Schlüchterner^eitun g
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
«M 73. Samstag, den 10. September 1904. 55. Jahrgang.
Amtliches.
J.-No. 2978 K.-A. Die Herren Bürgermeister in Ahl, Altengronau, Bellings, Breitenbach, Breunings, Eckardroth, Elm, Gundhelm, Hohenzell, Heubach, Hütten, Herolz, Jossa, Kressenbach, Kerbersdorf, Marjoß, Mottgers, Marborn, Neuengronau, Neustall, Niederzell, Oberkalbach, Oberzell, Romsthal, Seidenroth, Sterb- ftitz, Schwarzenfels, Sannerz, Sarrod, Uttrichshausen, Uerzell, Ulmbach, Vollmerz, Wallroth, Weiperz, Wei- chersbach und Züntersbach sind die genehmigten neuen Biersteuerordnungen in den letzten Tagen zugegangen.
Die Ordnungen sind in der Gemeinde öffentlich bekannt zu machen.
Daß dies geschehen, ist unter Angabe des Tages der Veröffentlichung innerhalb 10 Tagen hierher an- zuzeigen.
Schlüchtern, den 6. September 1904.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Graf zu Solms.
Deutscher Reich.
— Die Kaisertage in Hamburg endigten am Dienstag Abend. Der Kaiser hatte im Laufe des Tages Vorträge gehört und das Verwaltungsgebäude der Hamburg-Amerika-Linie besucht; er verweilte länger als eine Stunde in den Zeichensälen und nahm von den Plänen der für die Gesellschaft im Bau befindlichen Schiffe Kenntnis. Die Kaiserin besuchte Wohltätigkeitsanstalten. Zur Mittagstafel auf der „Hohen- zollern" waren der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin geladen. Abends begaben sich die Majestäten nach dem Hamburger Rathause wo , große Festtafel stattfand, bei welcher der Kaiser sein Glas auf das Wohl der alten Hansastadt leerte. Der Markt mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal war festlich, deleuchtet. Tausende von Menschen hatten sich eingefunden und bereiteten dem Kaiserpaare Huldigungen. Eine Vorstellung im Schauspielhause beschloß den Abend. Die Kaiserin reiste nach Plön zum Besuch ihrer Söhne, der Kaiser fuhr mit seiner Jacht elbab- wärts. Am Mittwoch nahm er vor Helgoland die Flottenparade ab.
— Die im nichtamtlichen Teile des „Reichs-Anz." Montag gemeldete Verlobung des deutschen Kronprinzen, wird unter dem 6. September formell im amtlichen Teile gemeldet. Es wird bemerkt, daß die Verlobung mit Bewilligung des Kaisers sowie unter Zustimmung der Kaiserin, des Großherzogs von Mecklenburg- Schwerin und der Mutter der Braut stattgefunden habe und daß dieses frohe Ereignis aus Allerhöchsten Befehl zur öffentlichen Kenntnis gebracht werde. Die Hochzeit soll — wie verlautet — noch nicht in diesem Jahre statifinden; über den Termin ist noch nichts bestimmt.
Glänzendes Elend.
Roman von Arthur Roehl.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Im übrigen hatte er es schon stets — aber warum ' nur? — ängstlich vermieden, Franziska Dudeks Namen vor seiner Gemahlin Erwähnung zu tun.
IV.
r Wie jede große Familie hat auch jedts Offizierkorps der Armee seine räudigen Schafe. Das Regiment mag noch so vornehm und exklusiv sein, dann und wann führt Leichtsinn junge lebenslustige Kavaliere immer wieder zu Falle.
Die Wandsbacher Husaren, die sich zur allerersten Provinzial-Kavallerie fast von Garderong zählten, konnten ein Lied davon singen. Wie march einer, der in ihren Reihen geglänzt und die Freude: des Lebens bis auf die Neige gekostet, war nicht fckm, wie man so sagt, unter »den Schlitten geraten. Irgend einen aber gab es stets im Korps, von den man wußte, daß er sich nur ganz kurze Nasenlärgen vor dem Ruin befand.
Zur Zeit gab es bei den Wands'acher Husaren sogar zwei, denen in intimen Kreisen mm schon längst , >hre Leichenreden hielt, und es schien n.r verwunder« kich, daß beide bisher immer noch in de Balance geblieben waren.
— Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern stürzte am Montag im Regensburger Manöverterrain mit seinem Pferde. Die Eltern, das Herzogspaar Karl Theodor, reisten vormittags zu ihrem Sohne. Der Herzog hat bei dem Sturze eine Gehirnerschütterung, jedoch keine weiteren Verletzungen erlitten. Das Befinden des Herzogs ist den Umständen entsprechend zufriedenstellend.
— Fürst Herbert Bismarck ist an einem akuten Leberleiden erkrankt, das eine erhebliche Abmagerung des Patienten zur Folge hatte. Der Fürst kann sich nur mit Hilfe eines Stockes im Zimmer bewegen und mußte unter diesen Umständen auch auf eine Erholungsreise verzichten. Hoffentlich bessert sich der Gesundheitszustand des ältesten und nach dem Tode des Grafen Wilhelm einzigen Sohnes des großen Kanzlers bald wieder.
Ausland.
— Nach dem Bericht eines russischen Zeitungskorrespondenten veröffentlichen die „Now. Wremja" den japanischen Kriegsplan. Derselbe soll darauf hinausgehen, vor allen Dingen Port Arthur vor Eintreffen der baltischen Flotte einzunehmen. Dem Landkrieg messe Japan keine weitere Bedeutung bei, als den Zweck, die Russen von einem Entsatz der Festung abzuhalten. Dann beabsichtige Japan Sachalin, Kamtschatka und die Kommodore-Inseln zu erobern. Japan fei es nur um den dauernden Besitz von Port Arthur und die unbedingte Vorherrschaft auf der See zu tun.
— Ueber die Ursachen des Rückzuges von Liaujang auf Jentai berichtet ein Telegramm des „B. T.", die Tatsachen kurz zusammenfassend, folgendes: Auch am 31. August waren alle Angriffe der zweiten und vierten japanischen Armee abgewiesen und starke Kräfte in Reserve gehalten worden. Inzwischen gingen die Divi- Msen des Befehlshabers der 1. japanischen Armee UHier K^k-nver-ven -TMayv^-iveThald Kuropatkin gegen ihn marschierte, einen Teil des Heeres in einer rückwärtigen Stellung in Liaujang zurücklassend. Alsbald ging Oku am Mittag des 1. Sept. von neuem vor, er bombardierte am 1., 2. und 3. Sept. die russische Stadt Liaujang, den Bahnhof, die Schanzen und griff wiederholt energisch an. Die Verbindung zwischen Mukden und Liaujang war bis zum 3. Sept. mittags frei. Am 2. Sept. kämpfte General Kuropatkin 12 Kilometer südwestlich von Jantai gegen Kuroki, der sich abwartend verhielt. Die Verluste der Russen in den fünftägigen Kämpfen betragen etwa 100Ö0, die der Japaner 20 000 Mann. Liaujang wurde in der Nacht von den Russen aufgegeben, die in voller Ordnung über den Taitsaho zurückgingen.
— In dem Telegramm des russischen Generalstabes vom 3. d. M. (an Petersburg 4. 9.) wird ausdrücklich bestätigt, daß es der Armee Kuropatkins gelang, gegen die kühne flankierende Bewegung Kurokis eine
Die beiden jungen Herren waren übrigens gerade diejenigen, die das Regiment sogar in gewissem Sinn am schneidigsten repräsentierten. Jedenfalls war es unbestritten, so, ohne das Monokel im Auge zu halten, so köstlich über Nicht-Seinesgleichen die Nase zu rümpfen, wenn man mit laut klirrenden Sporen durch die Straßen der Garnison schritt und mit solcher Höflichkeit Kameraden zu grüßen, die anstatt bei der allein für voll geltenden Kavallerie bei der von allerhand minderwertigen Elementen durchsetzten Infanterie oder sonst einer „Handwerkstruppe" standen, das machte ihnen selbst bei den Wandsbacher Husaren nicht so leicht einer nach.
Um so bedauerlicher schien es, daß solche Größen der Armee nicht sollten erhalten werden können.
Jedoch die Sache lag leider windig.
Vor Schulden mußten beide, das stand bombenfest, kaun: noch aus den Augen sehen können. Endlose Beschwerden liefen von ihren Gläubigern beim Regiment ein und schon mehr als einmal hatte der Herr Oberst sie unter vier Augen vorgenommen und ihnen ernstlich geraten, den das Offizierskorps diskreditierenden Umständen „so oder so", wie er mit offenkundiger Anspielung auf den unter solchen Umständen sich empfehlenden Austritt aus der Armee sagte, abzuhelfen.
In dem Kasino erwägte man, wenn sie nicht zugegen waren, die Chancen, die sie auf Errettung durch ihre Familien besaßen, und bei dem einen wie bei dem anderen kam man auf das Resultat: Keine!
neue Front zu bilden, und zwar einschließlich des 1s sibirischen Armeekorps. Diese Front wird von den Steinkohlengruben von Jentai etwa nach Sikwantun am Taitsaho gehen. Wie lange diese Front, namentlich bei dem gleichzeitigen Druck von Süden her standhalten wird, ist schwer zu sagen. Eine lange Widerstandskraft kann man ihr nicht zusprechen. Bricht sie zusammen, bevor das Gros des russischen Heeres Jentai passiert hat, dann steigert sich die Katastrophe, in die das Heer Kuropatkins bereits verwickelt ist, noch weiter ganz erheblich und muß voraussichtlich mit der Gefangennahme und Zertrümmerung der letzten in den Marsch gesetzten Heeresteile enden. Das ist aber das unausbleibliche Schicksal aller Arrieregarden bei derartigen Schlachten- entscheidungen gewesen."
Beide Teile, die Japaner nicht minder als die Russen, sind durch die tagelangen schweren Kämpfe und besonders durch Mangel an Proviant furchtbar erschöpft. Sowohl Russen wie Japanern war es zuweilen 48 Stunden lang nicht möglich, den Kämpfenden Nahrung zu bringen. Trotzdem lassen die Japaner nicht nach, dem Schritt für Schritt sich hartnäckig wehrenden Gegner nachzu- drängen. Diese fortdauernde Gefahr wird am allerwenigsten im russischen Hauptquartier verkannt, wie aus folgendem amtlichen Telegramm hervorgeht:
Petersburg, 5. Sept. General Kuropatkin meldet dem Kaiser unter dein heutigen Datum: Der Rückzug unserer Truppen aus Liaujang nach dem rechten Ufer des Taitseflusses wurde in der Nacht zum 4. Septbr. in Ordnung beendet. Unbedeutende Versuche des Gegners, uns zu verfolgen, wurden durch unsere Arrieregarden vereitelt. Im Verlauf des 4. Sept. verstärkten die Japaner ihre Stellung gegenüber unserem linken Flügel, indem sie sich von den Steinkohlengruben von Jantai nach Norden wie auch in der Richtung Bensiy'.yMukden ausbreiteten. Wie festgestellt worden ist, setzen die Japaner auf das rechte Ufer des Taitse- flusses westlich von Bensihu über.______
LokalesmldPro^
Schlüchtern, 9. September 1904.
—* In der letzten Vorlesung behandelte Herr- Professor Diemar die ältere Landgrafenzeit v. 1264 bis 1458, also den Zeitraum vom Regierungsantritt Heinrich I. bis zum Tode Ludwig I. Er wies besonders nach, welche schweren Kämpfe die hessischen Landgrafen zu bestehen hatten, um ihren Besitz zu behaupten. Vor allen Dingen war es das Erzbißtum Mainz, das ihnen viel zu schaffen machte und das in Verbindung mit anderen Feinden Hessen während dieser Periode nicht weniger als 3mal an den Rand des Verderbens brächte. Aber die zähe Ausdauer der Fürsten und die kräftige Unterstützung der Städte hatten zur Folge, daß der drohenden Gefahr schließlich doch erfolgreich begegnet und Hessens Bestand gesichert wurde. Die hessischen Landgrafen aus dieser Periode sind:
Weder Schlick noch Rex konnte Hilfe daher erwarten. Graf Thassilo Rex, der es verstanden, sein väterliches Erbteil, ein schönes, rundes Vermögen, an den Generationen seines Geschlechtes gespart, in kurzen Leutnantsjahren „alle zu machen", hatte alle seine Vettern und Muhmen bereits so stark in Kontribution gezogen, daß man in einem Familienräte beschlossen, den Geldvertuer nicht länger in seinem Treiben zu unterstützen. Und was von Papa Schlick auf Hohenschlick zu holen war, das war in Wandsbach genau so gut bekannt wie in Berlin.
Das Schlimmste bei allen war, daß ihnen auch jede Aussicht abgeschnitten schien, sich durch eine entsprechende Heirat über Wasser zu halten. In der Umgegend von Wandsbach gab es eine Menge adeliger Güter, wo junge heiratsfähige Edelfräuleins heranwuchsen. Graf Thassilo Rex hatte sich, als er den Strick um den Hals fühlte, wohl auch schon ein paar Mal auf Freiersfüße zu stellen versucht, aber es war ihm überall abgewinkt worden. Und Egon Schlick konnte einem vorsichtigen Familienvater kaum ein sicherer Kantonist und wünschenswerterer Eidam dünken.
„Wird ihnen nichts anderes übrig bleiben," strich sich an der Kasinotafel der zweiundzwanzigjährige Leutnant von Kraatz sein Bärtchen, „als es wie Schlippen- bach von den Kaiser-Kürassieren. Bei den Kürassieren war Schlippenbach auch soweit fertig, daß ihm keiner mehr auf sein Portepee einen Taler gab.
(Fortsetzung folgt.)'