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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile vier deren Raum 10 Pfg.

M 88.

Amtliches.

J.-Nr. 3538. K.-A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden ersuche ich unter B:- zugnahme auf die Kreisblatt-Verfügung vom 8. No­vember 1900 Kreisblatt 1900 Nr. 47 um Anzeige der Zahl der in ihren Gemeinden vorhandenen deckfähiger» Kühe und Rinder, sowie der Zuchtbullen bestimmt bis zum 1* Dezember d. Js. (Kühe und Rinder getrennt anzugeben).

Schlüchtern, den 28. Oktober 1904.

Der kom. Kgl. Landrat: Graf zu Solms.

J.-Nr. 6753. Am 19. d. Mts. ist im Walde bei Schlüchtern eine Leiche gefunden worden, deren Identität bisher nicht hat festgestellt werden können. Da nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittelungen eine strafbare Handlung nicht ausgeschlossen ist, ersuche ich die Herren Bürgermeister und Gendarmen etwaige Angaben über die Per­sönlichkeit der Leiche nur schleunigst zu­kommen zu lassen. Der Mann war etwa 50 Jahre alt und 158 cm groß - seine Photographie kann auf meinem Dienstzimmer eingesehen werden.

Schlüchtern, den 28. Oktober 1904.

Der k. Königliche Landrat: Graf zu Solms.

Politischer Wochenbericht.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat seine Arbeiten wieder ausgenommen. Gleich der zweite Tag des neuen Sessions-Abschnittes brächte die Erörterung eines Gegenstandes von sensationellem Interesse, nämlich eine Interpellation, welche sich an die Sammlungen des Freiherrn von Mirbach knüpfte. Die freisinnigen Interpellanten kamen dabei nicht auf ihre Rechnung, Minister des Innern Freiherr von Hammerstein wußte vielmehr alle in dieser Angelegenheit gegen die Staats­regierung erhobenen Vorwürfe gänzlich zu entkräften. Im übrigen ist der Arbeitsstoff, welcher dem preußischen Landtage vorliegt, ein sehr weitschichtiger und reich­haltiger. Auch sind5 Aufgaben von höchster Bedeut­samkeit zu lösen. Insbesondere gilt dies von der Kanalfrage und der Schulunterhaltungsfrage. Es ist daher dringend zu wünschen, daß die Abgeordneten regen Arbeitseifer an den Tag legen und es in keiner Hinsicht an treuer Pflichterfüllung bei Ausübung ihres Mandats fehlen lassen.

Von den auswärtigen Angelegenheiten steht zur Zeit fraglos der russisch-englische Zwischenfall im Vordergründe des öffentlichen Interesses. Eine englische

Glänzendes Elend.

Roman von Arthur Roehl.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Arnold Stahl verging bei dem harmlosen Geplauder eine Stundewie eine Minute. Zu dem Vormittags- zuge, den er zu benützen gedacht, kam er, das begriff er, kaum noch zurecht. Der schwere Omnibus des Hotels, der die Gäste des Hauses von ihrem letzten Strandfrühstück nach der Bahn zu befördern hatte, klapperte vor der Veranda vor, aber er hatte noch immer nicht seine Koffer gepackt. Er hatte mit der kleinen Komteß und ihrer Begleiterin eine Promenade durch die von Verkaufsladen an Verkaufsladen garnirten Hauptstraßen des Städtchens gemacht. In einem Confiturengeschäft hatte er ihr eine kostbare Zuckerdüte, in einem Spielwarenladen eine Puppe ge- stiftet, die einfach entzückend zum Ansehen war, und dabei war die Zeit hingegangen, daß es offenbar nur seine Pflicht war, die übergebührlich verspätete Heim­kehr seiner Damen bei seiner Cousine persönlich zu erklären und zu entschuldigen.

Damit sah er sich jedoch auch in der Villa der Gräfin von Rex zum Gabelfrühstück festgehalten. Der nächste Zug, den er, da er den Frühzug versäumt, be­nützen konnte, ging erst in vorgerückter Nachmittags- Punde. Bis dahin war noch eine Menge Zeit.

MeFranziska Dudek führte ihn durch das Haus und ken Garten. Sie war sichtlich erfreut, ihn noch einmal

Mittwoch, den 2. November 1904.

Fischerflotte ist bei der Doggerbank durch das russische Baltische Geschwader ohne Grund beschossen worden. Man kann selbstverständlich nur annehmen, daß es sich hierbei um ein bedauerliches Mißverständnis handelt. Anderseits aber ist auch die hochgradige Entrüstung zu verstehen, welche sich in England über die Tötung harmloser Fischer kundgibt. Ohne Zweifel hat die Lage als ernst zu gelten. Wenn die russische Regierung nicht eine weitgehende Sühne und die sichersten Bürg­schaften für die Zukunft gibt, so droht ein Konflikt schwerster Art. Immerhin aber darf man bei dem völligen Widersinn des Gedankens, daß Rußland eine Herausforderung Englands beabsichtigt haben könne, doch wohl die Hoffnung hegen, daß die beteiligten Regierungen bemüht sein werden, den bedauerlichen Vorfall unter Ausschluß weittragender politischer Folgen gütlich beizulegen.

Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplatze ist die militärische Lage unverändert. Die beiden feindlichen Armeen stehen sich in gerader Front gegenüber, teil­weise nur auf 500 Schritt Entfernung. Vom Dorfe Schahopu, das in russischen Händen ist, zieht sich die Schlachtlinie westlich bis an den untern Hunho, östlich bis zum Kautulingpaß, der 30 Werft von Schahopi. entfernt ist. In Port Arthur steht die lebendige Mauer heldenmütiger Männer, die die Festung bis heute gehalten haben, noch immer aufrecht. Ob freilich die Baltische Flotte ihre Aufgabe erfüllen und Port Arthur entsetzen wird, ist sehr fraglich. Das Mißge­schick, von welchem diese Flotte bisher verfolgt worden ist, sowie insbesondere die unglaubliche Kopflosigkeit, mit der jene Beschießung der englischen Fischerflotte vorgenomnen wurde, gibt nicht gerade zu stark opti- M'^schen Erwartungen Anlaß.

Das große Ereignis des Tages in Frankreich ist die Rede, welche der frühere Kammerpräsident Deschanel vor der wiederzusammengetretenen Kammer gehalten hat. Deschanel sprach sich unumwunden für die Trennung von Kirche und Staat aus, meinte aber gleichzeitig, daß diese Trennung von Männern durch­gesetzt werden müsse, die weder konfessionell noch antikonfessionell voreingenommen seien. Auch dürften die Interessen Frankreichs von keinem Punkte der Erde durch die Trennung von Kirche und Staat geschädigt werden. Die gegenwärtige Regierung aber habe durch ihre Haltung die Interessen Frankreichs im Orient preisgegeben. Deschanel suchte sich mit dieser Rede offenbar für den Fall zu empfehlen, daß der Sessel des Ministerpräsidenten, den Combes gegenwärtig ein- nimmt, frei werden sollte. Noch tut freilich der Bloc seine Schuldigkeit und sichert dem Ministerium Combes dieselbe Majorität, wie sie vor dem Auseinandergehen der Kammer bestand.

In Oesterreich sind im Ministerium Körber einige Veränderungen eingetreten. Doch wird dies von der

wiederzusehen, aber eine eigene Schwermut atmete aus ihrem Wesen. Sie war ihm sonst und auch gestern weit gefaßter, weit ergebener in ihr Geschick und weit unbefangener vorgekommen. Ihre Augen waren ge­rötet, als hätte sie die Nacht geweint.

Sie saß ihm einsilbig bei dem Dejeuner gegenüber als aber Hanna mit ihrer Gouvernante aus dem Eß­zimmer heraus war die Kleine hatte den großen Neufundländer von Rotkäppchens Großmutter in dem Garten gesehen und ein Kreiselwiud wie sie war, hatte es sie verlangt, mit dem gutmütigen zottigen Tiere zu wildern da fing ihre Lippe an sich zu lösen.

Sie seufzte.

Es ist ein Kreuz," sagte sie.Aber ich kann Dir nur sagen, ich habe Alles vorhergesehen, Vetter. Ich glaube, ich habe mich Illusionen nicht einen Augenblick hingegeben"

Du wirst es mir nachfühlen können, was ich Alles gelitten," fuhr sie fort, wie er schwieg.Du, Aermster, Dir ward auch Dein vollgerütteltes Maß an Gram und Enttäuschung zu Teil. Ach," stöhnte sie, mir ist fast, als könnte mein Herz nicht aus Fleisch und Blut sein, als wäre es aus Eisen und Stein, da es sonst längst seit lange zerbrochen, zertrümmert sein müßte."

Sie saßen eine Weile stumm gegenüber. Ihre Augen, die sie nicht zu heben wagten, hafteten auf ihren Tellern, Arnold Stahls nervöse Finger trommelten

55. Jahrgang. offiziösen Presse Oesterreichs dahin ausgelegt, daß hiermit keine Aenderung des Verhältnisses der Re­gierung zu den parlamentarischen Parteien, namentlich zu den deutschen Parteien gegeben sei. Der Charakter des Beamten-Ministeriums bleibe vielmehr nach wie vor gewahrt.

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar unternahm am Donnerstag Nachmittag mit dem Prinzen Eitel (Friedrich einen Spaziergang. Zur Abendtafel war der Chef des Generalstabes des Gardekorps Generalmajor von Schikuß geladen, mit welchem der Kaiser nach der Tafel arbeitete.

Das Kaiserpaar, Kronprinz Wilhelm und Her­zogin Cecilie zu Mecklenburg-Schwerin wohnten am Freitag einer Hetzjagd in der Nähe von Spandau bei. Der dritten deutschen Nationalkonferenz zur Be­kämpfung des Mädchenhandels ließ der Kaiser segens­reichen Erfolg wünschen.

Das preußische Abgeordnetenhaus trat in voriger Woche wieder zusammen. Die Tagesordnung der ersten Sitzung umfaßte Petitionen, von denen die rheinischer Förster um Verbesserung ihrer Lage und die um Ein­führung der Stenographie in die höheren Lehranstalten von Interesse waren. Am zweiten Tage stand zunächst die Interpellation der Freisinnigen Volkspartei, in der Mirbach-Angelegenheit auf der Tagesordnung. Nach Begründung derselben durch den Abg. Träger antwortete in wirkungsvoller Rede Minister v. Hammer- stein und wies die gegen die Regierung gerichteten Beschwerden erfolgreich zurück. Sodann trat man in die Bes-rechung der Interpellation ein. Als zweiter Gegenstand wurde über die Wahlbeeinfluffungen im Saarevier verhandelt.

Im Reichstagswahlkreise Thorn-Briese-Kulm ist eine Ersatzwahl zu erwarten. Nach einer Mit­teilung ist Abg. Brejski entschlossen, sein Mandat, da es doch für ungültig erklärt werden würde, noch vor der Entscheidung niederzulegen, und zwar so zeitig, daß die Ersatzwahl bereits im Winter statt, wo die Polen noch nicht zur Sommerarbeit ausgezogen seien, dann erscheine die Wiederwahl Brejskis gesichert.

Bor einiger Zeit haben die Behörden in der Provinz Posen Bedenken darüber geäußert, ob die von der Zentral- Militär-Darlehnskasse für Lehrer erteilten Guthabenscheine" den militärpflichtigen Lehrern als ein ausreichender Nachweis ihrer Fähigkeit die Kosten des einjährig-freiwilligen Dienstes zu tragen, im Sinne des Gesetzes anzusehen sind. Auf eine Eingabe der Zentral-Militär-Darlehnskasse wurden die Akten dem Oberpräsidenten zur Entscheidung vorgelegt, der sich nach Prüfung der finanziellen Lage der Darlehnskasse für Gültigkeit der Guthabenscheine entschied.

unhörbar auf der Weißen damastenen Decke auf dem Tisch.

Wehe mir," brach sich ihre schmerzvolle Stimme nach einer Weile abermals Bahn.Das ganze Unheil, Arnold, kam von jener Reise nach der Geierau her. Das ganze Unheil für mich und für Dich. Daß ich Dich in das Gebirge nachrief, das ist das Unglück"

Doch dann ward ihren Geständnisgelüsten plötzlich ein Ende gesetzt. Ein lautes, durchdringendes Zeterge­schrei erhob sich von dem Garten her. Es war Hannachens Stimme. Die Mutter sprang erschreckt in die Höhe.

Was ist los?" rief sie in den Garten hinein.

An der Tür nach dem Garten kam ihr die Gou­vernante mit schuldbewußten Gesicht mit dem Kinde schon entgegen. Die weinende Kleine streckte verzweifelt ihr rechtes Pätschchen, mit Blut überströmt, der Mutter entgegen. Rotkäppchens Großmamas großer zottiger Neufundländer hatte sie in die Finger gebissen. Das große freundliche Tier hatte bei der wilden Jagd, die sie mit ihm gespielt, fester, als er selber gewollt, zu­geschnappt. Und nun war das Unglück geschehen. Das ganze Haus lief aus Hannachens Schmerzens- schreien zusammen. Die Wunde war weiter nicht tief. Indes der Biß eines Hundes ist immer bedenklich, und die Behandlung durch einen Arzt schien auf alle Fälle geboten. Arnold Stahl lief und holte selbst den Doktor herbei. Und dann ward das Komteßcheu zu Bette gebracht. Nach der Aussage des Arztes würde es sich