WWmmÄillW
Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 74
Amtliches.
J.-Nr. 5746. Wegen vorzunehmender Ausbesserungsarbeiten wird die Brückenauer Landstraße zwischen Vollmerz und Sannerz von Station 5,9 bis 7,8 bis Ende d. Mts. für den öffentlichen Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Schlächtern, den 10. Sept. 1904.
Der komm. Landrat: I. V.: Schultheiß.
Der auf Donnerstag den 22. September 1904 in hiesiger Stadt angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um 7 Uhr morgens begonnen werden.
Fulda, den 7. September 1904.
Der kom. Landrat: Springorum
Deutsches Reich.
— Der Kaiser nahm am Mittwoch bei Helgoland eine Flottenparade ab und wohnte einem Gefechtsmanöver zwischen dem ersten und zweiten Geschwader bei.
— Der Kaiser trifft, wie nunmehr feststeht, am 19. d. M. in Ilse (Memeldelta) ein, von wo aus er sich direkt nach Forsthaus Paith zur Elchjagd begeben wird Der Monarch wird per Bahn über Königsberg bis Cranzbeek und von dort an Bord des Regierungsdampfers „Graf Bismarck" über das Haff nach dem Hauptrevier Tawellningken reifen. Nach einem etwa dreitägigen Aufenthalte in Paith wird die Weiterreise nach Rominten angetreten. In Cadinen trifft der Kaiser voraussichtlich am Freitag den 16. d. M., 7’/i Uhr morgens, ein. Der Aufenthalt daselbst ist neueren Dispositionen zufolge auf vier Tage festgesetzt.
— Die 57. Jahres-Versammlung des Gustav Adolf-Vereins wird vom 19. bis 23. September -n Heidelberg abgehalten werden.
— Wie viel Teilnehmer am Feldzug 1870/71 sind noch am Leben? Um zu ermitteln, wie viel Teilnehmer an dem Feldzuge 1870/71 noch am Leben sind, wird der Verband deutscher Kriegerveteranen, der an 50,000 Mitglieder zählt, an den Reichskanzler eine Petition richten, in der gebeten wird, die fragliche Zahl bei der nächsten Volkzählung feststellen zu lassen, und zwar durch Einführung einer neuen Spalte auf den Zähl- listen. Schätzungsweise wird gegenwärtig angenommen, daß von den 1,250,000 deutschen Kombattanten des Krieges von 1870/71 noch 550,000 am Leben sind.
. — Se. Königl. Hoh. der Großherzog von Darmstadt hat zu den Herbstmanövern den Prinzen Ludwig von Battenberg nebst Gemahlin sowie dessen Schwiegersohn, den Prinzen Andreas von Griechenland nebst Gemahlin zur Teilnahme an den Manövern der 25. Division in Oberhessen eingeladen und werden die Herrschaften vom 15. d. M. ab mit Gefolge auf Schloß Romrod als Gäste des Großherzogs Wohnung
Glänzendes Elend.
Roman von Arthur Roehl.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Er war eine vollkommene Leiche. Nun führt er bei den Alexander-Dragonern einen Train, daß dem ganzen Regiment die Augen übergehen."
„Er hat — eine Schlofferstochter geheiratet — hä?" fragte ein anderer der jungen Herrn an dem Tisch.
„Mit zwei Millionen — ja — die ihm die bittere Pille überzuckern mußten."
„Brrr," schüttelte sich der ganz am anderen Ende der Tafel sitzende spindeldürre Fähnrich, daß ihm das talergroße Monokel aus dem Auge und in die Suppe, die vor ihm dampfte, fiel. „Scheußlich — nicht wahr, möchten Sie eine Schlofferstochter heiraten, Wachmar."
»Das Leben ist schön, oh Königin," philosophierte weiter oben am Tische ein Premier, der wohl schon seine Lebenserfahrungen gesammelt hatte.
In der Tat, das Leben ist schön! Zweifach! Drei- fach schön! Zumal wenn man Leutnant in dem stolzen Wandsbacher Husaren-Regiment ist.
, Die Welt beugt sich vor einem; wo man geht und iwht macht man in feinem goldgestickten und silber- verschnürten Rock Furore. Alles dreht sich nach einem um und bewundernd hört man sagen: „Das da, das Schwadron Sekonde gewesen, “in Berlin wiedergesehem 'st der Herr Leutnant!" Schufst..
Aber was man als Leutnant von den Wandsbacher Flottsten einer in Wandsbach gewesen. Als er ihn
Mittwoch, den 14. September 1904 ^««■■■■■■■■■■i
nehmen. Prinz Ludwig wurde bekanntlich vor einiger Zeit nach seiner Ernennung zum Admiral der englischen Flotte zum General ä la suite des Artillerie-Regts. Nr. 25 ernannt.
— Aus Dresden wird Berliner Blättern berichtet: König Georg liegt zwar wieder der Jagd ob, doch dürfe dies über seinen Zustand nicht hinwegtäuschen. Wenn auch die asthmatischen Beschwerden fast ganz beseitigt seien, bestehe doch das Hauptleiden, eine schwere Arterienverkalkung, weiter. Eine Folgeerscheinung sei eine neuerdings aufgetretene Wadenschwellung mit großer Schwäche in den Beinen. Deshalb müsse der König auf der Jagd nach dem Stand getragen werden. — Hierzu bemerkt die „Deutsche Tagesztg.": Daß König Georg unter gewissen Anfechtungen des Alters zu leiden hat, ist bekannt und nicht verwunderlich. Sein Befinden kann aber im großen und ganzen als befriedigend bezeichnet werden und gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß.
— Wegen des dort herrschenden Wassermangels fallen die Korpsmanöver des 16. Armeekorps, die in der Gegend von Diedenhofen stattfinden sollten, fort.
— Das ungefähr 20 000 Doppelwaggons umfassende Kohlenlager des Kohlensyndikats an der Eisenbahnstrecke Bottrop—Osterfeld geriet in Brand. Der größte Teil der Kohlen ist verloren.
Ausland.
Die Schlacht bei Liaujang
Ueber die Schlachttage von Liaujang gehen nunmehr von allen Seiten detaillierte Schilderungen ein, die eine übersichtliche Darstellung der Ereignisse ermöglichen. Sie legen alle beredtes Zeugnis ab von Der Furchtbarkeit des großen Ringens, das nicht mit Unrecht eines der überwältigendsten Ereignisse der modernen Kriegsgeschichte bezeichnet wird. Nach einem langen Aufenthalte in Haitschöng wandte sich das zweite Armeekorps unter General Okus Führung mit der dritten, vierten und sechsten Division nach Norden, um zu den Armeen Nodzus und Kurokis zu stoßen. Nodzus Armee, welche in Takuschan gelandet war, bestand aus der fünften und zehnten Division und der kaiserlichen Garde. Alle diese Truppen standen unter dem Befehl des Marschalls Oyama.
Am 27. August begann der Artilleriekampf. Die Russen waren stark verschanzt auf den felsigen Anhöhen südlich von Anschantschan und erwiderten kräftig die schreckliche Kanonade der Japaner, bereit Infanterie sich während dieses Tages am Fuße der Hügel verschanzte. Der allgemeine Angriff war vorbereitet. Am 28. Aug. begann beim Morgengrauen das Feuer. Die russischen Batterien waren sehr gut versteckt und ein Luftballon schwebte über den Höhen und beobachtete die Stellung des Feindes. Gegen Mittag konnte -man die japanische Infanterie bemerken, wie sie den Höhenzug über- Husaren auch für eine Figur macht, wenn man fönst Scheitel bis zur Sohle — ä quatre inglas — wie aus dem Ei geschält, die Schnurrbartspitzen in die Höhe gezwirbelt und die rote leuchtende Mütze schief auf den Ohren durch das Monokel alle Frauen, denen man auf der Promenade begegnet, wie Schmetterlinge auf der Nadel aufspießt.
Wie auf lichten, unnahbaren Höhen wandelt man über das irdische Jammerleben, ein Mensch höherer Gattung zwischen allen den Menschen niederer Art. Und nun kommt — man denke — ein Tag, wo man sich vor die Aussicht gestellt sieht, aller Privilegien dieses höheren Lebens verlustig zu geben! Der kleine spindeldürre Fähnrich, der in dem Kasino der Wandsbacher Husaren vor Entsetzen über die Mesalliance eines Kaiser-Kürassiers mit einer Schlosserstochter das Einglas in die Suppe geschüttelt, hatte vielleicht noch nicht lange genug seine krepprote Attila an, um zu ermessen, was es hieß, sie für immer ausziehen zu müssen.
Der philosophische Premier, der ihn an der Götter Zorn mahnte, wußte es aber. Er hatte mit Schaudern den grauenvollen Absturz schon so manch eines Kame- raden mitangesehen. Er wußte, was es heißt, Leutnant a. D.! Eiskalt durchrieselte es ihn, wenn er daran dachte, wie er Anfang des Jahres den kleinen Ehren- reich Schlieffen, mit dem er zusammen bei der dritten
Schliessen war, so lange er im Korps war, der
aeiOBilll lUMHMII I
schritt, während das Feuer der russischen Batterien allmählich verstummte, zum Beweise, daß sich die Russen zurückzogen.
Am 29. und 30. August besetzten die Japaner An- schantschan. Die Gesamtzahl der japanischen Truppen belief sich auf 150000 Mann, die der Russen auf 100000 Mann. Angesichts einer solchen Aufstellung der Streitkräfte war es offenbar, daß eine der größten Schlachten der Welt geliefert werden sollte. Der Artilleriekampf dauerte bis zum Abend mit erschreckender Heftigkeit. Die Japaner hatten große Mühe, die russischen Batterien zu entdecken. Da die Russen die vorteilhaftesten Stellungen hatten, konnten sie dein Feinde große Verluste beibringen.
Am 30. August setzte der japanische Infanterie- Angriff ein, er scheiterte aber. Ein neuer Angriff begann darauf am 31. August um 2 Uhr morgens. Die dritte japanische Division wurde dabei von dem rechten russischen Flügel zurückgetrieben. Die fünfte Division bahnte sich mit Aexten den Weg durch die Drahthindernisse, erlitt aber furchtbare Verluste; ihr Angriff scheiterte an dem linken Flügel der Russen. Bei Tagesanbruch mußten die Japaner die Stellungen, welche sie genommen hatten, vor dem Granatfeuer der Russen räumen. Man nimmt an, daß die japanische Artillerie versehentlich auf die eigenen Truppen geschossen hat.
Am 31. August ging die fünfte japanische Division wieder sprungweise vor. Die Japaner verwendeten dabei in der Schützenlinie Handhaubitzen in Gruppen von je 12 Mann. Auch dieser Angriff scheiterte an der zweiten Linie der russischen Verteidigungswerke. Schließlich wurde auch ein dritter verzweifelter Angriff Okus um 7 Uhr abends niedergeworfen, obgleich ein Bataillon in die russischen Schützengräben gelangte. Ein weiterer
Augriss war für die 91 worden, da Kuropatkin
rofylen, aber unnötig ge- ätternacht die Räumung
der zweiten russischen Stellung befahl. Diese Angriffe hatten die Japaner mehr als 10000 Mann gekostet, ungerechnet die Verluste der zehnten Division und der Armee Kurokis. Die Japaner machten nur sieben Gefangene. Die Verluste der Japaner in den weiteren Kämpfen um Liaujang waren noch größer. In einer der geräumten Schanzen lagen russische und japanische Leichen in hohen Haufen nebeneinander.
Der 1. September war ein Erholungstag. Er wurde dazu benutzt, die Reserven heranzuziehen.
Am 2. September morgens war Okus Armee wieder im Kampfe. Oku und Nodzu hatten eine starke russische Stellung von 19 Kilometer Länge vor sich. Die russischen Schanzen zogen sich westlich der Eisenbahn nach Südosten durch die Vororte und Bauerngehöfte hin. Die dritte japanische Division versuchte eine Umgehung, während die ganze Artillerie der dritten Division einschließlich der schweren 15 Ztm.-Geschütze vom Zentrum aus feuerte. Die vierte japanische Di-
von ungefähr auf dem Asphalt von Berlin wiedersah, lief er schleunigst an ihm vorbei, um nicht in die Verlegenheit zu geraten, von ihm vor aller Welt angespro« chen und begrüßt zu werden. Der kläglich schäbig, kostümierte ehemalige exklusive Husar war, wie bekannt war, unter die Offizierswechselschlepper gegangen. Und kein viel besseres Loos Hatwn alle die anderen gefunden, die sein Schicksal geteilt. Hasso Schewen, ehemals von der ersten Schwadron, war von Egon von Schlick als Kellner in einem Berliner Restaurant entdeckt worden, und Tassilo Rex hatte einen früheren Garde-Ulan als wohlbestallter Besitzer einer Droschke erster Klasse wiedergesehen.
Wenn man das alles sah, schien es sich doch am Ende zu lohnen, wenn die Not es gebot, mit feinem Standesdünkel ein Kompromiß zu schließen und dem fortschreitenden Unheil, noch ehe man sich auch dieser Chance begeben, durch eine Heirat unter seinem Stand zu steuern.
Schließlich hing doch ein Jeder am Leben.
„Schlippenbach von den Kaiser-Kürassieren war der Dümmste noch lange nicht," meinte Tassilo Rex eines Tages zu Egon von Schlick. „Ehe man so vor die Hunde kommt wie Scheewen und Leers, besser man heiratet sich ein Portemonaie und drückt die Augen zu, wenn man in den sauren Apfel hineinbeißt."
Was so ungefähr dasselbe ist, als was mir kürzlich mein würdiger Alter aus Berlin geschrieben'" gestand der Sproß des Hauses von Hohenschlick (F. f.)