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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile vier deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 22. Oktober 1904.

55. Jahrgang.

Amtliches.

Nachruf.

Am 5. d. Mts. verschied zu Steinau der Königl. Kreiswundarzt a. D. Herr Dr. Bartholomai.

Der Verschiedene hat sich durch seine Tätigkeit als Kreiswundarzt^ als Arzt der Kreiskrankenkasse und des Kreiskrankenhauses in Steinau und als Vertrauens­arzt in Unfallsachen große Verdienste um den Kreis erworben.

Sein ehrenvoller Charakter, seine Pflichttreue und stetige Hülfsbereitschaft sichern ihm innerhalb des Kreises ein bleibendes Andenken.

Schlüchtern, den 20. Oktober 1904.

Der kom. Königl. Landrat: Graf zu Solms.

J.-Nr. 3408 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden werden ersncht, bis zum 1. November d Js. zu berichten, welche Be­träge für verkauftes Gemeindeobst im Jahre 1904 erzielt worden sind.

Schlüchtern, den 18. Oktober 1904.

Der kom. Königl. Landrat: Graf zu Solms.

Der Kaiserin.

Zu ihrem 46. Geburtstage am 22. Oktober.

Wo nur deutsche Laute klingen, Treu man pflegt Familiensinn, Hört das laute Lob man singen

Der erhabnen Kaiserin.

O, in Deutschlands Blumenauen,

Die an holden Frauen reich,

Bist als Rose du zu schauen, Anospenvoll, der keine gleich.

Wo nur deutsche Mütter wohnen,

Deutsche Liebe schmückt das Haus,

In den Hütten, auf den Thronen

Schaut man nach der Höhe aus,

Wo des Landes Mutter waltet

Auf dem kaiserlichen Thron,

Für das Reich die Hände faltet,

Jeder Tugend spendet Lohn.

Wo nur rinnen Leidenszähren,

Einsam Not und Sorge klagt,

Mußt du liebreich Hülf' gewähren,

Richten auf, was tief verzagt,

Gott die Herzen zu gewinnen,

Ist dir heil'ge Fürstenpflicht,

Heilands Ehren gilt dein Sinnen,

In das Dunkel bringst du Licht.

Noch in fernsten Tagen preisen

Wirb dich, Kaiserin, die Welt

In der lieblichsten der Weifen,

Dich, Luisen gleichgestellt,

Glänzendes Elend.

Roman von Arthur Roehl.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Hören Sie auf!" rief er.Was fällt Ihnen ein? Was habe ich über diese Angelegenheiten mit Ihnen zu konferiren? Wer sind Sie, daß Sie sich zum Herrn über das Schicksal meiner Schwester aufzuwerfen er­kühnen !"

Der Herr Ministerialrat war so erbost, daß Krötke ihm nur mit Mühe klar zu machen vermochte, daß er als Mittelsmann seines Chefs nur derjenige war, an den die gnädige Frau, seine Schwester, sich zu wenden, um aller der Privilegien, die ihr von Rechts und von Gesetzeswegen zukamen, teilhaftig zu werden. Eberhard Schlick war seiner Diplomatenruhe ganz und gar ver­lustig gegangen. .

Ei was!" wetterte er.Was wir nach Euren elenden Privilegien fragen werden! Daß ich's Ihnen sage, mein Herr, wir sind Edelleute, hinein Herr, wir sind keine Schacherer und wenn wir Vergeltung und Rechenschaft fordern werden, werden wir auf andere, auf Edelmannsweise an Sie heranzutreten verstehen. Daß Sie sich das merken."

Er war so erregt, daß Krötke erschreckt von seinen Drohungen sich ängstlich hinter die breite Platte seines Schreibtisches flüchtete. Als er dann aber plötzlich nach Hut und Stock griff und sich ohne eine Wort des Abschiedes umdrehte und auf die Thür loslief, ermannte

Die aus Schleswig, Deutschlands Norden,

Zum Geschenk dem neuen Reich

Linst ein Rosenstock geworden Und zum Segen ohn' Vergleich.

Zum Geburtstag der Kaiserin.

22. Oktober.

Unsere geliebte Kaiserin feiert heute den Eintritt in ein neues Lebensjahr. Da kann es nicht ausbleiben, daß an diesem Tage das deutsche Volk seine Blicke mit ganz besonderen Gefühlen zum Thron richtet, und aus Tausenden von treuen deutschen Herzen innige Gebete um Glück und Segen für die hohe Frau zum Himmel emporsteigen!

Und wie sollte es wohl anders sein! Mit höchster Verehrung schauen wir zu dem erlauchten Geburtstags­kinde hinauf und schätzen in der Kaiserin nicht nur die Trägerin der Krone, die mit ihrem kaiserlichen Gemahl den Thron teilt, sondern vielmehr noch die deutsche Frau mit dem echt deutschen Herzen und dem echt deutschen Gemüt. Nicht im äußern Glänze und im Gepränge des Hoflebens sucht die Kaiserin ihre Befriedigung; wie einst der Gemahlin des Großen Kurfürstin, Luise Henriette, und der unvergeßlichen königlichen Dulderin, Luise, so ist auch von jeher der Kaiserin einziges Bestreben gewesen, ihrem hohen Ge­mahl vor allem die treue und sorgende Lebensgefährtin zu fein; und wie es ihr gelungen ist, dieses hehre Ziel zu erreichen, davon legt das kaiserliche Wort bei einem Trinkspruche auf sie ein erhebendes Zeugnis ab: Ich habe einen Edelstein, der an meiner Seite glänzt.*

Die edle Frau ist auch das Vorbild einer echten deutschen Mutter. Sieben blühende Kinder sind der kaiserlichen Ehe entsprossen, und es ist rührend, mit welcher seltenen Mutterliebe sie sich der Erziehung ihrer Kinder annimmt, wie sie in herzlicher und schlichter Frömmigkeit nicht rastet und nicht ruht, um in ihnen die sittlichen Grundsätze zum Leben zu rufen, deren Königskinder in unserer Zeit ebenso für die Stürme des Lebens bedürfen wie andere Sterbliche. Mit welchem Stolze mag sie auf ihre schon erwachsenen Söhne sehen, von denen der älteste vor wenigen Wochen zu ihrer hohen Freude bereits die Wahl einer edlen Gefährtin für das Leben getroffen hat! Mit welcher Fürsorge wacht sie über der Entwicklung der jüngern!

Die Kaiserin ist eine aufrichtige Christin. Wie ihr Haus durchweht ist von wahrhaft christlichem Geiste, der sich stets der Leitung der menschlichen Geschicke durch die Hand des allmächtigen Gottes bewußt ist, so sucht sie auch diesen Geist hineinzutragen in die Masse des Volkes. Manche Kirche, mancher Altar und manche Stiftung zeugen von diesem hohen Streben, und dieser christliche Geist macht sie auch zu einer Landesmutter, die ihrem Volke nur von größtem Segen sein kann. Wo eine Not zu lindern, wo eine Krank­

er sich doch dazu, dem sich Entfernenden das Geleit zu geben. Er folgte ihm bis an die Tür seines Kabinets und durch das ganze Comptor hindurch bis auf den Hausflur hinaus und ließ sich in der Aus­übung seiner Höflichkeitspflicht auch nicht dadurch stören, daß der Herr Ministerialrat vor ihm wiederholt auf seinem Gang durch die Schreibstuben dem Gehege seiner Zähne das wenig schmeichelhafte WortHallunke, der!" entfahren ließ. Herr Krötke stieß sich um so weniger daran, als er es für strittig ansah, wer von dem hohen Beamten damit gemeint war: er oder sein Chef.

IX.

Monate waren seit der sternenklaren Lenznacht ver­gangen, wo Arnold Stahl hinter dem vergoldeten Gitter seines Balkons in Berlin von seiner Gemahlin heimgesucht wurde und der .bis an den Rand gefüllte Kelch seiner Geduld so übervoll ward, daß ein einziger Tropfen ihn am folgenden Morgen zum Ueberquillen gebracht. Juni und Juli waren mit ihrer Hochsommer­hitze vergangen und der August neigte sich zu Ende. Eine längere Regenperiode schien eine Weile auf einen frühen Herbst deuten zu wollen, aber die Sonne war wieder durch die 'Wolken gebrochen und sommerlich blaute wieder der Himmel über die von dem Regen verjüngt erscheinende Erde.

Der Höhepunkt der Saison in dem Seebad Heiligen­höhe war allerdings wohl schon überschrilten, die Kinderschaaren, die in der Ferienzeit den Strand über»

heit zu heilen ist, da hat sie ein offenes Herz und eine Hand, und daher kommt es auch, daß, wo sie sich blicken läßt, Liebe und Dankbarkeit ihr in reichstem Maße entgegengebracht wird, denn Liebe erntet Liebe.

Das Gefühl innigen Dankes, den das Volk seiner Herrscherin für alles Gute schuldet, was sie unserm Kaiserhause und dem gesamten Vaterlande so reichlich erwiesen hat, wird sich an diesem Tage in heißen Segenswünschen kund tun. Mögen sich alle diese Wünsche verwirklichen! Möge die hohe Frau, deren Leben der treuen Erfüllung ihrer Pflichten als Gattin und Mutter sowohl wie der religiösen, sittlichen und wirtschaftlichen Wohlfahrt des deutschen Volkes geweiht ist, auch fernerhin ein reines und ungestörtes Glück genießen! Gott segne und schütze unsere geliebte Kaiserin!

Deutsches Reich.

Der Kaiser empfing Mittwoch Mittag im Neuen Palais den General von Altrock, welcher ein Handschreiben des Königs von Sachsen überreichte. Dienstag Vormittag besuchten beide Majestäten das Mausoleum bei der Friedenskirche, wo sie einen Kranz niederlegten. Nach den Einweihungsfeierlichkeiten fand Mittags für die Majestäten und für die im Königlichen Schlosse wohnenden Fürstlichkeiten Familientafel statt. Graf Perponcher-Sedlinki und der Fürst zu Puttbus, Generalleutnant a la suite der Armee erhielten den Charakter als Generäle der Kavallerie, Graf zu Eulen- bürg, Generalleutnant 6 la suite der Armee, erhielt den Charakter als General der Infanterie.

Der Kaiser hatte anläßlich des Todes des Königs von Sachsen befohlen, daß am 19. d. Mts.

- dem Tage der Beisetzung die Reichs- und Staatsdienstgebäude halbmast flaggen sollten. Der Kaiser hatte sich Mittwoch nach Dresden begeben um der Beisetzung beizuwohnen. Die Ueberführung der Leiche Königs Georgs von Pillnitz nach Dresden, erfolgte zu Schiff und machte einen besonders feier­lichen Eindruck.

Der sozialdemokratische Reichstagsabg. Albert Schmidt hat am Sonntag Selbstmord verübt. Er hat dem Reichstag von 1890 bis 1898 für den 15. sächsischen Wahlkreis Rochlitz-Flöha angehört. 1895 wurde er in Calbe-Aschersleben gewählt. Im Oktober 1899 wurde ihm durch gerichtliches Erkenntnis in einem Prozeß wegen Majestätsbeleidigung, in welchem Schmidt zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, das Reichstagsmandat aberkannt, und bei der Ersatz- wahlunterlag er gegenüber dem nationalliberalen Abg. Placke. Bei den letzten Reichstagswahlen im Juni 1903 wurde Schmidt mit 20 061 gegen 16 991 nationalliberale, 1769 freisinnige und 218 Zentrums­stimmen wiedergewählt. Abg. Albert Schmidt stand im Alter von 45 Jahren. Er war früher Schriftsetzer

schwemmen und in den Hotels alle Gänge und Treppen versperren, zitterten längst daheim vor des Herrn Schulnieisters Bakel; um so erquickender und labsamer ist für die Zurückgebliebenen der Aufenthalt.

Im übrigen schien doch auch das Bad trotz der vorgerückten Jahreszeit noch recht lebhaft besucht. Arnold Stahl hatte um ein ihm zusagendes Quartier zu finden, erst vergeblich in drei, vier Hotels vorge' sprochen, die sämmtlich, selbst bis unter das Dach ge­füllt waren.

Arnold Stahl hatte sich den ganzen Sommer fern­gehalten. Eine Zeit lang hatte er sich und seine seelische Zerrissenheit in einem einsamen Alpentale ver­steckt und dann hatte er sich wieder, Vergessenheit und Betäubung suchend, in das Gewühl der Städte und Modebäder gestürzt.

Er hatte das Bewußtsein, daß er einen harten, grausamen Schlag geführt hatte. Der Schatten der Schuld, die auch er sich beimaß, vvdunkelte eine Weile jeden Platz, wo er weilte, und vergeblich suchte er Rechtfertigung in der Ueberzeugung, daß der Bruch ein unvermeidlicher war, auch hätte er selbst nicht die Initiative dazu ergriffen. Wie seine ^Gemahlin und ihre Familie sich zu seinem Entschlüsse verhielten, den er für einen für alle Zeiten unabänderlichen betrachtete wußte er durch die Berichte, die ihm durch Herrn Krötke zugingen, dem natürlich stets sein wechselnder Aufenthalt bekannt war, wenn er auch, um seinen Herrn vor direkten Behelligungen zu verschonen, gegen