SchlüchternerZeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 79
Samstag, den 1. Oktober 1904
55. Jchrgang
Einladung zum yibonnement auf die 8ck»kücktterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt.
Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlüchtern, (55. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem
Reiche wie auch im Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet Schlüchterner Zeitung über alle neue und merkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und
die be- der
Provinz.
Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
finden in der über alle Ort- ■ schaffen des Kreises und weiter hinaus verbreiteten Schlüchterner Zeitung wirksame Verbreitung.
Mit Beginn des neuen Quartals erhalten sämtliche Abonnenten der „Schlüchterner Zeitung" den neuen Eisenbahnfahrplan in Plakatform gratis beigelegt.
Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Kreisblatt
1 Mark.
Um gefl. Neubestellung bittet höflichst
Expedition der Schlüchterner Zeitung.
Amtliches.
X^l^ 3111 K.-A. Um weniger oemitUten Lanowirten die Möglichkeit zu verschaffen, ihre Söhne auf die landw. Winterschulen zu schicken, hat der Kreisausschuß beschlossen, an 3 Söhne bedürftiger Landwirte eine Beihülfe von je 50 Mk. zu fraglichem Zweck aus Kreismitteln zu zahlen.
Indem ich hiervon Mitteilung mache ersuche ich, etwaige Anträge auf Auszahlung fragl. Beihülfen vor Beginn des Schuljahres bei mir anzubringen.
Schlüchtern, den 22. September 1904.
Der Vors. des Kreisausschusses: Graf zu Solms.
Deutsches Reich.
” — Der Kaiser nahm am Dienstage in Rominten den Vortrag des Stellvertreters des Chefs des Militär- kabinetts entgegen. Se. Majestät wird gelegentlich feiner diesjährigen Jagdausflüge unter anderm auch dem Fürsten Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode einen mehrtägigen Besuch abstatten. Die Ankunft in Wernigerode ist für die letzten Tage des Oktober
Die Ankunft in
in Aussicht genommen.
Glänzendes Elend.
Roman von Arthur Roehl.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
„Ich habe mir eingebildet," gab sie zurück, „Dich zu mir hinaufziehen zu können. Mich von Dir herunter- ziehen zu lassen, gedenke ich keinesfalls."
Und damit hatte er seine Lektion weg.
Er hatte in der ersten Zeit ihrer Ehe an ihr untrügliche Zeichen ihrer Neigung für ihn zu entdecken vermeint; allen den von Verhältnissen geborenen Mißverständnissen zum Trotz glaubte er sich manchmal auch jetzt noch von ihr geliebt.
Jedenfalls ließ sie sich gern von ihm bewundern und wenn sie auch sonst kaum je einen Gedanken für sein Wohl und sein Wohlbefinden verschwendete, so spekulirte doch die Sorgfalt, die sie ihrer persönlichen Erscheinung angedeihen ließ, zum nicht geringsten Teil auf seine Anerkennung ihrer Schönheit.
„Also," sagte er sich manchmal in seiner hoffnungslosen Resignation, „warum kann ich nicht, so wie sie ist. mit ihr zufrieden sein? Wer ist Schuld, wenn zwischen uns nicht Alles so ist, wie es sein könnte! Daß eine Puppe nicht Tiefe und keine Seele besitzt, hätte ich voraus wissen können. Füge ich mich also. Ein Mann muß ausbaden können, was er verschuldete!"
Mit trostlosem Zureden suchte er sich zu trösten, aber glücklicher konnte ihn seine Selbsterkenntnis nicht machen, und den klaffenden Riß der Charakter-Dishar-
— Der Kaiser hat das Abschiedsgesuch des Kapitäns
zur See von Grumme unter Stellung desselben zur Disposition genehmigt.
— Nachdem erst ' ‘ "
erst kürzlich alle Gerüchte von Ver-
Handlungen in der Welfenfrage in der „Nordd. Allg. Ztg." bündig widerrufen worden sind, geschieht dies jetzt noch einmal in der „Köln. Ztg.": Gegenüber den aus Gmundener Welfenkreisen in Wiener Blättern verbreiteten Meldungen, daß nach der Verlobung des Kronprinzen Verhandlungen ausgenommen werden würden, die die Erweiterung Braunschweigs unter Einsetzung einer welfischen Dynastie zum Zweck hätten, erklärt ein Berliner Telegramm der „Köln. Ztg.", keine maßgebende Stelle in Deutschland denke daran, sich auf derartige Verhandlungen einzulassen. Es lohne kaum der Mühe, sich mit solchen Selbsttäuschungen ernstlich zu befassen. Anderseits bewiesen diese von welfischer Seite angeblich ausgestreuten Gerüchte die Unmöglichkeit, die Familie der Welsen unter die Zahl der deutschen Bundesmitglieder aufzunehmen.
— Der König von Sachsen erhielt Dienstag Nacht das kirchliche Abendmahl, als heftige Atemnot ihn befiel.
— Das Mittwoch Mittag über das Befinden des Königs von Sachsen ausgegebene Bulletin lautet: Der König hat den gestrigen Tag und die letzte Nacht verhältnismäßig gut verbracht. In den frühen Morgenstunden traten wieder Anfälle von Beklemmung und Atemnot ein, die den Kranken nötigten, das Bett zu verlassen. Die Nahrungsaufnahmen und der Kräfte- zustand lassen viel zu wünschen übrig. (gez) Dr. Selle, Dr. Fiedler."
— Der Gustav-Adolf-Verein hat seine große diesjährige Liebesgabe der Gemeinde Wünschelburg in Schlesien zugewiesen und hat als nächsten Versamm- lungsort Bromberg gewählt.
— Im Jahre 1903 hat der deutsche Schiffsbau wieder eine erfreuliche Steigerung gehabt. Es wurden nach amtlichen Angaben in Deutschland 507 Schiffe von 305311 Br. Reg. Tons vollendet. Das ist die höchste jemals erzielte Leistung. Vor 5 Jahren belief sich die Zahl der abgelieferten Schiffe nur auf 333 von 208 835 Br. Reg. Tons. Unter den 507 im vorigen Jahre vollendeten Schiffen befanden sich 12 Kriegsschiffe von 28256 Br. Reg. Tons, 294 Kauffahrteischiffe von 648 562 Br. Reg. Tons und 201 Flußschiffe von 28 493 Br. Reg. Tons.
— Das in der letzten Tagung des preußischen Landtages beschlossene Ergänzungsgesetz zum Ausführungsgesetz für das Reichsfleischschaugesetz hat die königliche Sanktion erhalten. Es bezweckt, zu verhindern, daß die Schlachthofgemeinden auf Grund des Schlachthofgesetzes für das von auswärts eingeführte, von einem beamteten Tierarzte bereits untersuchte frische Fleisch eine andere Untersuchung anordnen, als die im monie, der zwischen ihnen lag, konnte sie nicht über- brücken.
„Begreif wer will," sagte seine Schwiegermutter — ach wie oft — zu ihm. „Begreif wer will, daß Ihr Beide nicht miteinander auskommen könnt. Ihr habt Alles, was Menschen zu begehren vermögen. Sie sind reich, Herr Sohn, Mira hat Villa und Equipage. Miras Herkunft giebt Ihnen die Position in der Welt. Wenn Sie nur beide vernünftig zu- und nachgeben würden. Ach", jammerte die gute Dame dann meistens unter reichem Thränenguß los und langte dabei nach ihres Eidams Händen, und mütterlich drückte und preßte sie sie, „ach, daß ich es nur im Leben nur halb so gut gehabt hätte, wie Ihr!"
Was sie in ihrer Ehe aber ausgestanden, das konnte nur Jemand begreifen, der ihren Gatten, den Baron Balduin so genau kannte, wie sie ihn kennen gelernt hatte. Sie war des Lebens bis in die Seele
überdrüßig. An ihrer Wiege war es ihr nicht gesungn worden, daß sie, so wie sie es jetzt mußte, mit
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Erbärmlichkeiten des Lebens zu kämpfen haben würde. Sie stammte aus einer Familie, wo man kleinliche Sorgen nie gekannt. Aber der Baron! Der Baron! Mit vollen Händen hatte er ihr und sein Geld auf die Straße geworfen, so daß sie jetzt, von Haus und Hof getrieben, jeden Pfennig zwei Mal in ihrer Hand unidrehen mußte, ehe sie ihn ausgab, so daß ihr Aeltester jetzt möglicherweise für alle Zeiten aus den Besitzantritt des Majorates zu verzichten und Egon,
Fleischbeschaugesetz zugelassene, um festzustellen, ob das Fleisch seit der amtlichen Untersuchung verdorben ist oder sonst eine gesundheitsschädliche Veränderung erlitten hat.
— Verschiedene Zeitungen bringen die Nachricht, daß die preußische Regierung die Schulzeit an den Baugewerkschulen von 4 auf 5 Halbjahre zu verlängern und neben der Abschlußprüfung eine Zwischenprüfung für solche Zöglinge einzuführen beabsichtige, welche die Schule schon nach 3 Halbjahren verlassen wollen. Richtig hieran ist nur, daß seit längerer Zeit die Reorganisation der preußischen Baugewerkschulen erwogen wird, und daß hierbei namentlich an eine Ausdehnung der Unterrichtszeit von 4 auf 5 Halbjahre gedacht ist. Bestimmte Entschließungen über Art und Umfang der Reorganisation sind indessen an maßgebender Stelle noch nicht gefaßt worden, vielmehr wird zunächst nur das zur Vorbereitung der Entscheidung erforderliche Material gesammelt. Diesem letzteren Zwecke dienen auch die mit den Lehrerkollegien einzelner Schulen abgehaltenen Konferenzen.
— Nachdem Saarbrücken ein paritätisches Lehrer- innen-Seminar erhalten hat, genehmigte das Ministerium die Errichtung eines katholischen Lehrerinnen-Seminars in St. Johann im Anschluß an das dortige Ursulinen- stift. Direktor wird ein Kaplan.
— Für den Stand der Kartoffeln, des Klees, der Luzerne und der Wiesen in Deutschland Mitte September sind nach der Zusammenstellung des Kaiserlichen Statistischen Amts, die für die einzelnen Staaten und Landesteile im „Reichsanzeiger" veröffentlicht wird, die Noten folgende:
Es bedeutet Nr. 2 gut, 3 mittel, 4 gering' die Zwischenstufen sind durch Dezimalen bezeichnet.
1904 1903 Sep- dagegen September August Juli Juni Mai April tember . .. ... - - - - 2,k>
2,4
2,6 2,4
Kartoffeln
3,4
3,4
2,7
2,6
—
—
Klee
3,7
4,0
3,3
2,7
2,4
2,6
Luzerne
3,4
3,6
3,0
2,2
2,3
2,4
Wiesen
3,5
3,9
3,1
2,4
2,2
2,4
Ausland.
— In Basel ist der dritte internationale Arbeiterschutzkongreß eröffnet worden.
— Zwischen den Russen und Japanern scheinen in der Nordmandschurei vorläufig größere Kämpfe nicht erwartet zu werden. Alle Anstrengungen der Japaner sind jetzt darauf gerichtet, Port Arthur zu erobern, sie berennen seit dem 19. September fast täglich dieses letzte feste russische Bollwerk auf ehemals chinesischem Gebiet, ohne die furchtbaren Menschenopfer zu scheuen, die der Sturmangriff auf die russischen Schanzen fordert. Nach und nach scheint der russische Widerstand zu erlahmen, doch wird es noch viel Blut kosten, bis über Port Arthur das Banner der auf* ihr Jüngster, sich, wer weiß, vielleicht wie lange nur noch in seinem Regiment über Wasser zu halten vermochte, während die einzige Tochter des alten freiherr« lichen Hauses Schlick —
Sie brach mit einem schweren Seufzer ab. Sie biß sich auf die Lippen. Vielleicht daß das, was sie sagen wollte, für ihren Eidam nicht grade schmeichelhaft war. Vielleicht daß der Seufzer, der aus ihrer Seele aufstieg, der ganzen Heirat galt. Sie unterdrückte jedenfalls, was sie dachte und lebhafter fuhr sie plötzlich wieder fort.
„Jedenfalls sind Sie aber ein Muster von einem Menschen, mein lieber Herr Sohn, treu und gut und sorgsam, das gerade Gegenteil von ihrem Schwiegervater, der sich heute mit seinen grauen Haaren nicht die Hörner abgelaufen hat und — es ist M lächerlich — zu lächerlich, mein lieber Arnold — noch heute kostspielige Liebschaften mit galanten Damen von den kleinen Theatern unterhält —"
Irgend ein derartiges budgetäres Anliegen hatte die gute Dame fast immer, wenn sie ihren Schwiegersohn mit ihren Seelenergüssen behelligte, und wenn sie ihren Zweck dann erreicht, kannte ihre Dankbarkeit auch keine Grenzen. Sie bedeckte ihn mit ihren Thränen.
„Nein, nein," rief sie. „Sie sind der beste, der allerbeste Mensch von der Welt. Ein Mann unter taufenden. Sie müßten Kinder haben, mein lieber Arnold —" Sie stöhnte.
Arnold Stahl zuckte auch nur stumm die Achseln