfalten können. Das bürgerliche Gesetz hat mit dieser Bestimmung einen guten Griff getan; denn gerade die Frau ist durch

Glänzendes Elend.

Roman von Arthur Roehl.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.) ,

Sie schritten die Straße hinunter, bis sie auf einen mit Bäumen bepflanzten und mit Gartenanlagen ge­schmückten freien Platz kamen. Sie schwiegen, bis er plötzlich nach ihrer Hand griff und zu ihr sagte:

Wahrhaftig, Franziska, wir beide sind wirklich recht unglückliche Menschen."

Sie antwortete nicht, aber wie er scheu seinen Blick zu ihr aufhob, sah er, daß ihr die Tränen in den Augen standen.

Wir haben unsere Strafe verdient," sagte sie. »Du und ich! Alle beide!" Und dann verfielen sie wieder in nachdenkliches Schweigen. Der große Mond

am Horizont vor ihnen hoch und die etlichen anten, die ihnen begegneten, sahen sich nach ihnen um und starrten ihnen nach. Er zog sie von ihrem graben Weg nach Hause abseits mit sich in den schat­tigen Kurgarten hinein und sie folgte ihm, ohne daß sie sich sträubte.

kdEs ist ein Elend," rief er plötzlich aus, wie sie fern von jedem Menschengeräusch durch das nebelige Zwielicht unter den mondbeglänzten Bäumen nach der Meeresklippe dahinter hinstrebten.Es ist ein Fluch, den wir bis an das Ende unserer Tage tragen. Nichts, nichts ist zu ändern. (Sut zu machen ist nichts. Die einzige Linderung unseres Geschickes ist uns einander

ihre Eigenschaften besonders berufen, den Schutzbe- dürftigen, besonders den Kindern, als Vormünderin eine zweite Mutter zu werden. Kinder brauchen in erster Linie Liebe, und wer ist reicher an Liebe, wer kann dun Kinde mehr Liebe entgegenbringen als die Frau, besonders wenn sie selbst Mutter ist! Auch ist die Frau praktischer und scharfsichtiger gegenüber den Bedürfnissen eines Kindes als der Mann. Dieser sieht es kaum, wenn die Wäsche eines Kindes nicht rein ist, und merkt es kaum, wenn die Milch, die wesentlichste Nahrung des Kindes, sauer ist. Die Frau kann auch ganz anders mit dem Kinde umgehen und seinen kindlichen Wünschen und Bedürfnissen in ganz anderer Weise das richtige Verständnis entgegen­bringen.

Viele Frauen haben bereits das Amt einer Vor­münderin übernommen, und die Erfahrungen, die man mit ihrer Amtsführung gemacht hat, sind die denkbar besten. Erst vor kurzem hat ein Vormundschaftsrichter im Rheinland sich in der anerkennendster Weise hier­über ausgesprochen und seine Waisenräte dringend aufgefordert, mehr Frauen zur Vormundschaft vorzu- schlagen. Abgesehen von der edlen Menschenliebe, die sie bei der Durchführung des Amtes bezeugen, liegt schon in der Uebernahme für sie ein hohes ethisches Element. Der § 1786 B. G. B. bestimmt, daß eine Frau zur Uebernahme des Amtes nicht verpflichtet ist; übernimmt sie es trotzdem, so zeigt sie damit ihr gutes, opferfreudiges Herz, und einer Frau, die dieses wirken lassen will, wird auch ihr Mann seine Zu­stimmung sicherlich nicht versagen, deren sie nach § 1783 bedarf, wenn das Mündel nicht das Kind ihres Mannes ist.

Dies ist ein Gebiet, das die Frauenbewegung mehr als bisher in das Auge fassen sollte; manche verein­samte Frau, die sich darnach sehnt, Liebe zu geben und Liebe zu nehmen, würde hierin für ihr Herz volle Befriedigung finden, und dem Volke würde daraus ein unermeßlicher Segen erwachsen.

Deutsches Reich.

Die Enthüllung des Hubertusbrunnen und der Jagdgruppen am Großen Stern im Berliner Tier­garten hat am Mittwoch in Gegenwart des Kaiserpaares programmmäßig stattgefunden. Der Kaiser und der Kronprinz erschienen ebenso wie viele der Gäste, darunter die Minister, die kaiserlichen Oberförster usw., in Jagduniform. Die Kaiserin trug ein schwarzes Kleid, ihre Tochter ein grünes Jagdkleid. Die Gardeschützen stellten die Ehrenwache.

Der Staatssekretär des Innern, Graf v. Posa- dowsky, ist zu den Handelsvertrags-Verhandlungen nach Wien gereist. In seiner Begleitung befindet sich der Direktor der handelspolitischen Abteilung des Aus­wärtigen Amtes, v. Koerner, und ein höherer Beamter

zu meiden, uns nie wiederzusehen, und wenn ich Dich heute Abend an Deine Tür bringe, werde ich Abschied für ewig von Dir nehmen, Franziska. Nur jetzt, nur jetzt," rief er, wie er sie durch die tiefe nur durch das leise Rauschen des nahen Meeres gebrochene Stille an seiner Hand dahinzog,nur jetzt laß uns eine Stunde, eine halbe Stunde, was geschehen ist und was uns noch bevorsteht, vergessen. Vergessen wir, daß Du mich damals nach der Geierau riefest. Vergessen wir die Ketten, die wir uns in unseligen Stunden selber geschmiedet. Wir sind frei, frei,' wie wir es gewesen sind, ehe wir nach der Geierau kamen, Franziska. Du bist ledig und ich! Die Zukunft ist unser, wir brauchen nur glücklich zu sein. Komm, umarme mich, Franziska Du bist mein Weib, ich bin Dein Gatte"

Er preßte sie an sich, daß sie erschrak.

Oh! Oh!" rief er aus.Komm, küß mich. Ent­schädigen wir uns für das lange widrige Geschick unseres Lebens mit diesem Augenblick eines hochseligen Wahnes. Oh, Gott! Oh, Gott!" stieß er leidenschaft­lich hervor, wie sie plötzlich aus dem Halbdunkel unter den Bäumen auf die im vollen Mondschein glänzende weiße Klippe mit dem dunklen, unendlichen leise auf und abwogenden Wasser dahinter, hinauskamen, «warum können wir beide jetzt nicht dort unten auf dem Grund des Wassers liegen und tot sein."

Er unterbrach sich und lachte heiser, wie er in ihr erschrecktes Gesicht sah.

»Du hast Angst vor mir, ja?" fragte er. «Ach,

des Reichsamts des Innern. Wie verlautet, wird Graf Posadowsky von Wien aus auch Pest besuchen. Die politischen Kreise erblicken in der Reise der Staatssekretärs eine Bestätigung der Hoffnung auf ein baldiges Zustandekommen des neuen Handelsver­trages.

Der bayerische Finanzminister, Freiherr v. Riedel, hat sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Die Nachricht kommt nicht überraschend, . nachdem er während der letzten Landtagsfession wiederholt Rück­trittsgedanken geäußert hatte.

Eine große Berliner Zeitung, dieVossische Zeitung", feierte in den letzten Tagen unter großer Beteiligung das seltene Fest des 200jährigen Bestehens. Eine bei dieser Gelegenheit erschienene Jubiläumsschrift läßt auch auf die politische und kulturelle Entwicklung der beiden verflossenen Jahrhunderte interessante Streiflichter fallen.

In Worms wurde der protestantische Syno» dalentag unter zahlreicher Beteiligung evangelischer Theologen aus ganz Deutschland eröffnet. In einer großen Volksversammlung wurden von Superintendent Trümpelmann-Magdeburg, Rechtsanwalt Dr. Lucius- Mainz und Pfarrer Werner-Frankfurt a. M. über das Thema:Die Botschaft der evangelischen Kirche an das deutsche Volk" Ansprachen gehalten. Die Tagung trägt einen rein privaten Charakter, sie soll aber auch über Schritte beraten, den verschiedenen Landessynoden die gesetzliche Möglichkeit zur Beschickung der Synodaltage zu verschaffen. Der Synodaltag ist demnach als eine verfassungsmäßige Ergänzung des deutsch-evangelischen Kirchenausschusses gedacht.

DasDresdener Journal" erfährt über die Audienz einer Abordnung der evangelisch-lutherischen Landeskirche beim König von Sachsen, daß der König in seiner Dankantwort auf die ausgesprochenen Bei­leidsbezeigungen der Abordnung die Versicherung auS- sprach, daß die evangelisch-lutherische Landeskirche auch unter seiner Regierung auf denselben Schutz und die gleiche landesväterliche Fürsorge rechnen dürfe, die sie unter seinen Vorgängern auf dem Throne genossen, in deren Sinne überhaupt die Regierung zu führen, des Königs Wille sei.

Den Schichau-Werften in Elbing sind, wie aus Elbing berichtet wird, von der italienischen Regierung 16 große Torpedojäger in Auftrag gegeben worden.

Nach einer Bekanntmachung des Ministers der öffentlichen Arbeiten ist gemäß § 45 des Kommunal- abgaben-Gesetzes vom 14. Juli 1903 das für die Kommunalbesteuerung im Steuerjahre 1903 in Betracht kommende Reineinkommen der gesamten preußischen Staates verwalteten Eisenbahnen auf den Betrag von 285170884 Mark festgesteckt worden. Von diesem Gesamteinkommen unterliegen nach dem Verhältnisse der erwachsenen Ausgaben an Gehältern und Löhnen

wäre mir kein grausameres Los beschieden, als das! Ich würde dem Allmächtigen danken."

Er zog sie von dem Rand der Klippe, bis wohin er sie vorgesührt hatte, wieder zurück.

Es wird Zeit sein, Dich nach Hause zu bringen," sagte er.Du hast Deinen Trost in Deinem Kinde. Grüß und küß Hannachen morgen von ihrem unglück­lichen Onkel und sprich ihr auch manchmal, auch wenn sie mich nimmer wiedersieht, von mir. Sag ihr, wie ich Euch beide liebe und Euch gut war, und wie ich unglücklich werden mußte im Leben, weil ich Dir nicht vertraut."

Vor ihrer Tür trennten sie sich mit einem langen, innigen Händedruck, und das Adieu, das sie sich zu» riefen, klang, als ob es ein Lebewohl für alle Zeiten sein sollte.

Und dann gingen sie, während rings um sie die Natur glückliche Ruhe und stillen Frieden atmete, ver­bittert, hilflos und hoffnungslos auseinander.

Am nächsten Tage aber kam er auch noch nicht fort.

Er saß an seinem Frühstückstisch, als der Ober­kellner des Hotels mit tiefen Verbeugungen an jihn herantrat.

Sie entschuldigen, Herr," sagte er zu ihm. ,^Jch habe gestern Abend auf Sie gewartet, aber Sie müssen ziemlich spät heimgekehrt sein. Gleich nach der Nacht­mahlsstunde kamen gestern zwei Damen in das Hotel,