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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oler deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 12. Oktober 1904.

Amtliches.

J.-Nr. 3280 K.-A. Am Sonnabend, den 22, Oktober d. Js., Bormittags 11 Uhr findet im hiesigen Kreishause ein Kreistag statt.

Schlächtern, den 7. Ottober 1904.

Der kvm. Landrat: Graf zu Solms.

Deutsches Reich.

Der Jagdbesuch des Kaisers beim Fürsten Stolberg-Wernigerode ist nunmehr für die letzte Oktoberwoche in sichere Aussicht genommen. Tag und Stunde der Ankunft des Monarchen in Wernigerode ist noch nicht genau bestimmt. An der diesjährigen Hofjagd in der Letzlinger Heide wird der Kaiser nicht teilnehmen.

Der Kaiser weilt z. Z. in Hubertusstock, wo jetzt auch die Kaiserin eingetroffen ist.

Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich sind als Gäste des Herzogs Karl Theodor in Bayern in Bad Kreuth eingetroffen.

- In Danztg hat die feierliche Eröffnung der Technischen Hochschule stattgefunden. Der Kaiser war selbst anwesend und hielt bei der Feier in der Aula eine Rede, in der er auf die Bedeutung der technischen Hochschulen hinwies und ausführte, daß es ihre Auf­gabe sei, theoretische und angewandte Wissenschaft zu fruchtbarem Zusammenwirken zu vereinigen und zwar mit der umfassenden Vielseitigkeit, die das auszeichnende Merkmal des in Deutschland entstandenen Typus dieser Anstalten bildet. Der Kaiser schloß mit dem Wunsche, daß die neue Bildungsstätte, die wegen ihrer Lage von besonderer Bedeutung sei, zum Ruhme der deutschen Wissenschaft und zum Segen der altpreußischen Pro­vinzen wachsen und gedeihen möge. Hierauf gab-der Kultusminister Dr. Studt einen ausführlichen Rück­blick auf die unvergänglichen Verdienste, welche das Hohenzollernhaus auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Großtaten sich um die preußischen Lande erworben hat, denen sich die Gründung der neuen Hochschule würdig anschließe. Sodann sprach der Rektor v. Mangoldt dem Kaiser den Dank des Lehrkörpers und der Studentenschaft aus und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Ein Chorgesang beendete die Feier.

Die Vorarbeiten für den Reichshaushaltsetat auf 1905 sind an der zuständigen behördlichen Stelle so weit gefördert worden, daß mit einer Einbringung der Einzel-Etats an den Bundesrat spätestens zu Anfang des nächsten Monats gerechnet werden darf. Bis zum Schluß des November hat dann der Bundes­rat Zeit, sich mit dem Etat zu beschäftigen, so daß, nach denB. Pol. Nachr.", als sicher anzunehmen ist, daß der Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt den Etat für 1905 vorfinden wird.

Der Zentral Verein für Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt eröffnet am 14. Oktober

Glänzendes Elend.

Roman von Arthur Roehl.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Das Kosen junger Verliebter, die sich auf irgend einer Bank des schattigen Parkes ihr Liebesglück zu- flusterten. Und er auf dem reichumgitterten Balkon seines schloßartigen Hauses konnte nur stöhnen und verzweifelt die Hand ballen, die sich in sein Haar krampfte. Kaum, daß ihn der Gedanke an die Unbe- greiflichkeit der uferlosen Tiefe vor ihm zu trösten vermochte, wo selbst der Mond mit seinem feisten Gesicht, wie er sich in ein stummes Zwiegespräch mit einließ, ihn auszugrinsen, und ihm zuzurufen schien:Was jammerst Du, Narr. Sei Hammer, wenn Du nicht Ambos sein willst! Erwach und ermann

Und dann schien der stumme Gefährte der Nacht Plötzlich^ eindringlicher werden zu wollen. Er lenkte sein Sinnen auf das Schicksal derjenigen, die, wäre Mira ihm nicht vor ungefähr auf seinem Lebensweg entgegengetreten, unter dem Dach, unter dem er saß, vielleicht doch für eine ersprießlichere Rolle berufen gewesen wäre als die Andere darin spielte. Er dachte an die schmucke kleine Villa, die sie wie eine Wittwe einem der westlichen Vororte Berlins bewohnte. Ueber ;die kiesigen Wege und den grünen Rasen des Gärtchens der Villa hallte glücklich wie der Somnier- N lang war, das kindliche Lachen des ohne Ahnung

feine Winterarbeiten mit einer Sitzung des Großen Ausschusses, in welcher außer einer Reihe von geschäft­lichen Angelegenheiten ein Bericht des kaiserlichen Baurats Doell aus Metz über selbsttätige Schiffahrts­Wehre zum Vortrag gelangen wird. Der Vortragende wird seine Ausführungen durch zahlreiche Karten und Pläne erläutern, so daß die Fachkreise demselben mit lebhaftem Interesse entgegensehen. Den: Vernehmen nach wird für die vom Zentral-Verein gegründete Schlichting-Stiftung als Preisaufgabe für das Jahr 1905 die Frage der Schaffung von Einrichtungen zur Beschränkung der Wertminderung bei dem Transporte von Kohle und Koks bei dem Umschlagsverkehre vom Wasser zur Bahn ausgeschrieben werden. Der alle vier Jahre zur Verteilung kommende Ehrenpreis beträgt 1000 Mark.

In diesen Tagen fand in Dresden die Tagung der 17. Generalversammlung des Evangelischen Bundes statt. Eingeleitet wurde sie mit einem Begrüßungs­abend, dem am vorigen Dienstag eine geschlossene Mitgliederversammlung folgte. In dieser referierte Senior D. Dr. Bärwinkel-Ersurt über die Frage: Hat der Evangelische Bund politische Aufgaben? In fünf großen öffentlichen Abendversammlungen sprachen Professor Dr. A. Böthling-Karlsruhe über das Thema: Römisches, päpstliches deutsches Recht?, Professor Dr. Tschackert-Göttingen überDas echte Lutherbild", Vikar Monsky-Krems überDen religiösen Gehalt evangelischen Bewegung in Oesterreich", Oberpfarrer Dr. Koltzsch-Chemmitz über:Die Jugend im Evan­gelischen Bunde" und Lic. Everling-Krefeld über Konfessionelle Friedensstimmen und evangelische Bundesarbeit". An den Kaiser und den König Georg von Sachsen wurden Huldigungstelegramme gerichtet.

Die neue Prüfungsordnung für Apotheker ist nunmehr veröffentlicht worden. Aus den Schluß- und Übergangsbestimmungen ist hervorzuheben, daß die bis jetzt als Apothekerlehrlinge eingetretenen jungen Leute zu den Prüfungen zugelassen werden, wenn sie nur den Nachweis der bisher erforderten wissenschaft­lichen Vorbildung erbringen. Gehülfen, die am 1. Oktober d. J. eine mindestens einjährige Gehülfezeit abgeleistet haben, sind berechtigt, den Rest der Ge­hülfenzeit ganz oder teilweise vor dem (zweijährigen) Universitätsstudium abzuleisten; melden sie sich im erstem Falle bis zum 15. März 1908 zur Prüfung, so dürfen sie diese nach den bisherigen Vorschriften ablegen. Zur Erteilung der Approbation als Apotheker sind künftig die Zentralbehörden derjenigen Bundes­staaten befugt, welche eine oder mehrere Landes- Universitäten besitzen.

Auslande

Die nordamerikanische Regierung soll einen Gesetzentwurf ausgearbeitet haben, dessen Inhalt der

von dem Leid der Mama Heranwachsenden Töchterchens der Gräfin von Rex. Durch das Testament des Gerbers war Arnold Stahl zu einem der Vollstrecker des letzten Willens seines Oheims ernannt worden und es war nicht zu umgehen gewesen, daß er gelegentlich mit seiner Base in Kontakt kam.

Komteßchen Hanna hatte der Onkel kennen gelernt, und ihre Mutter hatte ihm von der lieblichen Kleinen ein prächtig gelungenes Photogramm verehrt, das jetzt zwischen allerhand anderen Familienbilder in seinem Kabinett auf seinem Schreibtisch stand.

Er trommelte in feiner Einsamkeit nervös mit den Fingern auf die Platte des runden Balkontisches an seiner Seite. Er war so tief in den Gedanken ver­sunken, daß er die leisen Schritte, die plötzlich aus der inneren Wohnung auf ihn zukamen, gar nicht bemerkte. Er fuhr auf und stieß einen Schreckensruf aus, als ihm plötzlich Jemand leise mit der Hand die Schulter berührte.

Hast Du mich erschreckt!" stieß er hervor.

Es war seine Frau, die lautlos wie ein Geist aus der Wohnung auf den Balkon herausgehuscht kam. Sie hatte ein weißes, wallendes Nachtgewand an, ihre Züge waren bleich und verstört, ihr lichtes aufgelöstes Haar fiel zersaust über ihre Schultern hinab; in dem geisterhaften Schimmer des Mondes hatte er im ersten Augenblick allen Ernstes an eine Erscheinung gedacht.

Sie reckte sich empört und drohend in die Höhe.

Solchen Schrecken flöß ich Dir also schon ein.

Einfuhr deutscher Nahrungs- und Genußmittel große Hindernisse in den Weg legt. Unter anderm würden dadurch auch der Weinhandel und der Weinbau erheblich geschädigt werden. Um dagegen Stellung zu nehmen, haben sich in Bingen eine Anzahl Vertreter von südwestdeutschenWeinhändler-Verbänden versammelt. Es wurde einstimmig beschlossen, eine Abordnung an den Reichskanzler und den Handelsminister zu entsenden mit der Bitte, dahin wirken zu wollen, daß der Ent­wurf keine Gesetzeskraft erlange. Die Regierungen und Handelskammern sollen ebenfalls gebeten werden, diese Bestrebungen zu unterstützen.

Der russisch-japanische Krieg scheint sich sehr in die Länge zu ziehen. Die Japaner beginnen sich auf einen langen Krieg vorzubereiten, der sich nach ihrer Meinung wenigstens noch zwei Jahre hinziehen wird. Der linke russische Flügel der Armee Kuropat- kins zeigte seit einigen Tagen große Tätigkeit und erhielt eine bedeutende Verstärkung. Die Russen dringen jetzt auch in Korea ein, und man erwartet auch hier einen heftigen Zusammenstoß. Die Lage in Port Arthur ist die gleiche, Ansturm und Abwehr. Die Soldaten der Garnison sind voll Begeisterung für General Stöffel. Vie russische Schiffe sollen durch japanische Geschosse schwer beschädigt sein.

Die Lage des russisch-japanischen Krieges ist in der Mandschurei andauernd dieselbe. Abgesehen von kleinen Gepläkeln und Vorpostengefechten verhalten sich die feindlichen Armeen ruhig und rüsten weiter. Vor Port Arthur kam es wiederholt zu furchtbaren Kämpfen. Mit bewunderungswürdigem Mute wurden verschiedene Anstürme der Japaner von den Russen zurückgeschlagen, und General Stöffel zeigt sich nach wie vor als einen Meister geschickter Verteidigung.

In Frankreich hat eine parlamentarische Kommission zur Untersuchung der Zustände in der Marine das Arsenal und die Werft zu Toulon besichtigt. Der Unterdirektor Salvayre erklärte der Kommission, es herrsche keine Disziplin im Arsenal; er könne teil­weise nicht mehr arbeiten lassen, ohne daß die Werk­führer Beleidigungen und Tätlichkeiten ausgesetzt seien.

Die innere macedonische Organisation ver­öffentlichte in Sofia das seit langer Zeit angekündigte Memorandum über alle seit dem Jahre 1893 in Macedonien (WilajetAdrianopel) stattgehabtenEreignisse.

Das große, mit zwei Karten ausgestattete Werk enthält eine ausführliche historische Schilderung aller Kämpfe und der an der christlichen Bevölkerung begangenen Greueltaten und zum Schluß die Erklärung, die innere Organisation werde, wenngleich den Verhältnissen Rechnung tragend, den Befreiungskampf so lange fortführen, bis eine internationale militärische Ein­mischung das jetzige türkische Regime tatsächlich sus­pendiere und int Lande gesetzliche Zustände und eine menschliche Existenz gewährleiste. Das letzte Jahr hat

Ist das Deine Liebe?"

Er bückte sich leicht unter ihrem giftigen Blick.

Was willst Du von mir?"

Was ich von Dir will! Das komm ich her Dir zu sagen. Geträumt hab ich von Dir. Im Schlafe hab ich an Dich gedacht. Im Schlafe hab ich gesehen was Dich immer mehr und mehr von uns abzieht, was Dich uns entfremdet, daß Du dem Bruder Deiner rechtmäßigen Frau, der weiter nichts von Dir will, als daß Du zum Besten seines Fortkommens ein paar verlotterte Brauknechle von Deinem Hof herunterjagsi, den Stuhl vor die Tür setzst und vor Deiner eigenen Frau so erschrickst wie Du eben vor ihr erschreckt bist"

Mira," stammelte er totenblaß auf seinem Platze auffahrend,ich bitte Dich laß mich"

Sie aber ließ sich nicht unterbrechen, sie hatte seine Hände gefaßt und krampfte sich mit ihren weißen Finger um seine Handgelenkte fest.

Der Himmel hat mir im Traume gezeigt, wer zwischen uns steht. Er hat mir den unwürdigen Feind, der sich in mein Haus schleicht, verraten, mich gewarnt vor dieser Gerberstochter, dieser durch eine Schand- heirat Gräfin gewordene Schlange oh, verteidige Dich nicht, ich weiß es genau, wie Du Dich mit ihr stehst, ich weiß es genau, wie oft Du in ihrem Hause gewesen"

Sie zog ihn in ihrer Erregtheit von dem Balkon in die Wohnung hinein und er folgte ihr. Es war besser, daß sich die Aussprache drinnen zwischen den