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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 19. Oktober 1904.

Bönig Georg von Jachten t.

Eine trauervolle Kunde durchhallt die deutschen Lande. König von Sachsen ist dem schweren Leiden, das ihn bereits seit längerer Zeit an das Kranken­lager fesselte, erlegen und in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend auf seinem Schlosse Pillnitz sanft entschlafen. Dem Tode war am Freitag die Bestellung des Kronprinzen Friedrich August zum Stellvertreter bezüglich aller Regierungsgeschäfte unmittelbar vor­aufgegangen. Es war dieser Akt ein Ausfluß der nimmer rastenden Fürsorge des greißen Monarchen für sein Land. König Georg fühlte, daß er in feinem kranken Zustande der Bürde der Regierungsgeschäfte nicht mehr gewachsen war, und so faßte er den Ent­schluß, die Zügel der Regierung in die jüngern und kräftigern Hände des Kronprinzen Friedrich August zu legen. Das außerordentliche Pflicht- und Verant­wortungsgefühl des hohen Toten duldete, es nicht, ein Amt formell weiter zu führen, zu dessen tatsächlicher Verwaltung ihm die Kräfte fehlten.

Der Tod König Georgs von Sachsen bedeutet einen überaus schweren Verlust für sein Volk und Land wie für das gesamte deutsche Reich. Von frühester Jugend bis in sein spätes Alter bezeichneten den verstorbenen Monarchen ein reger Arbeitseifer und ein unermüdlicher Tätigkeitsdrang aus. Kein Detail der Regierungsgeschäfte entging seinem Weit­blicke und seiner Umsicht. König Georg ist im 73. Lebensjahre dahingeschieden, hat also die Grenze des biblischen Alters überschritten, und wenn von irgend einem Sterblichen das schöne, tiefsinnige Bibelwort mit Recht galt, daß unser Leben, wenn es köstlich gewesen ist, Mühe und Arbeit gewesen ist, so von ihm. ^Jn tiefster grauer ui^>, ^Ergriffenheit verharrt die gesamte monarchisch gesinnte Bevölkerung Sachsens an der Bahre ihres toten Landesfürsten, dessen treu­sorgendes Auge sich nun für immer geschlossen hat.

Mit der nimmer rastenden Sorge für sein sächsisches Land und Volk aber vereinte sich in König Georg d, r Eifer für das große Ganze, für das geeinte Deutschland, für Kaiser und Reich. Gleich seinem großen Vater, König Albert, hat er auch an den deutschen Einheits­kämpfen des Jahres 1870/71 hervorragenden Anteil genommen und an dem köstlichen Gute der blutig er­strittenen Einheit dann mit unerschütterlicher Treue festgehalten. Innigste Freundschaft verband König Georg mit unserem Kaiser, der den weisen Rat wie die staatsmännische Erfahrung und die Bundestreue des toten Sachsenfürsten aufs höchste zu schätzen wußte.

Mancherlei Kummer und Herzensleid ist König Georg von Sachsen auf seiner irdischen Lebensbahn wiederfahren. Insbesondere hat auch das ihm tiefen Schmerz verursacht, daß in seinem angestammten König­reiche so weite Voltskreise sich dem Dämon des Um­

Glänzendes Elend.

Roman von Arthur Roehl.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Der Klügere giebt nach, liebes Kind," streichelte sie Baron Balduin,Du bist natürlich an allem, wie es gekommen, unschuldig wie ein neugeborenes Lamm, aber Du hast Dich durch Deine unbedachte Flucht aus seinem Haus vor der Welt ins Unrecht gesetzt. Du toirft vernünftig sein und wirst ruhig wieder zurück­gehen. Deine Mutter wird Dich nach Hause bringen. Sie wird mit Dir gehen und wird dem bösen Menschen, Deinem Mann, den Kopf waschen. Nicht wahr, Du toirft ihm den Standpunkt klar machen, Cäcilie?"

Aber Mira wollte von einer Rückkehr nichts hören.

Nie! Niemals!" rief sie.Nie! Niemals gehe ich zu ihm zurück."

Dann werde ich ihn herbeiholen gehen," entschied ihre Mutter.Er wird und muß hierherkommen und Mitte tun. Ich werde ihn nicht locker lassen, bis ich ihn in dies Haus mitgeschleppt habe."

Die edle Frau stand bereits im Begriff, Hut und Anhang anzulegen, als Eberhard, der älteste der jüngeren Schlicks, nach dem man, sowie man den Ernst der Situation durchschaut, in seiner Ratlosigkeit ge­schickt, in die freiherrliche Wohnung hereingestürmt kam und alle Vermittlungspläne .der Eltern über den Haufen warf.

/,Was!" rief er aus.Sogar nachlaufen wollt

sturzes verschrieben haben und in schnöder Pflicht­vergessenheit von Gott und Vaterland abgefallen

Durch den Tod König Georgs geht die sächsische Krone auf den Sohn des Verstorbenen, den bisherigen Kronprinzen Friedrich August, über. Der nunmehrige König steht im 40. Lebensjahre, befindet sich also in der Vollkraft der Jahre. Möge ihm eine recht lange und gesegnete Regierung beschieden sein!

Deutsches Reich.

Der Kaiser wird a'" 25. d. M. beim Fürsten zu Stolberg in Wernigerode ^m Jagdbesuch eintreffen und bis zum 27. d. M. dort verweilen.

In demReichs-Anzeiger" wird folgende wichtige Bestimmung des Kaisers bekannt gegeben: Der Auf­stand der Bondelzwarts-Hottentotten in Südwestafrika vom 25. Oktober 1903 bis zum 27. Januar 1904, sowie der am 11. Januar 1904 ausgebrochene Aufstand der Herero in demselben Schutzgebiete gelten im Sinne der §§ 23 und 60 des Gesetzes betreffend die Pensio­nierung und Versorgung der Militärpersonen des Reichsheeres und der kaiserlichen Marine sowie die Bewilligung für die Hinterbliebenen solcher Personen vom 28. Juni 1871 des § 1 des Gesetzes vom 31. Mai 1901 betreffend Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen sowie des § 49 des Reichs-Beamtengesetzes vom 31. März 1873 als Feldzüge.

Die Reichs-Justizkommission hat die zweite Lesung von Fragen zur Reform des Strafprozesses Mit großem Eifer ausgenommen und in einigen Sitzungen, die sogar bis zum Abend dauerten, zu einer Reihe wichtiger Fragen Stellung genommen, wie sie vom Standpunkte besonnenen Reformbestrebens als - Aeulid) bezeichnet werden kann.

Eine neue Verordnung zur Bestrafung unent« schukdigter Schulversäumnisse ist an Stelle der Ver­ordnung vom 22. Dezember 1899 vom Provinzial- Schulkollegium der Provinz Brandenburg für defsen Verwaltungsbezirk erlassen worden. Sie hat folgenden Wortlaut:Eltern und Vormünder werden, wenn ihre Kinder oder Mündel der Schule ohne genügenden Grund fernbleiben, mit Geldstrafe bis zu 15 (fünfzehn) Mark, im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 15 (fünfzehn) Tagen bestraft." Die neue Verordnung ist mit ihrer Bekanntmachung in Kraft getreten.

Der erste Turbinendampfer für die deutsche Handelsmarine ist kürzlich vom Stapel gelaufen. Es handelt sich um einen Post- und Passagierdampfer zur Ausnutzung des Systems Zvelly. Der Dampfer ist gewiffermaßen ein Versuchsschiff, mit dem die in England schon vielfach angewandten Turbinen in der nautischen Praxis erprobt werden sollen. Da bekannt­lich die Marine in nächster Zeit die Probefahrten mit dem Torpedoboote8 125" und dem kleinen Kreuzer

Ihr diesem! So demütigen wollt Ihr Euch vor ihm auch noch! Oh, ich kann Dich verstehen, ich be­greife Dich, Schwester," trat er mit erhobenen Händen wie tief in der Seele mit ihr fühlend, auf Mira zu. Ich bedauere Dich, Mädchen. In dieser Gemeinschaft mit diesem Manne Tag ein und Tag aus leben! Du armes, armes Opferlamm Du!" strich er der immer lauter Schluchzenden das lichtblonde Haar.

Gleichwohl war er natürlich auch nicht für einen vollständigen Bruch. Der Brauer war einmal in ihre Familie ausgenommen. Er wusch seine Hände in Un­schuld. Er hatte das tröstende Bewußtsein, nicht mit einem Wort dazu zugeredet zu haben. Indes er ge­hörte nun einmal zu ihnen. Räudige Schafe waren in jeder Heere vorhanden. Man mußte mit ihm rechnen. Und wenn er reumütig von selbst kam und er würde schon kommen, dann konnte man ihn in Gnaden wieder aufnehmen, natürlich nicht ohne mit ihm ein ernstes Wort über die Ungebührlichkeit seiner Haltung zu reden.

Indes ihm nachlaufen, nie!

Darin gab er ganz seiner Schwester Recht, deren Trotz sich mittlerweile auch so weit gelegt hatte, daß es das Beste wäre, wenn er kam und ihr wieder seine Hand bot, seine Hand zu nehmen. Nur holen durfte man ihn nicht. Das hätte für alle Zeiten ihm gegen­über seine Position verscherzen geheißen.

Allein wie Stunde >auf Stunde verrann, ohne daß er kam, ja ohne daß auch nur ein Lebenszeichen, eine

Lübeck" beginnt, wird sich bald herausstellen, wie Turbinen sich bewähren und ob sie bei weiterer Ver- vollkommnung imstande sind, eine völlige Umgestaltung des Dampferverkehrs herbeizuführen.

Für die preußischen Staatseisenbahnen sind, wie rheinische Blätter berichten, 4294 neue Güterwagen verschiedener Gattung und 278 Lokomotiven in Be­stellung gegeben worden. Hiervon entfallen auf die Eisenbahndirektionsbezirke Köln 679 Güterwagen und 12 Lokomotiven, Essen 1420 Güterwagen und 14 Lokomotiven, Elberfeld 8 Lokomotiven, Münster 9 Lokomotiven, Frankfurt a. M 26 Lokomotiven, Mainz 6 Lokomotiven und St. Johann-Saarbrücken 8 Loko­motiven. Die übrigen neuen Güterwagen entfallen auf die Direktionsbezirke Breslau, Bromberg, Hannover, Kattowitz und Magdeburg; die neuen Lokomotiven sind auf sämtliche Direktionsbezirke verteilt worden.

Zum Zwecke einer gemeinsamen Regelung des Lotteriewesens schweben zurzeit zwischen Preußen und den einzelnen Bundesstaaten Verhandlungen, die ein günstiges Ergebnis erhoffen lassen.

Ausland.

Aus Südwestafrika kommt die bedauerliche Nachricht, daß der vielgenannte Oberkapitän der Witboileute, Hendrik Witboi, der im Jahre 1894 nach langen Kämpfen in einem Friedensvertrage sich der deutschen Herrschaft unterwarf, diesen Vertrag gebrochen und uns den Krieg erklärt hat. Die Lage im Süden unseres Schutzgebietes wird hierdurch sehr ernst. Die Witbois sind der kriegstüchtigste Stamm der Hotten- tottenstämme, und es besteht die Gefahr, daß der Aufruhr den größten Teil der Hottentottenstämme ergreifen wird. Der Hereroführer Jakob Marenga, die Seele des Aufstandes der Herero, leistet noch immer heftigen Wiederstand. Einige Gefechte fanden gegen ihn statt, die aber keine Entscheidung herbei- führten. Flüchtige Herero wenden sich der englischen Grenze zu, sollen aber durch Major Estorff zurückge­drängt werden.

Im russisch-japanischen Kriege hat der Vorstoß der Russen einen äußerst zähen Widerstand auf japanischer Seite gefunden, und nach den letzten Nach­richten scheinen die Japaner wieder etwas im Vorteil zu sein. Eine furchtbare Schlacht wurde bei Jentai geschlagen, und beide Parteien fochten mit ebenbürtiger Tapferkeit. Auf beiden Seiten sind die Verluste unge- mein hoch. Man schätzt sie auf russischer Seite auf 12 000 und auf japanischer auf 18 000 Mann. General Kuropatkin soll sich stetig aber geordnet nach Norden zurückziehen. Man rechnet aus russischer Seite nachdrücklich auf die noch unberührt im Hintertreffen tehenden starken Reserven. Eine Entscheidung ist mithin auch jetzt noch nicht gefallen.

Meldung von ihm eintraf, fing man an, die Sache von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten.

Am Ende hielt er es aber, des aussichtslosen Wartens müde, aber doch für geraten, dem Beispiele Mohameds zu folgen, der, als der Berg abosut nicht zu ihni kommen wollte, sich selbst zu ihm auf den Weg machte.

Der Herr Ministerialrat fuhr mit der steinernen Miene eines grimmen blondbärtigen Racheengels vor der Stahlschen Villa hinter der Jngenieurkaserne vor. Er riß vor der an der Glocke, als hielte er den jüng­sten Tag und die Stunde für gekommen, alle Toten aus ihrem ewigen Schlaf aufzurütteln. Und hoch­fahrend und breitbeinig stand er da, wie der Portier ihm auf sein Sturmläuten aufmachte, und er Einlaß zu dem Herrn des Hauses begehrte.

Er fuhr einen Schritt zurück und das Einglas entfiel seinem Auge, als er von dem Manne vernahm, daß der Herr nicht zugegen.

Wo war er? erkundigte er sich. In der Bier­brauerei?

Der Mann schüttelte den Kopf.

Er ist verreist," sagte er.

Verreist?" wiederholte Eberhard Schlick.

Jawohl, Herr Ministerialrat. Er ist mit den Koffern nach dem Bahnhof gefahren und hat nur hinterlassen, daß er längere Zeit nicht wieder zurück­kommen würde, Alles Nähere werden Sie, denke ich