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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 68.
Mittwoch, den 24. August 1904.
55. Jahrgang.
Deutsches Reich.
— Das Zeremoniell bei der Taufe des Großfürst- Thronfolgers in Petersburg ist nunmehr festgestellt. Paten sind: Kaiserin Maria Fedorowna, Kaiser Wilhelm, König Eduard, der König von Dänemark, der Großherzog von Hessen, Prinzessin Viktoria von Großbritannien, Großfürst Alexei Alexandrowitsch, Großfürst Michael Nikolajewitsch und Großfürstin Alexandra Josifowna.
— Der derzeitige stellvertretende Chef der Rixdorfer Polizei, Polizeirat Boesel, ist dem Gouvernement in Windhok in Deutsch-Südwestafrika zur Verwendung im höheren Polizeidienst überwiesen worden. Er verläßt bereits am 30. d. M. Europa.
— Nach Deutsch-Südwestafrika ist am Sonnabend vormittag mit dem Dampfer „Silvia" ein Truppentransport in der Stärke von 36 Offizieren, 943 Mann und 205 Pferden abgegangen. Zur Verabschiedung hatte sich in Vertretung des kommandierenden Generals General v. d. Gröben eingefunden.
— Aus Petersburg wird verlautet, daß der Mörder des Ministers Plehwe, der als der Sohn des Kaufmanns Sazonoff aus Ufa feftgestellt wurde, vor vier Tagen gestorben ist. — Das in Umlauf gewesene Gerücht wird aus amtlicher Quelle für unrichtig erklärt. Sazonoff befindet sich in voller Genesung.
— Aus Petersburg wird gemeldet: Der Polizeichef von Karst Grosiow wurde, als er sich auf der Promenade befand, durch einen Revolverschuß getötet. Der Täter enttarn.
Ausland.
— Einer Depesche des Generals Stössel aus Port Arthur vom 16. August zufolge griffen die Japaner zwei Tage lang die Berge bei der Louisenbucht an. Alle Angriffe wurden zurückgeschlagen. Der dortige hohe Berg und der Divisionsberg befinden sich in den Händen der Russen. Die Verluste des Feindes sind sehr groß. Am Morgen des 16. August erschien bei den russischen Vorposten ein japanischer Parlamentär, Major Jamaoki, mit einem Schreiben, das von General Nogi und Admiral Togo unterzeichnet war und die Aufforderung enthielt, die Festung zu übergeben. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Die Truppen befinden sich in ausgezeichnetem Zustande und kämpften heldenmütig.
— Wie gerüchtweise verlautet, haben die Japaner das Fort Nummer 25 vor Port Arthur, eine Meile nördlich vom Goldenen Hügel, genommen. Eine Dschunke ist von den Miaotao-Jnseln in Tangschau eingetroffen und berichtet, sie habe gestern fünf japanische Kriegsschiffe gesehen, welche auf zwei nach Osten fahrende russische Schiffe Jagd machten.
— Aus Peking wird berichtet, die chinesischen Behörden verweigern jede Auskunft in der Angelegenheit
Glänzendes Elend.
Roman von Arthur Roehl.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Mira erkannte ihn auf den ersten Blick, wie er in seinem feschen dunkelblauen Nacht-Kostüm, das hier an der italienischen Table d'hote keinesweges mauvaiston war, auf sie zugeeilt kam.
„Herr Baron — Baron von Esebeck," rief sie aus. „Sie!"
„Me voila, meine Gnädige," sagte er, wie er die weißgantierte Hand nahm, die sie ihm reichte, sich zu gleicher Zeit mit dem Anstand eines Weltmannes M.dem Kavalier an ihrer Seite verneigend. „Lange (bey mit meiner Nacht aus Korsika an, und können sich denken — nein, wirklich! — können sich denken, wie ich freudig erstaunt bin —*
Er schwenkte mit der Hand und verneigte sich nochmals tief und eifrig vor Arnold Stahl, dabei selbstbewußt den Kopf zurückwerfend und mit etwas wie einem Fanfarenklang in seiner Stimme ihm seinen tönenden Namen zuwerfend.
„Von Esebeck und von Scheel, Haus Hohenstein," stieß er hervor.
Worauf Miras Gatte sich gleicherweise vorstellte: „Stahl!"
„Wir befinden uns nämlich auf der Hochzeitsreise,
der russischen Schiffe in Shanghai. Aus der japanischen Gesandtschaft wird das Gerücht dementiert, wonach Japan an China wegen der Angelegenheit der russischen Kriegsschiffe in den chinesischen Häfen ein Ultimatum gerichtet habe. Man versichert vielmehr, daß diese Angelegenheit auf freundschaftlichem Wege erledigt werden soll.
— Alle Nachrichten vom Kriegsschauplatze melden von den entsetzlichen Wirkungen des Bombardements der Japaner auf Port Arthur, das gleichzeitig zu Wasser und zu Land stattfand. Es hat in der Kriegsgeschichte nicht seines gleichen. Die japanischen Verluste werden auf 15 000 Mann geschätzt. Die Nachricht, daß die Russen mehrere Positionen zurückerobert hätten, bedarf der Bestätigung. Dagegen erwartet man in Japan nach dem letzten Jnfanteriesturm, in den nächsten Tagen das Fallen der Festung. Ein neuer Versuch mehrerer Kriegsschiffe, aus dem Hafen zu entkommen, ist gescheitert. Einige davon stehen in Flammen.
— Nach glaubwürdigen Berichten erhielten die Japaner vor Port Arthur 30 000 Mann Verstärkungen von Norden.
— Der Taotai setzte den russischen Konsul davon in Kenntnis, daß, falls die Aufforderung an die russischen Kriegsschiffe zur Entwaffnung oder zum Verlassen des Hafens nicht sofort entsprochen würde, die chinesische Regierung die Entwaffnung selbst vornehmen werde. Die Besatzung der Kriegsschiffe werde bis zur Beendigung des Krieges zurückgehalten. Der Taotai schlug den Russen die Erlaubnis zur Ausbesserung der Kessel des „Askold" ab. Er besteht darauf, daß der „Askold", der mit zwei betriebsfähigen Maschinen und zwei betriebsfähigen Kesseln eingetroffen sei, auch in demselben Zustande abfahren müsse.
— Der russische Kreuzer „Nowik", der auf der Fahrt nach Wladiwostok begriffen war, ist durch einen japanischen Kreuzer bei Korsakowa auf der Sachalin- Jnsel heute zum Sinken gebracht worden.____________,
Males und Provinzielles.
Schlüchtern, 23. August 1904.
Das neue Schuljahr an der hiesigen Präpa- randenanstalt beginnt am 10. Oktober. Aufnahmen finden nur für die III. Klaffe (die übrigen Klaffen sind vollständig besetzt) statt, und ist die Aufnahmeprüfung auf Montag, den 10. Oktober festgesetzt. Das Schulgeld beträgt 100 Mk. fürs Jahr und der Pensionspreis in städtischen Qurtieren etwa 400 Mk. Die Meldungen sind an den Königl. Seminardirektor dahier einzureichen.
—* Der Bartholomäustag (24. August) ist dem Gedächtnis des Apostels gleichen Namens geweiht, der aus Kana in Galiläa stammte und einer der ersten Jünger Jesu war. Im Jahre 70 nach Christi soll er in Arbanopolis in Armenien den Märtyrertod erlitten haben. Mit Bartholomäus fällt auch die berüchtigte
Herr Baron," fuhr Mira dazwischen. „Mein Gatte!" glaubte sie Arnold dem jungen Edelmann nochmals vorstellen zu müssen. „Wir haben vor acht Tagen erst Hochzeit gehabt, und wollen nun noch bis Neapel hinunter."
„Der Tausend," rief Herr von Esebeck aus, als hätte er die Situation nicht auf der Stelle durchschaut. Er ergriff, um ihr Glück zu wünschen, nochmals ihre Hand und dann schleuderte er mit einer abermaligen Verbeugung zu Stahl, die diesmal offenbar, „Ich gratuliere" heißen sollte, hervor.
„Stahl! Stahl! Potz, Blitz und Wetter! Gewiß! Kenne zwei Stahls! Einen bei den sechsten Dragonern, den anderen bei den Kürassieren Markgraf Bayreuth, Vielleicht Vettern — Brüder von Ihnen? Wäre zu famos! Wirklich beste Freunde von mir."
Und als er aus den Geberden des jungen Ehepaares entnahm, daß er sich mit seiner Annahme auf falscher Fährte befand, verbesserte er sich:
„Weiß! Weiß schon," sagte er. „Es giebt auch noch ein aus den Ostsee-Provinzen stammendes gräfliches Haus Derer von Stahl. Ein Graf Stahl hat, entsinne ich mich recht, vor Jahren die Xte Brigade in Oldenburg gehabt. Was?"
Er machte es mit allen seinen Anführungen aus dem Gothaischen Kalender der jungen Ehefrau, er konnte gar nicht denken, wie grausam schwer, es ihm einzugestehen, daß das Stahl, in das sie hineingeheiratet hatte, weder mit dem einfachen Adelsgeschlecht noch mit
Pariser Bluthochzeit zusammen, da in der Nacht vom 23. zum 24. August 1572 in Paris und anderen Städten Frankreichs bekanntlich jgegen 30000 Hugenotten, deren Häupter zur Feier der Vermählung des Königs Heinrich von Navarra mit Margarete von Balois nach Paris geladen waren, auf Anstiften der Katharina von Medici ermordet wurden. Ehedem feierten die Berliner am 24. August den berühmten urgemütlichen Stralauer Fischzug. Im Volksmunde fund im Leben des Landmanns spielt der Bartholomäustag eine hervorragende Rolle, da sein Verlauf von bestimmendem Einfluß für das Herbstwetter sein soll. Die Bauernregeln sagen von ihm: „Wie Bartholomäitag sich hält, so ist der ganze Herbst bestellt", „Wie Laurenz und Bartholmä, so dich auch der Herbst gesreu;" „Gewitter nach Bartholomäus bringen Schaden und keinen Genuß!" In vorchristlicher Zeit feierte man am 24. August den Schluß der Ernte und des Sommers, worauf mancherlei Volkssitten, die man noch heute feiert, zurückzuführen sind. Bei den Schweizern ist Bartholomäus der Schutzheilige der Drescher. Wie die Sage vermeldet, klingt ihr Zweischlag „Barthel, Barthel", bei dreien hört man „Bartholo, Bartholo", und bei vieren !„Bartholomä, Bartholomä!" Schließlich sei noch erwähnt, daß um Bartholomäus herum die Störche nach dem Süden ziehen.
—* Kaum hat die Rebhuhnjagd begonnen, da wird dies leckere Tierchen in großen Massen vertilgt. Die Nachfrage nach Rebhühnern ist sehr stark, ein Glück, daß die Ketten dicht und die Hühner selbst recht fleischig in diesem Jahre sind. Unsere Nimrode werden ja zu treffen wissen. Wie stark der Verbrauch von Reb- hübnern in Berlin z. B. ist, läßt sich daraus erkennen, bap einzelne große Wirte Abschlüsse bis zu 4000 und 5000 Stück mit Jagdpächtern gemacht haben.
—* Die Fleischpreise werden in der nächsten Zeit einen erheblichen Rückgang zu verzeichnen haben. Wie die Fleischer berichten, wird ihnen jetzt infolge des fiel# allerorten zeigenden Futtermangels mehr Vieh zum Kauf angeboten, als Bedarf dafür vorhanden ist. Angesichts des verstärkten Angebots bröckeln die Preise für Schlachtochsen, ausgemästete und namentlich halbfette Schweine ab. Letztere können schon um 1.50— 2.— Mark für den Zentner Schlachtgewicht billiger als seit einigen Wochen gekauft werden, ein fernerer Rückgang ist in nächster Zeit in Aussicht. Wenn, die Kartoffel ernte einigermaßen schlecht ausfällt, werden die Schweinepreise zum Herbst ganz rapide sinken, da die Landwirte dann den Schweinebestand erheblich reduzieren und die Schweinepreise schon jetzt rückgängige Tendenz verfolgen.
—* Sind Taschenuhren pfändbar? Das Oberlandesgericht in Hamm hat entschieden, daß in dem Falle, wenn ein Arbeiter seine Uhr zwecks pünktlichen Antretens zur Arbeit braucht, die Taschenuhr nicht gepfändet werden darf.
dem gräflichen Haus, auf das er anspielte, irgend welche Gemeinschaft besaß, sondern — es dünkte ihr das in dem Augenblick eine Beschämung, daß sie kaum den Blick zu erheben den Mnt fand — überhaupt in keinem Adelskalender auf Unterkunft Anspruch besaß.
Herr von Esebeck, der eine Weile verwundert drein- schaute, machte ein ziemlich langes Gesicht.
Aha, die Schlicks waren mit ihrer Tochter in die Rotüre gegangen.
Na ja! dachte er bei sich. An dem Nötigsten hat es ja wohl immer gehappert. Im Fett haben die Schlicks nicht geschwommen — daher!
Indeß, er war ein Kavalier. Er suchte zu verbergen, was er dachte. Er erkundigte sich sogar angelegentlich nach den Vorzügen des Stahlbräus. Er hatte es noch nicht getrunken. Allein, sagte er, ganz gewiß, sobald er wieder mal in Berlin war, dann mußte ers trinken. Er war charmant.
Er erkundigte sich nach dem Baron und Baronin von Schlick und nach den Herrn Brüdern, und dann erzählte er von seinen Reisen.
Plötzlich fragte er sie, wie lange sie sich noch in Genua aufzuhalten gedächten. Weil, fuhr er fort, wenn sie noch in den nächsten Tagen bleiben, er sich die Ehre ausbitten würde, sie auf seiner Nacht zu dem Stapellauf eines Kriegsschiffes fahren zu dürfen, dem er — morgen! — im Arsenale Raale beiwohnen wollte. Die Taufe des Schiffes vollzog ein Königlicher Prinz. (Fortsetzung folgt.)