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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 72

Mittwoch, den 7. September 1904

Fortwährend

werden Abonnements auf die SchUichterurr Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.__________ _____

Deutsches Reich.

Die Verlobung des deutschen Kronprinzen mit der Prinzessin Ceeilie von

Gelbeusande, 4. Sept. (W.B.) Die Verlobung des deutschen Kronprinzen mit der Herzogin Cecilie von Mecklen­burg ist offiziell bekannt gegeben worden. - (Die Verlobung des deutschen Kronprinzen, der gestern im Jagdschloß Gelbensande eingetroffen, ist die offizielle Bestätigung rasch erfolgt. Kronprinz Friedrich Wilhelm steht jetzt im 23. Lebensjahre. Seine Braut, Herzogin Cecilie Auguste Marie von Mecklenburg, ist die jüngste Schwester des regierenden Großherzogs Friedrich Franz IV. und am 20. September 1886 in Schwerin geboren. Der Großherzog ist seit kurzer Zeit mit einer Tochter des Herzogs Ernst August von Cumberland verheiratet, mit dessen Hause nunmehr das deutsche Kaiserhaus in ein engeres verwandtschaftliches Verhältnis tritt

Altona, 4. Sept. Gegen Ende der beim Kaiserpaar für die Provinz Schleswig-Holstein gege- Henen Tafel teilte der Kaiser die Verlobung des Kron­prinzen mit der Herzogin Cecilie von Mecklenburg mit. Die Worte des Kaisers wurden mit großem Jubel und Hochrufen ausgenommen. Seine Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin trafen am 3. Sept. um 6.30 Uhr nachmittags auf dem Bahnhof Altona ein. Zum Empfang war Seine Königl. Hoheit Prinz Friedrich Leopold anwesend. Aus dem Bahnsteig er­wies eine Ehrenkompagnie des Infanterieregiments Graf Bose (1. Thüringisches) No. 31 die Honneurs. Hier fand auch ein großer militärischer Empfang statt, während die Spitzen der Zivilbehörden der Provinz und der Stadt Mona im Fürstenzimmer des Bahnhofs empfangen wurden. Die Majestäten begaben sich zu Wagen mit Eskorte vom Husaren-Regiment Königin Wilhelmina der Niederlande (Hannoversches) No. 15 durch die Feststraßen zum Liegeplatz der Hohenzollern bei Neumühlen. Die Truppen bildeten Spalier, die Glocken läuteten, eine ungeheure Menschenmenge be­grüßte die Majestäten mit jubelnden Zurufen. Vor der Hohenzollern stand eine Ehrenkompagnie vom Fü­silier-Regiment Königin (Schleswig-Holsteinisches) No. 86. Die Majestäten nahmen auf der Hohenzollern

Glänzendes Elend.

Roman von Arthur Roehl.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Es sollte nicht gespart und nicht gefeilscht, und wovor Arnold Stahl am meisten Angst gehabt hatte, nichts geborgt werden. Darum hatte er Miras Vater, der übrigens auf seine Vorschläge rascher einging, als « es vorausgesehen, verständigt und ihm erklärt, daß er für jedes Arrangement, das er traf, schadlos ge­halten werden sollte. Er hatte sich von ihm vorrechnen lassen, auf Wiviel ihn die Hochzeit, mit allem, was darum und daran hing, kosten konnte und dann hatte er ihm die Summe, die jener ihm namhaft gemacht, eingehändigt. Und nun schien, wie aus Herrn Krötkes Brief hervorging, von allen diesen mit Herrn von Schlick verrechneten Posten nicht einer beglichen worden zu sein.

Die Menschen stürmen unsere Kasse," schrieb der Geschäftsverwalter,und skandalieren vor den Arbeitern auf dem Brauhof, wenn ich sie mit ihren Rechnungen unserer Kasse abweise und sie an Herrn Baron Schlick weise, von dem sie erklären, wieder an uns ge­wiesen zu sein. Richtig turbulente Scenen haben sich deretts ein paar Mal auf unserem Hofe abgespielt und den Besitzer des russischen Hofes, der an der Kasse die ^echnung für ein in seinen Sälen am X. Oktober ser- srertes Diner von 40 Gedecken das Hochzeitsdiner

Wohnung. Als das Kaiserpaar sich auf die Hohen- zollern begab, feuerte der kleine Kreuzer Hamburg den Kaisersalut. Hautburg, 4. Sept. Se. Maj. der Kaiser hielt heute vormittag (wie üblich) auf derHohen- zollern" Gottesdienst ab, an welchem die Kaiserin, der Reichskanzler, sämtliche Damen und Herren des Ge­folges und Mannschaften derHohenzollern" und des KreuzersHamburg" teilnahmen. Nachmittags um 3 Uhr hielt Ihre Majestät die Kaiserin in den Räumen des Altonaer Rathauses einen Empfang ab für die Damen des Adels der Provinz Schleswig-Holstein, der höheren Beamten aus der Stadt Altona, sowie für die Damen der höheren Offfziere des 9. Armeekorps. Altona, 4. Sept. Abends fand bei den Majestäten für die Provinz Schleswig-Holstein Tafel statt. Bei der Tafel im Kaiserhof brächte der Oberpräsident Wil- mowski einen Trinkspruch auf die Majestäten aus. Der Kaiser erwiderte mit einer Ansprache, die mit einem Hurrah auf die Kaiserin und die Provinz Schleswig-Holstein schloß. Gegen Ende der Tafel teilte der Kaiser die Verlobung des Kronprinzen mit der Herzogin Cecilie von Mecklenburg mit. Die Worte des Kaisers wurden mit großem Jubel und Hochrufen aus­genommen. Der Kaiser führte in seiner Rede auf die Ansprache des Oberpräsidenten Wilmoski aus: Wenn wir mit Dank gegen Gott die jetzige Blütezeit, den Aufschwung dieses Landes betrachten, so ist es unsere Pflicht, der Gestalt des edlen Fürsten zu ge­denken, der hier gelebt, der deutsch bis ins Innerste seines Markes, schwer und viel gelitten hat, ohne an seinen Idealen zu verzweifeln oder sich selber je untreu zu werden, der Himmel aber hat gefügt, daß der Glanz ^er neuerkämpften deutschen Kaiserkrone auch auf dem Haupt von Herzog Friedrichs ältester Tochter, der Kaiserin erstrahlen konnte. Was ich einst 1890 zu Glücksburg von der Kaiserin zu sagen mir gestattete, ist vom ganzen Lande nunmehr rückhaltlos anerkannt. Die Königin Luise gleich an Volkstümlichkeit, gewonnen durch Werke der Liebe an Armen und Leidenden, durch Stärkung und Pflege des Horts unseres Volkes, des Familiensinns, steht der Kaiserin Bildnis in den Herzen aller Untertanen unauslöschlich eingeprägt. Stolz blickt der Schleswig-Holsteiner auf die erhabene Tochter seines Landes. Wenn ich daher mein Glas erhebe, um auf das Wohl Schleswig-Holsteins zu trinken, so gilt es auch vornehmlich meiner geliebten Gemahlin, als der edlen Tochter des schönen meerumschlungenen Landes, als der ersten deutschen Frau, die Gott uns allen er» halten, möge als Segenspenderin bis in ferne Zeilen. Ihre Majestät mit ihrer Provinz hurrah, hurrah, hurrah!

Ausland.

Petersburg. Ein Telegramm des Generals Kuro- patkin an den russischen Kaiser meldet: In der Nacht zum

präsentierte, habe ich mich gezwungen gesehen, wegen der Ungehörigkeit der Sprache, zu der er sich vor den Ohren des Komptorpersonals gegen mich vergaß, mit Gewalt vom Hof herunterbringen zu lassen"

Das war gewiß eine Meldung, die einem die Galle ins Blut treiben konnte. Arnold Stahl hatte auf der Stelle aus dem Hotel von Sorrent nach Berlin tele­graphiert und seinem Geschäftsführer die erforderlichen Instruktionen erteilt, daß die widerwärtige Angelegen­heit nicht zum öffentlichen Skandal auswuchs. Indeß dann hatte er sich die unersprießliche Sache aus dem Sinne geschlagen. Was die Falten auf seiner Stirn furchte, wie er nach dem stillen Souper, das er ein­genommen, Seite an Seite mit Mira im Mondschein vor der glitzernden Bai von Neapel an der Rampe der Hotel-Terrasse stand, war etwas ganz anderes, was allerdings auch noch in Krötkes Zuschrift enthalten war, aber ganz unten am Ende des Briefbogens als Post- criptum gestanden hatte.

Da hatte Herr Krötke wie ganz nebenbei eines Gerüchtes Erwähnung getan, das hinter der alten Jn- genieurkaserne im Umlauf war, eines Gerüchtes, das seine Cousine, Franziska Dudek betraf, und dieses Ge­rücht hätte ihn eigentlich nicht im Geringsten aufzu- regen brauchen.

Und doch irritierte es ihn. Das Postscriptum machte ihm längere Gedanken als die ganze gegen das blamable Verhalten Papa Schlicks gerichtete Beschwerde seines Verwalters.

3. Sept. ging der Feind zum Angriff über und bemäch­tigte sich des größten Teils der von uns bei Sikwantun besetzt gehaltenen Stellungen. Unsere Truppen, die diese Stellungen besetzt hielten, zogen sich auf die Nach­hutstellungen auf die Linie der Dörfer Tschansutun- Chitscheutsi, auf halbem Wege zwischen Liaujang und Sikwantun, zurück. In derselben Nacht zog sich das erste sibirische Armeekorps, das in den letzten fünf Tagen schwere Verluste erlitten hatte und dem Gefahr drohte von den überlegenen Streitkräften umgangen zu werden, um mehrere Werft lvestwärts zurück. Unter diesen Umständen habe ich den Befehl gegeben, Liau­jang zu räumen und nach Norden zurückzugehen.

Wie ein Telegramm Kuropatkins vom 3. Sep­tember an den Kaiser meldet, steht ein großer Teil der Armee einschließlich des ersten sibirischen Korps südlich von der Zweigbahn, die von der Station Jentai, 17 Werft nördlich von Liaujang, zu den Gruben von Jeutai führt. Die Japaner befanden sich zwar heute in unmittebarer Nähe der russischen Truppen, be­schränkten sich aber darauf, aus hohem Grase zu schießen. Die in Liaujang stehenden russischen Truppen setzen auf das rechte Ufer des Taitseflusses über.

Der Regierungsbote veröffentlicht aus Mukden ein längeres Telegramm vom 4. Sept. über die jüngsten Gefechte bei Liaoyang. Das Telegramm schließt mit der Erklärung, daß die russischen Verluste in den Tagen vom 25. August bis 1. September 3000 Mann be­tragen. Bezüglich der japanischen Verluste sei noch nichts bekannt, doch dürften dieselben das doppelte, wenn nicht gar das dreifache betragen.

Ein Bericht des Generals Ssacharow beschreibt die Kämpfe um j.Liaoyang und konstatiert, daß die sämtlichen Umgehungsversuche der Japaner gescheitert

sind. Mann des 2. wurde

Die Verluste der Japaner betragen über 3000 an Toten und Verwundeten. Der Kommandant sibirischen Armeekorps, Oberstleutnant Ozersky schwer verwundet. Die Kämpfe dauern fort.

Wie amtlich aus Tokio gemeldet wird, besetzten die Japaner am 4. Sept. heute früh 7 Uhr Liaujang.

Eine Meldung desReuterschen Bureaus" aus Petersburg vom 3. Sept. besagt, die Russen hätten Liaujang geräumt und dieses wäre von den Japanern besetzt worden; das erste sibirische Armeekorps unter General v. Slackelberg in Stärke von 25 000 Mann sei westlich von Liaujang durch die Japaner abge- schnitten worden.

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, 6. September 1904.

* Oesterreichische Taler sind jetzt vielfach im Verkehr, wohl eine Folge der Reisezeit. Sie gelten nur 2.40 Mk.

* Der frühe Einbruch der Dunkelheit läßt es angebracht erscheinen, an die rechtzeitige Beleuchtung

Sie muß toll sein," ging es ihm nicht aus dem Sinn.Sie und dieser Schelm!"

Herr Krötke hatte ihm nämlich geschrieben, daß man sich in den Kreisen, die dem alten Gerbermeister Dudek nahe standen, erzählte, daß seine Tochter im Begriff stand, die Braul eines Grafen zu werden. Und dieser Graf war Niemand anders als Thassilo Rex, der ausgebeutelte und ausgemergelte Schwerenöter von Geierkogelau.

War das möglich?

Er warf nacheinander, zwei drei Cigarretten, die zwischen seinen Lippen das Feuer verloren, über die Rampe und in die Tiefe der Klippen hinunter, aber er konnte sich nicht entschließen, seiner jungen Gemahlin die Neuigkeit, die sie gewiß doch auch interessieren würde, kund zu tun.

Sie hatten den ganzen Abend schweigend verbracht und schmerzlichst den Mangel jedes anregenden Ge­sprächsstoffes gespürt, aber sein Mund schien versiegelt. Er blickte aus dem Schatten der Terassensäule, wo er stand, nur ein paar Mal, scheu auf das weiße, vom Mond vollbeschienene Antlitz der jungen Frau. Er mochte ihr nicht wehe tun und hatte ihr darum ver­schwiegen, was Krötke ihm von dem Leichtsinn und der Unzuverlässigkeit ihres Vaters mitgeteilt hatte. Wärmn er ihr von der interessanten Nachricht, die in des Ver­walters Nachschrift enthalten war, nichts mitteilte, dafür hätte er sich selbst keine Gründe angeben können.

(Fortsetzung folgt.)