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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 76. Mittwoch, den 21. September 1904. 55. Jahrgang.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser ist am Freitag morgen nach Be- endigung der großen Manöver in Cadinen eingetroffen. Anläßlich der Kaisermanöver ist von Sr. Majestät eine große Anzahl Orden verliehen worden.
— Das Interesse des Kronprinzen für den deutschen Bauernstand wird beleuchtet durch folgende Nachricht aus Münster: Der Vorstand des Westfälischen Bauern- Bereins (Sitz Münster) hatte dem Kronprinzen zu dessen Verlobung ein Glückwunsch-Telegramm gesandt. Darauf sandte der Thronfolger folgende Antwort: „Dem starken und kerndeutschen Westfälischen Bauernverein danke ich herzlichst für die freundlichen Glückwünsche zu meiner Verlobung: Gott erhalte den deutschen Bauernstand! Wilhelm, Kronprinz."
— Kaiser Wilhelm hat seinem wärmsten Interesse für die Entwicklung der deutschen Handelsschiffahrt einen erneuten Ausdruck gegeben, indem er auf die von Generaldirektor Ballin vorgetragene Bitte genehmigte, daß Flügeladjutant Kapitän zur See von Grumme in die Verwaltung der Hamburg—Amerika-Linie eintritt. Daß mit der Uebernahme dieser Stellung der Rücktritt des Kapitäns von Grumme aus seinem militärischen Dienstverhältnis verbunden ist, wird zwar nicht ausdrücklich gesagt, dürfte aber wohl als selbstverständlich zu betrachten sein.
— Dem Prinzen Adalbert von Preußen ist durch Kabinettsorder der Dienst eines etatsmäßigen Leutnants an Bord des Kreuzers „Hertha" übertragen worden.
— In Bremerhaven sind am Donnerstage 900 Offiziere und Mannschaften der ostasiatischen Besatzungsbrigade mit dem Lloyddampfer „Rhein" eingetroffen.
— Der älteste Sohn des ersten deutschen Reichskanzlers ist am Sonntag Vormittag gegen 10 Uhr in seinen! Schlosse zu Fridrichsruh, wo auch sein Vater seinen letzten Atem aushauchte, gestorben. So sehr wir seinen Tod beklagen, es war jetzt, wo das Leiden als unheilbar erkannt war und dem Leidenden die schwersten Schmerzen bereitete, eine Erlösung. Ohne das Bewußtsein, das ihm schon seit mehreren Tagen abhanden gekommen war, wieder erlangt zu haben, ist er in den Armen seiner Gattin verschieden. Auf Friedrichsruhe weht die Fahne halbmast, die Trauer in und um Friedrichsruhe ist allgemein, zahlreiche Personen strömten zum Schlosse, in welchem der Entschlafene auf seinem Lager ruht. Die Fürstin ist, schwer betroffen, nur wenig über 11 Jahre hat die glückliche Ehe gedauert. Vom Kaiser und der Kaiserin, vom Grafen Bülow und zahlreichen hochstehenden Persönlichkeiten, von den deutschen Bundesfürsten, auch aus dem Auslande, sind Beileidstelegramme eingegangen, die sich noch fort und fort mehren. Die Beisetzung erfolgt in dem Mausoleum zu Friedrichsruhe, in tvelchem der erste Fürst Bismarck und seine Gemahlin Johanna von Puttkammer ruhen. Den Fürstentitel
Glänzendes Elend.
Roman von Arthur Roehl.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
„Heißt es so findig sein, wie es Schlieffenbach war. Geeignete Objekte sind am Ende auch in der Rotüre so leicht nicht zu kriegen."
„Mein Alter in Berlin hat, scheint es, etwas ganz Bestimmtes für mich im Auge," gestand Egon von Schlick.
„Hm," machte der andere. „Im Auge habe auch A was. Hoffen wir, daß es nicht dasselbe ist, was Dein Vater im Auge hat. Das Mädel, das ich meine, habe ich in Deiner Familie kennen gelernt —"
„Es ist die Cousine des Rauhbeins, dieses Brauers, der meine Schwester geheiratet hat, he?"
Der Graf nickte.
„Bums!" sagte Schlick, „dann können wir beide ein Wild zusammen losgehen."
. Sie lachten, aber sie maßen sich doch beide mit einem raschen merkwürdigen Blick. Zwei Hunde, die l'ch an einem Futternapf treffen, hätten sich gerade so Mißtrauisch gemustert.
„Hat das Mädel wirklich so viel?" erkundigte sich «un Thasfilo Rex nach einer Weile, in der Beide ge- Iwwlegen.
„Mein Vater meint: ja!"
-Kennst Du sie?"
erbt der kleine Otto Bismarck der einzige Sohn des Verstorbenen. Aus der Nachkommenschaft des Kanzlers ist kein Mann mehr vorhanden.
— Die Angaben der „Times" über das Vorhandensein eines in Norderney vereinbarten und formell abgeschlossenen Abkommens zwischen Rußland und Deutschland erklärt die „Köln. Ztg." als in allen Teilen frei erfunden. Bei der heutigen Sachlage und bei der Ungewißheit, wie sich der russisch-japanische Streit weiter entwickeln wird, wäre es geradezu abenteuerlich, schon jetzt Vereinbarungen für den Friedensschluß zu treffen. Das ist so selbstverständlich, daß man es gar nicht aussprechen brauchte. Aber leider muß man immer noch mit dem Umstände rechnen, daß die Ausstreuungen der „Times", die in erster Linie auf Japan berechnet sind und dort Mißtrauen gegen Deutschland erwecken sollen, unverdiente Beachtung finden können.
— Die Brauereigehilfen von Hamburg und Altona haben die Aufhebung des seit dem 15. Mai währenden Ausstandes beschlossen.
Ausland.
— Wie vor kurzem in Rußland, so sind jetzt auch in Italien die Wünsche des königlichen Hauses und des Volkes erfüllt worden; dem König Viktor Emanuel ist der sehnlichst erwartete Sohn geboren. Zu der Geburt des italienischen Thronerben bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.": „Mit herzlicher Anteilnahme wird man in Deutschland die Kunde von diesem für das Herrscherhaus Savoyen und das dem deutschen Reiche befreundete und verbündete Königreich Italien hocherfreulichen Ereignisse begrüßen. Möge die Geburt des direkten Thronerben der ruhmreichen Dynastie Savoyen und dem italienischen Volke neues Glück bringen, und möge der . junge Prinz dereinst dem Vorbilds seines edeln Vorfahren nachstreben, dessen Namen er trägt, zum Heile und Segen der Nation, die sich, gleich dem deutschen Volke, binnen weniger Jahrzehnte aus Zerrissenheit und Ohnmacht zu unbestrittener Großmachtstellung eniporgerungen hat."
— Der neue Vormarsch der Japaner gegen Kuro- Patkins Armee ist bereits im Gange. Japanische Truppen rücken von Osten her gegen Mukden vor; starke russische Streitkräfte stehen bereit, ihnen entgegen- zutreten. Man darf somit schon für die nächste Zeit schwere, vielleicht entscheidende Kämpfe erwarten. Für das tapfere Verhalten ,der russischen Truppen in den schweren Kämpfen bei Liaujang und ihre Ausdauer auf dem Rückzüge hat der Zar seinen Dank in einem Erlaß an General Kuropatkion ausgesprochen, der zugleich die volle Anerkennung des Monarchen für die strategischen Maßnahmen des Oberfeldherrn enthält. Vor Port Arthur haben die Japaner wieder ein Verteidigungswerk genommen und beginnen jetzt einen Minen-Angriff.
„Niemals gesehen."
Sie schwiegen eine Weile und strichen sich krampfhaft die Bärte.
„Weißt Du was," ließ Egon von Schlick endlich verlauten. „Beide können wir das Mädel natürlich nicht kriegen. Einer muß zurücktreten."
„Mit größtem Vergnügen. Würde mir nur nichr das Feuer so gräulich unter den Füßen brennen."
„Schweig," sagte der andere und stampfte mit seinen glänzenden Lacklederstiefeln, als ob er darin dieselben unerträglichen Brandschmerzen fühlte. „Ich werde Dir einen Vorschlag machen. Wir trudeln sie aus. Den Knobelbecher herbei! Wer die höchste Hausnummer wirft, hat sie, der macht sich an sie heran. Der Verlierer hat bei der Hochzeit den ersten Brautführer zu spielen."
Der Knobelbecher mußte wirklich herbeigeschafft werden. Eine dickbäuchige Flasche aus den Kellern der Wittwe Eliguot wurde dazu aufgefahren, und das Würfeln begann.
Der Pfropfen knallte, der entfesselte Mousseux schäumte in den krystallenen Gläsern und die beinernen Würfel rollten über den eichenen Tisch der alten Weinstube hin, und Franziska Dudek hatte fern in Berlin keine Ahnung, in welch frevlen Weise ihr Schicksal entschieden war und zwei gewissenlose Menschen über ihre Zukunft verfügten.
Sie schüttelte nur wie über etwas, das sie doch stutzig zu machen anfing, den Kopf, als eines Morgens
— Das baltische Geschwader, das vor einigen Tagen mit unbekannter Bestimmung aus Kronstadt auslief, hat zunächst in Libau, dem westlichsten der russischen Ostsee-Kriegshäfen, Station gemacht. Wahrscheinlich soll hier die endgültige Vervollständigung der Besatzungen und die letzte Auffüllung der Vorräte an Material-Reserveteilen vor sich gehen.
— Die chinesische Regierung will mit Japan und Rußland Verhandlungen über die Rückgabe der Mandschurei an China anknüpfen. Das Land also, um dessen Besitz zwei große Kriegsheere soeben eine blutige Schlacht geschlagen haben und sich zu weiter« Kämpfen rüsten, wird gerade jetzt von einem Dritten, der freilich der rechtmäßige Eigentüiner ist, zurückgefordert! Wirklich ein seltsamer Vorgang in der an ungewöhnlichen Zwischenfällen auf internationalem Gebiet so reichen Geschichte der ostasiatischen Verwicklung. Auf einen praktischen Erfolg der Anregung hofft die chinesische Regierung sicherlich selbst nicht; wohl aber ist es möglich, daß Japan gewisse formelle Zusicherungen für die Zeit nach Beendigung des Krieges gibt, die ihm bei den Chinesen neue Sympathien verschaffen könnten.
— Der japanische Marinekapitän Takihava hat in diesen Tagen die Städte Korsör und Nyborg und ferner Kap Skagen besucht. Die dänische Polizei überwachte alle seine Bewegungen und verhaftete ihn als Spion.
— Die italienische Regierung will die Zahl der Armeekorps von zwölf aus zehn herabsetzen. Die hierdurch erzielte Ersparnis soll zur Vergrößerung der Flotte verwandt werden.
— Die Zentralleitung der sozialistischen Partei hat beschl sssen, sofort den Generalausstand für ganz Italien zu verkünden.
Males und Provinzielles.
Schlüchteru, 20. September 1904.
—* Beförderung von Gütern auf der Eisenbahn. Die Ursache der Verschleppung von Eisenbahnstückgütern liegt vielfach darin, daß die Versender die ihnen nach § 58 der Eisenbahn-Verkehrs-Ordnung obliegende Bezeichnung des Guts unterlassen oder nicht genügend ausführen. Oft ist die Bezeichnung so allgemein gehalten, daß sie kein genügendes Unterscheidungsmerkmal bietet und Verwechslungen begünstigt, oder aber sie stimmt mit den Angaben im Frachtbrief nicht genau überein. Wichtig ist, daß das Frachtstück außer mit Zeichen und Nummer u. s. w. auch mit dem Namen der Bestimmungsstation versehen wird, damit es im Falle einer Trennung des Guts von den Begleitpapieren unter Umgehung besonderer zeitraubender Nachforschungen sofort seinem Bestimmungsort zugeführt werden kann. Die Bezeichnungen werden am zweckmäßigsten auf dem Frachtstück selbst deutlich und dauer- Haft angebracht. Läßt die Beschaffenheit des Guts ein mächtiges kostbares Blumen-Arrangement in ihrer Wohnung präsentiert wurde und sie in dem den Blumen beigesellten Brief die Unterschrift des Grafen Thasfilo Rex erkannte, der gelegentlich des großen Knobeltour- niers in der Wandsbacher Weinstube lauter Sechser geworfen, während Egon von Schlick nur lauter Fünfer aus dem Knobelbecher schüttelte. In diesem Brief bat der Herr Graf die Zustellung des duftigen Cadenns mit seinem tiefempfundenen Wunsche eutschuldigen zu wollen, gelegentlich seiner Anwesenheit in Berlin und zum Andenken an die schönen gemeinsam in der Geier- Au verlebten Tage ihr ein wenn auch noch so schwaches Zeichen der Hochachtung und der Bewunderung, die sie ihm einflößt, zukommen zu lassen, indem er zu gleicher Zeit die Hoffnung aussprach, daß es ihm nicht verübelt werden würde, wenn er sich die Freiheit nahm, ihr, wo er einmal in derselben Stadt wie sie weilte, auch persönlich seine Aufwartung zu machen.
Das Eine stand jedenfalls fest, Graf Tassilo war zäh. Seit Geierkogelau, war das Blumen-Arrangement das er ihr schickte, nicht seine erste Huldigung, auch vorher hatte er sich ihr schon mehrfach und immer mit Berufung auf die schöne Zeit in den Bergen in Erinnerung gebracht. Von der See, wohin er sich, als sie die Geier-Au verließ, wandle, hatte er ihr kostbare Muscheln gesandt, die er angeblich für sie selbst am Strand gesammelt hatte.
Von der edlen Fuchsstute auf der er vor Kurzen;