Einzelbild herunterladen
 

SchWernerMun g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oler deren Raum 10 Pfg.

X 80.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat auf drei Jahre für das neue Stadttheater in Thorn jährlich 10000 Mk. bewilligt.

Der Kaiser stiftete ein Kapital von 28 000 Mk. für die Wittwen und Waisen von Bewohnern der Rominter Heide.

Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz empfing am 1. Okt. in Berlin den Vorstand des Landeskrieger­verbandes behufs Ueberreichung eines von Professor Doepler angefertigten Gedenkblattes zur Erinnerung an die Uebernahme des Ehrenvorsitzes über den Landes­verband. Gleichzeitig überreichte der Vorstand die Summe von 10000 Mk., die aus Sammlungen her­rühren, welche von allen Landeskriegerverbänden des Reiches für die in Südwestafrika bestehenden Krieger­vereine und die dort kämpfenden Truppen angestellt worden sind. Die Sammlungen haben im Ganzen die Summe von 60 000 Mark ergeben. Hiervon sind 20000 Mk unter die Familien der im Felde stehen­den Kriegervereinsmitglieder verteilt worden. 30 000 Mk. sollen für Witwen und Waisen gefallener Mit­glieder verwendet werden. Den Rest von 10 000 M. will der Kronprinz dem Oberkommando der Schutztrupste zum Zwecke von Liebesgaben für unsere Truppen in Südwestafrika übergeben. Er äußerte sich sehr aner­kennend über die Opferwilligkeit der Kriegervereine und drückte seine Freude aus über die Tätigkeit und den guten Fortgang des Kriegervereinswesens, das sich erst jüngst wieder bei der Vertreterversammlung auf dem Kyffhäuser gezeigt hat.

Ueber das Befinden des kranken Königs Georg von Sachsen wird mitgeteilt, daß der Aufenthalt im Freien vorteilhaft auf Gemüt und Körper des Mo- Iarchen eingewirkt hat. Der König darf Bier, Rot­wein und Champagner zu sich nehmen. Bezüglich der häufig eintretenden Störungen der Nachtruhe äußert der Patient, daß auch in gesunden Tagen der Schlaf niemals seine starke Seite gewesen sei.

Der Herzog Karl Eduard von Sachsen-Koburg und Gotha, hat dieser Tage vor einer besonderen Kom­mission das Offiziersexamen mit dem Prädikatvor­züglich" bestanden. Am Sonntag reiste der Herzog von Schloß Reinhardsbrunn, von wo er Ende dieser Woche zurückkehrt und zwar nach Potsdam, um bei der 5. Kompagnie des 1. Garderegiments z. F. Dienst zu tun.

Zum 25. Jahrestage des Deutsch-Oesterreichischen Bündnisses hat zwischen den Monarchen sowie zwischen dem Grafen Goluchowski und dem Grafen Bülow ein Depeschenwechsel stattgefunden, in welchem der Be> deutung des Bundesjubiläums in warmen Worten Ausdruck verliehen wurde.

Der Bundesrat wird in nächster Zeit seine Plenarberatungen wieder aufnehmen.

Glänzendes Elend.

Roman von Arthur Roehl.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Eberhard Schlick war trotz seiner jungen Jahre schon Ministerial-Rat. Er hatte ein Majorat verloren, aber dafür schien er zu einer Carriere zu kommen. Er war der Typus eines ächten steifnackigen Bureau« kraten. Er sprach immer gemessen und die Braunen dabei überlegen in die Höhe gezogen. Er galt für ebenso lauter wie hochmütig; und wie gesagt, Arnold Stahl üb erlief es, so oft er sein stechendes Auge auf sich fühlte, mit ehrlichem Grauen. Der Ministerial- Rat mit der kalten Arroganz seines Wesens und den tadellos blonden Bartkoteletten dünkte ihm der Un- sympatischste aus seiner ganzen angeheirateten Ver- ivandtschaft.

Da sah er noch tausend Mal lieber Egon in sein Haus treten, obgleich er bei einem jedesmaligen Er­scheinen des Husarenoffiziers genau wußte, daß dieser hur kam, um Geld zu requiriren. Egon balancirte unmer noch über dem Wasser. Der Eintritt des reichen Brauers in seine Familie hob eine Weile wieder seinen Credit. Auch tat das überraschende Flottwerden des vor seiner Heirat bereits für vollkommen festgefahren geltenden Grafen von Rex das Seine, das Vertrauen seiner Gläubiger zu stärken. Seine beste Pump-Quelle aber war dochSchwager Arnold", von dem er hinter pem Rücken sagte:Das Rauhbein muß Geld haben

Mittwoch, den 5. Oktober 1904.

Das neue Gesetz, das das Spielen in außer- preußischen Lotterien, die im Königreich Preußen nicht zugelassen sind, mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder im Nichtbeitreibungsfalle mit Haftstrafe belegt und strenge Bestimmungen gegen den Vertrieb der Lose solcher Lotterien enthält, wird imStaatsanzeiger" veröffentlicht und tritt vier Wochen nach der Veröffent­lichung im ganzen Umfange der Monarchie in Kraft.

Ferner veröffentlicht derStaatsanzeiger" das Gesetz zur Abänderung des Gesetzes über Ausführung der Schlachtvieh- und Fleischbeschau. Dieses Gesetz tritt am 1. Oktober 1904 in Kraft.

Die Emission von 150 Millionen 3 '/«pro- zentigen Schatzscheinen des deutschen Reiches und Preußens steht im Oktober bestimmt bevor.

Eine Minister-Konferenz der thüringischen Staaten hat in Jena stattgefunden. An den mehr­stündigen Beratungen nahmen die Staatsminister Rothe-Weimar, Hentig-Gotha und v. Borries-Altenburg, sowie die Staatsräte Dr. Körbitz-Rudolstadt, Trinks- Meiningen, Gräsel-Gera und Gersten-Altenburg teil. Es handelte sich um Angelegenheiten des Oberlandes­gerichts, da auch höhere Jnstanzbeamte aus Preußen teilnahmen.

Zum Bau von Arbeiterwohnungen in Kiel hat das Reichsanit des Innern 400 000 Mk. bewilligt.

Dem Graf-Regenten von Lippe widmet der Reichsanzeiger" im Anschluß an den Beisetzungsbericht des offiziösen Telegraphenbureaus folgenden Nachruf: Der am 26. September verstorbene Regent des Fürstentums Lippe Graf Ernst zu Lippe-Biesterfeld hat sich in der Regierung des Fürstentums, die er auf Grund eines unter dem Vorsitz des verewigten Königs Albert von Sachsen abgegebenen Schiedsspruchs aus- übte, innerhalb des lippischen Landes und darüber hinaus persönliche Sympathien erworben, die seinem Namen ein gutes Andenken sichern."

Zur lippischen Regentschafts-Frage schreibt die Kölnische Zeitung":Die Annahme, daß der Bundes­rat sich sofort mit der Frage lippischen Regentschaft zu beschäftigen haben werde, wird mehrfach als unzu­treffend bezeichnet, vielmehr die Ansicht ausgesprochen, daß ein Eingreifen des Bundesrates erst dann zu erfolgen haben werde, wenn der Graf-Regent einen neuen Bevollmächtigten zum Bundesrat ernennen und dem Bundesrat namhaft machen wird. Dann muß natürlich die Legitimation des Auftraggebers umsomehr geprüft werden, als die schaumburg-lippische Linie Protest gegen den Uebergang der Regentschaft auf den Sohn des verstorbenen Graf-Regenten erhoben hat."

Die Kandidatenfrage für die bevorstehende Ersatzwahl zum Abgeordnetenhause in Bochum ist immer noch nicht gelöst. Die nationalliberale Partei geht mit der Absicht um, den bekannten General­direktor Kirdorff von der Gelsenkirchener Bergwerks-

wie Heu, daß er noch nie und nimmer auch nur mit einem einzigen Worte von der Zurückzahlung oder Ver­rechnung seiner Darlehen gesprochen."

Ins Gesicht sagte er zu ihm, wenn ihm wieder einmal solch Raub bei ihm gelungen war, mit dem er für eine Weile die Bresche ausfüllen konnte, die Wetten und Origien in seine Finanzen geschlagen:

Aeh! Aeh! Sind auf Ehre kolossaler Kerl, Schwager Arnold. Jämmerlich schade fürwahr, daß man mit solchem Pavagan nicht doppelt verwandt werden konnte!"

Und dann erzählte er ihm wohl, wie durch Franziska Dudek das beinahe möglich geworden wäre.

Nur daß ich ä! ä aus diesem vermaledeiten Knobelbecher nur lauter Fünfen warf, während Rex alle Sechsen gepachtet."

Er hatte sich nicht entblödet, dem Brauer die Mähr von der Auswürfelung seiner Cousine schon ein paar Mal zum Besten zu geben.

Was war auch dabei, wie er sagte, so oder! Solche Frau wird hinterher doch überall nur in die Ecke ge­stellt ! Man stellt einen Geldschrank auch an die Wand und nicht in die Mitte der Stube hinein!

Arnold lächelte, wenn ihm der junge zerfahrene Husar für das schwere Geld, das er ihm aus der Tasche holte, mit diesen auch für ihn nicht schmeichel­haften Maximen diente, indes es war ein Lächeln des Ingrimmes, der Gereiztheit, der Verachtung, Alles auf einmal. Die edle Familie seiner Frau war ihm bis

55. Jahrgang.

gesellschaften aufzustellen, während die Mittelstandspartei, die außerordentlich rührig ist, die Kandidatur des nationalliberalen Bürgermeisters Dr. Haarmann wünscht.

Der praktische Arzt Dr. Rey, früher Landtags­abgeordneter und der letzte lebende Begründer der Zentrumspartei, ist im Alter von 88 Jahren gestorben

Ausland.

Major Osterhaus, Kommandeur der ersten Feldartillerie-Abteilung in Südwestafrika, ist im Lazarett in Waterberg an Herzschwäche gestorben.

Die unsinnigen Angriffe gegen Deutschland in denen sich in gemessenen Zwischenräumen dieTimes" gefallen, finden in dem besonnenern Teile der englischen Presse nicht nur keine Billigung, sondern werden scharf zurückgewiesen. Der Daily Telegr." hält denTimes" mit Recht vor, daß sie sich um Dinge kümmern, die sie nichts angehen.

Die Generalversammlung der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz in Basel wurde am Mittwoch geschlossen.

Am französischen Kongo sind nach furchtbaren Martern fünf Händler und dreißig in ihren Diensten stehende Eingeborene, durch Eingeborene ermordet worden.

Zwischen Serbien und Bulgarien ist infolge mehrfacher Begegnung ihrer Herrscher seit einigen Monaten ein besseres Verhältnis eingetreten. Es verlautet auch, König Peter werde in der zweiten Hälfte des Oktober dem Fürsten Ferdinand in Sofia einen Besuch abstatten.

Eine zweite Friedenskonferenz will Präsident Roosevelt einberufen. Die Ankündigung hat insofern noch nicht greifbare Gestalt angenommen, als Ein­ladungen bisher nicht erlassen sind. Ebensowenig ist bekannt, welches Programm für die Verhandlungen vorgeschlagen wird.

Nachdem die deutsch-rumänischen Handelver- trags-Verhandlungen zu einem für beide Teile be­friedigenden Ergebnis geführt haben, wird jetzt an der Reinschrift des sehr umfangreichen Schriftstücks ge­arbeitet. Sobald diese Arbeit beendet ist, wird das Dokument von den Vertretern der deutschen und der rumänischen Regierung unterzeichnet werden.

Zur Lage auf dem ostasiatischen Kriegsschau­platze meldet der LondonerDaily Telegraph" aus Schanghai, in Japan würden die Rekruten in diesem Jahre mehrere Monate früher eingezogen als sonst; Japan treffe Vorbereitungen, um noch im Oktober Sachalin zu besetzen. Ununterbrochen gingen Ver­stärkungen nach der Mandschurei ab. Die Japaner litten sehr unter Beriberi-Krankheit, die erheblich mehr Opfer fordere, als alle Kämpfe. Man glaube, die Epidemie dem Genuß von Reis zuschreiben zu müssen, der vor langer Zeit gekocht wurde. Am meisten leide

in die Seele verhaßt, und er besaß kaum noch die Kraft, den Leuten seinen Widerwillen .und seine Ver­achtung zu verhehlen.

Ah, hätte er den Mut und die Energie des alten Dudek besessen! Hätte er sich wie er losreißen können von den Fesseln der Rücksicht auf die Welt und die Menschen!

Er war sein Leben lang kein Freund des alten Gerbers gewesen, und was jener getan und getrieben, hatte er fast niemals gebilligt, aber als er auf dem Sterbebett lag, hatte er sich mit ihm versöhnt, und der eiserne Schlag, den er mit wuchtiger Hand tat, wo seine Tage nur noch bemessene sein konnten, hatte Arnolds volle, ihm aus dem Herzen kommende Billig­ung gefunden.

Nachdem er Jahre hindurch die Zielscheibe des grimmen Hasses seines Oheims gewesen, ward er eines Tages von ihm von dem Brauhof nach dem alten Gerberhause hinübergerufen.

Der alte Mann ward längst von den Flügelschlägen des Todesengels umrauscht und bedrängt; mit der Zähigkeit, die ihn in seinem Leben gekennzeichnet, aber hatte er den Würger noch immer abzuwehren vermocht, und an dem Tage, an dem sich Arnold aus seinen Ruf zu ihm begab, war er auf dem Schmerzenslager, wo er ihn antraf, ein trotzigerer und eigenwilligerer Mann als je in seinem Leben.

Neben ihm an einem Tisch vor seinem Bett saß