— In Dresden wurde ein Verband der Holz, industriellen in der Kreishauptmannschaft Dresden begründet. Die Zwecke des Verbandes für Schaffung einer Zentralstelle zur Wahrung und Förderung der gemeinschaftlichen Interessen der Holzindustriellen im allgemeinen, Anbahnung und Unterstützung von Bestrebungen, die dazu dienen, die Interessen der Arbeitgeber mit den berechtigten Forderungen der Arbeitnehmer in Einklang zu bringen und gemeinsame Abwehr unberechtigter Ansprüche der Arbeitnehmer.
— Zur Feier des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Ostmarken-Vereins findet in Posen am 12. November ein deutsches Fest statt. Am 13. November wird die Sitzung des Hauptvorstandes abgehalten und am Bismarck-Denkmal ein Kranz niedergelegt werden; hieran schließt sich eine Festsitzung des Gesamt-Aus- schusses.
— Die sächsische Regierung hat, nach einer Meldung der „Köln. Ztg.", den Wunsch ausgesprochen, an den Verhandlungen über die Anbahnung einer Eisenbahn- Betriebsmittel-Gemeinschaft teilzunehmen.
Ausland.
— Der Daily-Telegraph erfährt aus Tanger, jdie Lage in Larache sei sehr ernst. Die Stadt werde von Kabhlen belagert. Die dort wohnenden Europäer hätten nach Tanger um militärische Hilfe geschickt.
— Nach Südwestafrika ist in dieser Woche der Dampfer „Gertrud Wörmann" mit 25 Offizieren, 375 Unteroffizieren und Mannschaften sowie 375 Pferden nach Südwestafrika von Hamburg aus abgegangen. Der Kommandierende hielt eine Abschieds-Ansprache, die mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser schloß.
— Auf dem russischen-japanischen Kriegsschauplatze scheinen sich nach den neuesten Nachrichten wieder ernste Schläge vorzubereiten, nachdem Kuropatkin unter dem Ausdruck der größten Anerkennung von dem Zaren zum unumschränkten Oberbefehlshaber ernannt und Alexejew von seinem Posten zurückgetreten ist. Die Japaner haben den einzigen Hügel südlich des Schaho, den die Russen noch besetzt hielten, genommen und erbeuteten zwei Maschinengeschütze. Port Arthur scheint sehr bedrängt zu sein, und man fürchtet, daß es sich nicht lange mehr wird halten können. General Stöffel soll bereits in einem Briefe von seinen Freunden Abschied genommen haben, da Port Arthur sein Grab fein werde.
— Aus Anlaß der Eröffnung der ersten Teilstrecke der Bagdadbahn übersandte der Sultan dem »Kaiser Wilhelm eine längere Begrüßungsdepesche, in der er Bezug auf die Bahn nimmt und die Hoffnung ausdrückt, daß die Beziehungen zwischen der Türkei und Deusch- land, welche ein festes Band zwischen beiden Ländern bilden, sich auch in der Zukunft unwandelbar erweisen werden.
— In Spanien ist wieder ein großer Streik ausgebrochen. In zahlreichen Webereien in Barcelona ist die Arbeit eingestellt worden, wodurch taufende von Arbeitern beschäftigunglos geworden sind.
— Nach Mitteilungen aus Schanghai scheint die politische Konstellation in China zur Zeit schlimmer zu sein als im Jahre 1900. Weitverbreitete Agitation geheimer Gesellschaften zeige ein höchst gefährliches Wiederaufleben der fremdenfeindlichen Stimmung im Volke, und die Agitation sei nicht durchweg eine chinesische. Britische Offiziere, die von einer Beobachtungsreise hierher zurückgekehrt sind, sollen berichtet haben, starke Abteilungen wohlausgerüsteter Truppen würden in vielen Bezirken [ber südlichen, mittlern und nördlichen Provinzen von geübten Offizieren ausgebildet, die nicht alle Chinesen seien.
*n den nächsten Stunden herausstellen, ob die Wunde mit Fieber oder absolut gutmütig verlief.
Arnold Stahl begriff, daß er, bis man darüber Gewißheit hatte, auch wieder nicht aus Heiligenhöh fort konnte. Er mußte wohl oder übel seine Abreise bis auf den nächstfolgenden Tag verschieben. Er bat sich, als er sich aus der Villa zurückzog, die Erlaubnis aus, sich im Laufe des späten Tages nach seinem Liebling erkundigen zu dürfen.
Er schlenderte während der freien Zeit, die ihm blieb, über den Strand und die Kuranlagen des Platzes und das Echo des Schmerzenserguffes seiner Cousine, das in seiner Brust gar sympatische Saiten berührt, wollte nicht aus seinen Ohren heraus. Als er beim Eintritt der sich schon recht frühzeitig über die Erde legenden Dämmerung wieder in ihrem Hause versprach war der Doktor noch nicht wieder dagewesen, der Fall mußte ihm offenbar ein belangloser scheinen. Arnold Stahl weilte eine volle halbe Stunde in Franziskas Salon. Doch der Doktor ließ sich noch immer nicht blicken. Komteßchen Hanna stöhnte zwar noch immer etwas in ihrem Bett; aber sie war doch erheblich ruhiger geworden. Von Fieber war, das konnte auch ihre Mutter sehen, nicht eine Spur vorhanden. Arnold Stahl versprach, als er sich verabschiedete, jedenfalls noch einmal, ehe er abfuhr, in aller Frühe des nächsten Morgens seine Erkundigungen einziehen zu wollen.
Auf dem Rückweg nach seinen Hotel machte er ein jpäar Mal längere Zeit Halt und spähte nach rechts
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 1. November 1904.
—* Am vergangenen Donnerstag wurde in Ulmbach der bisherige prov. Bürgermeister Herr Lukas Klug einstimmig als solcher gewählt. Mit großer Freude wurde diese Wahl von der Gemeinde begrüßt, da Herr Klug es seither bewiesen hat, die Gemeindeangelegenheiten mit Umsicht und Energie zu leiten. Möge es ihm vergönnt sein viele Jahre zum Segen der Gemeinde zu wirken.
—* Erhöhung der Eisenbahn-Fahrkartenpreise. Mit dem 1. Januar 1905 wird, wie verschiedene Blätter mitteilen, der Preis der Rückfahrkarten dritter Klaffe in allen den kurzen Verbindungen des Staatsbahnbezirks bis einschließlich 2 '/a Kilometer, der bisher 15 Pfg. betrug, auf 20 Pfg. erhöht.
—* Nach der Fr. Z. werden im nächsten Herbst das elfte und achtzehnte Armeekorps Kaisermanöver haben. Hierzu sollen auch zwei bayrische Korps herangezogen werden.
—* Am Freitag den 4. November läuft die Erneuerungsfristfür die Lose fünfter Klasse 211. Preußischen Klassenlotterie ab.
* Dem alten Sprichworts: „Vereinter Kraft gar leicht gelingt, was einer nie zustande bringt" folgend wurde in Schlierbach am Freitag Abend von einer großen Anzahl Interessenten ein Obst- und Gartenbauverein gegründet. Der neugegründete Verein setzt sich als Ziel, Deutschlands Bedarf an Obst und Obsterzeugnissen zu mehren, nur gute Sorten zum Anbau zu bringen und vor allen Dingen für eine zweckmäßige Verwertung der heimischen Ernte Sorge zu tragen. Wie ersichtlich, hat sich der neue Verein, der schon eine stattliche Reihe Mitglieder aufzuweisen hat, eine große Aufgabe gestellt, die aber durch eine fachkundige Leitung und durch das Interesse aller Vereinsmitglieder gelöst werden kann.
* Ein Geistesgestörter versuchte gestern auf der Eisenbahnfahrt von Halle nach Hanau sich aus dem Zuge zu stürzen. Der 51 Jahre alte Mann stammt aus Gerstungen, ist Spielkartenmacher und wurde bei Eintreffen des Zuges in Hanau in Obhut genommen und dem Landkrankenhause überwiesen.
* Der vergangene Pferdemarkt in Friedberg gestaltete sich, besonders am Montag recht lebhaft; es wurden schon an diesem größere Abschlüsse hauptsächlich nach Bayern gemacht, so daß manche Händler hier schon fast ausverkauft hatten. Am Dienstag war zwar viel Publikum da, doch fehlten die Käufer, so daß an Landwirte nicht viel abgesetzt wurde. Die aufgetriebene Ware war im ganzen gut, zum Teil vortrefflich.
* Die neue Luftkuranstalt Hochwaldhausen am Fuße des Taufsteins bei Herbstein soll im Frühjahr 1905 eröffnet werden. Das große Gasthaus ist jetzt fertiggestellt. Für nächstes Jahr sind weitere Neubauten geplant. Der gesamte Luftkurort soll nach seiner Vollendung nach den Plänen des Architekten Hofmann- Herborn etwa 12 Gebäude, darunter eine Kapelle, Schule, Post usw. umfassen.. — Am Donnerstag fiel hier der erste Schnee.
* In der Umgegend von Hersfeld grassieren Masern und Scharlach. In Heenes liegen von 97 Schulkindern 74 an den Masern darnieder. In Kathus sind 31 Schulkinder an Scharlach erkrankt.
* Wie das „Krsbl." mitteilt, erzielte der Kreis Ziegenhain für verkauftes Gemeindeobst 12 245.75 Mk. gewiß ein schönes Zeugnis für die Nützlichkeit der Obstbauzucht und ein Beweis für die segensreichen Wirkungen des Obstbauvereins.
und nach links, nach dem Doktor, der ihm vielleicht unterwegs zu seiner kleinen Patientin irgendwo entgegenkommen könnte. Indes er spähte umsonst, und er setzte sich, ohne ihn getroffen zu haben, an sein Abendessen in seinem Hotel.
Als er sich von der Gasthoftafel erhob, war es vollkommen Abend geworden, und frische und immer frische Sterne kamen auf den Nachthimmel heraus, auf dem der Mond aber erst einen breiten, lichten Schein auf den Horizont warf, wo er aufgehen wollte. Dunkel und glatt rauschte das Meer hinter dem Strand, und tiefschwarz lagen darauf die auf den Sand gezogenen Boote mit ihren geisterhaft ragenden Masten. Abendkühle und Seegrasduft wehte dem Brauer, wie er mit einer Cigarre im Mund auf die Veranda seines Hotels hinaustrat, entgegen.
Er stand eine Weile in dem Schimmer der elektrischen Verandalampen, dann trat er weiter auf die Straße hinaus. Endlich bog er um die Veranda-Ecke herum und mechanisch schlug er den Weg ein, wo er nach seinem letzten Besuch bei seiner Cousine vor dem Abendessen hergekommen war. Und mechanisch blieb er, große lichte Dampfwolken aus seiner Cigarre blasend, auch hier und da wieder an den Straßenkreuzungen stehen, wie wenn er glaubte, den Doktor, den er vorhin nicht auf dem Wege zu seiner kleinen Patientin getroffen, jetzt vielleicht auf seinem Rückwege abfangen zu können.
Er ging langsam, Schritt für Schritt weiter, als
* Schwer verletzt wurde der Eisenbahnzugführer M. von Cassel. Er war damit beschäftigt, sich Kaffee in eine Flasche zu schütten, als plötzlich die Flasche zersprang und die scharfen Glasscherben ihm die Pulsadern der linken Hand durchtrennten. Blutüberströmt rief er bü Sanitätskolonne um Hilfe an, die auch sogleich einen Notverband anlegte und sodann den Verletzten zum Herrn Dr. Grosse fuhr.
* Der Kreistag in Laasphe hat in seiner am 18. Oktober stattgehabten Sitzung den Beschluß gefaßt, die landwirtschaftliche Winterschule hierselbst eingehen zu lassen._____________________________________________________
Vermischtes.
— Ein neuer Raubmord ist in Hamburg versucht worden. Bei dem Pastor Kerner sprach ein Mann vor und bat um eine Unterstützung. Er bekam 1 Mk., entfernte sich, kehrte jedoch bald zurück und ersuchte um ein Empfehlungsschreiben. Während der Pastor dieses ausstellte, erhielt er mit einem Eisenstück einen furchtbaren Schlag auf den Kopf. Als sein Opfer Hilferufe ausstieß und die Frau des Pastors herbeieilte lief der Täter davon. Es gelang aber, ihn zu verhaften. Er nennt sich Bücherreisender Jütermann, im übrigen verweigert er jede Auskunft. Der Pastor ist an den Verletzungen gestorben.
— Am 27. Okt. morgens entstand auf bisher nicht ermittelte Weise in Hamburg in der Eiffestr. in einem Schuppen der Deutschen Vaccuum Oel Company Groß- feuer. Nach wenigen Minuten stand der Schuppen in Flammen, das brennende Oel floß in den Kanal und setzte auch die an der gegenüberliegenden Seite belegenen Gebäude in Brand. In dem Holzschuppen lagerten etwa 3000 Fässer Mineralschmieröl und 500 Schmier- apparate. Die Oelfässer platzten, durch die sich schnell entwickelnde Glut auseinander und ihr brennender Inhalt ergoß sich in den Mittelkanal. Der ganze Kanal bildete ein Flammenmeer. Auf dem der Eiffestraße gegenüberliegenden Ufer des Kanals, an der Wendenstraße, lag ein Ewer, der ebenfalls von den Flammen ergriffen wurde. Dadurch wurde auch der in der Wendenstraße liegende Speicher des Konsumvereins „Produktion" in Brand gesetzt. Durch die reichliche Nahrung an Kolonial- und Fettwaren stand der fünfstöckige, erst vor drei Jahren erbaute Speicher bald in hellen Flammen. An eine Sicherung des Gebäudes war nicht zu denken. Auch ein großes Holzmodell der Bauarbeiterschutzkommission Deutschlands, das neben dem Speicher aufgebaut war und nach der permanenten Ausstellung für Arbeiterschutz in Berlin gesandt werden sollte, ist teilweise verbrannt. Der Schaden beläuft^rch auf 2 Millionen Mark.
— Letzter Wink. Studiosus (bei dem Abschied): „Onkelchen, merkst Du nichts?" — Onkel; „Ich? Was sollte ich?" — Studiosus: „Ich habe Dich heute gar nicht angepumpt!"
— Wenn ich einmal der Kaiser wär' .... In Mecklenburg politisieren sie im Dorfkrug. „Da. de arme Kaiser von Rußland äwer ok nich ut de Sorgen ruter kümmt!" meint der eine. Sein Nachbar antwortet: „Na, wenn ick de Kaiser wär, dann verköpt ick dat ganze Reich und zög nah Nigen-Bramborg."
— Eine sonderbare Tischlerrechnung.
Ein Kasten, rechts zur Wäsche, links zum
Aufhängen . . . Kr. 30,—
Einen Fußtritt für die Frau Geinahlin „ 1,50 Einen Ofenaufsatz für den Herrn, der durchgebrannt war . . „ 1,50
Eine Kaffeemühle für die Köchin, die ver
dreht war . . „ 1,—
Summa Kr. 34,—
er plötzlich in kurzer Entfernung vor sich, über die Straße eine Gestalt huschen sah, bei deren Anblick er sofort seine Schritte beschleunigte. Er folgte ihr tu die Querstraße, in die sie vor seinen Augen einbog, aber ehe er sie einholen konnte, so eiligen Laufes schoß sie vor ihm dahin, war sie in einem der Häuser der Straße verschwunden. In dem Hause befand sich, wie Arnold Stahl alsbald konstatirte, die Apotheke des Städtchens.
Er wartete eine Weile in dem Schatten der Häuser auf dem Straßendanime gegenüber und als sich die Tür des Apothekerladens wieder auftat, sah er, daß seine Augen ihn nicht getäuscht hatten. Seine Cousine kam auf die Straße heraus. Er flog ihr entgegen.
„Franziska," rief er. „Du! Geht es Hannachen schlechter?"
Sie mußte sich erst eine Weile von ihrem Schrecken über die unvermutete Ansprache erholen. Dann aber lächelte sie. Nein! Mit Kleinchen war Alles ganz in der Ordnung. Morgen oder übermorgen, sagte der Doktor, der übrigens erst bei Nacht und Nebel zu ihnen kam, würde er den Verband vielleicht schon wieder abnehmen können. Indes hatte er doch noch ein kleines Rezept ausgeschrieben, und das hatte sie nun selber in der Apotheke besorgt.
„Der Abend ist so schön," sagte sie. „Und mir ist immer so eng in den Stuben. Am liebsten säße ich ganze Abende lang allein am Strand und klagte mein Leid hinaus in das brüllende Meer." (Forts, folgt.)