Einzelbild herunterladen
 

SchWernerMtun g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 17. September 1904

Amtliches.

Das Proviantamt setzt den freihändigen Ankauf von Roggen, Hafer, Wiesenheu und Roggenstroh dies­jähriger Ernte zu den gangbaren Tagespreisen fort.

Es werden selbst die kleinsten Mengen, Roggen jedoch nur in Wagenladungen von 10 oder 15 Tonnen, angenommen.

Die Einlieferung von Naturalien kann an jedem Wochentage von 812 Uhr vormittags nur von 2 bis 4 Uhr nachmittags erfolgen.

Hanau, den 6. September 1904.

Königliches Proviant-Amt.

Deutsches Deich.

Der Kaiser ist Dienstag Morgen um 4 Uhr, im Automobil ins Manövergelände gefahren; der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin folgte um 6 Uhr. Der Kronprinz hatte sich Montag früh ins Manövergelände zu seiner Kompagnie begeben und biwakierte in der Nähe von Driberg. Die Kaiserin, die Großherzogin, die Herzogin-Braut Cecilie und die Herzogin Marie Antoinette hatten sich ebenfalls in das Manövergelände begeben.

Der Kaiser wird im Dezember d. I. der Stadt Bromberg einen kurzen Besuch abstatten. Bei dieser Gelegenheit gedenkt der Monarch, der Grundsteinlegung für die vierte evangelische Kirche in Bromberg bei- zuwohnen.

Als zukünftiger Wohnsitz des Kronprinzen wird das Stadtschloß in Potsdam bezeichnet. Der Kronprinz wird aber längere Zeit an Potsdam gefesselt bleiben, da er einerseits beim Regiment der Garde-du-korps aktiven Dienst tun soll und anderseits auch bei der Regierung, bezw. beim Oberpräsidium der Provinz Brandenburg den Verwaltungsdienst kennen lernen wird. Daß er einige Zeit nach Hanover überfiedeln wird, glaubt man nicht, da der Kaiser den Thronerben in seiner Nähe zu haben wünscht, um ihn fortlaufend in die Regierungsgeschäfte einzuweihen. Dagegen wird das zukünftige kronprinzliche Ehepaar längere Zeit in Berlin Wohnung nehmen und dann das einst von Kaiser Friedrich lange Zeit bewohnte Kronprinzenpalais Unter den Linden und nicht das Charlottenburger Schloß beziehen.

Ueber die Zunahme des steuerpflichtigen Ein­kommens in Preußen veröffentlicht die Statistische Korresp." eine Uebersicht. Danach hat sich von 1892 bis 1903 das Einkommen der physischen Zensiten in der Einkommensgruppe von 900 bis 3000 Mark von 1654,8 auf 2860,5 Millionen Mark in den Städten und von 1257 auf 1755,5 Millionen Mark auf dem Lande vermehrt; es ist in der Einkommengruppe von mehr als 3000 Mark von 2197,7 auf 3282,1 Mill. Mark in den Städten und von 594,6 auf 811 Mill. Mark auf dem Lande gewachsen.

Ein Handwerks- und Gewerbekammertag ist in diesen Tagen in Lübeck abgehalten worden. Er sprach sich aus für die Einführung des obligatorischen Befähigungsnachweises für das Baugewerbe sowie für eine größere Ausdehnung der durch den Meistertitel

Dev Momya^ni^dlt^^

Eine Humoreske aus dem bayerischen Oberland von Ioseph M a e r t l.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Ruhig im Gefühl seiner Unschuld blickte der über­raschte Besucher auf die jubelnden jungen Leute. Er ahnte nicht im Geringsten den Zusammenhang seines Hierseins mit der so wunderbar erfolgten Ankunft einer Stubengenossen Rosel aber durchschaute blitz- chnell das Gespinnst, das der intriguante Sachse über ie und den harmlosen Bruder Homobonus gewoben hatte.

Siehgst, Du weitmäuliger Sachs" rief sie »Dein Plan ist Dir g'lunga wenn er aa a Lug g wes'n is. Ja, Soldaten" fuhr sie zu den Andern gewendet forta Kunststück! is 's nit, 'an Harm« Mensch'n zum Best'n zu halt'n. . Schaugt's, der Sachs hat dem Bruder Homobonus vorg'logen, i hätt' a teures Marienbild im Stall hänge, und nu is er Halt komm« und wollt's anschaug'n. Is dös nu was Unrecht's?"

Diese Verteidigung schien ihre Wirkung auf die

zu erwerbenden Rechte und verlangte die Zulassung nur solcher Bewerber bei Submissionen, welche zur Führung des Meistertitels berechtigt sind. Einstimmig angenommen wurde ferner eine Resolution zum Schutze des Gesellentitels. Sodann wurde beschlossen, den Reichs- und Staatsbehörden eine Reihe von Forderungen über die Beteiligung von Beamten an Konsumvereinen zu unterbreiten. Insbesondere soll den Reichsbeamten die Beteiligung an der Verwaltung und Gründung von Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften verboten werden,mit denen nachweisbar eine Schädigung der Interessen anderer erwerbtätigen Bevölkerungskreise verbunden ist". Endlich wurde noch eine Resolution auf Förderung des Genossenschaftswesens angenommen.

Ausland.

Aus Südwestafrika meldet General von Trotha

über einen neuen Otjosondu unterm

Zusammenstoß mit den Herero aus 10. September:Estorff stieß am

9. September bei Owinaua-Naua auf abziehende Werft Samuel Maharero, nahm es nach kurzem Widerstände im dichten Busch. 50 Herero tot; dies­seits ein Reiter leicht verwundet. Haupttreck der Herero anscheinend Flucht nach Südosten. Deimling im Vor­marsch von Oparakane nach Osten; Ostorff folgt über Okarupoko. Reitzenstein sperrt Wasserstellen Otjimbinde bis Okunjahi, Meister folgt Deimling über Oparakane. Kommando Oparakane.". DieNordd. Allg. Ztg." glaubt aus den Nachrichten des Generals von Trotha schließen zu können, daß die nun von jeder Zufuhr von außen abgeschlossenen Herero, die in wasserarme Gegenden gedrängt seien, bereits über wenig Munition verfügen.

Einem Aufstand im deutschen Bisurarck- Archipel sind zehn Europäer zum Opfer gefallen. Nach einer amtlichen Mitteilung des deutschen Gouverneurs in Herbertshöhe sind auf Neupommern am 13. August die Missionsstationen Sankt Paul, Nacharunep und die Trappisten-Niederlassung in den Bainingbergen auf der Gazelle-Halbinsel durch Eingeborene überfallen worden. Dabei wurden getötet: die Patres Rascher und Rntten, die Brüder Blev, Plaschaert, Schellenkens sowie die Schwestern Holler, Balka, Utsch, Schmitt, Rath. Die Polizeitruppe nahm sofort die Verfolgung der Mörder im Gebirge auf. Nach einer späteren Meldung des Gouverneurs wurde die Ruhe in den Bainingbergen wieder hergestellt. 15 Eingeborene seien im Kampfe erschossen und 21 gefangen genommen. Die Verfolgung dauere fort.

Vom Kriegsschauplatze in der Mandschurei meldet Marschall Oyama, daß große Massen russischer Kavallerie sich bei Pingtatze östlich Jantai gezeigt hätten; russische Infanterie befinde sich mit Artillerie längs der Eisenbahn zwischen Jantai und Mukden. Oyama fügt hinzu, daß die Russen wohl nur Fühlung behalten wollten.

Präsident Roosevelt hat in einem Briefe die Präsidentschaftskandidatur angenommen. Der Brief wendet sich in längerer Ausführung gegen die Kritik, die seine Gegner an seiner Verwaltung und Politik lachenden Jäger nicht zu verfehlen. Ihr Jubel ver- stummte, denn ihr natürliches Rechtsgefühl sagte ihnen, daß derDräsener" sie hintergangen und den armen Homobonus zu Unrecht verdächtigt hatte.

Wenn's so is, schwarze Rosel nachher hab uns nix für Uebel aber Du, Sachs, schaug, daß weiter kommst!" rief einer von dem vorher noch so fröh­lichen Dutzend und machte Miene, sich auf den schlauen Dräsener" zu stürzen.

Dieser aber war schneller wie er und hatte flugs das Hasenpanier ergriffen.

IV.

Mit Bruder Homobonus war seit jenem Abend eine seltsame Veränderung vorgegangen.

Die Welt erschien ihm mit einem Male anders.

Vier Wochen waren wieder vergangen, aber nicht einen Sonntag war er seit jenem Tage zu Hause ge­blieben. Immer wieder pilgerte er hinaus zu der Hütte auf der Haide, und je öfter er kam, desto freundlicher wurde er ausgenommen.

Seine Gebete waren zerstreut, seine Inbrunst war dahin, und wenn er zu der heiligen Jungfrau sein Herz erhob, dann erblickte er plötzlich den schwarzen Lockenkopf, und wenn er zehnmal mit seinemAve

geübt haben. In Erwiderung auf die Erklärungen Parkers tritt Roosevelt für seine Politik und für die Art und Weise ein, wie die Flotte für deren Aus­führung benutzt wurde, und rechtfertigt die Entsendung von Kriegsschiffen nach Panama, Beirut, Tanger, Smyrna zu verschiedenen Zeiten. Irgend ein Auf­geben der Philippinen würde eine Katastrophe bedeuten, und die Stimme der Vereinigten Staaten würde im fernen Osten nichts mehr gelten, wenn sie die Philippinen aufgäben. Der Brief schließt mit den Worten:Wir halten uns immer vor Augen das wichtigste Ziel der Politik und Verwaltung, nämlich die Herrschaft des Friedens im Lande und in der ganzen Welt."

Males und Provinzielles.

Schlächtern, 16. September 1904.

* Die Tage militärischen Lebens, welche unsere Stadt durch die während der diesjährigen Mannövers stattgehabte Einquartierung zuteil geworden, sind nun zu Ende und die alte Stille ist wieder bei uns ein­gekehrt. Gern aber und noch auf lange hinaus wird Alt und Jung sich ihrer erinnern. Offiziere und Mann­schaften belebten die Straßen, Ordonnanzen 'und Rad­fahrer durcheilten dieselben und auf den freien Plätzen wurden Appels abgehalten. Morgens ertönten die Klänge der Reveille, am Tage die der Platzmusik und abends des Zapfenstreichs. Die Mannschaften hatten sich schnell in ihre Quartiere eingewöhnt und sprachen es überall unverhohlen aus, daß sie eine so freundliche vortreffliche Aufnahme nur selten gesunden hätten. So hat denn, wie nicht anders anzunehmen war, unsere Bürgerschaft sich wiederum als eine gastfreundliche be- währt, da sie die Last der Einquartierungspflicht nicht hat empfinden lassen, sondern ihnen alles, auf was sie Anspruch haben und meist noch mehr geboten hat. Deshalb werden auch die Soldaten die hier gehabten guten Quartiere stets in freundlicher Erinnerung be­halten. Andererseits hat aber auch die Militärmusik nicht allein auf Märschen und bei den Strapazen des Mannövers aus die Soldaten, sondern auch auf uns durch ihr vorzügliches Konzert eine hervorragende Wirkung jausgeübt. War es uns doch wieder einmal vergönnt, mustergiltige gute Musik für wenig Geld zu hören, und so war denn auch der Besuch des im Hotel Stern stattgefunden Militärkonzertes ein überaus starker. Das ist, wie gesagt, nun alles vorbei, nur die Er­innerung bleibt auch für uns noch übrig, denn schön wars doch.

* Herbst! Nun ist auch der Sommer dahin, der Herbst zieht ins Land. Am Freitag, den 23. Septbr. tritt die Sonne in das Zeichen der Waage, sie gelangt wieder zum Aequator und macht zum zweiten Male im Jahre Tag und Nacht einander gleich. Wie .ein besiegtes, aber doch noch streitbares Heer nimmt sie ihren Rückzug. Die Nächte werden zusehends länger, trüb und grämlich wird es oft nun bald am Tage ausschauen und wallende Nebel, welke, fahle Blätter und herbstliche Stürme werden in Kürze die Signatur der Zeit bilden. Sieht es doch diesmal Fchon feit Maria" von vorne anfing er war nicht im Stande, es zu Ende zu beten, ohne daß er an sie dachte draußen auf der Haide.

Es war fast ein fieberhafter, traumhafter Zustand, in dem er lebte trotzdem vernachlässigte er seine Pflichten nicht.

Im Gegenteil, er war aufgeweckter, lebhafter, ge­wandter in Allem es schien ihm beinahe, als hätte er bisher gar nicht empfunden, was sein Körper leisten könne und was es heißt, ein gesunder, jugendkräftiger Mensch zu sein.

Sein Gesicht verlor den strengen asketischen Aus­druck, es erhielt eine rosige Farbe, und in den Augen funkelte ein Feuer, wie sie es niemals besessen.

Seinem Herrn Hauptmann war diese Veränderung nicht entgangen, und als er eines Tages der Mutter der Kompagnie seine lebhafte Verwunderung darüber aussprach, da zwinkerte der alte Graubart mit den Augen und meinte:Herr Hauptmann, i glaub, der junge Mann geht halt aa nimmer ins Kloster zurück. Er is a Götzendeaner word'n und tuat jetzt zu der heiligen Rosalie bet'n anstatt zu der heiligen Maria."

Als nun der Kompagniechef erstaunt den Kopf schüttelte, da kramte Vater Huber vollständig sein Ge»